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13.10.08 · 21:12 Uhr
Marcel Reich-Ranicki, Kochsendungen im Fernsehen und kulinarische Experimentalphysik
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 13

Zur Zeit wird hier bei Scienceblogs an vielen Stellen über die Qualität des Fernsehens im Allgemeinen und über Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises im Speziellen diskutiert.
Ich möchte hier gar nicht viel über Reich-Ranickis "Eklat" bei der Preisverleihung sagen. Aber in dem Interview das er der FAZ gegeben hat, ist mir ein interessanter Satz aufgefallen:
"So ging es den ganzen Abend, und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich.
Das hat Sie so aufgebracht? Die Köche?
Ja, natürlich, die auch."
"Immer wieder Köche, nichts als Köche". Dieser Satz ist mir auch schon oft durch den Kopf gegangen als ich vor dem Fernsehapparat gesessen bin.
Eigentlich habe ich nichts gegen Kochsendungen. Ich koche selbst auch oft und sehr gerne und hab mir früher gerne auch mal Kochsendungen angesehen. Aber irgendwie nimmt das mittlerweile etwas überhand. Fast jeder Sender hat mindestens eine Kochsendung im Programm, in den "Wissens"sendungen wie Galileo wird ständig gezeigt wie irgendwelche Leute Essen herstellen oder in XXL-Portionen verdrücken. Wenn man zu einer beliebigen Zeit den Fernsehapparat einschaltet ist die Chance groß, eine Kochsendung zu finden. Oder eine der verwandten Reality-Shows wie "Das perfekte Dinner". Es werden auch ständig "neue" Formate entwickelt ("Kocharena", "Mein Restaurant",...).
Ich weiß nicht - aber irgendwie ist mir das schon lange zuviel. Kochen ist ja schön und gut aber diese ständige Bombardierunge mit neuen Fernsehköchen, neuen Sendungen, neuen Pseudodokumentationen gehen mir langsam aber sicher auf die Nerven.
Ich verstehe auch nicht, warum kein Fernsehsender mal ne neue Idee hat. Seit Jahren werden immer wieder neue Kochshows auf den Markt geworfen - ist deren Quote wirklich so gut? Bin ich der einzige, dem diese Kochorgien auf die Nerven gehen?
Als Alternative kann ich Werner Gruber empfehlen. Der kocht zwar auch ab und zu im Fernsehen - ist aber kein Koch sondern Experimentalphysiker an der Universität Wien (und Mitglied der Sciencebusters). In seinen Bücher, Sendungen und Vorlesungen erklärt er äußerst amüsant die Physik die hinter dem Kochen steckt und entwickelt auch schon mal eine Formel um die optimale Brattemperatur einer Weihnachtsgans zu ermitteln.
Hier ist ein Beispiel:
P.S. Gerade hab ich den Fernseher eingeschalten und was läuft auf Pro 7? Galileo zeigt, wie man "Euter-Schnitzel" kocht...
Autor: Florian Freistetter· 13 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (13)
Also die "Anfänge" mit dem "Kochprofis"-Format habe ich super gefunden... die waren immer lustig.....
Bei Galileo hat aber so etwas imho gar nix verloren.
Es gibt so viel interessantes Wissen, das vermittelt werden könnte, aber Galileo berichtet über die Genaue herstellung irgendwelcher Kekse aus dem Nordkaukasus?
Geht gar nicht.
In letzter Zeit ist mir auch aufgefallen, dass die Kochsendungen ein bisschen mehr wurden, aber da ich selten fern sehe (nur, wenn gute Sci-Fi läuft), kriege ich davon wohl auch nicht das volle Ausmaß mit
Ich verstehe an der ganzen Sache nicht, wieso überhaupt noch jemand einen Fernseher hat. Ich war ja schon heute nachmittag im Twitter mit Jörg einig, dass das Programm wahrscheinlich von Invertebraten mit rudimentären Zentralnervensystem gemacht wird (Die haben auch keine Augen, die müssen's nicht selbst ertragen).
Außerdem: Wie Weltfremd muss Reich-Ranicki sein, dass er da hin kommt und sich dann übers Niveau ärgert? Jeder, der nicht völlig im Wachkoma liegt, weiß doch, was er bei so ner "Gala" zur besten Sendezeit zu erwarten hat.
Also ich kann ja einiges nachvollziehen, aber ehrlich gesagt sind Kochsendungen noch immer weit in der Minderzahl... Natürlich sind Galileo oder Wissenshunger nicht unbedingt das beste an der Kochfront, aber es gibt durchasu gute Kochformate: Die Kocharena beispielsweise, alternativ die leider vakante Show Kochen bei Kerner oder auch die auf arte laufende Serie von Sarah Wiener... Auch Lafer, Lichter, Lecker ist da noch im Rahmen...
Kochen ist nun mal mehr denn je Lifestyle und auch wichtig, denn ich gehe da vor allem mit Jamie Oliver konform: Kochen zu können ist schlicht und einfach wichtig... was sich auch bei Jamie´s neuer Show Jamies Food Government äußert - nachzulesen in seinem Blog...
Ich habe lieber mehr Kochsendungen im TV, als stupide Pseudowissenschafts- Shows, Volksmusiksendungen oder Reality Soaps... Immerhin ist Kochen immer für etwas gut, oder nicht ?
@Fischer: Also ich hab ja nie behauptet, nicht fernzusehen ;) Selbstverständlich gibt es gute und vernünftige Programme. Aber doch auch leider sehr viel Schwachsinn. Ich denke das weiß auch Reich-Ranicki - seine prinzipiell gerechtfertigte Kritik hätte er aber wohl besser auf eine andere Art und Weise präsentieren sollen.
@Chris: Klar, ich sag ja auch nicht, dass alle Kochsendungen schlecht sind. Da gibt es durchaus sehr gute und interessante. Wenn auch nicht Lafer, Lichter, Lecker - aber das wo Sarah Wiener durch Frankreich fuhr fand ich z.B. gut. Was mich stört ist der Overkill - das Thema wird irgendwie zu Tode gesendet. Nachdem Jamie Oliver mit seiner Neuinterpretation der klassischen Kochsendung ursprünglich so erfolgreich war sind alle auf den Zug aufgesprungen und die Promi/Fernsehköche sind nur so aus dem Boden geschossen. Und das Ganze hört nicht auf! Immer und immer wieder wird die Kochthematik aufs neue durchs Dorf getrieben - ich würde mir halt einfach generell mehr Vielfalt im Fernsehen wünschen. Aber ich das Gefühl das alle nur daran arbeiten, dass schon bekannte einfach nur wieder anderes zu präsentieren und ja nichts neues auszuprobieren. Und die Kochsendungen sind dafür einfach das beste Beispiel.
P.S. Was ich mich immer schon gefragt habe: Warum gibt es prominente Köche - aber keine - was weiß ich - Klempner? Klar, jeder isst und viele kochen - aber intakte Rohrleitungen braucht auch jeder ;) Wo sind die Promi-Klempner? Promi-Frisöre gibt es dafür wieder - aber keine Promi-Tischler... Mal schauen, vielleicht finde ich da noch eine Systematik... ;)
Das Problem aus meiner Sicht ist, dass praktisch alle Kochssendungen, die in letzter Zeit entstanden sind, überhaupt nicht lehrreich sind. Es handelt sich um reine Unterhaltungsshows.
@Chris: Es wäre schön, wenn es Volksmusiksendungen im deutschen Fernsehen gäbe. Mir ist nicht eine einzige bekannt. Das, was einem als Volksmusik verkauft wird, ist nichts weiter als Schlagermusik.
Ja, irgendwie darf alles nur noch Unterhaltung sein, wobei ich die ganzen Sendungen nicht unterhaltend finde. Es gibt ja nur eine handvoll Konzepte: Kochen, Auswandern, Einrichten, Schulden oder mangelnder Geschäftssinn. Um etwas halbwegs anderes zu kreieren wird kein innovatives Konzept gesucht, sondern die vorhandenen vermengt, z.B. schlecht laufende Restaurants (Kochen+mangelnder Geschäftssinn). Dieses "Mein Restaurant" sieht nach Kochen + Einrichten aus, aber ich befasse mich nicht näher damit und könnte somit falsch liegen.
Irgendwann besteht alles nur noch aus einer breiigen Masse aus auswandernden Köchen, die sich aus mangelndem Geschäftssinn verschulden und im Fernsehen beraten (sprich: zur Schau gestellt) werden.
Was Galileo betrifft: die ganzen "Nahrungsmittel"-Produktions Geschichten können doch nur als Werbung verstanden werden. Die könnten doch sicher auch gut als Firmenvideos genutzt werden.
Ich glaube MRR muss auch nicht gleich weltfremd sein, wenn er dort hin geht und sich über das Niveau ärgert. Zum einen weiß ich nicht, wie viel er fernsieht, inwiefern er also über die Situation auf dem laufenden ist. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass das keine spontane Entscheidung war. Wo bietet sich ein besseres Forum, diese Kritik zu äußern, als dort, wo der ganze Mist hochgejubelt wird?
What's all that fuzz about?
Ich lese seit ca. einer Woche Beitrage auf scienceblogs und mir fiel die kritik an der Fehrnsehlandschaft sofort auf. Kochschows, Popscience... ect.
Weniger aufregen, mehr wegschalten!
Wenn ihr die Sendungen nicht schauen wollt, dann drückt sie weg.
Es gibt genug sehenswürdige shows, auch in deutschland... gleich den TV rauszuschmeißen halte ich für (ich will keines Wegs jem. beleidigen) hinterwäldlerisch.
Ich vernichte doch auch nicht meine Büchersammlung nur, weil es momentan viele grottenschlechte Bücher gibt.
@Martin Breuer: "Weniger aufregen, mehr wegschalten!
Wenn ihr die Sendungen nicht schauen wollt, dann drückt sie weg."
Ja, das Argument kriegt man oft zu hören wenn man das Fernsehen kritisiert. Aber so ganz richtig ist es auch nicht. Wenn ich etwas nicht gut finde, dann kann ich das natürlich ignorieren. Aber wenn ich wirklich will das sich vielleicht auch was ändert, dann muss ich meine Kritik zumindest auch äußern. Klar, mein Blog wird die Fernsehlandschaft nicht verändern. Aber wenn niemand nie etwas sagt, dann wird sich definitiv nichts ändern...
"gleich den TV rauszuschmeißen halte ich für (ich will keines Wegs jem. beleidigen) hinterwäldlerisch."
Das hätte ich auch nie vor und habs auch nicht vorgeschlagen...
@florian:
Sicher, ignorieren ist, wenn man etwas bewegen will der falsche Weg. Aber ich sehe wegschalten ehr als boykottieren, weniger als ignorieren. Gerade bei einem Medium, dass auf Einschaltquoten fixiert ist (da die Werbekosten davon abhängig sind), sollte das super funktionieren.
Ich hab auch nicht behauptet, dass du aufforderst, den TV rauszuschmeißen. Es fiel mir nur oft auf, dass derartige Kommentare hier oft zu lesen sind. Dich persönlich wollte ich damit also nicht ansprechen ;)
Hmm - also ich glaube wenn man nicht zufällig eins von den Quoten-Messgeräten zuhause rumstehen hat, dann ist es relativ egal was und ob ich schaue ;) Da funktioniert öffentliche Kritik vielleicht sogar besser...
@Martin
Wegklicken ist einfach, nur darfst du nicht vergessen, dass ich Gebühren für den Schwachsinn bezahle und das nicht zu knapp. Abmelden geht nicht, da ich auch Radio höre und primär das Internet benutze. Ich zahle also für den Schwachsinn im Fernsehen und da habe ich dann auch das Recht mich zu beschweren.
Ich könnte aber nix änders, ich sehe so selten fern, dass weiteres Wegbleiben zum Nullkonsum führen würde, aber manchmal gibts noch highlights. Das Leben des Brian oder Fünftes Element könnte ich mir 100 mal ansehen :))
A propos Euterschnitzel:
Meine Mutter hat in den schlechten Zeiten nach dem Krieg und vor der Währungsreform (1948) mal beim Metzger ein Euter bekommen. Sie hat es in Scheiben geschnitten und in der Pfanne gebraten. Sie meinte, es hätte sehr gut geschmeckt, so ähnlich wie Schnitzel. Heute wandert sowas wahrscheinlich gleich ins Tierfutter.
@ Fischer
"Ich war ja schon heute nachmittag im Twitter mit Jörg einig, dass das Programm wahrscheinlich von Invertebraten mit rudimentären Zentralnervensystem gemacht wird (Die haben auch keine Augen, die müssen's nicht selbst ertragen)."
Naja, lt Southpark (http://en.wikipedia.org/wiki/Cartoon_Wars_Part_II) sinds Seekühe
@ florian
Koch ist eben ein Beruf, der es auf irgendeine Weise geschafft hat als intellektuell abgestempelt zu sein. Den Segen wird dem Friseursberuf und der Kanalräumerzunft oder dem horizontalen Gewerbe nur schwer zuteil werden.