Blog durchsuchen
Profil
Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
Letzte Einträge
- Libanon, Syrien und der Tod von Ahmad Abdel-Wahed7 Kommentare· 21.05.12
- Griechenland ohne Euro34 Kommentare· 16.05.12
- Pausengeräusche: Wo bin ich?18 Kommentare· 02.05.12
- Der Fall Breivik als Test für den Rechtsstaat35 Kommentare· 17.04.12
- Warum aber schwieg ich bislang? Was debattiert werden muss.44 Kommentare· 07.04.12
Kommentare
- Klaus · 24.05.12 · 12:56 Uhr Libanon, Syrien und der Tod von Ahmad Abdel-Wahed
- Totoro · 22.05.12 · 17:04 Uhr Griechenland ohne Euro
- Staatlich geprüfter Zwerg · 08.05.12 · 16:24 Uhr Pausengeräusche: Wo bin ich?
- dermehler · 26.04.12 · 10:03 Uhr Der Fall Breivik als Test für den Rechtsstaat
- Tina · 21.04.12 · 21:13 Uhr Schweizer Politik und das Web 2.0
Blogroll
english science english IR/PoliSci- The Monkey Cage
- Crooked Timber
- PolySigh
- Foreign Policy Passport
- Stephen M. Walt
- Daniel W. Drezner
- Marc Lynch
- The Cable
- The Multilateralist
- The Duck of Minerva
- IPE at the University of North Carolina
- The Quantitative Peace
- Informed Comment
- International Economic Law and Policy Blog
- ISN Blog
- Overcoming Bias
- PoliSciZurich
- Democracy in America
- Certain Ideas of Europe
- Glenn Greenwald
- A fistful of Euros
- The Conscience of a Liberal (Paul Krugman)
- Dispatches from the Culture Wars
- Matthew Yglesias
- Science-Based Running
- Rationally Speaking
- Daily Coyote
- zooborns
- Boing Boing
- Stefan Niggemeier
- Law Blog
Kategorien
Archiv
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
24.04.10 · 14:50 Uhr
Mediale Wahrnehmungsverzerrungen und Risiko
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medien·Medizin·Politik · Kommentare: 37
In meinem letzten Eintrag habe ich über Erdbebenhäufigkeit geschrieben und wie die mediale Berichterstattung unser Bauchgefühl prägt. Im letzten Abschnitt habe ich unter anderem Terrorismus erwähnt, der durch die mediale Aufmerksamkeit oft ebenfalls verzerrt wahrgenommen wird. Schaut man sich die Zahlen hingegen an, merkt man wie stark dadurch die Risikowahrnehmung verschoben wird und welche massiven finanziellen Konsequenzen das haben kann.
Es gibt eine schöne Webseite des American Council on Science and Health. Da werden in interaktiven Grafiken Sterberisiken für die USA für das Jahr 2002 dargestellt.
![]()
Quelle: Risk Rings "Exposures" on Riskometer.org
Ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001 belief sich die Zahl der Terrorismusopfer innerhalb der USA für das laufende Jahr genau 0. Null. ZERO. Die bis 2009 aufgelaufenen Kosten für den nach diesen Anschlägen ausgerufenen sogenannten "Krieg gegen den Terror" wurde vom Congressional Research Service folgendermassen geschätzt:
- 683 Milliarden USD für Irak
- 227 Milliarden USD für Afghanistan
- 29 Milliarden USD für verbesserte Sicherheit
- 5 Milliarden USD nicht näher bestimmte Kosten für das Verteidigungsministerium.
Hier im Gegensatz hierzu, wie gut die US Bundesstaaten die empfohlenen Richtwerte befolgen, was ihre Gesundheitsausgaben für Tabakprävention und -kontrolle betrifft (mit nur einem Staat der die Empfehlung wirklich zu 100% befolgt):
![]()
Quelle: American Lung Association
Die Zahlen sind natürlich nur beschränkt vergleichbar. Bei den Terrorismusausgaben könnte man sich darüber streiten, was sowieso für militärisches Ausgegeben werden müsste und ob der Irak wirklich in dieser Form als Antiterrormassnahme abgebucht werden kann (obwohl es sich bei den obigen Schätzungen um relativ konservative Einschätzungen handelt). Wer sich aber durch die Grafiken des Riskometers klickt, wird zugeben müssen, dass was zumindest finanziell prioritär als tödliche Bedrohung behandelt wird, kaum in einer Relation steht, zu was uns (oder in diesem Fall die US Amerikaner) umbringt. Das ist eine teure Konsequenz unter anderem der hier begklagten verzerrten Risikowahrnehmung.
Autor: ali· 37 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (2)
Risiko: Die systematische Fehleinschätzung von Gefahren · ScienceBlogs · 26.04.10 · 06:30 Uhr
Heimfront im "Krieg gegen den Terror" · zoon politikon · 21.09.11 · 20:09 Uhr
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Der NRW Wahlkampf - eine Analyse mit Noten.Primaklima· 14.05.2012
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr







Kommentare (37)
Ich weiß nicht woran es liegt, aber zumindest in meinem Feedreader (Google) werden die Zahlen falsch angezeigt, die ersten zwei Ziffern fehlen jeweils.
@hape
Keine Ahnung woran das liegt. Ich habe das Problem nicht. Was benutzt du? Habe mal präventiv die Dollarzeichen entfernt. Vielleicht hilfts.
Das erinnert mich an eine schöne Graphik via Informationisbeautiful.net
http://s3.amazonaws.com/infobeautiful/susanna_hertrich_reality.jpg
Das Problem der medialgeformten 'Realität' hatten wir ja schon öfters angesprochen.
Irgendwas mit den Prozentzahlen stimmte nicht und ich habe aus Versehen die Zahlen inklusive Schätzung für 2010 zitiert. Die wurde korrigiert. Danke für den Hinweis via Twitter.
Naja - es geht ja nicht nur um Risiko und Kosten, sondern auch um den Nutzen. Welchen Nutzen habe ich vom Terrorismus? Eben - gar keinen.
Dagegen als Raucher oder Trinker habe ich den Rausch, die Entspannung, einen Genuß. Die Fehldiagnose des Arztes ist das Risiko, dem soundsoviele gelungene Diagnosen gegenüberstehen.
Ich will nicht den Irakkrieg - oder für Dtld. den Afghanistankrieg verteidigen, aber wenn man sich die Argumentation gar zu einfach macht ...
Ist es eigentlich passend vom "Bauchgefühl" zu reden? Ist eine herbeigeredete Terrorgefahr wirklich etwas, was den Bauch erreicht? Ich glaube das ist eine reine Kopfgeburt, die den Bauch nicht erreicht, weil es nie zu einem Gefühl wird, sondern den Status einer Illusion, einer puren Phantasie nie verläßt. Es wird zwar hier und da vom Terror schwadroniert, aber auch die Falken machen mir nie den Eindruck, als ob sie wirklich Angst hätten. Das ist kein Gefühl, behaupte ich.
Doch etwas mehr als nur seltsam finde ich die Bezeichnung 'Sexual Behaviour' (Sexualverhalten) im Riskometer: "Was? Soviele Leute sterben jährlich aufgrund von Sexunfällen?!", dachte ich, gemeint sind aber sexuell übertragbare Erkrankungen...
Fallen die Massen an Impftoten eigentlich unter "Medical Errors"? ;)
@Stefan W.
Ich würde sagen zum einen geht es um eine gesamtgesellschaftliche Ebene. Man will durch diese Massnahmen nicht nur sicher selber geschützt sehen sonder 'die' Gesellschaft (der Slogan ist auch 'keep America safe' und nicht 'keep me safe' obwohl das ehrlicherweise natürlich etwas verschwimmt). Der Staat der eine spezifische Politik betreibt hat zudem keine Nutzen von diesem individuellen Risikoverhalten.
Ich wage nun einfach mal zu behaupten (aber das ist natürlich schwierig zu quantifizieren), dass wer raucht und sagt, das Risiko an Lungenkrebs zu sterben wiegt die Vorzüge des Highs nicht auf und gleichzeitig, die im sogenannten Krieg gegen den Terror ergriffenen Massnahmen voll unterstützt, weil er/sie sich dadurch mehr persönliche Sicherheit verspricht, schlicht ein verschobenes Risikoverständnis hat, "Nutzen" hin oder her aber du kannst mir da natürlich widersprechen.
Ich benutze "Bauchgefühl" als im Gegensatz zu "rational" und ich denke die Angst ein Terrorismusopfer zu werden ist häufig irrational.
@jitpleecheep
Ich vermute mal das wurde so formuliert weil es um Exposure ging und nicht Causes.
was wird denn unter "Medical Errors" und was unter "Medication Error" gebucht?
Impftote ja wohl eher unter dem letzteren.
...
@Stefan
Naja - es geht ja nicht nur um Risiko und Kosten, sondern auch um den Nutzen. Welchen Nutzen habe ich vom Terrorismus? Eben - gar keinen
--------------
Naja , du als "Opfer", bzw wir als "Opefer", hast / haben eigentlich keinen Nutzen, eigentlich nur Nahcteile.
aber derjenige, sagen wir mal hier die Medien oder die Politik, die das ganze dann hochschaukeln, den terrorismus, die haben ganz bestimmt was davon.
Einfach so wird leider nichts gemacht, alles hat einen Hintergrund.
Musst mal nachforschen, was alles eingeschränkt oder verändert wurde aufgrund von terror. das sind bis jetzt unzählige gesetze.
@ali: Ja, dann macht es natürlich irgendwie Sinn, danke. (Find's aber weiterhin unnötig missverständlich. ;-) )
@Stefan W.: Rauchen kann von mir aus gerne für manche Leute ein Genuß sein, aber für die Mehrheit der Raucher (bin selber einer) ist es reine Suchtbefriedigung, und Entspannung bietet es auch nur insofern, weil es die Entspannung wiederherstellt, die man als Nichtraucher sowieso gehabt hätte.
Ganz abgesehen davon tauchen in diesen Daten ja nicht diejenigen auf, die nach bestandener Prüfung mal kurz an einer Zigarre nuckeln, nicht die, die zu Tante Ernas 80. ein Gläschen Prosecco schlürfen. Wenn jemand vom Arzt als Alkohol- und/oder Nikotinleiche klassifiziert wird, dann raucht der ein Päckchen am Tag und macht sich am Morgen das erste Bier auf (gut, mal abgesehen vielleicht von Kids, die beim Komasaufen draufgehen, aber ich hoffe mal für die Welt, dass die eine kleine Minderheit in der Statistik darstellen).
Oder seh ich das falsch?
Worauf ich hinauswill: Bei diesen Toten gehe ich nicht damit mit, dass der Konsum noch einen Nutzen in irgendeiner Form hat.
@Ali Arbia
"Verrückt, denn die Statistik spricht eindeutig für das Flugzeug als sicheres Verkehrsmittel."
Das ist die Statistik, die die Fluggesellschaften gerne sehen, hat leider einen klitzekleinen Haken : es werden auch die Km mit einbezogen, die das Flugzeug in der Luft zurücklegt. Da oben kann aber im Prinzip nicht soviel passieren. Gefährlich sind die Starts und Landungen. Und wenn man die Unfallzahlen und Unfalltoten nur darauf bezieht, ist das Flugzeug das mit Abstand unsicherste Verkehrsmittel überhaupt.
Schönen Gruß an die Herren Statistiker.(Traue nur der Statistik, die du selber ....)
@ miesepeter3
Quelle?
*lol* entschuldige mal bitte, wie sonst soll an denn angaben über die sicherheit eines verkehrsmittels erheben, wenn nicht unter einbeziehung der zurückgelegten strecke. würde man diese strecke nicht berücksichtigen, wäre der fernsehsessel das sicherste verkehrsmittel.
@Sim
http://www.beobachter.ch/archiv/inhaltsverzeichnisse/artikel/unfallstatistik-das-verwirrspiel-um-die-flugsicherheit/
z.B. Beförderte Passagiere : Pro Milliarde Passagiere soviel Tote
Flugzeug 710
Auto 135
Bahn 127
zurückgelegte Km pro 100 Millionen Meilen soviel Tote
Bus 0,5
Auto 1,7
Flugzeug 3,0
sieht schon nicht gut aus für den Flieger,oder? Kein Wunder, dass die Fluggesellschaften alles daran setzen, dass die Öffentlichkeit davon nicht allzuviel Notiz nehmen kann.
@radicchio
Wahrscheinlich ist es besser, Du bleibst tatsächlich in demselben sitzen.
Das schreibt übrigens ein regelmäßiger Nutzer von Fluglinien.
@miesepeter3:
"@Ali Arbia
"Verrückt, denn die Statistik spricht eindeutig für das Flugzeug als sicheres Verkehrsmittel.""
Ahm... Wo kommt eigtl dieses Zitat auf einmal her?
@jipleecheep
Scienceblogs.de Top Thema 3. Satz
@miesepeter3
Detail am Rande: Das habe ich nicht geschrieben.
@ali
war für mich nicht zu erkennen, nehme es hiermit zur Kenntnis. War ja auch nicht als persönliche Kritik gemeint, sondern als Anmerkung üner die Schwierigkeit, Veröffentlichungen im Allgemeinen und hier im besonderen auf Wahrheitsgehalt zu untersuchen und wie schnell man danebenliegen kann, wenn man nicht weiß wie und auf welche Weise eine Statistik erstellt wurde. Und das kann man schon unter "MEdiale Wahrnehmungsverzerrungen" subsummieren.
2009 forderte der straßenverkehr in D 4.160 todesopfer. es starben durchschnittlich 11 menschen pro tag.
würden genauso viele menschen (bezugsgröße deutschland) bei flugzeugabstürzen sterben, müssten pro jahr ca. 11,8 machinen a 350 personen abstürzen. das wäre dann fast ein jet pro monat.
… die km-leistung auch mal außen vor gelassen.
@miesepeter3
Da wir nun schon zur Flugsicherheit diskutieren vielleicht doch noch eine Anmerkung zu den von dir zitierten Statistik.
Der eigentlich Punkt in diesem Posting wäre aber, dass viele Leute mit Flugangst gibt, die aber bedenkenlos in ein Auto einsteigen (oder über die Strasse gehen). Ich würde auch wetten, dass Flugangst nach spektakulären Flugunglücken kurzfristig zunimmt. Im Zitat (welches wie gesagt nicht von mir stammt) hiess es: "die Statistik spricht eindeutig für das Flugzeug als sicheres Verkehrsmittel" (meine Betonung). Das kann doch genau so verstanden werden.
Es ist übrigens ein häufiges Missverständnis, dass verschiedene statistische Interpretationen als 'Fälschung' oder 'Lüge' zu werten sind. Oft (aber nicht immer) scheitert es an der mangelnden Interpretationskompetenz und nicht an irreführenden Absichten des Verfassers.
Bezüglich der Suchtmittel: Wie will man den Nutzen bemessen, den ein solches für den Konsumenten hat? Ich würde vorschlagen: rein positivistisch. Wenn der Konsument alles dransetzt, um weitere Gaben davon zu bekommen, dann ist es für ihn nützlicher als für den Gelegenheitskonsumenten, der darauf verzichten könnte.
Der womöglich nicht umgesetzte Wunsch aufzuhören speist sich ja nur aus dem doch wahrgenommenen Risiko, und auch die Zurückhaltung derer, die den Drogen gerade nicht verfallen sind, ist ja vielleicht nicht selten den Gefahren geschuldet.
So - nun haben wir also verschiedene Personen, die trotz des Risikos oder wg. des Risikos rauchen bzw. nicht rauchen, aber was haben wir bei Terror? Leute die weiterhin in Hochhäusern arbeiten? Die Fluglinien nutzen? Die CDU wählen?
Ich kenne ein paar Hundert Leute, und niemand, wirklich niemand ist mir durch Terrorangst in irgendeiner Form aufgefallen. Wer sagt denn, daß es diese Terrorangst gibt?
Ich kenne jedoch viele, die jahrelang Rindfleisch gemieden haben, wg. BSE. Langsam bröckelt das. :)
eine sucht hat nur den nutzen des selbstzweckes. befriedigung von bedürfnissen, die ohne die sucht nicht vorhanden wären.
Sloterdijks diesbezügliche Einlässe:
[Ich möchte] bei dem Begriff "reale Gefahr" einhaken. Denn ich glaube, dass wir da auf so ein philosophisch interessantes Gebiet kommen. Denn, wenn wir über die Terminologie der Gefahr sprechen, sprechen wir eine menschliche Ebene an, auf der tatsächlich Angst die Antwort ist. Der Terrorismus ist aber gar keine Gefahr, sondern ein Risiko.
...
Und die Wahrscheinlichkeit, einem terroristischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ist um den Faktor Tausend oder Zehntausend geringer, als die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eines morgens in einem Zustand geistiger Desorganisation mit beiden Beinen in ein Hosenbein steigen, umfallen und nach drei Tagen kann der Arzt nur das Ableben des Patienten feststellen. Das ist Risikoanalyse dessen, was in der Terminologie, in der Sprachform der Gefahr, als etwas dargestellt wird, was tausendmal, millionenmal größer ist, als es ist. Darf ich Ihnen ein anderes Beispiel geben: Als in der Zeit nach dem 11. September in den USA zahllose Menschen von dem Flugzeug aufs Auto umgestiegen sind, sind in den nächsten zwei Jahren so viel mehr Menschen auf den Straßen verunglückt, als in den Jahren zuvor.
https://berlin.ccc.de/wiki/Philosophisches_Quartett_%281._Okt._2007%29
Es ist beim Vergleich mit dem (islamisch motivierten) Terrorismus ziemlich egal wieviele Menschen bei Haushaltsunfällen oder beim Sportbetrieb oder im Verkehrsbetrieb sterben, da der Terrorismus im Gegensatz zum zuvor Genannten ein pol. Konditionierungsmittel ist, das Systeme verändern kann und eben auch verändert.
Als Politologe könnte man sich an dieser Wahrheit durchaus festhalten wollen, bspw. wenn es Kriege oder so genannte bewaffnete Konfilkte einzuschätzen gilt.
MFG
Wb
Es gab vor ca. 20 (?) Jahren in "Spektrum der Wissenschaft" eine Gegenüberstellung von gefühlten und versicherungsmathematisch berechneten Todesrisiken. Die Wahrscheinlichkeit zu sterben betrug z.B. jeweils 1 zu 1 Mio. bei:
- Einem Transatlantikflug (Tod durch kosmische Höhenstrahlung)
- 30 Jahre in einem Natursteinhaus zu leben (Radioaktivität)
- 5 Minuten 65 Jahre alt sein (Sterblichkeit überhaupt)
Tja, dann muss man nicht gegen die Todesstrafe sein, da das Risiko extrem klein ist, daran zu sterben. Gemäss einem Economist-Artikel soll sogar bei Jugendlichen in der Todeszelle die Lebenserwartung grösser sein als wenn sie draussen sind.
@Stefan W.: "[...] aber was haben wir bei Terror?"
Z. B. Menschen, die dank der vermeintlichen Terrorgefahr ihren Unterhalt mit der Entwicklung von Sicherheitssystemen verdienen. Damit meine ich jetzt gar nicht zwingend direkt die Waffenhersteller, es fließt ja auch mehr Geld in die Entwicklung von automatisierten Überwachungssystemen, z. B..
Man kann also schon sagen, dass die einen Nutzen davon haben, sie verdienen schlichtweg ihr Essen dadurch.
@S.S.T.: Wie und mit welchem Sinnesorgan erfühlt man denn ein Todesrisiko? Wahrscheinlichkeiten kann man nicht fühlen - auch wenn man danach fragen kann, und Antworten bekommt.
@Stefan W.
@Stefan W
Mit dem Hirn ;-) Die Einschätzung von Risiken, vulgo die unterschiedlichen Ängste, die man vor irgendetwas hat.
Ich hab auch den Artikel wiedergefunden, er stammt schon aus April 1982 (S. 28) und hat als Kernthema "Strahlenrisiko im Alltag". Ich muss auch die Zahlen korrigieren:
- Zwei Monate in einem Steinhaus
- 20 Minuten 60 Jahre alt sein
Auch wenn der Artikel schon sehr alt ist und es inzwischen bestimmt zahlreiche, vergleichbare neuere Untersuchungen gibt, ist die Gegenüberstellung von pers. Risikoeinschätzung und tatsächlichem Risiko interessant. So liegt, was Todesfälle angeht, bei Versicherungen z.B. 'Haushalt' an 15. Stelle (von 30), bei den befragten Gruppen an 27.-29. Stelle.
Ängste kann man fühlen, aber eben nicht das Risiko. Huhu - ich ängstige mich, weil ich in den Keller muß, wo meistens diese Spinne auf mich wartet. Obwohl ich weiß, daß sie mich nicht fressen kann und wird, und eigentlich keine Gefahr ist, sind die Ängste da.
Was will ich damit sagen? Bin ich arachnophob? Nein.
Trotz vorhandener Ängste kann ein arachnophober wissen, daß das Risiko gleich Null ist. Er geht aber trotzdem nicht in den Keller, weil die Angst unangenehm ist.
Beim Rauchen ist es eher umgekehrt: Jeder kennt das Risiko - nicht in seiner Höhe, aber dass es da ist - aber vor der unmittelbaren Zigarette flößt es nicht die mindeste Scheu ein, auch nicht, wenn man es auf die Packung druckt.
"Gefühltes Risiko" ist so eine kernersche Floskel, die irgendwas sagen soll, was man auch wieder nicht durchdenkt sondern erfühlt - aus Mitgefühl mit dem Sprecher, dessen Denkfaulheit verhinderte, dass er sagte, was er meinte. Und die ganze verrottete TV-Mischpoke, die zu faul ist zu überlegen, was wirklich der Fall ist, was vorliegt, was dahintersteckt, greift dankbar diesen Joker auf, und setzt überall ein 'gefühlte *' hin, wo der Gedanke nicht hinreicht. ;)
Ein interessanter Artikel. Ich glaube um uns gegen solche medialen Wahrnehmungsverzerrungen zu "immunisieren" müssen wir schon fächerübergreifend in der Schule anfangen uns die richtigen Werkzeuge anzueignen. Die Schüler müssten Bescheid wissen über Fallzahlen, absolutes Risiko und relatives Risiko, statistische Signifikanz vs klinische Signifikanz (Numbers needed to treat) weiche Endpunkte und harte Endpunkte. Dazu muss man nicht in die Sphären der höheren Mathematik gehen.
Zum Glück geht es auch anders, nämlich mit den
Top Ten der vernachlaessigten Themen 2009 .
Die Initiative Nachrichtenaufklaerung (INA) hat am 31.01.2010 die Top 10 der vernachlaessigten Themen 2009 vorgestellt. Es sind:
1. Notstand im Krankenhaus: Pflegebeduerftige allein gelassen
2. Psychiatrie: Bundesregierung biegt UN-Konvention zurecht
3. Kriegsberichterstattung lenkt von zivilen Friedensstrategien ab
4. Rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt
5. Luecken der Finanzaufsicht bei Kirchen
6. Mangelhafte Deklarierung von Jodzusatz in Lebensmitteln
7. Patente auf menschliche Gene und Gensequenzen
8. Schulen fuer Gehoerlose unterrichten keine Gebaerdensprache
9. Mangelnde Kontrolle deutscher Ruestungsexporte
10. Gefaehrlicher Muell beim Bauen und Sanieren
Weitere Informationen und Links auf Detailerklaerungen:
http://www.nachrichtenaufklaerung.de/index.php?id=190 .
@Stefan W
Was soll dieser Streit um Worte? Du weißt selber ganz genau, was der Unterschied zwischen gefühlten Risiken und tatsächlichen Risiken ist.
Und ja, Kerner et al sehe ich nicht, da muss ich mich schon auf Dein Fachwissen verlassen.
S.S.T.: Schlampige Ausdrucksweisen führen zu oder folgen schlampigem Denken. Am schlampigsten formuliert die Werbebranche, und zwar um den Betrug zu kaschieren, an dem sie knapp vorbeizuschrammen trachtet.
Die Frage ist ja, ob man den Unterschied zwischen einer Einbildung und einem Gefühl noch feststellen kann, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat jedes Vorurteil "Gefühl" zu nennen. Ob man damit nicht Gefühle entwertet, oder ob die Entwertung vielleicht umgekehrt vorher schon passiert sein muß, damit es dahin kommt.
Wenn man keinen Bedarf hat zwischen Illusionen und Gefühlen zu differenzieren, dann muss man auch nicht auf die Sprache achten.
@Stefan W.
Zwischen Gefühlen, Einbildungen und dem tatsächlich Wahren zu unterscheiden hilft uns die Wissenschaft!
Allerdings ist diese bei komplexen Fragestellungen bzw. bei Fragestellungen sehr komplexe Systeme betreffend "nicht ganz" ausreichend.
Insofern glaubt jeder irgendwann oder lässt sich überzeugen, oder gar überreden.
Zurück zum Thema: Die Summe aller Einstellungen (Sie dürfen das o.g. hier subsummieren) bildet die Schwarmintelligenz und diese darf zwar hart und fair kritisiert werden, weiss aber so zu sagen mehr als die Individuen selbst.
Dieser kleine Vortrag soll jetzt bitte nicht in ein "Alles geht" übersetzt werden, aber was ein Systemrisiko ist und was ein individuelles, darüber wissen die Menschen schon ganz gut Bescheid. - Auch, wenns manchmal ein wenig hapert. :)
Ein anderes Thema ist natürlich die Medienlage und das Auseinanderlaufen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung. Hier leiden einige Zivilgesellschaften unter einer bestimmten pol. Ausrichtung, die als richtig und ethisch rein empfunden wird. - Allerdings bekommt jedes Land die Medienarbeiter, Politologen, Politiker und Kommunikationsfachkräfte aller Art, die es verdient. Im Grossen und Ganzen.
MFG
Wb