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22.10.10 · 21:49 Uhr
Sanchez und Willams: Meinungsfreiheit, Bigotterie und Heuchelei
Kategorie: Kultur·Medien · Kommentare: 30
In den USA haben in kurzer Aufeinanderfolge zwei Journalisten wegen Bemerkungen ihre Posten verloren, die sie in Interviews mit anderen Medieninstitutionen gemacht haben. Der eine ist CNNs Rick Sanchez und der neuste Fall ist Juan Willams von NPR. Diese Fälle werfen ein paar interessante Fragen auf.
Sanchez verlor seinen Job weil er in einem Radiointerview folgendes über den Comedy Mann Jon Stewart sagte:
Yeah, very powerless people. [laughs] He's such a minority. I mean, you know, please. What--are you kidding? I'm telling you that everybody who runs CNN is a lot like Stewart, and a lot of people who run all the other networks are a lot like Stewart. And to imply that somehow they, the people in this country who are Jewish, are an oppressed minority?
Ja, sicher, ganz machtlose Leute. [lacht] Er ist eine solche Minderheit. Ich meine nur...wissen Sie...aber bitte. Soll das ein Scherz sein? Ich sage Ihnen, dass alle die für CNN arbeiten sind weitgehend wie Jon Stewart. Und zu implizieren, dass die, die Leute in diesem Land die jüdisch sind, seien eine unterdrückte Minderheit? [Meine Übersetzung]
Daraufhin wurde er von CNN freigestellt.
Der neuste Fall ist der Fall von Juan Willams der als 'Politischer Analyst' von National Public Radio (NPR) arbeitete (ich kannte ihn vorher nicht, schätze aber in der Regel die Qualität einiger NPR Sendungen und nehme darum an, dass er dort gute Arbeit leistete). Er sagte auf FOX zu O'Reilly zum Thema Musliminnen und Muslime in den USA:
I mean, look, Bill, I'm not a bigot. You know the kind of books I've written about the civil rights movement in this country. But when I get on the plane, I got to tell you, if I see people who are in Muslim garb and I think, you know, they are identifying themselves first and foremost as Muslims, I get worried. I get nervous.
Schauen Sie Bill, ich mein ich bin keine bigotte Person. Aber wenn ich in ein Flugzeug steige, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die muslimische Kleidung tragen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Muslime, das beunruhigt mich. Ich werde nervös. [Meine Übersetzung]
Auch er wurde gefeuert.
Vor allem in diesem neusten Fall kamen gleich die selbsternannten Retter der durch Politische Korrektheit ach so unterdrückten anonymen Masse aufs Parkett um aus Willams ihren neusten Märtyrer zu machen. Sanchez hatte damals vermutlich etwas weniger Glück, da er ein im Moment weniger dem Volksgefühl nachplapperte sondern mit seiner jüdischen Verschwörungstheorie bestenfalls Gruppen am (amerikanischen ganz) rechten Rand begeisterte, die auch nicht dem Standard der politischen Korrektheit der Konservativen entspricht. Die andere Seite grub gleich die Hacken tief ein und weist systematisch auf das unsägliche Zitat hin, welches Williams in einem zugegebenermassen nicht gerade neutralen Umfeld von sich gegeben hat. Viel Raum für eine nüchternere Betrachtungsweise blieb leider nicht (von den Blogs, die ich regelmässig lese, war Walt eine davon).
Um Meinungsfreiheit geht es meines Erachtens nur bedingt. Grundsätzlich und im Abstrakten gedacht, sollten zwar beide Aussagen nicht ein ausreichender Grund sein jemanden vor die Tür zu stellen. Hier geht es aber auch um die Frage inwiefern die Meinung der Beschuldigten in der Öffentlichkeit mit ihren Funktionen in Verbindung gebracht werden. Ist die Verbindung mehr oder weniger direkt, wird es zu einem redaktionellen Entscheid. In beiden Fällen stellt sich die Frage, inwiefern repräsentieren die beiden den Sender und in welcher Funktion geben sie ein Interview. Bei Personen die durch ihre Tätigkeit erst als Interviewee interessant werden, muss man diesen Zusammenhang wohl akzeptieren. Dann ist es in gewissem Sinne tatsächlich ein redaktioneller Entscheid ob diese Person noch tragbar ist für das Unternehmen oder nicht. Zumindest für Williams scheint es auch so als ob er den internen Ethik-Code verletzt hat.
Trotzdem wäre wohl mindestens eine Verwarnung angebracht. Wie Walt richtig bemerkt, alle machen Fehler und im schnellebigen und Soundbite versessenenen Medienbusiness hat man schnell einmal etwas Dummes gesagt (und dass beide Aussagen als "Dumm" zu werten sind, nehme ich einmal als gesetzt, auch wenn wohl damit der Thread später in Geiselhaft genommen wird). Gerade Sanchez stach nie gerade durch intelligente Berichterstattung hervor und das war wirklich nicht die einzige Dummheit, die er je von sich gegeben hat. Es ist etwas seltsam, dass er gerade jetzt den Hut nehmen musste. Glaubt man den Medienberichten sind aber solche in anderen Fällen für Sanchez und Williams schon ausgesprochen worden.
Eine öffentliche Entschuldigung zu verlangen wäre wahrscheinlich effektiver gewesen statt aus den beiden Märtyrer einer falsch verstandenen Meinungsfreiheit zu machen. Nun erhält Wiliams einen Vertrag über drei Jahre und zwei Millionen bei FOX. Diese Ehre bleibt Sanchez vermutlich verwehrt. Ein Grund dafür ist, weil sein Verhältnis zu FOX nie besonders war (ich habe den Verdacht mehr weil er dessen Berichterstattung persönlich nahm als dass es ihm um schlechten Journalismus gegangen wäre). Ein anderer ist wahrscheinlich auch, weil man auch auf FOX Seite solche Bigotterie gegenüber den Juden zu Recht inakzeptabel findet. Seltsamerweise ist es aber gegenüber den Muslimen ein Grund für einen drei Jahresvertrag über 2 Millionen.
Bildquelle (beide unterCC 2.0):
Rick Sanchez: David Berkowitz
Juan Williams: Pete Wright
Autor: ali· 30 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (30)
Wäre interessant, die Vorgeschichte zu kennen. Also ob z.B. Williams systematisch auf diesen Eklat hingearbeitet hat, um dann als 'Märtyrer' einen gutdotierten Vertrag bei FOX zu bekommen. Klingt erstmal unwahrscheinlich, daß es bei der Kündigung nur um EINE solche Bemerkung gegangen sein soll.
...
> ......wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Muslime, das beunruhigt mich. Ich werde nervös.
Nun und, was ist an dieser Bemerkung schon auszusetzen?
@ Michael
....wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Muslime, das beunruhigt mich. Ich werde nervös.Nun und, was ist an dieser Bemerkung schon auszusetzen?
Der Satz ist verachtend. Denn es geht darum, dass pauschal eine Religionsgruppe (egal ob man Religionen mag oder nicht) als Terrorverdächtig genannt wird. (Auch wenn sie bei dieser Aussage wahrscheinlich zuerst an so hirnamputierte Menschen wie ein P. Vogel dachten*)
Die Kleindung drückt erstmal nur aus, dass dem Menschen diese Kleidung gefällt. Aus welchen Gründen diese Menschen die Kleidung tragen ist unerheblich. Hier in den USA laufen sehr viele "Angst einflößenden" Meschen rum. Aber sie hätten keine Angst wenn irgendwelche Amish People oder gar katholische Prister ins Flugzeug steigen würden. (Bsp. für christlichen Terror gibt es genug). Hätten sie Angst wenn irgendwelche Hindus mit typischer Kleidung ins Flugzeug einsteigen? Hätten sie Angst wenn typsich japanisch, jüdisch,"afrikanisch", deutsch gekleidete Menschen usw. das Flugzeug besteigen? Für alle genannten Gruppen (und für alle nicht geannten auch) können terroristische Anschläge nachgewiesen werden. Doch Mr. Williams hat nur eine Gruppe explizit in einem Interview mit Fox (ganz üble einseitige Berichterstattung) genannt. Deshalb ist dieser Satz verachtend
(*aus Eingeninteresse sollten sich mE "normale" gläubige Moslems von diesen Idioten klar und deutlich distanzieren, denn nur dann lösen diese Aussagen nicht mehr diese Assoziation aus, sondern werden sofort als verachtenden Aussage erkannt)
Nein, das ist nicht verachtend. Eher ein wenig ängstlich und vereinfachend. Man muss hier immer die Anschläge 9/11 im Hinterkopf behalten, die, so glaube ich, die Amerikaner in gewisser Weise traumatisiert haben. Einen in dieser Art noch nie dagewesenen Terrorangriff mitten ins Herz vergisst man nicht von heute auf morgen. Und diese äußerst unsensible Art in der Nähe davon jetzt ein islamisches Kulturzentrum einrichten zu wollen ist darüberhinaus zusätzlich verstörend.
@ Ulmed
Dummes Zeuch. Es ist genau so ein Unfug immer 9/11 zu erwähnen, wie wenn mir jemand das Fehlverhalten meines Großvaters vorwirft.
Nur weil ein paar Idioten ihr Hirn abgaben und den Tod tausender (auch muslimischer) Menschen verursachten kann ich doch nicht komplett allen Anhängern dieses Glaubens des Terrors verdächtigen. (Dies ist genau einer der Gründe weshalb ich Religion ablehen, doch dies ist hier unwichtig.) Es ist auch nicht unsensible die Moschee (oder Kulturzent.) 2! Blocks (ca. 10 min zu Fuss) entfernt von ground zero zu bauen, denn weshalb will man den Gläubigen verwehren um ihre muslimischen Opfer (die normalen Bankangestellten etc.) zu trauern. Auch habe ich klar geschrieben das es gut wäre wenn die "normalen" Gläubigen endlich sich deutlicher von extremen Gruppierungen im Islam distanzieren würden (In D. z.B. die Schwachnucken vom salafitischen Verein Einladung zum Paradies). Dies gilt natürlich auch für alle anderen Religionen
Nichts desto trotz ist es dumm Menschen aufgrund ihres Aussehens sprich hier Kleidung zu beurteilen bzw. als Terroristen zu verdächtigen.
Ist NPR nicht eigentlich recht neutral (gewesen)? Was macht ein Politikredakteur dann bei BILL O'REILLY?
@Maulwurf
Immer?
Schauen Sie Maulwurf, ich mein ich bin keine bigotte Person. Aber wenn ich in Sachsen bin, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die Springerstiefel und Bomberjacke tragen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Neonazis, das beunruhigt mich. Ich werde nervös.
Schauen Sie Maulwurf, ich mein ich bin keine bigotte Person. Aber wenn ich in ein Fußballstadion gehe, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die schwarze Kleidung und Halstuch tragen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Hooligans, das beunruhigt mich. Ich werde nervös.
Schauen Sie Maulwurf, ich mein ich bin keine bigotte Person. Aber wenn ich auf eine Demo gehe, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die schwarze Kapuzenpullis tragen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Autonome, das beunruhigt mich. Ich werde nervös.
@ itz:
Und was ist jetzt der Zusammenhang mit den arabisch (muslimisch) gekleideten Fluggästen, von denen Williams gesprochen hatte? Oder anders gefragt: wenn Sie einen deutsch gekleideten über-80-jährigen sehen - werden Sie dann auch nervös?
Heute nicht mehr! ;-)
Der Zusammenhang? Ich halte es für durchaus nachvollziehbar, Menschen aufgrund ihres Aussehens sprich hier Kleidung zu beurteilen. Machen Sie das nie?
Aber um nicht missverstanden zu werden. Ich bin ja durchaus mit Ali Arbia einer Meinung:
Ist bei NPR das Tragen von „muslimischer Kleidung“ (oder was man dafür hält, z.B. Thawb und Burka) erlaubt?
@Thilo
Ich glaube auch nicht, dass das gezielt war. Seine Statements jetzt wären wohl offensiver und nicht im Stile "Ich habe ja nur gesagt wie ich fühle". Auch konnte er nicht damit rechnen gleich rauszufliegen und hätte wohl mit FOX vorher schon eine Abmachung haben müssen. Es ist natürlich nicht auszuschliessen, aber man müsste wie du auch sagst schon sehr viel voraussetzen um daraus eine gezielte Aktion zu basteln.
@Jörg
Keine Ahnung warum der Papa-Bär ein interview gegeben hat. Vermutlich war er nicht als NPR Repräsentant unterwegs. Gemäss dem verlinkten LA Times Artikel durfte er in einem solchen Interview nicht als solcher Identifiziert werden.
@michael und @Ulmed
Maulwurf hat es eigentlich schon klar gesagt. Es ist unzulässig Rückschlüsse auf eine ganze Gruppe zu ziehen. Erstens handelt es sich um eine verhältnismässige winzig kleine Minderheit handelt die Gewalttaten verübt hat. Zweitens trugen die Attentäter vom 11. September keine "traditionelle muslimische Kleidung". Somit erscheint der Kurzschluss noch mehr als solcher. Drittens und Maulwurf hat darauf schon hingewiesen, könnte Williams das gleiche Argument vorbringen, wenn jemand ein Kreuz um den Hals oder eine Kippah trägt.
Der Vorwurf der "doppelten Loyalität" ist politisch populär um unliebsame Gruppen zu diskreditieren und hat eine lange Geschichte. Es ist ein antisemitischer Standardvorwurf an die Juden überall auf der Welt, mit dem Argument internierten die Amerikaner japanische Bürger in den USA und auch vielen Katholiken dürfte der Vorwurf bekannt vorkommen. Viel Unrecht wurde damit gerechtfertigt. Zumindest eine gewisse Vorsicht wäre deshalb angebracht, bevor man einen solchen Verdacht äussert (noch dazu auf FOX News!).
@Ulmed
Dann gestehen wir ihm doch das Trauma zu. Ängste sind normal und wir haben vermutlich alle ab und zu irrationale Ängste. Die Aussage von Williams bleibt dumm. Er gibt ein Interview und philosophiert über seine muslimischen Mitbürger. Es ging ihm nicht darum einfach über seine Gefühle zu sprechen. Wenn er dies tun wollte, sollte aber noch eine Analyse oder Einordnung stattfinden ansonsten muss man einfach annehmen, dass er diese Angst auch für völlig legitim hält. Auch ein 9-11 Trauma rechtfertigt dies nicht. So naiv kann er als politischer Kommentator doch nicht sein.
@itz
Das ist anzunehmen, aber was hat das zur Sache?
P.S.: Ich schrieb im Post "...und dass beide Aussagen als "Dumm" zu werten sind, nehme ich einmal als gesetzt, auch wenn wohl damit der Thread später in Geiselhaft genommen wird". Alles andere wäre wohl eine Überraschung gewesen.
"Schauen Sie Bill, ich mein ich bin keine bigotte Person. Aber wenn ich in ein Flugzeug steige, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die muslimische Kleidung tragen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Muslime, das beunruhigt mich. Ich werde nervös."
Waren Mohammed Atta & Co. eigentlich besonders "muslimisch" gekleidet...?
@itz
"Schauen Sie itz, ich mein ich bin keine bigotte Person. Awenn ich in ein Flugzeug steige, muss ich sagen, wenn ich Leute sehe, die wie Städteplaner ausschauen, dann denke ich, wissen Sie, sie identifizieren sich selber zuerst und hauptsächlich als Städteplaner, das beunruhigt mich. Ich werde nervös."
So besser?
@itz
Ja, sicher, ganz machtlose Leute. [lacht] Er ist eine solche Minderheit. Ich meine nur...wissen Sie...aber bitte. Soll das ein Scherz sein? Ich sage Ihnen, dass alle die für die ARD arbeiten sind weitgehend wie Harald Schmidt. Und zu implizieren, dass die, die Leute in diesem Land die katholisch sind, seien eine unterdrückte Minderheit?
oder ist dies besser?
@Maulwurf
In dem Interview wird nicht ausgesagt, wie die Muslime sind , sondern wie der Antwortende sie wahrnimmt. Es macht also eine Aussage über sich selbst. Das muss einem nicht gefallen, ist aber m.e. kein Grund für eine Entlassung.
Vielleicht nicht das beste Blog für Leute, die Angst vor Muslimen haben, die typische muslimische Sachen tragen...
Pictures of Muslims Wearing Things
Törichte Artikel erkennt man zuverlässig daran, dass der Autor jemanden oder eine Gruppe von Leuten als "selbst ernannt" bezeichnet, weil die es versäumt haben, sich eine Lizenz bei ihm zu besorgen. Man kann dann getrost aufhören, weiterzulesen.
Um meine These zu verifizieren habe ich dann aber doch weitergelesen, und siehe da: Ihr Kommentar ist töricht. Oder sehen Sie tatsächlich nicht Unterschied zwischen einer klassischen antisemitischen Aussage und einer Aussage, die ein Unbehagen aufgrund negativer Erfahrungen zum Ausdruck bringt?
Er sagt im Endeffekt, dass diese Reaktion gerechtfertigt ist. Das dürfte entscheidend gewesen sein, wobei es wohl auch nicht das erste Mal war, dass man bei NPR über seine Auftritte bei Fox nicht begeistert war.
Das Kulturzentrum ist auch überhaupt nicht unsensibel. Die Gruppe hatte sehr auf Entgegenkommen gesetzt und das hatte auch anfangs noch gut funktioniert (teilweise bei den selben Leute wie etwa Fox-Propagandisten). Das endete, als die Spinner und Politiker eine Chance sahen, es auszunutzen und ihre Verleumdungskampagnen starteten. Ich finde es vor allem entsätzlich, dass das so gut funktioniert. Letztes Jahr noch hätte ich mir nicht vorstellen können, was mittlerweile hier und in den USA passiert ist.
Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, die beiden nur zu bestrafen. Aber wenn man vergleicht, weswegen andere Journalisten in den USA gehen mussten und unsere erneute Unfähigkeit in Deutschland betrachtet, sich überhaupt ordentlich gegen Rassismus und Bigotterie zur Wehr zu setzen (*), ist es doch ein gutes Signal, sofern NPR nicht noch irgendwie einknickt. (Deshalb ist es auch schade, dass der Sarrazin-Rauswurf verbockt wurde.)
(*) Neuerdings bedeutet ja Meinungsfreiheit in Deutschland, dass man kritiklos rassistisch und xenophob sein darf und Andersdenkende besser das Maul halten sollen ("Verräter!" etc.)
@Ninon
Törichte Kommentare hingegen erkennt man daran, dass ein sprachliches Details als Grund genommen wird den Rest des Textes zu ignorieren. Ein anderes wichtiges Merkmal sind pseudo-rhetorische Fragen, die eigentlich in den Kommentaren schon abgehandelt wurden.
Bitte hier nochmals nachlesen. Besonders beim Stichwort "Doppelte Loyalität" und bei der Unterscheidung zwischen Analyse und dem Mitteilen persönlicher Gefühle ebenfalls ganz genau lesen (auch wenn es eventuell nicht genehme Wörter enthalten sollte).
Das "selbsternannt" steht übrigens dort, weil viele so tun als ob sie sich für Meinungs- und Redefreiheit und für demokratische Grundrechte einsetzen. Das ist meines Erachtens häufig nur ein Deckmantel. Um diese Inkonsistenz geht es teilweise auch in diesem Post. Ein gute Zusammenstellung der Heuchelei aus konservativer Ecke in den USA zur Willams Affäre findet man hier.
Die Tatsache, dass du dich so an diesem kleinen Wort störst, lässt mich vermuten, dass du dich auf den Schlips getreten fühlst, da du dich zu dieser Gruppe zählst. Das ist ganz in Ordnung. Dann könntest du aber doch einfach darauf eingehen statt dich hinter einer stilistischen Kritik zu verschanzen.
@Ninon
Du hast offenbar gar nicht verstanden, worum es in Alis Kommentar geht:
Hier geht es aber auch um die Frage inwiefern die Meinung der Beschuldigten in der Öffentlichkeit mit ihren Funktionen in Verbindung gebracht werden.
Töricht finde ich zum einen die Auseinanderschreibung von "selbst ernannt" (obwohl laut Duden mittlerweile beides als zulässig gilt), töricht ist es auch, den Gebrauch des adjektivierten Partizips "selbsternannt" so zu interpretieren, als ob sich damit der Verwender damit selbst zum einzigen Ernennungsberechtigten hochstilisierte. Diese Deutung nahm so ja nicht mal Dieter E. Zimmer vor, von dem du dich offenbar inspirieren ließest, vgl http://www.gavagai.de/deutsch/HHD4404.htm *g*
Aber zurück zum Thema: Mit diesen beiden Fällen kann man mE hervorragend wieder an die Debatte über PC in Verbindung mit freedom of speech anknüpfen. In den USA gibts de facto nämlich auch keine uneingeschränkte Meinungs- bzw eher Redefreiheit - spricht man nicht zweifelsfrei nur für SICH, sondern eventuell in einer Funktion für eine Organisation, so muss man ggfs die Konsequenzen tragen.
Sanchez hat sich sowohl abfällig über Juden als auch über seinen Arbeitgeber geäußert und sich damit selbst abgeschossen. Sein Fall erinnert mich stark an Eva Herman.
Williams' Äußerungen empfinde ich als dümmlich, vom Aussagewert her aber als noch als etwas weniger diskriminierend im Vergleich zu Sanchez' Verschwörungstheorie. Dümmlich vor allem, weil wohl kein islamistischer Flugzeugentführer so naiv wäre, sich in Kaftan und Turban an sein Werk machen zu wollen - und auf diese spielte er ja wohl an. Dass ihn also ausgerechnet Fluggäste mit traditionell muslimischen Gewändern nervös machen, lässt ihn vor allem als yellowbelly erscheinen.
Der eine ist geflogen, weil er groben Unfug geredet hatte. Der flog, weil er Unfug geredet hatte, wurde dann dafür aber noch reich belohnt, das macht den feinen Unterschied...
Eigenkorrektur:
Sollte natürlich heißen: Der andere flog, weil er Unfug geredet hatte, wurde dann dafür aber noch reich belohnt, ...
Die Aussagen im ganzen Kontext findet man hier. Zuerst O'Reillys Kommentar und dann die Diskussion in der Williams Aussage auf den gemachten Kommentar fallen.
O'Reillys Gepolter ist unheimlich wirr. So wie ich ihn verstehe sagt er zusammenfassend, es gäbe zwar Gute und Böse und er fordere aber das Recht, den Islam mit den Bösen zu assozieren. Einerseits macht er ganze Nationen zu Extremisten, anderseits sagt er, dass eigentlich eine Differenzierung möglich wäre, dass er aber lieber nicht PC ist (aus Prinzip wie es scheint).
Wegen dieser Wirrheit finde ich es schwierig zu interpretieren wie Williams seine Aussage wirklich meinte. Vermutlich ging es ihm wirklich nur um seine persönlichen Gefühle (ich kann mir sogar vorstellen, dass diese eine geplante Eröffnung war, um damit rhetorisch das Fox Publikum auf seine Seite zu ziehen). Ist dies der Fall, versagt er völlig einen entsprechenden Kontext zu geben. Den Satz unglücklich einzuleiten, indem er O'Reilly Recht gibt (welchen Teil seines Memos?) um dann weiter zu machen mit "I'm not a bigot but...", um anschliessend "the first drop of blood in Americas war against muslims" zu zitieren ist nicht sonderlich erhellend. Dass er dann Busch zitiert (und darum vermute ich, dass das Statement 'taktisch' skizziert war) es sei aber nicht ein Krieg gegen den Islam, ordnet die vorher gemachte Bemerkung nicht wirklich klar ein. Gerade auf Fox kann man sich ja vorstellen, was ankommt. Ist man ganz wohlwollend muss man im zumindest einen argen Mangel an Fingerspitzengefühl vorwerfen.
Er hätte sich doch einfach später dafür entschuldigen können, den Kontext klären, schlicht zugeben etwas Dummes gesagt zu haben. Aber nichts dergleichen. Auch wenn ich bereit bin zu glauben, dass er dieses 'Gefühl' von ihm nicht richtig findet, hat er das nie geklärt. Somit bleibt seine Aussage bestenfalls sehr zweideutig. Von einem politischen Kommentator müsste man aber etwas mehr gedankliche Schärfe erwarten dürfen.
Nachtrag (soeben gefunden):
O-Ton Williams
Er scheint sonst durchaus rationaleren Ansätzen verpflichtet zu sein, wenn es um Rechtfertigungen geht.
@Ali
Hier geht es um die Frage inwiefern die Meinung (hier auch Kleidung, Religion) der Angestellten in der Öffentlichkeit mit ihren Funktionen in Verbindung gebracht werden.
Kann man davon ausgehen, dass auch die Träger(innen) bestimmter islamischer Kleidung -wie z.B. Tschador, Burka- nicht nur bei der persönlichen Garderobe umstrittene Ansichten haben?
Selbst wenn dem nicht so ist: Würde nicht die Öffentlichkeit von diesem (Vor-)Urteil ausgehen?
@Alexander
Sicher, nicht jeder Moslem trägt islamische Kleidung. Aber die meisten Menschen, die islamische Kleidung tragen dürften auch Muslime sein.
@Maulwurf
Ob dumme Vorurteile gegen Städteplaner auch zur Kündigung geführt hätten? ;-)
@itz
Ich verstehe beim Besten Willen immer noch nicht den Zusammenhang. Ich zweifle ja nicht daran, dass jemand der 'traditionelle muslimische Kleidung' trägt Muslim ist. Die Vermutung, dass diese Person automatisch gefährlich ist, ist die Bigotterie, nicht das in Verbindung bringen der Kleidung mit einer Religion.
Ausserdem sollte es ja einen Zusammenhang mit der Funktionen haben. Wenn jemand ein Kreuz um den Hals trägt und die Wirtschaftsendung leitet ist es nicht dasselbe wie jemand der eine Sendung zu "Religionen der Welt" macht.
Der Vergleich erschliesst sich mir wirklich überhaupt nicht.
@ itz
Nö, weshalb. Da hätte ja jeder sofort gemerkt was für eine schwachsinnige Aussage dies ist.
Es geht einfach nicht, das eine Bevölkerungsgruppe nur auf Grund ihres Glaubens als Terroristen verurteilt werden. Dies ist Schwachsinnig. Übrigens genau so beschränkt wie jeden katholischen Prister als Kinderschänder zu bezeichnen.
Wo steht etwas über Terroristen? Oder ist das nur deine eigene Schlussfolgerung?
Ich werde nervös wenn ich einen katholischen Priester in seiner Verkleidung sehe. Menschen die ihre Religion, ganz egal welcher sie angehören, zwanghaft zur Schau stellen, verursachen bei mir Ekel und Verabscheuung.
@Helmut E.
Der ganze Teil der Sendung in der Williams auftrat ging um islamistischen Terrorismus. O'Reillys einleitende Polemik bezog sich auch auf eine andere Sendung in der er sagte "Muslime haben uns getötet" als Ausgangspunkt. O'Reilly bezog sich dabei direkt auf die Anschläge vom 11. September 2001 und Williams wählte das Beispiel Flugzeug sicher nicht rein zufällig. Nun fragst du in allem ernst "Wo steht da was über Terroristen?" und unterstellst Maulwurf das sei sozusagen seine schmutzige Fantasie?
Zudem ist ein Teil der Problematik genau die Diskriminierung in der Aussage. Es geht nicht um "Menschen die zwanghaft ihre Religion zur Schau stellen" und einen nebulösen Zusammenhang zwischen "Ekel und Verabscheuung" (ziemlich heftige Reaktion, die ich trotz meiner Haltung gegenüber Religionen nicht nachvollziehen kann) und einer irgendwie gearteten persönlichen 'Nervosität'. Kurzschluss und suggerierte Bedrohung sind spätestens mit dem Kontext offensichtlich.
Diesen Zusammenhang hat auch Williams nie in Frage gestellt oder geleugnet. Seine Aussage so zu interpretieren ist im Zusammenhang lächerlich naiv oder aber unehrlich.
@ Helmut E
Ersteres ist meine Interpretation, da Juan Willams seine Aussagen bzgl. betreten eines Flugzeugs machte.
Zweitens ist es mir Egal bei wem und bei was sie Angst verspüren. Doch hier ging es auch nicht daraum ob Willams religiöse Fanatiker ablehnt. Hier ging es um die Vorverurteilung aufgrund äußerer Merkmale. Denn es kann auch andere Ursachen haben das Menschen "muslimische" Kleidung (damit meine ich nicht explizit Burka und Co) tragen. Schon mal daran gedacht das diese auch aus z.B. Arabien kommen können? Ich denke mal, dass auch arabische Atheisten im eigenen Land sich dem dort vorherschenden Kleidungsstil anpassen.
Drittens ist Glauben eine Privatsache. Ich finde es auch nicht erbaulich wenn Menschen ihre politische Einstellung zur Schau stellen (z.B. Neonnazis) und Symbole /Figuren der Unterdrückung und des Mords tragen (z.B. Lenin- oder Mao Zedong- oder Che Guevara-Tshirts).
Zu Helmut kann ich nur sagen, dass ich seine Reaktion für ziemlich bedenklich halte. Ich hoffe, es kommt keiner auf die Idee, dass als eine aufgeklärte oder humanistische Haltung zu interpretieren, wenn man sich anekelt oder andere Leute verabscheut, weil sie sich anders kleiden oder weil sie an etwas glauben, was man selber nicht nachvollziehen kann.
Leider gibt es immer wieder solche Reaktionen von selbsternannten Atheisten, Humanisten oder Aufgeklärten. Tja, das finde ich dann doch ein wenig traurig. Muss ich ganz ehrlich sagen.