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13.02.10 · 21:06 Uhr
Google Buzz und die Dissidenten
Kategorie: Politik·Technik · Kommentare: 2
Google hat mit viel Lärm sein neustes Kind eingeführt: Buzz. Offensichtlich will man damit Twitter und Facebook ins Schwitzen bringen. Den etwas späten Start möchte Google wohl damit wettmachen, dass es alles schon schön integriert in den populären gmail Dienst serviert. Was hat das auf einem Blog zu Internationalen Beziehungen zu suchen? Mehr als man denken könnte.
Wer diese Tage seinen gmail Briefkasten öffnete wurde schon fast dazu genötigt, das neue Produkt Buzz zu testen. Man wurde gleich mit den häufigsten (Chat)-Kontakten (was bei gmail bequem aus dem Briefkasten heraus funktioniert) kurzgeschlossen. Diese ungefragte Dienstleistung löste nicht nur Begeisterung aus. Dummerweise ist diese Liste gleich öffentlich. Es braucht zuerst das zutun des Besitzers des Buzz Accounts um dies zu entfernen. Das ist mehr als unschön und kann sogar höchst gefährlich sein. Wenn man nämlich als Dissident in einem autoritären Regime ein Kontaktnetz per e-mail pflegt. Das Blog Net Effect von Foreign Policy hat einen Post zum Problem verfasst.
Das problematische Szenario ist ein PR Desaster für Google. Gerade hat man sich mit lauten Fanfaren von Chinas Zensurpraktiken distanziert weil die gmail Konten von Dissidenten gehackt wurden, schon bietet man autoritären Regimes die Möglichkeit relativ einfach herauszufinden, wer mit wem korrespondiert hat. Im Post von Net Effect wird korrekterweise auf das vielleicht paradox erscheinende Phänomen hingewiesen, dass die Privatsphäre geschützt werden muss um freie Meinungsäusserung zu ermöglichen. Freie Meinungsäusserung bedeutet auch, dass man selber entscheidet was man öffentlich äussert.
Es ist sexy die Rolle der neuen Informationstechnologien in den Oppostionsbewegungen von der Ukraine über China bis zum Iran zu betonen und sie als neue Waffe der Massen für Proteste und das Organisieren von Volksbewegungen zu loben. Zu häufig wird dabei vergessen, dass sie nicht nur dies sind, sondern genauso von den Machthabern gegen Dissidenten benutzt werden können.
Google hat inzwischen versprochen dem Problem Abhilfe zu verschaffen. Für die Dissidenten in autoritären Regimes mit einem gmail Konto muss man hoffen, dass ihre Oberen nicht schneller waren als Google.
Autor: ali· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
buzz· china· gmail· google· information· informationstechnologie· iran· soziale netzwerke· twitter· ukraine
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Kommentare (2)
… unschön und gefährlich ist vor allem auch, dafür einen Dienst wie Gmail sowie Klarnamen zu verwenden. Wer konspirativ kommunizieren möchte, muss leider etwas mehr Aufwand betreiben als einen werbefinanzierten 08/15-E-Mail-Dienst à la Gmail zu nutzen.
@Martin
Naja, einen Putsch würde ich so auch nicht planen. Aber es gibt ein ganzes Spektrum an Aktivismus und häufig auch einen gewissen Spielraum für Dissidenten (zum Beispiel im Iran, solange es nicht öffentlich passiert).
Ausserdem sind es verwertbare Hinweise für die Autoritäten. Vielleicht weiss man im Moment nicht wer goldenboy456, ist der mit mightybunny34 kommuniziert, aber man wird mightbunny34 auch unter Beobachtung stellen und vielleicht findet man einmal einen Namen dazu.
Aber wie gesagt, du hast ja recht, die Chinesische Regierung wird man so nicht zu Fall bringen.