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06.02.11 · 17:00 Uhr
Rheinunfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalig
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 6
Am 13. Januar 2011 kenterte an der Loreley der Säuretanker „Waldhof". Auch wenn das Schiff heute langsam leergepumpt (2400 Tonnen!) wird, war der Unfall für die Schifffahrt als umweltfreundliches Transportmittel eine einmalige Katastrophe in der deutschen Wirtschaftsgeschichte - besonders für die betroffenen Schiffer, die seit gestern in Konvois die Unglücksstelle rheinabwärts passieren dürfen.
Vor einer Woche hatte ich Gelegenheit, im Mannheimer Hafen die Familie Mnich zu besuchen, die dort mit ihrem Schiff MS "Salisso" auf die Weiterfahrt wartete und in vierter Reihe im Hafenbecken mit 800 Tonnen elsässischem Schweine-Futtermittel im Wert von 240000 Euro „parkte". Durch den Unfall verlor das Familienunternehmen pro Tag etwa 1000 Euro Umsatz. Wegen des Neckar-Hochwassers hatten die Mnichs schon Anfang Januar 2011 in Heilbronn einen unfreiwilligen Landaufenthalt absolvieren müssen.
Wenn nun alle Schiffe die Häfen in den Niederlanden und in Norddeutschland erreicht haben, kommt es nach Befürchtung von Hans-Werner Mnich dann zur nächsten "Katastrophe, wenn es Überkapazitäten gibt und die Frachtpreise wie beim Kies absolut in den Keller" gehen. So mancher Schiffer werde das wirtschaftlich nicht überleben, ist er sich sicher.
Das Rheinunglück zeigt für mich in diesem Zusammenhang sehr deutlich, wie anfällig der Wirtschaftskreislauf und in diesem Fall die Schifffahrt gegenüber unerwarteten Katastrophen ist, die für die Schiffer existenzbedrohend sein können. Anbei einige Fotos von meinem Besuch im Mannheimer Hafen:
Autor: Christian Jung· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Tja, je komplexer die Vorgänge, um so ehr reicht ein Nadelstich aus. Wenn man das Kamener Kreuz in die Luft sprengt oder auch nur eine Bombendrohung gegen den Kölner Hbf ausspricht, wird es schon eng heutzutage. Selbst eine kleine(?) Aschewolke kann Chaos anrichten; jedenfalls war der ICE nach Kopenhagen auch in der 1. Klasse so überfüllt, wie man es nur von japanischen U-Bahnen her kennt.
Hinzu kommt der Wunsch nach totaler Sicherheit, die vor allem in den Medien propargiert wird. ('Wollt Ihr die totale Sicherheit, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir sie uns heute überhaupt erst vorstellen können?" Sry, musste mal sein. Denn die archaische Denke ist weder '33, '42 noch 2011 so verschieden. Die Themen mögen wechseln, die Denke nicht. "Gott schenke uns das fünfte Reich, das Vierte ist dem Dritten gleich, Bonzen gingen und kamen, in Ewigkeit Amen.")
Am der Hamburger Uni ist übrigens ein Seminar o.ä. geplant, dass sich mit Low-Cost-Terror auseinandersetzen soll, d.h. wie richte ich mit minimalem Aufwand maximalen Schaden an. (Hat hier gerade Jemand "Pervers" gerufen?)
Glücklicherweise ist der ökologische Schaden vernachlässigbar. Schlimm ist vor allem der Tod der zwei Besatzungsmitglieder.
In der ZeitOnline war letztens ein intelligenter Artikel, dass unsere Systeme eben alle ausgereizt seien. Aus einfachen wirtschaftlichen Gründen: keiner will für seine Fahrkarte/die Straßen etc. auch nur einen Cent mehr zahlen als "absolut notwendig".
Beispiel Bahn: man hatte ja gefordert, Ersatzzüge bereitzuhalten. Aber keiner will für Züge bezahlen, die 11 Monate im Jahr unnötig rumstehen.
@BreitSide: Du beschreibst das Problem. Niemand ist als Verbraucher wirklich bereit, für mehr Sicherheit auch mehr Geld zu bezahlen. Doch der Tanker-Unfall war ein mahnendes Beispiel, dass uns eine solche Einstellung nicht weiterbringt.
Christian: weiß man schon Genaueres über die Unglücksursache?
Ich hab das irgendwie verpennt, obwohl ich sonst immer gerne Ursachen nachspüre.
@BreitSide: Bisher habe ich nichts über die Unglücksursache gelesen. Mal sehen, was im Untersuchungsbericht steht.