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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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10.08.11 · 10:37 Uhr
Irrational
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Ich weiß, es gibt Schlimmeres - die Unruhen in London öffentlich gesehen und der Beinbruch meiner Frau im privaten Bereich -, aber trotzdem ärgert mich die unverdrossen zur Schau gestellte Dummheit von Wissenschaftstheoretikern, die meinen, Rationalität sei das Maß aller Wissenschaft. In diesen Tagen (10.8.11, S. N4) berichtet die FAZ von einer rationalen Kritik an einer rationalen Theorie und meint damit, etwas über den Verlauf von Wissenschaft gesagt zu haben. Warum nehmen die rationalen Wissenschaftstheoretiker nicht endlich einmal zur Kenntnis, daß die Praxis höchst irrational ist. Man findet dies in zahlreichen Texten von Einstein, Pauli, Planck, Maxwell, Heisenberg und vielen anderen. Da wird mit einer spezifischen Kristallstruktur als Mandala meditiert, da werden Träume gedeutet und archetypische Gegebenheiten beachtet, da werden freie Erfindungen aus ästhetischen Quellen gemacht, da werden innere Stimmen zitert, die Formel flüstern, und die Wissenschaftstheoretiker nehmen das alles nicht zur Kenntnis und trompeten ihre rationale Bedürftigkeit weiter in die Welt hinaus. Das sollte niemanden mehr interessieren, wie zum Beispiel Wolfgang Pauli bereits in den 1950er Jahren geschrieben hat, der auf die irrationalen Quellen von Weltbildern eindringlich verwiesen hat (wie man in meinem Büchlein über ihn - Brücken zum Kosmos - nachlesen kann). Es ist eben so, Erkenntnistheoretiker haben so viele Erkenntnisse wie der Papst Sex. Der redet wenigstens nicht so viel darüber, oder wenn, dann nur behutsam.
Autor: Ernst Peter Fischer· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Und welche Erkenntnis vermittelt dieser Blogpost?
...
...
irgendwie hab ich das Gefühl, auf den meisten anderen Blogs mehr über das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu lernen.
Hier bin ich nachher fast nie gescheiter als vorher. Vielleicht liegt das an der fehlenden Evidenz.
Michael Steinkellner, bevor Sie sich mit dem Universum beschäftigen, sollten Sie zuallererst die Bedeutung des Wortes „Feuilleton“ ergründen.
Dann wünsche ich Ihrer Frau mal eine gute und schnelle Genesung.
@Michael Steinkeller:
Man kann ja das genannte Buch näher betrachten und schon hat man "etwas" vom Blogpost.
Noch bemerkenswerter als die Tatsache, dass viele Wissenschaftler auch irrationale Ansichten vertreten und merkwürdige Arbeitsmethoden haben, ist, dass trotzdem am Ende wissenschaftliche Ergebnisse stehen, die den Rationalitätskriterien der Wissenschaftstheorie im Großen und Ganzen genügen. Das hat - im metaphorischen Sinne - fast etwas von einer alchimistischen Verwandlung.
@F: danke für den Ratschlag, hab ich gemacht (Wikipedia). Mir war nicht bewusst, dass der Name Programm ist.
@ Michael Steinkeller: also ich verstehe sehr gut, was uns der Meister sagen will: vielleicht wäre es besser, wenn Naturwissenschaftler im Nebenpflichtfach "Cello-Spielen", oder "E-Gitarre" begreifen müßten, oder auch nur "Harmonielehre" ... dann hätten wir auch keine Sience-Fiktion, wie zur Zeit, sondern wieder inspirierte Wissenschaft, die wir ganz dringend brauchen ... wie jeder redliche alte Ritter irrt sich EPF nur hinsichtlich des Dranges zur Wahrheit der Science-Gemeinde: man ist schon längst bewußt jenseits der Linie erfahrbaren Wahnsinns, und möchte sich bei diesem Geschäft nur ungern in die Suppe spucken lassen. Der Artikel über "ratio" in der FAZ vom 10.08.2011 ist irrational.