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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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07.04.08 · 12:26 Uhr
Mediale Reinigungsrituale vor Olympia
Kategorie: Internationale Politik·Politik · Kommentare: 2
In der französischsprachigen Schweizer Zeitung Le Temps fand sich letzte Woche ein interessantes Interview. Darin wurde die Kritik an China als ein vor jeder Olympiade wiederkehrendes Ritual bezeichnet.
Das ursprüngliche Interview ist kostenpflichtig aber hier ein Zitat aus einer Presseschau (und hier eine etwas holprige Version auf Deutsch):
Marie-Hélène Miauton, director of the Swiss polling firm MIS Trend, doesn't believe the threats of an Olympic boycott this summer in Beijing. "The Olympic universe has its own momentum, media rituals that it has to respect to the letter. ... It's in the lead up to the event that the critical commentaries appear. Currently, we have pollution, seeing as it's a cause in style, as well as the destruction of historic districts and, of course, political reservations. This preliminary effervescence has a cathartic goal because it allows us to get our disturbing hang-ups out during a time consecrated to the Games when only records will make headlines. Once the music of the closing ceremony falls silent, and the final medal count is done, there will certainly be questions about money that arise... . It is thus useless to throw a fit; we are squarely in this period. Neither the opening ceremony, nor the Games themselves will be boycotted.
Eine bedenkenswerte Analyse. Es wird spannend zu sehen, ob dies auch dieses Mal zutrifft. Ich vermute, die effektive Lobby und der Goodwill des tibetanischen Exils werden es schaffen das Rampenlicht zu nutzen. Alle andere Themen werden wohl tatsächlich im Lärm untergehen. Ein Boykott ist wohl tatsächlich unwahrscheinlich (mehr Blogposts zum Thema: Politik und Olympia und Wahrnehmung des Tibets).
Autor: ali· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Hm, ob die Analyse nicht etwas kurz greift? Die olympische Fackel, dieses ach so schöne Symbol für Völkerverbundenheit und Frieden, muss inzwischen bewacht werden wie ein Staatschef. Das gab's immerhin seit 1936 nicht mehr.
Das chinesische Wahrheitsministerium verschweigt die Proteste weitgehend, versucht sie gegebenenfalls als eine Inszenierung der 'Dalai-Clique' darzustellen. Gemäss diversen Medienberichten scheint die Sache vorerst aufzugehen, Chinas Bevölkerung gibt in Interviews brav die Parteimeinung wieder. Dennoch, ausserhalb Chinas wächst der Argwohn, sich für die Jintaoiade vereinnahmen zu lassen. Proteste gab's vor London und Paris bereits in St Petersburg. In Delhi sind sie voraussehbar, genauso in San Francisco - trotz chinesischer Sicherheitsbeamter, die überall mitlaufen. Das setzt durchaus auch Regierungen unter Druck. Der Eröffnungszeremonie werden wohl mehr Staatschefs fernbleiben, als der Jintao-Clique lieb ist. Den jubelnden Han-Chinesen vor Ort wird das ziemlich schnuppe sein, aber darum alleine geht's schliesslich nicht.
Vielleicht ist es dieses mal doch etwas anders. Auf jeden Fall finde ich die Idee eines Zyklus in den Medien sehr interessant (und widerspricht auf den ersten Blick nicht der Intuition). Ich muss bei Gelegenheit mal suchen, ob das wissenschaftlich schon untersucht wurde.
Wie auch immer, ich vermute, falls es wegen Peking mehr Lärm gibt als sonst, dies weniger auf die geweckte Öffentlichkeit zurück zu führen ist oder gar weil die Chinesen den Bogen für die Sportöffentlichkeit überspannt hätten, sondern der Verdienst der effektiven Öffentlichkeitsarbeit des tibetanischen Exils. Sich mit einem Feuerlöscher auf die Fackel zu stürzen könnte eine Greenpeace Idee sein.
Es gäbe natürlich Gründe genug politisch etwas zu unternehmen. Hätte man aber dann konsequenterweise den Chinesen vielleicht gar nie die Spiele geben dürfen?