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11.04.10 · 13:15 Uhr
Späte Anerkennung für Hitler-Attentäter Georg Elser
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 6
In Königsbronn (Kreis Heidenheim) ist am heutigen Sonntag (11. April 2010) ein Denkmal für Georg Elser (1903-1945) enthüllt worden.
(Foto: Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim)
Die 7500-Einwohner-Gemeinde ehrt damit einen besonderen NS-Widerstandskämpfer. Denn der aus dem Ort stammende Schreiner versuchte am 8. November 1939 nach monatelanger Vorarbeit alleine, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer selbst gebastelten Bombe in die Luft zu sprengen.
Das Attentat misslang, da Hitler der Versammlungsraum früher als gedacht verließ. Auf der Flucht in die Schweiz wurde Elser in Konstanz verhaftet und verschwand bis Frühjahr 1945 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau. Dort wurde er in den letzten Kriegstagen am 9. April 1945 auf persönlichen Befehl Hitlers durch einen Genickschuss ermordet.
Weiterlesen:
Website des Georg-Elser-Arbeitskreises Heidenheim
Georg Elser - Webdokumentation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Autor: Christian Jung· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Ich finds irgendwie immer etwas bedenklich, wenn man Menschen ehren will, die Mord als Lösung für irgendwas einsetzen. Selbst wenn es um Hitler geht - Mord bleibt Mord.
@Florian: Die Frage, ob ein "Tyrannenmord" legitim ist oder nicht, ist seit der Antike eine der größten philosophischen Fragen. Aus ethisch-moralischer Sicht (die Frage beschäftigt mich selbst seit meiner Schulzeit) ist sie nur sehr schwer zu beantworten.
Siehe dazu auch die Dilemma-Diskussionen von Michael Sandel:
http://www.scienceblogs.de/zeittaucher/2010/01/interessante-internetseite-zur-angewandten-philosophie-und-geschichte.php
Für Elser war die Antwort klar: Mit der Tötung Hitlers wollte er den Krieg verhindern. Seine in den weiterführenden Links dargestellte Persönlichkeit und die Schilderung der Attentatsvorbereitung zeigen für mich deutlich auf, dass er eine im Nachhinein zu ehrende Persönlichkeit des NS-Widerstandes war, zumal er als Einzelner versuchte, aus unserer heutigen Sicht positiv zu handeln.
Wäre 1939so ein Versuch erfolgreich gewesen - wie würden wir Hitler heute sehen? Womöglich in einer Reihe mit Abraham Lincoln oder John F. Kennedy ? Würde wir sagen Hitler hätte ein paar "komische" Ansichten gehabt, dies dann mit der Zeit bzw Nachwirkungen des Versailler Vertrags entschuldigen? Wäre die politische Landschaft wie heute oder wäre wir alle weiter rechts?
Dies nur zu einen frühen Attentat, andere waren später, aber auch bei einen erfolgreichen zB Stauffenberg kann man sich fragen wie sich Deutschland dann/danach / dadurch entwickelt hätte.
Hier stellt sich mir auch die Frage ob man die Auswirkungen eines Tyrannenmord in die Bewertung mit aufnehmen soll, oder ob es nicht besser (weil einfacher?) ist nur die Tat an sich zu bewerten.
Sind wir dann bei der Frage ob Vaterlandsverräter oder Volksheld? Werden gar alle klassischen Grenzen durchbrochen und wir haben einen Volkshelden weil Vaterlandsverräter, also ein Held für die Menschheit (Gemeinwohl) entgegen seiner eigenen Heimat?
Haben wir ein Wertesystem dies Zeitunabhängig zu bewerten?
Kann so eine Tat erst /nur durch die Nachwelt, welche sieht was daraus wurde beurteilt werden?
Hatte nicht Aristoteles (?) schon gesagt: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“
Müsste dann das ganze Volk nicht zum Tyrannenmörder werden um nicht nur die Auswirkung sondern auch die Ursache (Nährboden) des Tyrannen zu beheben?
Ich halte Georg Elser für eine unglaublich mutige Persönlichkeit, die wohl intuitiv erkannt hat, dass Hitler "das deutsche Volk" in die Katastrophe führen wird. Zielstrebig die Ausschaltung des Diktators unter Lebensgefahr zu betreiben war eine ehrenswerte Absicht. Dass Elser wohl erst seit der Verfilmung, im Gegensatz zu dem "Deutschen Widerstand", überhaupt wahrgenommen wurde, ist meines Erachtens auch den Verhältnissen zuzuschreiben, aus denen er stammt. Er war eben kein Adeliger oder hoher Militär. Deshalb finde ich seine Entscheidung umso faszinierender.
@Florian:
Was hätte er denn Deiner Meinung nach tun sollen? Hitler verhaften? Eine Petition einreichen? Bis November 1939 war schon einiges gelaufen, das die Öffentlichkeit mitbekommen konnte, wenn sie wollte, und das für einen intelligenten Menschen auf die (End)Lösungen Hitlers hindeutete.
Es gibt heute Menschen, die über die derzeitige Regierung unseres Staates dasselbe denken, ebenfalls "intuitiv". Oder über jene, die sich mit Gentechnik beschäftigen. Oder über die Betreiber von Kernkraftwerken. Oder über die Verwender fossiler Brennstoffe.
Nach welchen objektiven Kriterien? Und welche davon lassen sich im Vorhinein prüfen und als Entscheidungsgrundlage anwenden?
@Türpe
Hitlers Diktatur (mit allem drum und dran) mit einer gefestigten Demokratie und fossilen Brennstoffen zu vergleichen übersteigt meine intellektuellen Fähigkeiten, da kann ich Dir leider nicht antworten.
Objektive Kriterien für einen Tyrannenmord, da gibt es bestimmt irgendwo Literatur ... Findest Du nicht, dass das ein etwas weites Feld ist? Manche Kaiser wurden durch Revolutionäre ermordet, die Geschichte von Cäsar ist Dir sicher auch bekannt. Ich würde sagen, die objektiven Kriterien sollten für Hitler selbst entwickelt werden, sonst macht es keinen Sinn. Die von den Historikern entwickelten Kriterien nach 1945 haben Elser ja bestätigt, oder siehst Du das vielleicht anders?