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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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20.11.11 · 19:51 Uhr
Guttenbergs Doktorarbeit die Zweite?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Internationale Politik·Kommentar·Politik · Kommentare: 33
Zur sonntäglichen Gedankeanregung möchte ich zwei Meldungen zum in Ungnade gefallenen Karl-Theodor zu Guttenberg kommentieren. Dies soll kein politischer Kommentar werde, sondern ein akademischer in Bezug auf sein Plagiat.
Die erste Meldung ist eigentlich schon alt. Die meisten wissen vermutlich und haben es vielleicht sogar schon wieder vergessen, dass Guttenberg bei einem amerikanischen Think Tank untergekommen ist. Ich hoffe die Sprachschützer verzeihen mir den Anglizismus, aber Denkfabrik klingt irgendwie nach Schwielen an den Händen, und ich glaube in diesem Kontext ist das sicherlich nicht das passendste Bild.
Guttenberg ist jetzt dem in Washington DC domizilierten Center for Strategic and International Studies angeschlossen. Diese Arbeit ist ehrenamtlich. In den USA ist es durchaus üblich, dass Politiker und hohe Beamte in solchen Institutionen "geparkt" werden. Das ist Teil des ausgeprägten Derehtür-Effekts zwischen Politik und der Privatwirtschaft. Fairerweise muss man wohl erwähnen, dass er dort kaum echte Forschungsarbeit leisten soll, sondern um zu Netzwerken und die Praktierseite zu repräsentieren angeheuert wurde. Trotzdem heisst es in der Pressemitteilung, dass sich das CSIS darauf freut damit seine "Forschung und Analyse von Europas weitläufiger Transformation in wirtschaftlichen, politischen und Verteidigungsfragen und deren Auswirkung auf die transatlantischen Beziehungen" verbessern zu können ("we look forward to enhancing the Center's research and analysis of Europe's sweeping economic, political and defense transformation and its impact on the future of the transatlantic relationship"). Guttenberg kann man daraus natürlich keinen Vorwurf machen, aber es spricht nicht für den wissenschaftlichen Anspruch der Institution, einen überführten Plagiator dafür anzustellen. Offensichtlich war der Name wichtiger als der Inhalt und Qualität der Analyse. Dies ist ein häufig Problem dieser vor allem auf die Praxis fokussierten und mit der Politik eng verbandelten Think Tanks in den USA. Die Frage wäre vermutlich einen eigenen Eintrag wert und ich verschiebe eine weitere Diskussion auf ein andermal.
Die zweite Guttenberg Meldung ist etwas neuer. Es wird gemäss Hamburger Abendblatt und der Süddeutschen gemunkelt, dass er erneut nun wirklich an einer Dissertation schreiben würde. Sollte dies stimmen, löst der Gedanke bei mir nicht unbedingt Begeisterung aus. Politisch kann ich einen solchen Zug natürlich gut nachvollziehen. Ich nehme an, dass er im Wissen, dass ihm genau auf die Finger geschaut wird, dort vielleicht durchaus auch Eigenleistung erbringen würde (aber vielleicht bin ich wieder viel zu naiv). Eine selber erarbeitete Doktorarbeit als eine Art Sühneprojekt hat aber auch einen Aspekt mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Das damit ausgesendete Signal ist, wird man beim Plagiieren erwischt, muss man halt einfach zurück an den Start. Als Strafe fürs Erwischtwerden sozusagen. Der Forschungssündenfall wird zur Lappalie mit Preisschild. Viel wichtiger wäre eine Einsicht und klare Stellungnahme die zeigt, dass es sich um eine ernste ethische Überschreitung handelt, die nicht mit Zeitmangel oder Druck gerechtfertigt werden kann und dass er dies verstanden hat und bereut. Eine neue Doktorarbeit statt einer Schuldeinsicht lässt vermuten, dass diese Erkenntnis wohl nach wie vor nicht eingetreten ist. Das ist das eigentliche Problem.
Dies ist eine Einschätzung, die sich alleine auf die Plagiatsfrage bezieht. Poltisch, mit oder ohne Doktor, ist es eine ganz andere Frage ob er nach einer Bussezeit zurückkommen sollen darf. Als Schweizer übe ich mich im Moment in Neutralität. Auf jeden Fall würde ich nicht soweit gehen wie die Autoren dieser Perle, über die ich gestolpert bin, als ich die Artikel für diesen Post gesucht habe und die zu schön ist, um sie euch vorzuenthalten. Sollte es sich nicht um Satire handeln, und ich befürchte das tut es nicht, gibt es ein paar christliche Fundamentalisten, die in Guttenbergs Berufung zum CSIS eine Erfüllung der biblischen Prophezeiung für das Ende aller Tage sehen und in Guttenberg den "König vom Norden" sehen (Daniel 11:9). Aber ganz so sicher sind sie sich auch nicht. Denn
anderseits ist es möglich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg schlicht ein normaler Politiker ist, mit seinen Höhen und Tiefen, wie es viele andere gibt. Wir werden sehen.
[o]n the other hand, it is possible that Karl-Theodor zu Guttenberg could simply be a normal politician, with ups and downs like many others. We will see.
Dem habe ich nichts mehr anzufügen.
Autor: ali· 33 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (33)
Also ich verbitte mir meinen Status als DER letzte Kämpfer überhaupt von einem gegeeeelten "Möchtegernsoldaten" abzuerkennen !
Immerhin kann ich mit den bloßen Fäusten meine Gegner meilenweit hinwegfegen ...
Insbesondere die Tatsache das ich von "Kami" meine Macht erhalten habe läßt den verlinkten Text nur sehr unwahrscheinlich wirken.
QED ...
Made my day!
@Ali
Was meinst du damit, man munkele, "das er ERNEUT an einer Dissertation schreiben würde"? :>
Aber mal ernsthaft, welcher Doktorvater packt den denn noch an?
Die Gerüchte mit der neuen Dissertation gehen offensichtlich allesamt auf eine dürre Meldung der "Mitteldeutschen Zeitung" zurück, die mit einem nicht näher genannten CSUler gesprochen hat, der meinte, Guttenberg hätte ja jetzt Zeit und eigentlich wäre das ja gar keine so dumme Idee. Ist als Quelle ziemlich schwach - was die anderen Medien natürlich nicht davon abgehalten hat, die Spekulation weiterzuverbreiten.
Ich weiß nicht. Man kann es auch anders interpretieren: Er will vielleicht allen und auch sich selbst beweisen, dass er es kann, das finde ich nachvollziehbar. Und ihn sozusagen für alle zeiten von einer Promotion auszuschließen, scheint mir als Strafe zu harsch. Ich stimme dir aber zu, dass vorher ein klares Schuldeingeständnis stehen sollte.
@FistOfTheNorthStar
Tja. Konkurrenz belebt das Geschäft (wie nennt man eigentlich die Branche in der du tätig bist?).
@Nele
Stimmt! Habe ich korrigiert. Das hätte ich eigentlich von Anfang an so schreiben müssen. Ich vergesse immer das strikethrough-tag.
@Alex
Danke. Ich habe die Meldung auch (die Originalquelle hatte ich nicht) mit Vorsicht aufgenommen. Wie meine neuen Freunde von der Church of God News sagen: Wir werden sehen.
@MartinB
Ich bin auch nicht für einen ewigen Bann. Ich glaube aber, dass ein erster notwendiger Schritt eben diese Einsicht ist, dass das schlimmste an der Affäre nicht das Sich-Erwischenlassen war, dass er es besser hätte wissen müssen und dass es kein Kavaliersdelikt ist. Das scheint mir bis jetzt nicht gegeben (aber vielleicht habe ich dieses Statement irgendwie verpasst). Wir scheinen uns aber einig zu sein.
Hier etwas nur wenig passend - ist das schon Schutzgelderpressung?
Date: Thu, 10 Nov 2011 21:41:16 +0100
From: kamenz@profnet.de
To: rektor@xx-yy.de
Subject: Aufruf zur Teilnahme an der Aktion "Plagiatfreies Deutschland"
Rektor der xx cc. Professoren, Öffentlichkeit
Sehr geehrter Herr Prof. xx,
durch die Plagiatsfälle der promovierten Politiker sind die Plagiate in wissenschaftlichen Prüfungsarbeiten ein öffentliches Thema geworden. Da 90 % aller Studierenden sich vorstellen können, copy-and-paste in einer Prüfungsarbeit zu betreiben, und in 11 % aller Arbeiten von Professoren auch Plagiate gefunden werden, handelt es sich nicht mehr um ein wissenschaftliches Randproblem, sondern um eine breite "Seuche". Und diese kann nur durch eine flächendeckende Bekämpfung beseitigt werden. Deshalb werden wir mit der Aktion "Plagiatfreies Deutschland" im Jahr 2012 alle Prüfungsarbeiten in Deutschland auf Plagiate untersuchen, so dass unser Land danach plagiatfrei sein wird.
Wir bitten Sie und fordern Sie auch öffentlich auf, sich für Ihre Hochschule an den Kosten dieser Aktion zu beteiligen. Schritt für Schritt werden wir die bisher geringe Analysequote von 17 % an Ihrer Hochschule bis zum Jahresende 2012 auf 100 % erhöhen. Sollten Sie sich nicht an dieser Aktion beteiligen wollen oder können, werden wir für Ihre Hochschule Paten und Bürgerspenden einwerben, um auf jeden Fall die Abschaffung von Plagiaten auch für Ihre Hochschule sicherzustellen.
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Kamenz
Beteiligung: www.profnet.de/dokumente/2011/Plagiatfrei-HS-Beteiligung.doc
--
Prof. Dr. Uwe Kamenz
ProfNet Institut für Internet-Marketing
Klosterstr. 4-5
48143 Münster
0251-4842245
0251-4842246 (Fax)
www.profnet.de
www.poldiss.de
Solange er eine neue Doktorarbeit schreibt, ist er wenigstens beschäftigt und stellt jedenfalls sonst nichts an.
Man munkelt ja auch, dass Guttenberg so 'exhumiert' wird um für eine Partei rechts von der CDU zu arbeiten.
@ali:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fist_of_the_North_Star
Ähem Künstlerdigensbumsens ...
Und gaaaaaaanz ehrlich das "oben" finde ich mehr human als das was "guttifrutti" zu bieten hätte ...
Also "Willstu mein Freund nicht sein schlag ich Dir den Schädel ein .."
Feudalismus kurz erklärt ...
QED ...
Schwacher Beitrag. Soll Guttenberg heulend auf die Knie fallen und darf nie wieder eine Arbeit verfassen? Ich finde solche Sachen sollten auch einmal ein Ende finden. Und wenn er eine neue Dr. Arbeit verfasst dann sollte man ihm dies auch zugestehen.
Dieses ewige genörgle an allen rechten Politikern die einmal einen Fehler gemacht haben ist in Deutschland schon ein eigenes Phänomen. Hätte Gysi oder eine Roth das getan wäre in einem Jahr alles vorbei und keiner wäre ausgewandert! Zudem habe ich mir die Mühe gemacht und alle Vorwürfe auch selbst unter die Lupe genommen.
Das Wissen auf anderem Wissen aufbaut sollte schon jeder verstehen, auch ich zitiere oftmals ohne es zu wissen aus jenem Material das ich zur Grundlage für diverse Thematiken genommen habe und daher gut kenne. Ich bin sicher, jeder Schreiber hat schon einmal etwas widergegeben, als seinen eigenen Text erachtet und könnte später darauf kommen das er am besten eine Quelle angegeben hätte weil im Prinzip mehr "abgeschrieben" als selbst eingebracht wurde.
Gerade bei einer Doktorarbeit basiert das meiste Wissen auf Wissen das man von anderen übernommen, kombiniert und ev. auch verstanden hat, auf Schlüssen die Wurzeln.
@FistOfTheNorthStar
Sorry, ich dachte du hättest dir den Nick extra für diese Gelegenheit zugelegt. Darum meine Sprüche. Ich habe mich schon gefreut, dass der König vom Norden bei mir kommentiert.
@Johndoe
Schwacher Kommentar.
(Sogar als Parodie widerstrebt es mir irgendwie eine Antwort so einzuleiten. Wir haben tatsächlich andere Ansichten zum Umgang mit anderen.)
Ein paar Kommentare weiter oben schreibe ich, dass ich kein Problem damit habe, sollte er nochmals versuchen wollen, nochmals eine Diss zu schreiben. Also bitte lesen statt unterstellen!
Auch da: Ich habe explizit geschrieben, dass dieser Eintrag nichts mit seiner politischen Rolle zu tun hat und der Frage ob er zurückommen sollen darf oder nicht (ganz abgesehen davon ist für mich als Schweizer, das Thema wesentlich weniger persönlich). Ich kann natürlich nicht für andere Kritiker sprechen, die vielleicht gerne auf den Zug aufgesprungen sind, um sich in politischer Schadenfreude zu suhlen. Jeder der jedoch akademisch arbeitet hätte vermutlich genau so ein Problem wenn ein linker Politiker sich per Plagiat einen Doktortitel erschwindelt hätte. Bei mir zumindest ist das der Fall aber du kannst natürlich einfach das Gegenteil behaupten, es ist aber halt nur eine Unterstellung und mehr nicht (es ist kaum ein sachlicher Beitrag).
Mit diesen Sätzen zeigst du, dass du (vermutlich wie Guttenberg) nicht verstanden hast, was das Problem ist. Genau diese Unverständnis ist das eigentliche Problem und jeder der eine Doktorarbeit verfasst oder sich dransetzt, muss das schon lange verstanden haben, da es zum Einmal-eins des akademischen Arbeitens gehört.
Klar baut Wissen auf bestehendem Wissen auf. Klar nutzt man die Resultate und Gedanken anderer Autoren. Niemand würde dies Guttenberg vorwerfen. Dies muss aber klar kenntlich gemacht werden und es gibt strikte Regeln wie dies getan werden muss und diese gehören eben zu den Grundlagen akademischen Arbeitens.
Andernorts wurde die Situation mit einem Buchhalter der Geld unterschlägt verglichen. Lese deinen Guttenberg-Verteidigungs-Strohmann nochmals unter dem Vorzeichen eines des Betrugs überführten Buchhalters. Soll er "heulend auf die Knie fallen und nie mehr in einer Buchhaltung arbeiten dürfen"? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es würde ihn aber bestimmt niemand einstellen, wenn er daran festhält, er hätte nur unter Zeitnot und externen Druck ein paar kleine Fehler begangen.
Da du behauptest, die "Vorwürfe auch selbst unter die Lupe genommen" zu haben, ist dir sicher auch bewusst, dass er teilweise Seitenweise Text übernommen hat, sogar in der Einleitung kopierte und grosse Teile der Arbeit plagiiert wurden. Die als "einmal einen Fehler" machen zu kategorisieren lässt den Verdacht aufkommen, dass du die Blindheit die du hier kollektiv anderen unterstellst, vielleicht bei dir zu finden ist. Mit dem Unterschied, dass es sich nicht um einen fiktiven Fall handelt.
Die oben genannten Zahlen für Plagiate sollte man differenzierter Betrachten - so sind sie nicht in jedem Umfeld möglich. Als Naturwissenschaftler ist ein Copy&Paste oft so garnicht möglich, da sich der Inhalt der Arbeit auf Laborergebnisse bezieht und ohne diese nicht vorhanden ist. Paralell zu mir hat meine Mitbewohnerin (die ich für grundehrlich halte und hier sicher nichts unterstelle) an Ihrer Promotion (Jura) gearbeitet und dabei Buch um Buch bearbeitet - und deren Professor wußte ebenfalls nicht wie man einen Computer einschaltet. Da kam mir die damalige Situation doch irgendwie bekannt vor.
und wieder was gelernt..
Meine persönlichemn Hirnwindungen haben vermutet, daß eine Wiederholung einer Dissertation (jedenfalls im selben Fach) nicht möglich ist.
Dem ist leider wohl doch so. Im Gegensatz zu manch andrem hier, bin ich in solchen Fällen gegen diese zweite Chance.
Wenn ich das richtig mitbekommen habe, konnte er den Doktortitel trotz eigentlich zu schlechter Noten unter kräftiger Mithilfe der CSU-Amigos nur mit einer Ausnahmegenehmigung erwerben. Ob er die an einer deutschen Hochschule nochmal bekommt? Ich hoffe nicht. Das wäre ein Schlag ins Gesicht für alle anderen, denen diese Möglichkeit verwehrt bleibt. Er hatte seine (bereits unverdiente) erste Chance schon und hat gezeigt, dass er auf Anstand und Ehrlichkeit scheißt um Standesdünkel, Karrieregeilheit und Geltungssucht zu befriedigen.
Toller Artikel, gern gelesen.
Bin ja gespannt, wie lange er jetzt für seine "echte" Doktorarbeit braucht. Als Vollzeit-Berufstätiger setzte ich mindestens 2-3 Jahre an.
In Berlin wird bereits eine deutlich fragwürdigere Richtung eingeschlagen.
Mit Verlaub: Klick
Achdumeinefresse, @Knackbock: das ist ist tatsächlich ein Fall, der etwas Aufmerksamkeit verdient (*). Vor allem der in deinem Blog verlinkte FR-Artikel vom 12.11. hat es in sich:
Ich seh' es als Wissenschaftler ja durchaus kritisch, wenn sich der (ehemalige) Arbeitgeber an das Journal wendet und um Zurückziehen der Arbeit bittet. Aber zu verbieten, daß es eine Untersuchung gibt und diese Veröffentlicht wird ist absurdes Juristentheater. Selbst wenn da ein corrigendam pibliziert wurde und keine böse absicht vorliegt, kann man dies dann ja wohl auch feststellen.
Insgesamt sieht das für alle Parteien nicht gerade gut aus...
Ich ergänze: und dient immer noch nicht der Wissenschaft.Aber um nochmal auf Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Friedrich Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg zu kommen: schlimmer ist der Charité-Fall nicht. Nur anders schlimm. Guttenberg ist ein überführter Betrüger, der öffentlich in Sachen Doktorarbeit gelogen hat. (**) Unstrittig dürfte sein: die gefakte Diss diente der Reputation, nicht der Wissenschaft. Wenn er jetzt eine weitere Diss unter seinem Namen veröffentlicht wird, dann wird Ali mit seiner Analyse ins Schwarze getroffen haben:
Der einzige für mich erkennbare Erkenntnisgewinn wäre: wer sich in den richtigen Kreisen bewegt und sich gut verkauft, der kann sich alles erlauben. Und das scheint nicht neu, sondern bereits mit hohem N und den wichtigsten nichtparametrischen Tests abgesichert.
(*) Vielleicht nicht drei Postings (nahezu) identischen Inhalts, aber dennoch: Aufmerksamkeit.
(**)Die wenigesten Leute dürften glauben, daß er die Arbeit wirklich selbst geschrieben hat. Der/die ghostwriter ist/ sind nicht geleakt, wie bedauerlich...
Ich bitte den Spam zu entschuldigen.
Ich hatte beim posten immer nur eine Fehlermeldung gekriegt und den Text nicht gespeichert, daher drei mehr oder weniger identische Einträge. Vielleicht könnte der Hausherr die überflüssigen Einträge entfernen?
Wie mein Vorredner so treffend geschrieben hat:"Der einzige für mich erkennbare Erkenntnisgewinn wäre: wer sich in den richtigen Kreisen bewegt und sich gut verkauft, der kann sich alles erlauben"
Das hat sich gerade wunderbar bestätigt - den die Ermittlungen wegen Verstioß gegen das Urrheberrechtsgesetzt gegen Guttenberg sind eingestellt worden. Er muß 20.000 Euro an die Krebshilfe zahlen und gut.
Mal zum Vergleich: Andreas Kasper - ein etwas kleinerer Fisch der CDU ist ebenfalls der Doktor aberkannt worden - allerdings ist der nun vorbestraft.
Gut das sich die Rechtssprechung da einig ist....
Das ist ja keine große Überraschung.
Wenn allerdings das Beispiel der Charité Schule macht, werden selbst Konsequenzen wie jene für Guttenberg der Vergangenheit angehören...
@Ali Also die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden eingestellt. So langsam aber sicher werden die Weichen auf comeback gestellt.
aus http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799475,00.html
"Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Urheberrechtsverletzung wird eingestellt - gegen eine Zahlung von 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe. Die Strafverfolger sehen zwar etliche strafrechtlich relevante Urheberrechtsverstöße. Der wirtschaftliche Schaden für die Autoren sei aber marginal. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht sind sich einig: Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer weiteren Strafverfolgung"
@roel:
Das ist in so einem Fall sicher die übliche Praxis und man sollte vielleicht auch nicht vergessen, dass das akzeptieren des Strafbefehls einen Schuldeingeständnis gleichkommt. Und 20.000 EUR sind ja auch kein Pappenstiel. Man kann sich möglicherweise streiten, ob ein öffentliches Interesse besteht, aber das würde sich imho in erster Linie auf die Bekanntheit des Täters stützen und da sollte der "Promi" meiner Meinung nach nicht schlechter gestellt sein als der "Normalo".
Ein Comeback halte ich persönlich (erfreulicherweise) für unwahrscheinlich. Zumindest wäre er schön blöd. Das Fehlverhalten würde ihm (zurecht) bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vorgehalten werden. Mehr als bis zum Abgeordneten schafft man es damit meiner Meinung nach nicht und das ist bestimmt nicht ausreichend für das Ego des "Gelprinzen".
@Evil Dude
Ich fürchte, auf Dauer hindert ihn die Plagiatsaffaire an gar nichts: Wir hatten auch schon einen des Meineids überführten Bundesinnenminister: Friedrich Zimmermann, ebenfalls CSU. (Hatte sich mit "vorübergehender Unterzuckerung" rausgeredet).Na ja, das mit Zimmermann war noch vor Franz-Josefs Zeiten und auch wenn die Uhren hier heute noch anders gehen war damals noch vieles möglich, was heute nicht mehr durchgehen würde. Von daher muss man optimistisch sein. Ich hätte auch nie gedacht, dass es in der "alten Heimat" zu meinen Lebzeiten mal einen grünen Ministerpräsidenten geben könnte. Die Zeiten, dass man in Bayern eine Vogelscheuche mit CSU-Bapperl aufstellen kann und sie trotzdem gewählt wird, sind auch hier vorbei.
Nach der Berichterstattung von heute gibt es wenig Anlaß dazu. Siehe oben.
Auch absurd: nur eine der persönlich Betroffenen hat Anzeige gestellt. Und der Freiherr kauft sich nach Guttsherrenart einfach aus. Und Evil Dude meint, man muss optimistisch sein?
Ich gebe euch mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort, dass ich es weder Merkel mit ihrem "keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter angestellt" noch diesem Lügner und Betrüger nachsehen werde. Soll ich nochmal die Links raussuchen? Könnt ihr euch noch dran erinnern?
Der hat mehrfach in die Kameras gelogen, nebenbei noch flugs die Bundespressekonferenz brüskiert - und der soll zurück in die Politik? Mal sehen, ob der von Strauß die Ignoranz undvon Kohl das Sitzfleisch geerbt hat.
BTW: hat mal jemand News zum Althusmann?
Schau an, man könnte meinen, der Baron liest hier mit. Im Interview in der aktuellen Zeit erklärt KTzG (Hervorhebung von mir):
> Wir hatten auch schon einen des Meineids überführten Bundesinnenminister:
Wir hatten auch Otto Graf von Lambsdorff:
Aus wiki:
> ...erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 180.000 D-Mark. Vom Vorwurf der Bestechung bzw. Bestechlichkeit sprach das Gericht die Angeklagten mangels Beweisen frei.[7]
Vom Bundeswirtschaftsministerium wurden ihm jedoch 515.000 DM Prozesskostenhilfe zur Deckung seiner Anwaltskosten zugesprochen.[8]
@Odysseus
Vielleicht sollte ich eine Klage wegen übler Nachrede erwägen?
Was das Mitlesen betrifft: Die e-mail Adresse Karl.Theodor.Maria.Nikolaus.Johann.Jacob.Philipp.Franz.Joseph.Sylvester.Freiherr-von-und-zu-Guttenberg@hotmail.com ist mir bisher nicht aufgefallen. Aber man kann sie natürlich leicht übersehen.
@Evil Dude im Spiegel gibt es eine kurzserie über Comebacks.
1. Teil: Da bin ich wieder!
2. Teil: Wolfgang Schäuble - Rücktritt wegen Parteispenden
3. Teil: Franz Josef Jung - Rücktritt wegen schwarzer Kassen
4. Teil: Franz Josef Strauß - Rücktritt wegen der SPIEGEL-Affäre
5. Teil: Otto Wiesheu - Rücktritt nach Alkoholfahrt
6. Teil: Jürgen W. Möllemann - Rücktritt nach Chip-Affäre
7. Teil: Cem Özdemir und Gregor Gysi - Rücktritt wegen Bonusmeilen
Ich halte Guttenbergs Comeback-Versuch für sehr wahrscheinlich. Die 20.000 Euro kann man als Schuldeingeständnis werten, ich sehe es vorrangig als Vermeidung einer Vorstrafe an.
Gestern war in der FAZ ein langes Interview mit K.T.v.u.z.G. (ein Auszug aus einem ganzen Buch, das Gespräche mit ihm dokumentiert). Überschrift des FAZ-Beitrags: "Es war kein Betrug". Mit dem Interview will K.T.v.u.z.G., sagt er, die Fragen zu seiner Dissertation "jetzt in aller Offenheit" beantworten. Ergebnis, wie gehabt: Er bleibt dabei, dass ihm bei einer chaotischen Arbeitsweise irgendwie diese "ungeheuerlichen Fehler" unterlaufen seien. Das Interview endet mit der Frage nach einem Comeback, eventuell auch schon vor 2013: Er sagt, dass er sich alles offenhält. Zu deutsch: Wenn möglich, komme ich wieder.
.... nicht FAZ, sondern ZEIT, sorry.
Würde mich wundern, wenn der Freiherr vuz noch eine Doktorarbeit schreiben wollte. Was sollte ihm das bringen? 3 Jahre Vollzeit Arbeit? Oder er schafft es diesmal nebenbei. Dann wird man nach dem Ghostwriter suchen.
Und Dr-Väter findet er sicherlich jede Menge. In den USA dürfte die Plagiatsaffäre kaum Wellen geschlagen haben. Apropos - käme nicht Joschka Fischer in Frage? Der hat doch dort eine Professur, oder?
Den Link kann ich mir doch nicht verkneifen: Das politische Zootier (= zoon politikon)
mit dem ungeheuerlichen Verdacht, daß nicht einmal die Brille echt war.