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17.07.08 · 10:36 Uhr
Kolumbien missbrauchte IKRK Emblem
Kategorie: Internationale Politik·Politik · Kommentare: 3
Ich fand diese Tarnung als 'Humanitäre Organisation' von Anfang an etwas suspekt. Trotz den anfänglichen Dementi, hat Kolumbiens Präsident Uribe jetzt zugegeben, dass mindestens einer der an der Geiselbefreiungsaktion beteiligten Soldaten das Rote Kreuz trug (die gleiche Meldung auch bei der BBC).
Das viel zitierte humanitäre Völkerrecht wird normalerweise recht gut respektiert. Es regelt nicht das Recht auf Krieg (jus ad bellum) sondern das Recht im Krieg (jus in bello). Diese Regeln werden entgegen einer oft geäusserten Meinung gut beachtet und in enger Zusammenarbeit mit Militärs erarbeitet.
Viele dieser Regeln sind in den Genfer Konventionen festgeschrieben. Diese Konventionen geben dem Roten Kreuz auch seinen einzigartigen und privilegierten Status. Die Regeln sind im Gegensatz zu vielen anderen Dingen im Völkerrecht häufig sehr präzise und detailliert. Es geht um zulässige Waffen und Munition, den Schutz der Zivilbevölkerung, den Umgang mit Kriegsgefgangenen (1) und vieles mehr. Einiges kann direkt auf einen früheren Ehrenkodex auf dem Schlachtfeld zurückgeführt werden. Eingehalten werden die Regeln wohl auch, weil jede Partei so indirekt diesen Schutz auch den eigenen Leuten zukommen lässt. Ein wie-du-mir-so-ich-dir wäre sonst eine einfache und direkte Sanktion.
Eine dieser Regeln wurden nun im Fall der Befreiung von Ingrid Betancourt verletzt. Das Emblem des IKRK darf nicht für andere Zwecke missbraucht werden. Wohl auch weil ein Tabu gebrochen wurde, hat Uribe sich so schnell entschuldigt. Aus diesem Grund hat er vermutlich angeführt, dass es unter Stress geschehen sei und in angeblicher Missachtung eines Befehls von oben. Wie auch immer, wieder mal macht eine Verletzung des humanitären Völkerrechts Schlagzeilen und verstärkt den Eindruck, dass Regeln im Krieg nicht durchsetzbar sind. Dabei wird das humanitäre Völkerrecht die meiste Zeit über respektiert, nur das verkauft sich medial schlecht.
(1) Darum wollte die Bush Administration aus den Gefangenen in Afghanistan und im Irak zu "unlawful combatants" umdefinieren, damit sie eben diesen Schutz nicht geniessen.
Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
farc· humanitäres völkerrecht· ingrid betancourt· kolumbien· kriegsrecht
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Kommentare (3)
Also ich bin da voll dagegen, dass die Genfer Konvention (und ähnliche Übereinkünfte) im Mindesten übertreten werden, egal, welchem Zweck das Ganze dienen soll (in diesem Fall war das Ziel ja lobenswert, eine Befreiung der Geiseln ohne Kampf).
Nur, wenn sich wirklich alle regulären Streitkräfte strengstens an diese Regeln halten darf gehofft werden, dass auch Milizen und paramilitärische Organisationen zum. teilweise auf diese Vereinbarungen Rücksicht nehmen (schon alleine aus PR-Gründen).
Wenn diese Regeln gebrochen werden, ist das wirklich fatal. Damit könnte das Vertrauen in das IKRK sinken und damit die kleinen Freiräume, die es in seinen Handlungen hat, eingeengt werden. War es denn wirklich notwendig sich als IKRK-Mann auszugeben? Hätte die Befreiung ohne das Emblem auf des Soldaten Kleidern nicht funktioniert?
Nur um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin 100% einverstanden, was immer der Grund, der Einsatz des Emblems ist ein gravierender Verstoss und inaktzeptabel.