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15.03.08 · 19:06 Uhr
Bekenntnisse eines Klimaagnostikers: Eine Replik
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 6
Ein Feueralarm geht los. Die meisten im Haus behaupten Rauch gerochen zu haben.
Ein paar wenige behaupten der Rauch käme von draussen und eine unnötige Panik sollte verhindert werden. Wie soll man reagieren?
Drüben bei WeiterGen hat Tobias, ich vermute mal den Advocatus Diaboli spielend, eine Diskussion zum Thema Klimawandel vom Zaun gebrochen (erster Eintrag hier, zweiter hier). Das Problem für mich entspricht genau dem Problem mit dem umstrittenen Feueralarm. Ich kann die Argumente nachvollziehen, mich durch die Grafiken ackern, am Ende kann ich als Nichtspezialist jedoch nicht wirklich urteilen.
Ich könnte einfach meine Meinung auf der Basis von Autorität bilden. Ich mache das jedoch ungern, bin aber als Laie versucht, dies als Zweitbest-Lösung zu akzeptieren. Die Einschätzung der Qualität einer Autorität steht mir als zusätzliches Instrument zur Verfügung. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) scheint mir gut besetzt gewesen zu sein. Wissenschaft ist zugegebenermassen und zum Glück keine Demokratie und daher ist diese Lösung nur teilweise befriedigend.
Im Kern geht es doch um die Frage was getan werden muss (oder eben nicht). Der Klimaagnostiker der sagt, er könne die Situation selber nicht beurteilen, muss auf der Basis unvollständiger Information Risiken abwägen. Wir sind immer wieder gezwungen dies zu tun, da wir meistens nur über beschränkte Information verfügen. Interessanterweise ist dieses Auf-dem-Zaun-sitzen meist die Begründung der Passivitäts Befürworter. Dies ist offensichtlich einfach die angenehmere Lösung, nicht so rational wie vorgegeben und deshalb vermutlich häufig geheuchelt.
Nehmen wir mal an, dass eine gewisse Plausibilität den Argumente dieser grosse Gruppe von renommierten Forschenden unterschiedlichster Disziplinen zugestanden werden muss. Kann das Risiko eingegangen werden nichts zu tun? Gerade weil es viele Unsicherheiten gibt, muss reagiert werden. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, offene Fragen werden immer bestehen. Wann bitte soll denn das langsame Räderwerk der internationalen Politik in Gang gesetzt werden?
Autor: ali· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Du spielst da auf einen wichtigen Punkt an, nämlich die Unsicherheitshypothek, die jeder (auch noch so fundierten) wissenschaftlichen Expertise anhaftet. Denn - und wir reden von einer Beurteilung eines hochkomplexen "Systems", nämlich des Ökosystems - unser Wissen ist immer noch lückenhaft und bzgl. vieler Variablen, die das Klima bestimmen, haben wir nur unzureichende Modelle und Hypothesen - in der Gesamtschau kommen wir nicht daran vorbei uns einzugestehen, daß immer offene Fragen bleiben werden.
Ich stimme Dir also zu 100% zu: eine absolut einmütige Empfehlung aller Experten auf diesem Gebiet werden wir in diesem Leben nicht mehr erhalten. Es bleibt uns also (soweit ich sehe) nichts anderes übrig, als diesen vorliegenden IPCC-Bericht anzunehmen, zu akzeptieren, daß weiterer Klärungsbedarf besteht, aber dennoch unbedingter Handlungsbedarf. Es ist eine Abwägung, aber das Risiko nicht zu handeln, wäre nach allem, was wir wissen, größer!
Heute Morgen kam auf 3sat eine Vorlesung eines Professors, der zeigte, dass Kaltzeiten, wie wir sie heute haben, in der Weltgeschichte eine Ausnahme sind. Die waren immer recht kurz. Normal sind eher Durschnittstemperaturen von 10 Grad mehr gegenüber heutigen Verhältnissen. In diesem Zusammenhang von einer Klimakatastrophe zu reden und die Erde als bald toten Planeten zu bezeichnen ist also schonmal grundfalsch.
Zudem musste er zugeben, dass wir diese Warmzeiten mit unseren Klimamodellen nicht berechnen können. Wir verstehen nur die Kaltzeiten halbwegs. Vorraussagen der Vergangenen Verhältnisse waren mit den bisherigen Modellen immer falsch.
Aber natürlich hat das Auswirkungen auf das Leben des Menschen, vor allem weil wir so viele sind. Man kann ja versuchen den menschlichen Einfluss möglichst zu begrenzen, doch die Warmzeit, die sich in vollem Umfang wohl auch erst in einigen (Hundert-)tausend jahren entfalten wird, werden wir kaum aufhalten können.
Der Co2 gehalt war in diesem Warmzeiten übrigens teilweise 20mal so hoch wie heute.
Ich habe diese Vorlesung des namenlosen Professors nicht gesehen (das scheitert schon daran, dass ich keinen Fernseher besitze). Ich behaupte aber mal, dass dies nichts an meinem Argument ändert.
Wer behauptet denn sowas? Das scheint mir ein klassischer Strohmann zu sein.
Wenn es stimmt, dann haben wir doch immerhin noch etwas Bedenkfrist ;-)
Mir ging es in diesem Post darum nachzudenken was die politischen Konsequenzen sein sollten gemäss dem heutigen Wissenstand und wie ich als Laie die Situation beurteilen kann. Ich wollte nicht die Entwicklung des Weltklimas für die nächsten 100'000 Jahre voraussagen.
Politisch gesehen muss natürlich was passieren. Nur diese Panikmache ist nicht angebracht. Man sieht ja am Biosprit was unüberlegte Aktionen bringen. Regenwälder werden abgeholzt und Lebensmittel werden teurer und knapp weil sie zu Sprit gemacht werden. Da das aber nicht in die CO2 Bilanz gerechnet wird können die Staaten sich damit ihre Bilanzen schönrechnen. Aber so langsam wacht man ja da auch auf.
Das eigentliche Problem ist ja eher, dass uns in spätestens 100 Jahren das Öl ausgehen wird, bzw nicht mehr genug da ist. Allein deswegen muss schon an alternativen geforscht werden. Nur sollte halt nicht panik geschoben werden, sondern erstmal schauen was zur Zeit machbar ist und wo noch forschungsbedarf besteht.
Vielleicht ist manchmal Panikmache notwendig um die Leute aufzurütteln, vielleicht ist das aber auch nicht die Aufgabe einer Wissenschaftlerin/eines Wissenschaftlers. Aber das ist wohl ein weiteres grosses Thema, welchem eventuell ein eigener Eintrag gebühren würde.
Niemand bestreitet, dass die Erde in ihrer Geschichte immer wieder mal wärmer und kälter war as heute. Aber das ist ja nicht der Kern des Problems – es ist das Tempo des Klimawandels, das die Klimawarner beunruhigt. Und das sind zwei völlig verschiedene Problemlagen. Etwa so, als ob man an der Küste steht und den heranrollenden Tsunami damit abtun will, dass der Meeresspiegel in der letzten großen Warmzeit vor 120.000 Jahren ja auch höher war.