Blog durchsuchen
Profil
Dr. Benedikt Köhler (Soziologe) ist Director Digital Strategy & Research bei ethority GmbH & Co. KG und Forscher an der Universität der Bundeswehr München.
Jörg Blumtritt (Diplom-Statistiker) ist European Operations Officer bei Tremor Media Europe GmbH.
Blogroll
Letzte Einträge
- Twitter-Netzwerkvisualisierung mit Open Source Software1 Kommentar· 06.01.09
- Tanz der Wissenschaften2 Kommentare· 28.11.08
- Göttweig 20082 Kommentare· 19.10.08
- Evolution visualisieren2 Kommentare· 23.07.08
- Ab in die Wikipedia!3 Kommentare· 11.07.08
Kommentare
- lizza · 10.10.11 · 16:22 Uhr Evolution visualisieren
- Webbaer · 26.11.09 · 19:42 Uhr Twitter-Netzwerkvisualisierung mit Open Source Software
- Chris · 28.11.08 · 20:39 Uhr Tanz der Wissenschaften
- Benedikt Köhler · 19.10.08 · 22:36 Uhr Göttweig 2008
- Benedikt · 25.07.08 · 23:56 Uhr Virginia-Tech Infografik gewinnt Malofiej-Preis
Kategorien
06. Januar 2009
Twitter-Netzwerkvisualisierung mit Open Source Software
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Technik · Kommentare: 1
Der Microbloggingdienst Twitter ist im Grunde genommen ein Social Network. Man folgt unterschiedlichen Personen (d.h. man bekommt ihre Kurzmitteilungen in den eigenen Feed) und verschiedene Personen folgen dem eigenen Feed. Kurz: es geht hier um Knoten und Verbindungen zwischen ihnen.
Wie man die daraus entstehenden Netzwerke mit Open Source-Software bzw. offen zugänglichen APIs visualisieren kann, zeigt Nathan Harrington in einer sehr verständlich geschriebenen Anleitung auf IBM Developer Works.
Dabei lernt man zugleich auch noch einiges darüber, wie man Twitter API, Graphviz, Google Chart API und CAIDAs plot-latlong bedient und vor allem sinnvoll miteinander verknüpfen kann.
Nicht eingegangen wird jedoch auf das, was die Netzwerkvisualisierung eigentlich spannend macht: Die Verknüpfung der Knoten untereinander. Außerdem lassen sich Nutzer mit sehr vielen Kontakten auf diese Weise nicht sinnvoll darstellen.
Autor: Benedikt Köhler· 06.01.09 · 16:22 Uhr· 1 Kommentar
28. November 2008
Tanz der Wissenschaften
Kategorie: Naturwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 2
Eine ganz ungewohnte Form der Visualisierung wissenschaftlicher Informationen ist der Tanz. Dieser Schieflage will die American Association for the Advancement of DanceScience abhelfen und lobt jährlich einen Preis für die besten getanzten Abschlussarbeiten aus. Dieses Jahr ist sogar eine an einer deutschen Universität entstandene Abschlussarbeit unter den Gewinnern: Miriam Sach (Uni Düsseldorf) mit ihrem Tanz zu "Cerebral activation patterns induced by inflection of regular and irregular verbs with positron emission tomography. A comparison between single subject and group analysis":
Aber auch die anderen Preisträger sind spektakulär. Vielleicht sollte sich die DFG überlegen, diese Form des Wettbewerbs auch nach Deutschland zu bringen?
Autor: Benedikt Köhler· 28.11.08 · 17:06 Uhr· 2 Kommentare
19. Oktober 2008
Göttweig 2008
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur · Kommentare: 2
Gestern bin ich von der internationalen Fachtagung der Bildwissenschaft "Blick im 21. Jahrhundert" in Göttweig bei Krems zurückgekehrt. Ich werde in der nächsten Zeit noch ein paar Gedanken zu den Vorträgen an dieser Stelle aufschrieben - es waren einige sehr inspirierende Beiträge dabei. Doch zunächst einmal ein kurzer Blick auf die Tagung - wie es sich für das Thema Bildwissenschaft gehört, mit zahlreichen Bildern.
Tagungsort war das Ende des 11. Jahrhunderts vom Passauer Bischof Altmann gegründete Augustiner-, dann Benediktinerkloster Göttweig (UNESCO Weltkulturerbe), in dem heute 50 Mönche leben. Man sieht das Kloster bereits bei der Anfahrt mit der Bahn:
Die Präsentationen wurden in dem ehemaligen Sommerrefektorium abgehalten, dessen Decke ein Fresko der Wunderbaren Brotvermehrung von Rudolf und Johann Baptist Byß zeigt - ein schöner Hinweis auf die große Bilderkraft der katholischen Kirche, die dann natürlich auch von mehreren Vortragenden zitiert wurde.
Besonders eindrucksvoll war zum einen die Führung durch die von dem Kremser Department für Bildwissenschaft betreute Graphische Sammlung Göttweig in einem der ältesten Teile des Klosters, der "Burg" aus der Babenberger Zeit (Ende 12. Jh.).
Sehr schön die Ausmalungen von 1526:
Dort fand dann auch die Postersession statt, auf der ich unser Poster zu statistischen Infografiken präsentierte. Außerdem das kalte Buffet ...
..., das unter einem äußerst appetitlichen Bild genossen wurde:
Typisch Bildwissenschaftler? Interessant auch der Blick auf die Geräte, mit denen immer mehr Exemplare der u.a. von Abt Bessel gesammelten 32.000 Originalgraphiken digitalisiert werden.
Der Höhepunkt des Rahmenprogramms war der Besuch eines kleinen Heurigen im Kremser Ortsteil Stein, in dem - wir befinden uns schließlich gerade in der Zeit der Weinlese - wir mit einem köstlichen "Sturm" (Federweißer) versorgt wurden:
Aber auch das Essen - diese herrlichen jungen Kartoffeln - war klasse:
Danach ging es in den Weinkeller, in dem die Familie den Wein keltert, den es aber nur vor Ort gibt:
Mehr zur Tagung und der Führung durch die Stiftsbibliothek folgt noch.
Autor: Benedikt Köhler· 19.10.08 · 21:41 Uhr· 2 Kommentare
23. Juli 2008
Evolution visualisieren
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Evolution, Intelligent Design oder Schöpfung. Eine lustige Debatte, die, zunächst rein Amerikanisch, mehr und mehr auch das alte Europa berührt.
Wie konnte es - fragt man sich als Kind der 70er Jahre - dazu kommen, dass die, als unumstößliches wissenschaftliches Erklärungsmodell zur Entstehung der Arten etablierte Evolutionstheorie plötzlich wieder in Frage gestellt wird?
Reicht etwa die Entdeckung der DNA nicht aus, den Streit endgültig zu schlichten?
Begeben wir uns zur Erörterung auf einen distanzierten Standpunkt und stellen uns die Frage: Was bedeutet Evolution?
Das heißt, was haben wir im Kopf, wenn der Begriff gebraucht wird?
Die Vorstellung einer Abfolge unterschiedlicher Spezies, angepasst an die zeitlich-örtlichen Umweltbedingungen, Selektionsdruck etc. - das sind die Mechaniken im Modell - der Bedeutung kommen wir nicht näher.
![]()
Leider gehen die meisten Lehrbücher oder populärwissenschaftlichen Darstellungen auf die Frage nicht einmal ansatzweise ein. Typischer Weise wird die Evolution in diesem Diskurs zunächst visualisiert: Dargestellt finden wir eine mehr oder weniger historische Abfolge einiger Leitfossilien in Schichten, in Art einer trivialen Paläonthologie. Diese Darstellung vermittelt uns nichts, als die Zufälligkeit der Entwicklung der äußeren Erscheinungsformen der Lebewesen. Es ist eine positivistische Karikatur des Evolutionsmodells! Kein Wunder, dass den Skeptikern und Leugnern der Evolution mit solcher Darstellung Tür und Tor geöffnet werden.

Ein Zweite - vollends inhaltsfreie Visualisierung ist die "Evolutions-Uhr". Was sehen wir darauf? Wir können erschauern, wie lange es die Welt ohne Menschen gab. Toll. Natürlich kann einen diese Erkenntnis, wenn man sie so vorgeführt bekommt, auch Demut lehren - aber das ist doch genau die Aufgabe von Philosophie, speziell Ethik und insbesondere von Religion und Glaube! Und wenn wir schon offensichtlich in der Darstellung vom Wissenschaftlichen ins Ideologische Abrutschen ist es wieder kein Wunder, wenn uns ideologische Antworten gegeben werden.
Diese Visualisierungen des Modells werden also, meiner Ansicht nach, von den Kritikern der Evolutionstheorie keineswegs missverstanden. Es handelt sich um Teile eines normativen, nicht epistemologischen Diskurses.
Was also bedeutet Evolution? Es rollt sich etwas aus. Es findet eine Entwicklung statt, die einen Anfang hat und irgendwann ein Ende finden wird (?!).
Warum empfinden wir die Evolution als ein System des Fortschritts? Weil wir beobachten, dass die Anpassung der Lebewesen an ihre Umwelt zu immer feinerer Differenzierung und zur Ausbildung immer Komplexerer Lebensformen führt! Dadurch bekommt die Evolution ihren teleologischen Charakter. Dies wird, wie ich finde, in der Abbildung hier gut visualisiert:![]()
Den Bogen vom Ursprung, zum Ende des irdischen Lebens zu spannen, wurde vor einigen Jahren von einer Forschungsgruppe am Potsdam-Institut für Klimaforschung unternommen.
Aus einfachen Überlegungen über die Entwicklung der Sonneneinstrahlung und der daraus folgenden chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre hat die Forschergruppe eine Visualisierung der Zusammenhänge abgeleitet, die mich auf besondere Weise beeindruckt hat:
zum ersten werden vier Größen in einer einzigen Grafik übersichtlich in Zusammenhang gebracht - ein Musterbeispiel multivariater Darstellung; zum zweiten aber liegt auf einmal der gesamte Weg allen irdischen Lebens vor uns: die einzelnen Wellen dramatischer Entwicklung, die zunehmende Herrschaft der komplexen Lebensformen und schließlich das Verschwinden, Stufe um Stufe, geologisch gesehen in relativ naher Zukunft. Dieses Bild unserer alten Erde ist rein deskriptiv. Die Inahlte sprechen für sich. Das Werden und Vergehen so vor Augen geführt eröffnet aber gerade durch ihre Nüchternheit, wie ich finde, eine wahrhaft erhabene Perspektive auf unseren Platz in der Welt (Abbildung aus Quelle: Journal Geophysical Research Letters. mit freundlicher Genemigung der Autorin Christine Bounama).
![]()
Autor: Jörg Blumtritt· 23.07.08 · 11:47 Uhr· 2 Kommentare
11. Juli 2008
Ab in die Wikipedia!
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Social Media heißt für mich: bevor man zu lange darüber diskutiert, ob und wie es funktionieren kann und welche Gefahren oder Grenzen Projekte wie Wikipedia haben, lieber das ganze einmal selbst ausprobieren. Deshalb haben wir vorgestern ein Wikipedia-Portal für einen bislang unterbelichteten Bereich der Wikipedia ins Leben gerufen - für die Statistik.
Da Social Media von der Partizipation leben, seid ihr jetzt dran. Zum freuen wir uns über Hinweise, was an dem Portal noch alles zu verbessern ist - entweder hier in die Kommentare oder direkt in die Portalbaustellen-Diskussionsseite. Oder am besten gleich selbst das Portal an Ort und Stelle verändern. Nicht nur virtueller Peer Review, sondern virtuelle Kollaboration. Außerdem benötigt das Portal noch sechs Befürworter und einen weiteren Betreuer, um in die echte Wikipedia aufgenommen zu werden. Momentan liegt es noch auf meiner Benutzerseite.
Außerdem ist uns bei dem Sammeln der Artikel aufgefallen, wie viel es noch in diesem Bereich zu tun gibt. Zwar sind zahlreiche Beiträge, gerade zu den unterschiedlichen Testverfahren und Verteilungen, technisch präzise formuliert. Aber von dem Anspruch der Allgemeinverständlichkeit sind diese noch meilenweit entfernt. So versteht nur jemand den Inhalt der Beiträge, der sowieso schon weiß, worum es geht. Das ist dann doch etwas zu selbstbezüglich. Mit dem Portal haben wir dann auch ein Werkzeug um gezielt Artikel gemeinsam zu verbessern - vorausgesetzt die Statistik-Community folgt uns ein paar Schritte in die Wikipedia.
Autor: Benedikt Köhler· 11.07.08 · 08:20 Uhr· 3 Kommentare
10. Juli 2008
Musik und Mathematik
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur · Kommentare: 11
Spätestens seit Pythagoras war klar, dass Musik nichts anderes als eine akustische Version von beliebig komplizierten Zahlenfolgen, -verhältnissen und Gleichungssystemen darstellt. Zahlen kann man visualisieren und zum Beispiel statistische Infografiken daraus generieren. Man kann sie aber auch hörbar machen. Im frühen 18. Jahrhundert war Johann Sebastian Bach der Meister im Einbetten mathematischer Figuren in seine Partituren, wenn auch sein Ziel nicht die Visualisierung mathematischer Zusammenhänge war, sondern vielmehr die Suche nach den harmonischen Wirkungen bestimmter Rechenregeln.
Der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler hat nun vor kurzem den ersten Band seines großen Werks Musik und Mathematik: "Band 1: Hellas. Teil 1: Aphrodite". Die Rezensenten sehen darin schon einen radikalen Versuch, die Geschichte der Entstehung der europäischen Zivilisation neu zu schreiben - und zwar aus dem Geiste der Musik. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich mich wirklich durch die 409 Seiten durcharbeiten möchte. Vielleicht hilft folgende sich an die Ästhetik der frühen Spielkonsolen anlehnende Visualisierung eines bekannten Bach-Werks weiter (wem das gefallen hat, für den gibt es hier noch viele weitere Visualisierungen dieser Art).
(via Twitter)
Autor: Benedikt Köhler· 10.07.08 · 14:50 Uhr· 11 Kommentare
06. Mai 2008
Ungewöhnliche Nachrichtenvisualisierung mit NewsWare
Autor: Benedikt Köhler· 06.05.08 · 14:59 Uhr· 0 Kommentare
14. April 2008
Visuelle Produktion wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Da haben die bildgewaltigen Neurowissenschaftler einmal mehr einen klaren Vorteil gegenüber den visuell unterversorgten Sozialwissenschaftlern: McCabe und Castel haben in der letzten Ausgabe von Cognition festgestellt, dass wissenschaftliche Artikel, die mit einem Gehirnscan illustriert waren, glaubwürdiger wirkten als Artikel ohne Bild oder nur mit einfachen Infografiken.
Dieser Zusammenhang, so die Forscher, gilt ganz unabhängig von dem Inhalt des jeweiligen Artikels oder von dem tatsächlichen Informationswert der Gehirnabbildungen. Das Bild selbst gibt einem ansonsten zweifelhaften Artikel eine Aura wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit:
Thus, the present results lend support to the notion that part of the scientific credibility of brain imaging as a research technique lies in the images themselves.
Vielleicht ist das ja eine Alternative zu dem selbstverliehenen "Peer-Review-Gütesiegel"?
(via)
Autor: Benedikt Köhler· 14.04.08 · 14:05 Uhr· 1 Kommentar
24. März 2008
Virginia-Tech Infografik gewinnt Malofiej-Preis
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Ich habe noch einige Lehrbücher über die Erstellung von Infografiken im Regal stehen, deren erste Schritte stets darin bestehen, den Bleistift zu spitzen und das Lineal herauszusuchen. Was aber im digitalen Zeitalter hinsichtlich der visuellen Vermittlung von Informationen möglich ist, zeigt diese New York Times-Infografik, die den Ablauf des Virginia-Tech-Massakers vor knapp einem Jahr darstellt.
Vor ein paar Tagen wurde diese Flash-basierte Visualisierung mit dem Peter Sullivan/Best of Show Award der 16th Malofiej International Infographics Awards ausgezeichnet (siehe auch hier den Reisebericht von Michael Stoll). Wie im Vorjahr gewinnt damit eine Onlineinfografik den wohl prestigeträchtigsten Preis für Infografiken. Das demonstriert die Bedeutung dieses neuen Mediums für die visuelle Vermittlung von Wissen.
In dem Zusammenhang interessiert mich folgende Frage: Wie sieht es in den Hochschulen zur Zeit aus? Lehrt man dort mittlerweile so fortgeschrittene Formen der Informationsvermittlung? Oder werden an den Unis immer noch PowerPoint-Standardvorlagen verwendet?
Autor: Benedikt Köhler· 24.03.08 · 16:06 Uhr· 3 Kommentare
16. März 2008
Der Browser als Fenster zum Himmel - Google Sky
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Alle diejenigen, die mal eben nachsehen müssen, wo sich NGC 281 denn gerade noch einmal aufhält, denen sei ein Besuch auf Google Sky empfohlen. Auf Google Earth gibt's schon etwas länger die Möglichkeit, auch einen Blick in den Himmel zu werfen. Nun ist auch die browserbasierte Version veröffentlicht worden.
Unter sky.google.com kann man nicht nur mit einem Suchfeld nach Himmelsobjekten suchen (etwa nach NGC 281), sondern kann sich auch ausgewählte Objektsammlungen ansehen, zum Beispiel unser Sonnensystem, die klassischen Sternzeichen, ein paar Aufnahmen von Hubble, Spitzer, GALEX und Chandra sowie die Earth & Sky-Podcasts. Anders als in der irdischen Version, lässt sich hier nicht zwischen Karten-, Satelliten-, Terrain- und Straßenansicht umschalten, sondern zwischen Infrarot, Mikrowelle und historischen Sternbildern. Hier ein kurzes Ankündigungsfilmchen:
Wie auch für alle anderen Angebote mit Drittanbietermaterial gilt hier: Das Fotomaterial nicht kopieren und ins eigene Blog werfen, da man damit unter Umständen die Rechte anderer verletzt. (via)
Autor: Benedikt Köhler· 16.03.08 · 19:05 Uhr· 2 Kommentare
01. März 2008
Die Sterbetafel oder Wie lange werden wir noch leben?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 3
"Er starb wie einer, der aufs Sterben studierte" schrieb Schiller in seinem Macbeth. Tatsächlich kann man die Statistik durchaus als Sterbewissenschaft bezeichnen. Denn die Berechnung der Sterbetafeln war in ihrer Anfangszeit der wichtigste Anwendungsfall des statistischen Wissens. Diese Zahlenreihen, die anzeigten, wie ein fiktives Kollektiv sich allmählich dezimiert, benötigte man unter anderem zur Berechnung von Leibrenten. Das wohl früheste Beispiel dafür waren die Tafeln von Ulpianus aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert.
Im 16. Jahrhundert wurden dann kirchliche Sterberegister geführt (sogenannte "Bills of Mortality"), in denen verzeichnet wurde, wer wann an welcher Todesursache gestorben ist. Zudem wurde auch vermerkt, und diese Zahl war für die Statistiker besonders wichtig, welches Alter die oder der Verstorbene erreicht hatte. Diese Daten wertete zum Beispiel der Hobbystatistiker John Graunt aus und errechnete daraus in seinen "Natural and Political Observations Made upon the Bills of Mortality" (hier die digitalisierte Version) die Überlebensordnung verschiedener Städte. Diese Arbeit wurde als so bahnbrechend angesehen, dass der Kurzwarenhändler daraufhin in die Royal Society aufgenommen wurde. Pascal und Halley entwickelten die Sterbetafel weiter. Heute bildet sie unter anderem die Grundlage für die Berechnung von Altersrenten und Lebensversicherungen. Mit dem Aktuar gibt es sogar ein dazugehöriges Berufsbild.
Wie muss man sich so eine Sterbetafel konkret vorstellen? Man kann sich im statistischen Bundesamt die jeweils aktuellen Zahlen besorgen. Ich habe daraus einmal eine Grafik gebastelt, die sich an dieser entsprechenden Darstellung von Nathan orientiert:
Die Grafik ist so zu lesen: Für jedes Alter (vollendetes Lebensalter) auf der X-Achse wird auf der Y-Achse die Wahrscheinlichkeit verzeichnet, das nächste Jahr nicht zu überleben.
Autor: Benedikt Köhler· 01.03.08 · 16:37 Uhr· 3 Kommentare
29. Februar 2008
Wie blau ist der Blaue Planet?
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 1
Die Erde als Blauer Planet? Wenn man die Oberfläche ansieht, dann ist da natürlich etwas dran: 71% davon ist mit Wasser bedeckt. Und das ist auch die Perspektive die man kennt, sei es vom Globus aus der Schulzeit oder seinem modernen Nachfolger GoogleEarth. 1,386 Milliarden Kubikkilometer H2O gibt es auf der Erde. Das ist ein Menge, oder?
Man kann das aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Eine andere Form der Visualisierung führt zu einem abweichenden Ergebnis.
Wenn man nämlich alles Wasser der Erde in einem Ball zusammenrollen würde und auf Γαῖα legen würde, wäre das ein ziemlich kleiner Ball, sogar kleiner als ein Ball aus der gesamten Atmosphäre. Verglichen mit der Erdmasse von 5,974 · 1024 kg ist das Wasser also doch gar nicht so viel.
Natürlich basiert diese Visualisierung wie immer auf zahlreichen Vorannahmen, die man teilen kann oder auch nicht (z.B. was die Dichte der Atmosphärenkugel betrifft oder was genau als Wasser gemessen wurde). Dennoch wird deutlich dass die Form der Darstellung einen erheblichen Einfluss auf die Vorstellung von unserem Planeten hat: Blauer Planet oder trockene Kugel mit einem Tropfen Wasser. (via)
Autor: Benedikt Köhler· 29.02.08 · 10:52 Uhr· 1 Kommentar
26. Februar 2008
Ebbe und Flut an den Kinokassen
Kategorie: Kultur
In der Blogosphäre macht dieses Diagramm aus der Wochenendausgabe der New York Times seit der BoingBoing-Verlinkung die Runde und hat eine spannende Diskussion über die Visualisierung von Daten angestoßen.

Abgebildet auf dieser wirklich innovativen Grafik (eine ansprechende Form des klassischen gestapelten Flächendiagramms) sind die US-Einspielergebnisse der erfolgreichsten Filme von 1986 bis 2007. Die jeweilige Breite der Formen zeigt an, wieviel ein Film zu einem bestimmten Zeitpunkt eingespielt hat. Über die Zeit hinweg lässt sich also nachvollziehen, wie sich die Einspielergebnisse im Zeitlauf verändert haben - wie schnell der Film beim Publikum angekommen ist und wie lange er das Publikum begeistern konnte. Zugleich sieht man deutlich, dass es im Jahresverlauf zwei heiße Phasen des Kinobesuchs gibt: Sommer und Winter. Darüber hinaus ist die Grafik auch noch interaktiv: berührt man die einzelnen Formen mit dem Mauszeiger, bekommt man einige Basisdaten angezeigt und kann sich in der Regel zu der NYT-Filmkritik durchklicken. Das ist elegant und zeigt, wie man neue Technologien einsetzen kann um den Data-ink-ratio zu verbessern.
Die Blogosphäre zeigt sich begeistert darüber, dass das Zeitungspublikum nun anscheinend derart gereift ist, dass es auch solch vielschichtige Visualisierungsformen begreifen kann. Daneben werden aber auch inhaltliche Fragen diskutiert wie z.B. ob die Grafik nicht durch die Spline-Interpolation der Kurven den falschen Eindruck erweckt, die Filme würden erst in der zweiten Woche den meisten Umsatz erzielen ("Only sampling on weekends and then fitting a smooth spline is a BAD visualization!" stellt Jono fest). Außerdem stellt sich die Frage ob an der Eindruck von im gesamten Zeitverlauf ansteigenden Gesamtumsätzen der Realität entspricht.
Die Kritik ist sicher berechtigt, aber mir stellt sich die Frage: Wann ist eine Visualisierung gelungen - wenn die Splines der Realität entsprechen oder wenn sich eine lebhafte Diskussion über den visualierten Sachverhalt entfaltet?
UPDATE: Dank information aesthetics weiß ich nun auch, wie man diese Darstellungsform nennt: "ThemeRiver". Entwickelt wurde sie von Susan Havre, Beth Hetzler und Lucy Nowell (Pacific Northwest National Laboratory)
Autor: Benedikt Köhler· 26.02.08 · 17:35 Uhr· 0 Kommentare
25. Februar 2008
Landkarten der Weltrisikogesellschaft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik
Als eine Art Fortsetzung von Booth's Projekt der Kartographie von Armut lässt sich das umfangreiche Kartenmaterial von Maplecroft sehen.

Doch hier geht es nicht mehr um das mühevolle kulturgeschichtliche Erlernen objektiver Maßstäbe und Verallgemeinerungen, sondern um die Entstehung einer "Weltrisikogesellschaft". Primäres Ziel ist es, das Bewusstsein der einen Welt durch anschauliche Visualisierungen zu fördern, so dass sich die dargestellten Themenbereiche von "Aid" bis "Water" eng an die UN-Millenniumsziele anlehnen:
This innovative tool is designed to raise awareness amongst corporations, government and non-governmental organisations, academics, students and the general public of how an organisation's operations interact with wider society, and how the risks and opportunities generated can be responsibly managed through stakeholder engagement and partnership.
Autor: Benedikt Köhler· 25.02.08 · 18:01 Uhr· 0 Kommentare
"Unterste Klasse: lasterhaft, halbkriminell" - Booths Poverty Maps
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik · Kommentare: 2
Großen Anteil an der Erforschung und zum Teil auch Abmilderung von Elend und Verarmung hatte der Sozialreformer Charles Booth. Weniger bekannt ist, dass er gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch seine Visualisierung der Armut in den Städten dafür sorgte, dass Armut nicht nur mit einem kurzen Blick durch das Droschkenfenster erfahrbar war, sondern als statistische Massentatsache im Denken der Leute verankert wurde.

Die London School of Economy hat Booths „Poverty Maps“ von 1886 bis 1903 digitalisiert und der Öffentlichkeit zum Browsen, Zoomen und Staunen zur Verfügung gestellt. So sahen die pen and paper-Vorläufer der heutigen GIS aus, wie sie von Verwaltungen aller größerer Städte genutzt werden. (via)
Autor: Benedikt Köhler· 25.02.08 · 09:50 Uhr· 2 Kommentare
24. Februar 2008
Schlagertexte im Diagramm
Kategorie: Kultur
Bei so schönem Wetter sollte man nicht so viel bloggen, aber diese schönen Diagramme zur Darstellung populärer Schlagertexte müssen jetzt einfach sein:

(via)
Autor: Benedikt Köhler· 24.02.08 · 09:13 Uhr· 0 Kommentare
23. Februar 2008
Ärztedichtekarte
Kategorie: Medizin · Kommentare: 1
Auf dem ersten Blick eine interessante Visualisierung, die zeigt wie groß die Ärztedichte weltweit ist. Dargestellt werden die Zahlen recht einfach indem das Verhältnis Patienten zu Ärzten desto größer und röter abgebildet wird, je größer es ist:
Das Problem liegt darin, dass diese Darstellungsform nicht symmetrisch ist: große Werte (also niedrige Ärztedichten) werden sehr viel größer abgebildet als niedrige Werte (also hohe Ärztedichten). Doch diese Karte der Doctors of the World hängt, so der Erklärungstext, in niederländischen Arztpraxen aus um zu zeigen, wie gut es doch die Niederländer im globalen Vergleich haben. Während man die - schlechten - afrikanischen Verhältnisse klar ablesen kann, ist dies sehr schwierig für die - sehr guten - niederländischen. Der beste Wert geht in dieser Darstellungsform unter: Kuba mit 170 Patienten auf pro Arzt entdeckt man nur dann, wenn man danach sucht.
Autor: Benedikt Köhler· 23.02.08 · 22:42 Uhr· 1 Kommentar
20. Februar 2008
Datenkino - animierte Übergänge zwischen statistischen Visualisierungsformen
Kategorie: Naturwissenschaften
Scatterplot? Barplot? Piechart? Am besten alles gleichzeitig. Bislang stand am Anfang einer gelungenen Visualisierung immer eine Entscheidung: Welche Form der Visualisierung ist für meine Daten und die Aussage, die ich treffen will, die beste Wahl? Kann ich die Zusammenhänge am besten mit einem Balkendiagramm, einem Scatterplot oder einem Kreisdiagramm darstellen?

Zu dieser Frage gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die jeweils für bestimmte Fragestellungen bestimmte Visualisierungsformen nahelegen. Aber immer musste man sich entscheiden. Entweder - oder. Diese Einschränkung wollten die Forscher Jeffrey Heer (University of California, Berkeley) und George Robertson (Microsoft) nicht akzeptieren und haben sich auf die Suche nach dem Sowohl-als-Auch der Visualisierung gemacht.
In ihrem Paper "Animated Transitions in Statistical Data Graphics" (hier als pdf, hier als QuickTime-Film) stellen sie eine Möglichkeit vor, dieselben Daten in mehreren Visualisierungsformen gleichzeitig (bzw. nacheinander) zu präsentieren, wobei jedoch die Identität der einzelnen Datenpunkte - also ihr Bildpunktcharakter - in der animierten Darstellung gewahrt bleibt.

Die Evaluierung ihres Vorgehens zeigt eindrucksvoll, dass die mit ihrem Programm DynaVis animierten Datenvisualisierungen eine deutlich niedrigere Fehlerrate bei der Zuordnung von Datenpunkten durch die Betrachter aufweist. (via FlowingData)
Autor: Benedikt Köhler· 20.02.08 · 16:35 Uhr· 0 Kommentare
18. Februar 2008
Parallelkoordinaten
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
x-y-z-Achse und vielleicht noch Farbe der Punkte; bei vier Dimensionen ist üblicher Weise Schluss mit der Visualisierung. Es fällt uns schwer, mehr als vier Informationen auf einem Punkt gleichzeitig wahrzunehmen.
Es gibt dabei eine sehr einfache Lösung:
Autor: Jörg Blumtritt· 18.02.08 · 11:49 Uhr· 1 Kommentar
08. Februar 2008
Bildwissenschaftler-Tagung fällt leider aus
Kategorie: Kultur
Gerade eben habe ich die Nachricht erhalten, dass die zweite internationale bildwissenschaftliche Konferenz in Goettweig - "BLICK IM 21. JAHRHUNDERT - Wider den „Analpha-BILD-ismus“ (24.-26. April) ausfällt bzw. "auf unbestimmte Zeit verschoben" wird.
Autor: Benedikt Köhler· 08.02.08 · 12:10 Uhr· 0 Kommentare
Top5
- Die größte Verschwörung aller Zeiten: In Wahrheit ist die Sonne kalt und dunkel!Astrodicticum Simplex· 26.01.2012
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Kein Platz für junge Wissenschaftler - Das Problem der fehlenden JuniorpositionenAstrodicticum Simplex· 31.01.2012
- Newton, Hunter, Jenner, Cavendish und Co: Der Einfluss der britischen Naturwissenschaftler des 18. JahrhundertsAstrodicticum Simplex· 27.01.2012
Top5
- Abstimmung: Kernkraft, ja, nein, ein bisschen, vielleicht doch irgendwann malPrimaklima· 26.01.2012
- Die größte Verschwörung aller Zeiten: In Wahrheit ist die Sonne kalt und dunkel!Astrodicticum Simplex· 26.01.2012
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Sonderrechte für Religiöse?blooDNAcid· 01.02.2012
ScienceBlogs.com
- An animal rights zealot faces her comeuppanceI was going to write about that article about massage ...Respectful Insolence· 08.02.2012 · 03:00 Uhr
- Nine chronic diseases and their varied impactsI wrote last month about the role of chronic diseases ...The Pump Handle· 07.02.2012 · 18:54 Uhr
- Real Science and Health News: From a Truth VigilanteIf people decide they're going to deny the facts of ...Starts With A Bang· 07.02.2012 · 14:22 Uhr
- myMac 01I am a Mac Oh wait no different commercial Let ...Greg Laden's Blog· 06.02.2012 · 23:21 Uhr
- Another Week of GW News, February 5, 2012Logging the Onset of The Bottleneck Years This weekly posting ...A Few Things Ill Considered· 06.02.2012 · 16:56 Uhr













