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Zeittaucher ist ein Blog von Christian Jung mit aktuellen Themen zur Zeitgeschichte, historischen Gegenwart und Kriminologie.


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30.07.10 · 17:45 Uhr

Loveparade: Trauer ist nicht gleich Trauma

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 9

Der Bundesverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen hat sich gestern zu der Aufarbeitung der Duisburger Loveparade-Katastrophe aus Sicht der Opfer und der sie betreuenden Psychologen zu Wort gemeldet. Auf der Website des Verbandes gibt es weitere Informationen zu extremen Erfahrungen und Traumata sowie eine Liste mit zertifizierten Notfallpsychologen.

Notfall_3.jpg
(Foto: tokamuwi / pixelio.de)

In der Erklärung heißt es:

„Bei der Massenpanik auf der Love Parade am Samstag in Duisburg sind 21 Menschen zu Tode gekommen und mehr als 500 verletzt worden. Noch viel mehr Menschen haben diese Ereignisse direkt miterlebt oder später in den Medien von ihnen erfahren. Viele unmittelbar von dem Ereignis Betroffene erleiden derzeit psychische Beeinträchtigungen. Nicht alle benötigen eine Traumabehandlung oder Psychotherapie.

Der BDP warnt davor, Trauernde und Traumatisierte in einen Topf zu werfen.
Wer nicht traumatisiert ist, sondern nur ergriffen von dem Gesehenen oder Gehörten, sollte Gelegenheiten suchen, um trauern zu können. Wer traumatisiert ist, benötigt in erster Linie keine Trauerarbeit, sondern professionelle Unterstützung in der Traumabewältigung. Wer mit Traumatisierten, wie dies derzeit zum Teil geschieht, lediglich Trauerarbeit macht, hält den Trauerzustand aufrecht und verhindert, dass die Erfahrungen in die eigene Biographie integriert werden können, das Trauma also bewältigt wird.

Deutliches Zeichen für ein mögliches Trauma ist, dass nicht nur bloße Erinnerungen immer wieder auftauchen, wie das bei Trauernden der Fall sein kann, sondern dass die schlimmen Bilder der Extremsituation sich immer wieder aufzwängen und das gewohnte Schlaf-, Sozial- oder Arbeitsverhalten deutlich einschränken.

Der BDP hat zum Thema Umgang mit Traumata häufig gestellte Fragen entwickelt, die auf seiner Website abrufbar sind. Menschen, die darüber hinaus Hilfe benötigen, können sich an die vom BDP zertifizierten Notfallpsychologen wenden. Der BDP hat auf seiner Homepage eine Liste dieser Anbieter eingestellt. Telefonischen Rat gibt die Hotline des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK.

Der BDP weist in diesem Zusammenhang kritisch darauf hin, dass es in Deutschland keine geklärte Kostenübernahme für notfallpsychologische Angebote gibt, an die sich Betroffene niedrigschwellig für kurzfristige Hilfe wenden können."


Informationen und Tipps zur Bewältigung extremer Erfahrungen und Traumata

Zertifizierte Notfallpsychologen

 

Autor: Christian Jung· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (9)

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 04.08.10 · 19:51 Uhr

In einem TV-Beitrag wurde gezeigt, wie einen oder wenige Tage nach dem Vorfall die Menschen an den Ort des Geschehens kamen, darunter offenbar auch viele, die beim Geschehen dabei waren.

Auch ein Priester lief da rum, mit der großen, weißen Aufschrift "Seelsorge" auf dem Rücken, und drängte sich den Leuten auf. In die Kamera sprach er, dass er mit sowas keine Erfahrung habe, und überfordert sei, aber er hat natürlich unverdrossen weitergemacht. Ein deutscher Offizier kennt keinen Schmerz!

Da habe ich mich auch gefragt, ob der nicht mehr kaputt macht bei seinem womöglich gutgemeinten Engagement.

Kommentar-Direktlink Matthies, Hans-Dieter· 05.08.10 · 12:57 Uhr

@Stephan W.

....."daß er mit sowas keine Erfahrung habe"..... Ihrem Kommentar dazu entnehme ich, daß Ihnen das nicht gefällt, weil das Tun dieses Seelsorgers Ihnen unter diesem Aspekt sinnlos erscheint.

Eigentlich sehe ich das anders - im Gegenteil. So manches Mal haben "Seelsorger und/oder Theologen" so viel Routine drauf, die häufig so einen Anflug von Mitgefühl, Verständnis vermissen läßt; insbesondere ist dieses dann so, wenn dann noch "christliche" Standardprogramme und -sprüche eingesetzt werden ( das ist z.B. oftmals bei Trauerfeiern so ) Deshalb meine ich, daß ein Mensch hier: dieser Seelsorger dem das Ganze selber nahegeht und der kein Programm für solche Fälle verinnerlicht hat, den Trauernden, Opfern, Hinterbliebenen hilfreicher, nützlicher ist. Ganz einfach auch, weil man bei dem so etwas wie menschliche Nähe spüren wird und das erst macht glaubhaft, daß dieser Mann zur Unterstützung und Trost der Trauernden da ist und sich selber mit einbringt..

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 07.08.10 · 03:37 Uhr

Die Frage, Franz-Dietmar Matthäus, ist doch nicht, ob der Mann glaubhaft ist, sondern nützlich. Kann er einer Traumatisierung entgegenwirken oder nicht. Ich halte es nicht für ausgemacht, dass die menschliche Nähe von jemandem, der selbst Hilfe braucht, eine Hilfe darstellt.

Bei praktischen Berufen, beispielsweise der Feuerwehr, stört jemand, der aufrichtig helfen will, es aber nicht kann, und nur sich selbst in Gefahr begibt.

Und als verantwortungsbewusster Mensch muss man sich dann auch mal zurücknehmen können und sagen, dass man nicht diejenigen, die es können, mit der eigenen Tapsigkeit bei der Arbeit behindert, in dem man dazwischenpfuscht, ohne das Handwerkszeug zu verstehen.

Kommentar-Direktlink Matthies, Hans-Dieter· 07.08.10 · 14:18 Uhr

@stefan W.

Soll ich(man ?) Ihrer Argumentation entnehmen, daß ein Pfarrer, Theologe, Psychologe in seinem Dienst einem handwerklichen Beruf vergleichbar scheint --- daß es sich hier quasi um Seelenklempner handelt ?????

Ich denke, daß bei den genannten Berufen mehr die Sensibilität für Mensch und Situation eine Rolle spielen MUSS, denn eine kranke Seele läßt kalte Nüchternheit - die erlernt, studiert wurde - nicht an sich heran.

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 07.08.10 · 14:48 Uhr

Interessanterweise kann man Psychologie aber studieren. Schlagen Sie vor, dass sich jeder dahergelaufene Laie mit gutem Willen als Seelsorger bezeichnet?

Wenn die Aktivität der Helfers einen helfenden Effekt haben soll, dann muss man den ja auch messen können, sonst dürfte man es nicht Effekt nennen.

Kalte Nüchternheit und Sensibilität schließen sich m.E. nicht aus, und auf jeden Fall plädiere ich für lernen und studieren, sonst projiziert der Möchtegernhelfer ruck-zuck seine Erwartungen auf die, denen er helfen will.

Traumatisierte Personen als Freiwild zu betrachten, wo jeder gutmeinende Laie seine Experimente machen darf - das schockiert mich etwas. Was lernen die Theologiestudenten denn, dass sie sich 'Seelsorger' nennen?

Kommentar-Direktlink Matthies, Hans-Dieter· 08.08.10 · 13:36 Uhr

@Stefan W.

Eigentlich verstehe ich Ihre Frage "Was lernt denn ein Theologiestudent ?" nicht so ganz.

Ein Theologiestudent studiert ( und hoffentlich lernt er´s auch ) den Menschen in seinen BEIDEN Dimensionen - der körperlichen (Psychischen) und auf der anderen Seite der geistigen Dimension. Er studiert den Menschen in seiner Ganzheit ... und ist von daher ( als Zielvorstellung ) in der Lage, die ihm sich anvertrauenden Menschen vom Geistigen her bei Ausformung, Bildung und auch Gesundung der wachsenden, erstarkenden Seele zu betreuen, zu versorgen - daher wohl auch der Begriff SEELSORGE.

Der Psychologe ( sofern er nicht auch "etwas" Theologie studiert hat ) ist einseitig und nur auf die irdische Existenz dessen ausgerichtet, was man landläufig mit die Psyche oder "SEELE" meint. Er textet seine Mandanten mit theoretischen und praktischen ( erlernten ) Erkenntnissen zu, kann aber für den betroffenen Geist nichts tun --- und wenn es auch "NUR" ein gemeinsames Gebet wäre ------

Geist und Seele sind Zweierlei.

Kann es denn sein, daß Sie schlicht und einfach einige Vorurteile zu Geistlichen und/oder sogen. Seelsorgern hegen und pflegen ????

Kommentar-Direktlink JV· 08.08.10 · 13:49 Uhr

"Kann es denn sein, daß Sie schlicht und einfach einige Vorurteile zu Geistlichen und/oder sogen. Seelsorgern hegen und pflegen ????"

Schön, und das von einem, der im gleichen Beitrag gegen Psychologen holzt ("zutexten")...

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 08.08.10 · 15:10 Uhr

Ja, es ergibt sich aus dem Satz "Er textet seine Mandanten mit theoretischen und praktischen ( erlernten ) Erkenntnissen zu", dass sie gar nichts über Psychologen und deren Arbeit wissen.

Gar nichts.

Wissen Sie mehr über das Theologiestudium? Auch nicht, oder? "Theologiestudent studiert (...) den Menschen ..." - na in erster Linie nicht, aber ein wenig Psychologie und Pädagogik dann doch. Damit er die Schäfchen zutexten kann, wa?

Keine weiteren Fragen.

Kommentar-Direktlink Dorli· 11.08.10 · 09:38 Uhr

Ich fand das Unglück einfach schrecklich und möchte am liebsten nichts mehr davon hören :(

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