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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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18.01.10 · 16:03 Uhr
Das grösste Freihandelsabkommen - oder fast
Kategorie: Internationale Politik·Politik·Wirtschaftswissenschaften · Kommentare: 3
Am ersten Januar trat ein neues Freihandelsabkommen in Kraft. Wie so häufig mit relativ wenig Lärm, obwohl Superlativen durchaus am Platz gewesen wären, deckt es doch zumindest in Bezug auf die Bevölkerung das grösste Gebiet überhaupt ab.
Es geht um ein Freihandelsabkommen zwischen dem Verband Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations, ASEAN) und dem Bevölkerungsgiganten China, welches am 1. Januar 2010 nach acht Jahren Verhandlungen offiziell in Kraft trat. Ich kann mir natürlich nicht verkneifen, kurz auf den neuen Riesen hinzuweisen und ein paar Gedanken loszuwerden.
Das Abkommen ist nicht nur gross in Anbetracht der direkt involvierten Bevölkerung. Auch das ökonomoische Gewicht ist relativ gross, kommt es doch gleich nach den beiden Elefanten aller Freihandelabkommen: Dem Nordamerikanischen Freihandelsvertrag (North American Free Trade Agreement, NAFTA) und der Europäischen Union (die als Zollunion einen Spezialfall darstellt).
Bevor ich aber völlig im Hype versinke möchte ich vielleicht doch noch Anmerken warum ich denke, dass das Abkommen weder ein neues NAFTA und schon gar nicht eine neue EU sein wird auf der Weltbühne.
Zuerst einmal ist China gar kein so grosser Handelspartner der ASEAN Staaten. Es kommt erst an dritter Stelle, nach Japan und der EU. China hat erst vor kurzem die USA überholt, welche wahrlich kein gutes Jahr hinter sich haben. Das Handelsvolumen entsprach etwa 11% des gesamten Aussenhandels der ASEAN Staaten 2008.
Zweitens sind die Zölle schon in den letzten Jahren zwischen China und den ASEAN-Staaten massiv runtergekommen. Gemäss China kommt durch das neue Abkommen der durchschnittliche Zolltarif von 9.8% auf 0.1% runter und deckt etwa 90% aller gehandelten Güter (zum Vergleich: Der Durschnittszoll Chinas mit anderen WTO Mitgliedern ist ebenfalls 10%). Den Abkommen sind trotzdem relativ lange Listen mit Ausnahmen angehängt, die ich Aufgrund meiner nicht-vorhandenen Chinesisch Kenntnisse leider nicht entziffern kann.
Drittens scheint das im Vertrag vorgesehene Schlichtungsverfahren (wie übrigens bei den meisten Freihandelsabkommen) keinen Biss zu haben und nur als pro forma Plan B zu dem der WTO dazustehen.
Last but not least, gilt es noch eine Besonderheit der ASEAN zu beachten, welche oft als 'the ASEAN way' bezeichnet wird. Ein heilliger Respekt für die 'internen Angelegenheiten' und die Souveränität der anderen Staaten und strikte Nicht-Einmischung. Dies kann einer ökonomischen Integration hinderlich sein und durchaus auch als Konfliktscheue einen Ausdruck finden (nicht dass man ein solche einem Staat wie Brunei mit nicht einmal 400'000 Einwohnern gegenüber China verübeln könnte).
Trotz den anwendbaren Superlativen ist das Abkommen darum vermutlich nur eines unter vielen. Dies kann sich natürlich ändern wenn die Region und vor allem China über die nächsten Jahre so weiterwächst. Dies gilt mit vielen Unbekannten, von der Handelsstruktur (zum Beispiel wie wichtig werden Diensteislungen sein) bis zur relativen Entwicklung der regionalen Handelspartner (zum Beispiel Korea und Australien sind ebenfalls wichtige Handelspartner der ASEAN) und der politischen Zukunft der verschiedenen Vertraagsstaaten. Echte Voraussagen sind wie immer schwierig.
Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Ich teile die Ansicht, dass insbesondere das Schlichtungs- und Sanktionsverfahren entscheidend ist, ob sich der Handel wirklich freier entwickeln kann.
Ist etwas bekannt über Kumulationsregeln zwischen China ubnd ASEAN? Danke!
Aus den Anhängen:
War das die Frage?