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15.04.08 · 10:23 Uhr
Bloggen und Englisch als Lingua Franca
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Häufig bin ich wenn ich meine Einträge schreibe, mit einem Sprachproblem konfrontiert. Die meisten meiner Quellen sind Englisch. Die besten Zitate und Clips sind in der Sprache Shakespeares und häufig schwer und/oder nur mit viel Arbeit übersetzbar.
Das Dilemma ist offensichtlich: Ich blogge auf einer deutschsprachigen Plattform und richte mich an ein deutschsprachiges Publikum. Ich möchte natürlich auch gelesen werden. Einträge auf Deutsch die vor allem auf englischsprachige Quellen verlinken bergen das Risiko, mich in die schlechteste aller Bloggerwelten zu teleportieren: Die Publikumswüste. Deutschsprachige werden mich nicht lesen wollen, weil sie sich nicht durch den englischen Text quälen wollen. Anglophone Leserinnen und Leser (1) werden sich gar nicht erst die Mühe machen sich durch den Deutschen Text zu wühlen nur um obskure links anzuklicken.
Die Versuchung ist bei mir häufig gross als Alternative einfach zu übersetzen. Doch warum soviel Arbeit, wenn doch häufig gerade die Eloquenz, die mich in einem Text angesprochen hat, verloren geht? Ausserdem ganze Fachartikel werde ich sowieso nicht übersetzen. Dazu kommt, das Englisch nun, soviel ich es auch benutze für meine Arbeit und mit Freunden, nicht meine Muttersprache ist.
Nur secondhand Einträge schreiben möchte ich ebenfalls nicht. Es läuft doch irgendwie der ganzen Idee des schnellen und aktuellen Mediums Blog entgegen. Soll ich wirklich warten bis ein Thema im eigenen Sprachraum journalistisch wiedergekäut wurde?
Basiert ein Eintrag auf einem wissenschaftlichen Artikel ist dieser mit Sicherheit in Englisch abgefasst und daher nur einem eingeschränkten Publikum zugänglich (noch eingeschränkter als es sowieso schon wegen dem Fachchinesisch ist). Stütze ich mich einfach nur auf News und mache Armlehnen-Analysen, leidet dafür das wissenschaftliche ein wenig.
Was tun? Dem Publikum einfach Englisch zumuten auf die Gefahr hin elitär (oder viel schlimmer, völlig uninteressant) zu sein? Seine Zeit mit Übersetzen und Zusammenfassen verbringen? Meist mogle ich mich mit allen erwähnten Ansätzen mehr oder weniger gleichzeitig durch.
Ich halte mich aber auch daran fest, das es eine Chance ist, mit je einem Fuss in einem anderen Kulturraum zu stehen (noch mit einem dritten im französischen Sprachraum). Gerade wir hier bei scienceblogs.de haben mit der grosen Schwestersite scienceblogs.com einen offenen Verbindungskanal. Ich versuche nur noch rauszufinden wie ich diesen nutzen kann, ohne darin stecken zu bleiben.
(1) Die Chancen stehen gut, das diese weniger Deutsch verstehen, als die Deutschsprachigen Leser Englisch.
Autor: ali· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
IDie Mischung sollte durchaus bestehen können. Zwingend auf Englisch zu bloggen ist, genau wie Du schreibst, vielleicht doch zu anstrengend und bloggen soll doch schnell gehen und Spaß machen. Umgekehrt spricht gegen englischsprachige Quotes nichts. Aus dem Kommentar zum Quote wird dessen Inhalt im Kern sowieso herauskommen.
Einzelene Zitate finde ich auch weniger ein Problem.
Es sind mehr wenn ich ganze Artikel verlinke die oft nicht einfach zu lesen sind (wie zum Beispiel der im letzten Post, oder Fachartikel). Ich frage mich inwiefern sowas gelesen wird und ob es vielleicht gar abschreckt (im Grunde ist es auch eine Frage von wen man ansprechen möchte).
Ich fürchte, die Bereitschaft überhaupt auf weiterführende Links zu klicken - egal ob in Deutsch oder Englisch - ist allgemein recht niedrig. Deshalb würde ich raten, zumindest grob den Inhalt des entsprechenden Artikels/Blogposts auf Deutsch zusammenzufassen.
Also was die Links angeht sollte man es wie in einer "normalen" Publikation halten, denke ich: der Beitrag sollte lesbar und verständlich sein, ohne weitere Publikationen lesen zu müssen; aber natürlich sollten alle Quellen und Referenzen für diejenigen da sein, die weiterführenden Informationen haben wollen.
Das mit dem Englischen ist so ne Sache... Gerade in der Naturwissenschaft ist es oft sehr schwer, einfach die richtigen Wörter auf deutsch zu finden. Englisch ist hier die Fachsprache und viele Wörter existieren in der Form auf Deutsch oft nicht. Wenn ich ab und zu auf Deutsch Fachtexte schreiben muss, fällt mir das immer enorm schwer - einfach weil ich es gewohnt bin, über mein Fach nur auf englisch zu lesen/schreiben/denken. Englisch ist auch irgendwie viel kompakter als Deutsch - manches, was ich auf Englisch in einem Satz sagen kann, kann ich auf Deutsch nicht mal in nem ganzen Absatz beschreiben...
Bei allgemeinverständlichen Texten (und die will ja zumindest ich in meinem Blog verfassen) geht das bei mir mit Deutsch aber recht gut. Würde ich aber ein reines Blog für Fachleute schreiben, würde ich sicher englisch bloggen...
Zum Thema englischsprachige Fachbegriffe hatten wir hier schon das beste Beispiel, anlässlich der Nobelpreisverleihung an Peter Grünberg. In der deutschen Presse gab es damals vielerlei Übersetzungsversuche des Riesenmagnetowiderstands. Das scheint also wirklich ab und an ein Problem. Andererseits sollten wir uns doch sprachlich unsere Forschung nicht nehmen lassen. Woran auch immer forschen, es wäre schon schön, wenn wir dafür auch einen deutschen Namen hätten.
Prinzipiell stimmt das: man sollte in jeder Sprache über Wissenschaft reden können, nicht nur in englisch. Aber gerade bei Fachbegriffen ist das eben nicht immer leicht. Es gibt ja selten ein "offizielles" Kommitee, das Fachbegriffe definiert. Meistens benennt ein Forscher etwas neues einfach - und je nach dem, wie die Community darauf reagiert setzt sich das als allgemeinbekannter Begriff durch oder nicht. Und da immer auf englisch publiziert wird, ist der "offizielle" Begriff eben auch auf englisch. Wenn man dann probiert, auf deutsch darüber zu reden, dann kommt genau das raus, was beim Riesenmagentowiderstand passiert ist. Mangels Community übersetzt jeder (jedes Medium) den Begriff selbst - und dann entstehen unterschiedliche Begriffe. Der Forscher selbst wird höchstwahrscheinlich auch einen Begriff in seiner Muttersprache parat haben - aber wenn das eine andere als englisch ist, kommuniziert man eben sehr selten damit. Ich weiß nicht, ob man soweit gehen kann, und behaupten das die mangelnde deutschsprachige Berichterstattung über Wissenschaft mit Schuld daran ist, dass entsprechende Wörter und Begriffe fehlen - aber je mehr auf deutsch über Wissenschaft geredet wird, desto leichter werden sich auch allgemeinbekannte deutschsprachige Fachbegriffe etablieren (parallel zu den englischen natürlich - eine Sprache, mit der alle Wissenschaftler einander verstehen braucht man ja immer und das wird wohl englisch bleiben)
Das ist eine wahrlich verzwickte Gemengelage. Ich helfe mir gegenwärtig sporadisch und testweise mit englisch-geschriebenen Texten, zumal ich ja manchmal Angelegenheiten beblogge, die nicht nur relevant für Deutschsprachler sind (Scientific misconduct, Pseudoscience).
Blogge, wie es dir beliebt, wie es Dir von der Hand geht, probiere es aus. Englisch, Französisch, Deutsch - oder welche Sprachen Du ansonsten noch verschriftlichen kannst. Du siehst die Chance selber, nutze sie.
Grüße vom Zettmann.
Als Englischspracher, der Deutsch lernt (und zwar jetzt an einer Deutschen Uni studiert), finde ich scienceblogs.de wirklich eine geile Unternehmung. Man man kaum über wissenschaftliche bzw. skeptische Themen im MSM. Natürlich also sind die englischen Aussagen für mich kein Problem. Ich kenne meistens schon die Themen, und ausserdem finde ich es toll, eine Meinung aus eine andere Kultur zu lernen.
Also, fürchte nicht, wieder auf Deutsch zu schreiben! Es ist eine gute Resource für uns, die Deutsch lernen wollen, und auch uns für Wissenschaft intressiere.