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10.07.11 · 14:30 Uhr

War Kaiser Wilhelm II. homosexuell?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Wie eine Online-Ausgabe des Kölner-Stadtanzeigers vom 8.7.2011 berichtet, geht die Debatte um die Frage, ob der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) homosexuell war, in eine neue Runde.

Familie Wilhelm.jpgDenn der Historiker und Geschichtslehrer Peter Winzen hat sich in zwei neuen Büchern vor allem mit dem persönlichen Umfeld des Kaisers beschäftigt und versucht dabei nachzuweisen, dass die wilhelminische Kamarilla rund um den Liebenberger Kreis zumindest bis zum Eulenburg-Prozess 1907 aus vielen schwulen Günstlingen bestand. Daraus leitet er ab, es sei nicht unwahrscheinlich, dass Wilhelm selbst homosexuell gewesen sein könnte. Trotzdem sollte aber nicht unterschlagen werden, dass der Kaiser sechs Söhne und eine Tochter hatte, was die Diskussion ein wenig entspannt.

Da stellt sich natürlich immer die Relevanz von solchen Ausführungen, zumal der Wilhelm-Biograph John C. G. Röhl die homosexuellen Neigungen Wilhelms II. immer bestritten hat (siehe dazu den welt.de-Link). Interessant wird die weitere Beschäftigung mit dem Umfeld des Kaisers aber, weil dieses im Kaiserreich mit seinen antiparlamentarischen Entscheidungspfaden großen Einfluss auch auf die direkte Periode vor dem Ersten Weltkrieg und die imperialistische Zeit insgesamt hatte, die uns heute so fremd scheint. (Foto: Bundesarchiv - Bild_146-2008-0152,_Familie_Kaiser_Wilhelm_II..jpg)

Bericht ksta-online vom 8.7.2011:
http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1309947667780.shtml

„Streit um Kaiser Wilhelm II. und den Weltkrieg" (welt.de vom 4.7.2008):
http://www.welt.de/kultur/article2174342/Streit_um_Kaiser_Wilhelm_II_und_den_Weltkrieg.html



 

Autor: Christian Jung· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (11)

Kommentar-Direktlink KommentarAbo· 10.07.11 · 14:51 Uhr

...

Author Profile Page Thilo· 10.07.11 · 15:04 Uhr

Gibt es irgendwelche neuen Erkenntnisse in Winzens Buch?

http://de.wikipedia.org/wiki/Harden-Eulenburg-Aff%C3%A4re schreibt ja (mit Berufung auf Weller, Hull und Baumont-Steakley)

Harden erzählte später, dass die Affäre zwar erfolgreich war, aber auch sein größter politischer Fehler gewesen sei. Kaiser Wilhelm II. wandte sich, wie Harden es beabsichtigt hatte, von den durch die Affäre stigmatisierten moderaten Kreisen ab. In der Folge wandte der Kaiser sich mehr militärisch ausgerichteten Beratern zu. Wie andere Beobachter sah auch Harden später darin mit einen Grund für das Ende des zweiten deutschen Kaiserreiches.

Sieht Winzen das auch so?

Author Profile Page Christian Jung· 10.07.11 · 15:34 Uhr

@Thilo: Ich gehe davon aus, dass viele Sachverhalte des "persönlichen Regiments", also der Privatzirkel rund um Wilhelm II. schon beschrieben wurden, z.B. auch rund um die Juli-Krise 1914 und die Zeit davor. Interessant ist natürlich die These, dass man nur mit homosexuellen oder -erotischen Neigungen etc. in manche dieser "Machtkreise" kam. Das Ende des Deutschen Kaiserreichs würde ich eher mit dem fürchterlichen Verlauf des Ersten Weltkriegs in Verbindung bringen, zumal noch 1918 bis ins Spätjahr fast niemand von einem Sturz der Monarchie ausging. Wie Winzen das im Einzelnen sieht, weiß ich nicht. Ich könnte ihn aber mal anschreiben, wenn Dich das interessiert.

Author Profile Page Thilo· 10.07.11 · 16:36 Uhr

Wie Winzen das im Einzelnen sieht, weiß ich nicht. Ich könnte ihn aber mal anschreiben, wenn Dich das interessiert.

Meine Frage bezog sich ja eher darauf, ob in den beiden Büchern irgend etwas neues dazu steht. Wenn jemand zwei Bücher über das persönliche Umfeld des Kaisers schreibt, dann gehe ich mal davon aus, daß er sich für dessen Einfluß auf historische Entscheidung interessiert. Jedenfalls wüßte ich nicht, warum sonst sich ein Historiker mit dem Thema befassen sollte.

Ich gehe davon aus, dass viele Sachverhalte des "persönlichen Regiments", also der Privatzirkel rund um Wilhelm II. schon beschrieben wurden, z.B. auch rund um die Juli-Krise 1914 und die Zeit davor.
Es geht doch wohl aber in erster Linie um die Zeit vor der Marokko-Krise 1906, weniger um den 1.Weltkrieg.
Das Ende des Deutschen Kaiserreichs würde ich eher mit dem fürchterlichen Verlauf des Ersten Weltkriegs in Verbindung bringen, zumal noch 1918 bis ins Spätjahr fast niemand von einem Sturz der Monarchie ausging.
Die bei Wikipedia erwähnten Beobachter dürften DAS wohl kaum bestreiten wollen, ganz bestimmt nicht.

Gemeint ist natürlich, daß sie die deutsche Kriegspolitik und insbesondere den 1.Weltkrieg als Spätfolge der Harden-Affäre ansehen. Aber diese These ist natürlich arguable.

Kommentar-Direktlink Ali Abu Dihk· 10.07.11 · 16:48 Uhr

War Wilhelm II. doof?

Die Frage bewegt sich auf entsprechenden Niveau. Ist Wissenschaft tatsächlich in der Gosse angekommen?

Offensichtlich.

Kommentar-Direktlink Adromir· 10.07.11 · 18:53 Uhr

Da ich die sexuelle Ausrichtung eines Menschen als dessen persönlich private Sache halte, stellt sich mir auch die Frage nach der Relevanz dieser Überlegungen.

Kommentar-Direktlink Roland· 10.07.11 · 20:12 Uhr

Ein etwas naiver Blickwinkel. In einer wirklich freien Gesellschaft mag das gelten, aber wenn Homosexualität verfemt ist oder sogar strafbar, spielt diese an sich private Einstellung eine große Rolle dafür, wie die Betreffenden sich verhalten. Noch in der angeblich liberalen Bundesrepublik musste ein General seinen Abschied nehmen, weil er als Homosexueller angeblich erpressbar gewesen wäre (albern, denn das Argument verfällt ja, sobald seine sexuelle Ausrichtung bekannt ist).
Nebenbei geht es ja wohl auch um die Frage des Zugangs zum entscheidenden inneren Zirkel, da spielt es eine wichtige politische Rolle, ob diese aus für andere nicht erkennbaren Gründen eingeschränkt war.

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 10.07.11 · 20:40 Uhr

Daraus leitet er ab, es sei nicht unwahrscheinlich, dass Wilhelm selbst homosexuell gewesen sein könnte.
LOL - Was wird denn hier genau "abgeleitet"?

Author Profile Page ali· 10.07.11 · 22:15 Uhr

Ich finde die Frage der Relevanz interessant. Es gibt ja ähnliche Spekulationen zu Abraham Lincoln. Da finde ich es äusserst wichtige Diskussion, da sich viele US Bürger dagegen wehren aus reiner Mythos-Pflege. Es ist natürlich für den politischen Kampf für Gleichberechtigung wichtig, wenn ein weitherum verehrter Präsident wie Lincoln "geoutet" werden kann.

Ich kann mir auch ein paar Gründe vorstellen, was die Relevanz im Zusammenhang mit Wilhelm sind, aber das ist alles nur Spekulation meinerseits. Gibt es ganz konkrete Gründe?

Kommentar-Direktlink Randifan· 10.07.11 · 23:15 Uhr

Es gibt genug berühmte Schwulen, die wegen ihrer Sexualität verfolgt wurden, Alan Turing war einer von ihnen. Da finde es ziemlich abwegig, über die Homosexualität der einen oder anderen Persönlichkeit zu spekulieren.

Kommentar-Direktlink Critias· 11.07.11 · 11:07 Uhr

Warum ist hier Guido Knopp verlinkt?

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