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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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22.05.08 · 10:23 Uhr
Wer verhandelt ist ein Terrorist
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Ich muss schon wieder über den US Vorwahlkampf berichten. Es geht um den vor kurzem erfolgte Schlagabtausch zwischen McCain, Obama und Bush.
Bush hat während seines Aufenthaltes in Israel vor der Knesset die Chamberlain 'Appeasement' Keule geschwungen und die meisten haben dies als Angriff auf Obama interpretiert. McCain hat gleich nachgedoppelt und Obama ebenfalls vorgeworfen, dass er mit Terroristen verhandeln würde. Er sei der von der Hamas favorisierte Kandidat (dies nachdem ein Hamas Sprecher seine Sympathien für Obama in einem Interview kundgetan hat). Inzwischen ist klar, dass sich auch McCain schon für Gesprächsbereitschaft ausgesprochen hat. Doch wie das so ist in der Politik, das Gesagte hängt nun in der Luft.
Es geht mir nicht um die Heuchelei, mich schockiert das Argument. Gesprächsbereitschaft ist eine Schwäche. Wer verhandeln möchte hilft den Terroristen. Es sollte doch offensichtlich sein, das absolute Konzepte völlig ungeeignet sind um Politik zu betreiben und Strategien zu entwickeln. Dogmatismus haftet immer etwas irrationales an. Was soll der Blödsinn mit Appeasement? Es ist mir bewusst, dass es sich in der Öffentlichkeit um ein Totschlägerargument handelt, aber denkt überhaupt noch jemand darüber nach, ob die historische Analogie auch nur im Entferntesten greift (1)?
Wenn ein Hamas Sprecher Obama seinen Respekt ausspricht, dann ist das doch eine Stärke des Kandidaten (2). Er kann mit einem positiven Image an einen Verhandlungsstart gehen. Aber in der grassierenden "Mit uns oder gegen uns"-Logik wird dies zum Gegenteil verkehrt. Die Sicht der Hamas (die nicht mal eine offizielle war) sagt doch nichts über die politischen Präferenzen des Kandidaten aus. Anscheinend muss man vom Feind gehasst werden, sonst ist man ein Sicherheitsrisiko. Es scheint als ob Dialog ein negativer Wert geworden ist und dafür Konfrontation etwas positives ist. Was soll man da noch sagen. Krieg ist Frieden.
(1) Das Argument ist kontrafaktisch. Niemand weiss, was passiert wäre, hätte man Hitler versucht früher zu stoppen. Es bleibt zu vermuten, das München, welches zum Symbol für Appeasement wurde, den Krieg nur noch hinausgezögert hat. Wer aber im politischen Diskurs 'Appeasement' sagt, meint 'Leute wie du haben den Zweiten Weltkrieg zu verschulden'. Eine sowieso unhaltbare Behauptung. Mit der Hamas hat das ganze sowieso rein gar nichts zu tun.
(2) Er hat ihn ironischerweise mit John F. Kennedy verglichen, diesem Über-Präsidenten der US-Politik. Aber der ist wohl auch ein Appeaser gewesen.
Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Damit erklärt Bush die Israelis zu Terroristen. Macht ihn das jetzt zum Antisemiten? Oder vielmehr zum Terrorunterstützer? Ach, was ist die Welt heutzutage kompliziert...
Ich verfolge das Wahltheater schon von Anfang an (d.h. seit der Zeit als Clinton noch "inevitable" war), und mich schockiert gar nichts mehr, schon gar nicht von den Republikanern. Hast du die Story mit Hagee mitbekommen, die grad die Runde macht?
Du meinst die Predigt, die aufgetaucht ist, in der Hagee meint, Hitler hätte mit der Judenverfolgung Gottes Wille vollstreckt, weil die Juden ja schliesslich nach Palästina müssen, damit der Weltuntergang endlich stattfinden kann?
Könnte einem Angst machen, dass solche Leute so nah an Politiker gelassen werden, die den Finger am roten Knopf haben. Man weiss nie, was diese Leute gerade für Stimmen hören oder welcher Prophezeiung sie gerne auf die Sprünge helfen wollen.
P.S.: Ich muss gestehen, bei aller Vorsicht hielt ich Clinton auch für 'inevitable'. Sie machte schon diesen Eindruck als sie die Kandidatur '04 Ausschlug. So kann man sich verrechnen (gilt wohl für mich und Clinton).
Jup, die Hagee-Geschichte meine ich.
McCain hat eine ganze Menge derartiger Apokalyptiker in seinem Umfeld. Die grundlegende Idee ist ja, einen Atomkrieg anzuzetteln, in dem Israel vernichtet wird, weil das angeblich laut Bibel die Vorbedingung für die Ankunft des Messias ist. Großartig. Und dann wundern sich die Leute, dass ich Religion nicht mag...
Clinton hatte m.E. nie eine echte Chance, zumindest nicht unter diesen Umständen. Es ist eine Sache, einen Parteiapparat und das Medienestablishment zu kontrollieren, aber eine völlig andere, dann auch tatsächlich gewählt zu werden. Eine Kandidatin, die von einem guten Drittel der Bevölkerung mit Hingabe gehasst wird, kann schlicht nicht gewinnen.