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09.04.10 · 14:14 Uhr
USA Volkszählung: Statistik, Macht und Misstrauen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik · Kommentare: 3
In den USA wird alle 10 Jahre eine Volkszählung vorgenommen. Das steht so in der Verfassung. Bei dem logistischen Monsterprojekt geht aber um mehr als nur um eine statistische Erhebung.
Die regelmässig Volkszählung wird an prominenter Stellle in der US Verfassung verlangt: Artikel 1, zweiter Abschnitt besagt, dass zum Bestimmen der Repräsentanten und der Steuern alle 10 Jahre eine Erhebung vorgenommen werden muss:
The actual Enumeration shall be made within three Years after the first Meeting of the Congress of the United States, and within every subsequent Term of ten Years, in such Manner as they shall by Law direct.
Das logistische Mammutunterfangen, immerhin müssen etwa 300 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner erfasst werden, wird vom Census Bureau durchgeführt. Bis am 1. April wurden von diesem rund 134 Millionen Fragebogen verschickt. Man arbeitet mit Kirchen und lokalen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Das Census Bureau twittert sogar. Mit der Volkszählung wiederholt sich alle 10 Jahre ein anderes Schauspiel, die Kontroverse um die Volkszählung nämlich. Diese beschränkt sich nicht auf politische Irrlichter wie die konservative Michelle Bachmann, welche angekündigt hat, nur ihren Namen anzugeben.
Die Volkszählung ist unter anderem immer wieder ein Zankapfel weil es um viel geht. Auf der Basis der erhobenen Statistik kommt es nämlich zu einer Neuverteilung von Geld und Macht.1
- Die Sitze im Repräsentantenhaus werden auf der Basis der Volkszählung verteilt. Auch dieses Jahr erwartet man Sitzverschiebungen. Unter anderem wird Louisanna wegen dem Exodus nach Hurrikan Katrina einen Sitz verlieren und auch ironischerweise auch Minnesota, der Heimatstaat von Repräsentantin Bachmann. Texas hingegen hat zusammen mit anderen Staaten eine gute Chance auf einen Zugewinn. Die Wahlmänner für die Präsidentenwahl werden ebenfalls aufgrund der Resultate der Volkszählung verteilt.
- Wenn die Resultate bekannt sind beginnt dann auch an vielen Orten das grosse Spektakel der Neuziehung von Wahldistrikten. Mit der ursprünglichen Logik damit dem Bevölkerungswandel Rechnung zu tragen hat das nur noch indirekt zu tun. Mit dem berühmten Gerrymandering (schon einmal diskutiert bei zoon politikon) können Wahlen gewonnen und verloren werden.
- Auf der Basis der Volkszählungsdaten werden auch Gelder verteilt wo es Geld an die einzelnen Staaten zu verteilen gibt. Natürlich möchten alle ihre Finger möglichst tief in die Geldtöpfe stecken können.
Aber auch dieses Jahr wird gezählt werden, egal wie hoch die Wogen gehen. Wer gerne mit Zahlen spielt, kann übrigens von den öffentlich zugänglichen Daten profitieren.
1Mehr info findet sich auch in diesem kurzen Artikel aus dem Economist der Ausgangspunkt für diesen Eintrag war.
Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
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Michelle Bachmann ... konservativ? Hmm, ich glaube eher, Michelle Bachmann, Repräsentantin der Holzpartei ;)
...und 'politisches Irrlicht'.