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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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17.02.11 · 09:03 Uhr
Die Doktorarbeit des Ministers
Kategorie: Politik · Kommentare: 38
Unser derzeitiger Verteidigungsminister, der Freund der Bild-Zeitung und der Medien, hat in seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Über 1000 Fußnoten als Schutzschild haben nichts genutzt. Er hätte wahrscheinlich mehr als 2000 Fußnoten gebraucht. Nun kann man sich aufregen und ärgern und alles Mögliche fordern. Nur eins wir nicht für erwähnenswert erachtet: Der promovierende Politiker hat - wenn es seinen Text selbst geschrieben hat - aus TAGESZEITUNGEN abgeschrieben. Nicht aus Kant oder Marx oder Goethe, nein aus der SZ, das FAZ, der NZZ. Das ist das Niveau von Doktorarbeiten in den Politikwissenschaften, und das ist der Skandal.
Autor: Ernst Peter Fischer· 38 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (38)
Wieso Politikwissenschaften? Ich dachte, zu Guttenberg wäre Jurist?
Nicht nur das Niveau der Zitate ist beklagenswert sondern auch die Schlampigkeit der Arbeit - ich kann ihm bei dem Niveau keine Absicht unterstellen - die bis dato unbemerkt blieb. Das sagt viel über Zustand unserer Universitäten aus. Akademische Grade verkommen so zu käuflichen Adelstiteln.
Ich Dummerchen dachte, der Skandal wäre, daß der Gegelte den Eurofighter in Asien verscheuern will, wir aber über geklaute Teile seiner Doktorarbeit reden.
Oder doch eher die Tatsache, daß er zu geizig war, sich einen guten Ghostwriter zu leisten?
Aufgrund der Betrügereien von Guttenberg werden sich verschiedene Fachrichtungen in den nächsten Tagen ihre Daseinsberechtigung , was Dissertationen angeht, gegenseitig absprechen.
Er ist erstmal aus der Schusslinie. Obwohl Afghanistan - egal!
Nun, es werden so einige Zittern, die in Zeiten vor den Plagiatsfindprogrammen ihre Dissertation (ab-)geschrieben haben. Seinerzeit haben viele (natürlich nicht alle) mehr oder weniger und hier und da abgeschrieben, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es jemandem auffällt sehr sehr gering war - wer liest schon Dissertationen. Aber bei einem Verteidigungsminister wird schon mal genauer hingekuckt ... wer hätte das ahnen können? ;-) ein wenig Schadenfreude kommt schon bei mir auf, muss ich gestehen. Ein Possenspiel um Eitelkeit und Titelgeilheit.
Gegen die Suchprogramme helfen nur die Ghostwriter, oder tatsächlich: selber schreiben und artig zitieren.
PS: Ich glaube das FAZ-Zitat war nur im Vorwort, -im Laberteil.
https://docs.google.com/document/d/1uUhufTGbHSpPVFbpka4OreOIGqfJ%206kS22RVrXL-CNR8/preview?authkey=CLy78YQO&pli=1&hl=de&sle=true#
Diese Seite ist z.Zt. vollkommen überlastet.
Darum hier:
http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate
Alle: Holleri du dödel di diri diri dudel dö ! ...
Irgendwer sagte doch mal: "Ein Doktortitel belegt nur, dass es ein Fachgebiet gibt, auf dem man kein vollkommener Versager ist.".
Manchmal kommen mir sogar dabei noch Zweifel...
Politikwissenschaften? Wie bitte? Politikwissenschaft ist nicht die Grundausbildung des Politikers. Eigentlich müsste man das hier nicht erwähnen müssen.
Guttenberg ist ein Jurist und hat in der Juristerei promoviert.
Ich kann es schlecht beurteilen wie es an Unis in Deutschland ist, aber ich sehe nicht wie man mit Abschreiben aus Tageszeitungen eine Diss in Politikwissenschaften bei uns durchbringen könnte. Eitelkeitstitel sind bei uns im Fach sicher wesentlich seltener als in der Juristerei (Arbeit und Ertrag stehen da in keinem Verhältnis).
Ein bisschen mehr Präzision beim Poltern wünsche ich mir. Muss ja nicht aus der FAZ abgeschrieben sein, aber trotzdem.
Nachtrag: Mit von Marx und Goethe abschreiben kommt man auch nicht weit. Kant vielleicht ein bisschen. Aber mit Politischer Philosophie ist man eher eine Randerscheinung.
Egal in welchem Fach: Wenn man Teile einer Dissertation aus einer Tageszeitung abschreiben kann, dann muss das nicht gegen die Qualitätsmaßstäbe des Fachs sprechen, es kann auch für die Qualitätsansprüche der Zeitung sprechen.
@Jörg Friedrich
Das sieht die NZZ ganz genauso, drum hat sie sich selbst zwecks Absatzförderung nun auch summa cum laude verliehen, vgl http://www.wuv.de/kampagnen/kreation_des_tages/summa_cum_laude_fuer_die_nzz
Vielleicht resultiert EPFs falsche Angabe zu Guttenbergs Studienfach (Jura, nicht Politikwissenschaft, wie schon von Peer Teer und Ali gesagt) daraus, dass jener die Einleitung seiner Dissertation von einer Politikwissenschaftlerin plagiiert hat, deren Text wiederum seinerzeit in der FAZ veröffentlicht wurde? Wie auch immer, das sollte EPF noch korrigieren.
Dass Kant, Marx oder Goethe irgendwie besser, edler, wahrer seien als SZ, FAZ und NZZ kann auch nur jemand glauben, der Politikwissenschaft mit Rechtswissenschaft verwechselt die kriminelle Energie Einzelner als Problem der geschädigten Gruppe darstellt. Herr Fischer, wenn man (mal wieder) keine Ahnung hat, warum behält man das nicht für sich?
Mal ganz abgesehen von dem Lapsus Politikwiss. vs. Jura in Ihrem Blogeintrag: Die bisher bekannten recht umfangreichen Plagiatspassagen (49 momentan, Zahl stetig steigend) wurden primär via Google-Suche aufgedeckt. Also: Einen Cluster aus Schlüsselbegriffen eines Absatzes der Guttenberg-Diss. in die Google-Suche eingeben, enter, Textstellen vergleichen, et voila! Es ist nur folgerichtig, dass auf diesem Weg vorangig Online-Quellen aufgefunden werden. Davon abgesehen steht aber durchaus auch die Vermutung im Raum, dass Weiteres aus wissenschaftlicher Fachliteratur, die nicht online verfügbar ist, abgekupfert sein könnte. Allerdings wären diesbezüglich zwecks Verifizierung nicht unerhebliche Bibliotheksrecherchen erforderlich. Die Zeit und Mühe verwendet man dann aber doch wirklich lieber auf die eigene (selbstverständlich nicht plagiierte) wissenschaftliche Arbeit ... ;o)
Es wird wohl eine der meistzitierten Schriften des Jahres! ;)
RP war vorhin bei 50 plagiierten Stellen. Das Scoring könnte noch steigen.
Ob die wohl bei D&H nachdrucken werden müssen?
Sollten sie bald entscheiden: Das "Handelsblatt" verkündet gerade, dass der Rücktritt unausweichlich geworden ist!
Vielleicht sollte man den Schmöker kaufen, bevor Guttenberg versuchen wird, alle Exemplare aufzukaufen... Könnte ne Wertanlage werden.
Mich würde interessieren, aus wem genau sich der Chor zusammengesetzt hat, der dem Adelsspross damals in vermutlich holdem Einklang "Summa cum laude" entgegengeschmettert hat, in der Stadt mit dem Grünen Hügel?
Schade, daß er nicht von Arendt abgeschrieben hat. Aber wer kennt die schon noch...
@Ariane
Doktorvater bzw erster Gutachter war Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Häberle, Zweitgutachter Prof. Dr. Rudolf Streinz. Dann gab es natürlich noch die Prüfungskommission, aus welcher bisher nur ein Mitglied namentlich genannt wurde: Es handelte sich um Prof. Dr. Diethelm Klippel, heute Bayreuther Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft.
Kein Witz? Wahnsinn!
Die online-Version nimmt der Verlag nun aus dem Programm, und die gedruckte Auflage sei ausverkauft
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1113420
@Ariane Greiner: "...in der Stadt mit dem Grünen Hügel".
Nur mal ganz allgemein, wenn man Bayreuth kennt, weiß man, dass der Rote Hügel gar nicht weit vom Grünen Hügel entfernt ist, ungefähr 2 Stadtviertel Richtung Südwest. Dort steht das Landeskrankenhaus mit den üblichen Einrichtungen. Manchmal passt das auch zum saisonalen Wagner-Hype. Weitere Beispiele zu hiesigem Thema siehe auch obige Kommentare.
Nochmals: ich verstehe diese ganze Aufregung nicht.
Wirklich wichtige Dissertationen bringen die Forschung weiter — und deren Verfassern ist der Doktortitel meist eh egal, da es ihnen um Probleme lösen geht.
Sollen diese Idioten doch überall alle abschreiben — es ist ja eh egal. Es geht um die wichtige Forschung, und die kümmert sich eh keinen Deut um “Dr.” etc.
Richard Feynman sagte ja immer: “it is so difficult to produce REAL knowledge”.
Richtig: in der Regel wird eh nur plagiert und abgeschrieben. Das wenige wirklich gesicherte Wissen ist sowieso absolut minim (siehe Medizin: Krebs ist immer noch nicht geheilt). Und um dieses minimale Wissen zu publizieren, braucht es nur alle paar Jahre ein kleines Buch oder einen Aufsatz.
Darum nochmals:
Die Relativitätstheorie ist höchst unsicher — aber was ich SICHER weiss, ist, dass es
1) IMMER Plagiate geben wird
2) IMMER Korruption geben wird
3) IMMER Politiker und andere Idioten geben wird (siehe Libyen, Bahrain, Tunesien, Deutschland, etc.)
4) IMMER eine Mafia geben wird
5) IMMER hypersoziale Schweine geben wird (die z.B. einen “Dr.” Titel haben wollen)
6) IMMER Steuerhinterzieher geben wird
7) IMMER Hausärzte geben wird
8) IMMER Journalisten geben wird
7) IMMER IMMER IMMER etc.
@ skibo: In der Wissenschaft muss man ein Stück weit darauf vertrauen können, dass nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet wird, weil man nicht alles selbst nachprüfen kann. Prüfungskommissionen und Peer Reviews haben hier eine wichtige Filterfunktion für die Vertrauenswürdigkeit von wissenschaftlichen Publikationen. Wenn man z.B. nicht darauf vertrauen kann, dass Medikamentenstudien sauber durchgeführt wurden, kann man auch nicht darauf vertrauen, dass die Medikamente so wirken, wie sie sollen. Das ist in den Rechtswissenschaften im Prinzip nicht anders. Wenn an einer Stelle unsauber argumentiert wird oder sogar Sachverhalte (z.B. Quellen) verschleiert werden, kann man sich nicht darauf verlassen, dass es an anderen Stellen besser ist.
so wie hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel
@ an alle (auch an EPF):
Das Grundprinzip der Natur ist sowieso das Klauen ("Stehlen"). Gerade die Ökonomen machen das ja auch immer klar (siehe auch Gaddafi und Ben Ali, die alle in Europa ausgebildet wurden -- nämlich fürs Stehlen).
Leben ist ja nichts anderes als das "Stehlen von freien Elektronen" (bzw. von Gibbsscher freier Energie), nachdem diese freien Elektronen von (z.B.) Pflanzen mit Hilfe von Sonnenlicht (z.B.) erzeugt wurden.
Also: wieso soviel Lärm ums Klauen, was ja eh jeder macht?
Nochmals: Abschreiben macht ja nichts --- nur willkürliche Datenfälschung.
Darum: es lebe Guttenberg und Googleberg!!!!!
Er wird es hoffentlich überleben...
@Skibo/Skibbe
Warum schreist du eigentlich IMMER so, wenn du doch die ganze Aufregung nicht verstehst? Warum hältst du die Relativitätstheorie für höchst unsicher? Warum findest du deinen weitgehend aussagebefreiten Beitrag so wertvoll, dass du ihn nicht nur mehrmals bei SB, sondern in so ziemlich jeden Blogkommentarbereich zum Thema GuttenPlag reinsenfst? Regst du dich etwa doch auf?
@ Syd Mounep· 17.02.11 · 17:24 Uhr
"Dass Kant, Marx oder Goethe irgendwie besser, edler, wahrer seien als SZ, FAZ und NZZ kann auch nur jemand glauben, der Politikwissenschaft mit Rechtswissenschaft verwechselt"
Auch ich "glaube", dass die drei Herren "besser, edler, wahrer" sind als JEDE Journaille.
@ jeeves:
Du hast selber plagiiert -- denn "Journaille" stammt von Karl Kraus, dem intelligentesten Deutschsprachigen des 20. Jh. (und erst recht des 21. Jh.).
Aber eben: niemand weiss, was er spricht (und wovon er was hat). Es wird eben überall nur geklaut...
Zudem: ich bin dafür, dass Guttenberg sofort mit Manuela Schwesig ersetzt wird:
Jungpolitikerin, gut aussehend, und erst noch Frauenquote.
http://www.youtube.com/watch?v=69tl7dOD2fM&feature=related
@Peter Fischer
guter Gedankengang......
Stellen Sie sich vor, er hätte nicht abgeschrieben - die meisten seiner Zitate wären nie von grösseren Bevölkerungsschichten wahrgenommen, geschweige denn rezipiert worden. Noch nie haben derart breite Bevölkerungskreise an tiefsinningen Verfassungsdiskussionen teilgenommen! Daher fordern wir unentwegt:
Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!
Man sollte ihm zusätzlich noch den Ehrendoktor der Universität Washington verleihen (verleihen heisst ja nicht ganz weggeben, etwas Verliehenes kann man später wieder, in mehr oder wneiger wohlbehaltenem Zustand, zurückfordern!)
Der Fall von Guttenberg zeigt wieder einmal, auf was es in einer hypersozialen Welt von höheren Primaten wirklich geht: nicht um Wissenschaft oder Bücher, sondern um Führung, Führung, Führung, Führer.
Gadafis Sturz zeigt auch wieder einmal, dass alle Bücher letztlich nie funktionieren können (Gaddafis grünes Buch) -- bis auf Facebook und Fuckbook, natürlich.
@asdf
Ganz richtig, der Guttenberg: um an die Macht zu kommen, braucht es leider einen Dr. Titel — sobald man an der Macht ist, lacht man einfach nur noch drüber (und über die Dummheit dieser Arschlöcher überall)…
Nur Steuergeld kostet das alles... (inkl. das Uni Bayreuth-Verfahren, das jetzt angeworfen wird.)
“Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes habe man vernachlässigen können” - so die Uni Bayreuth.
Wie ich schon weiter oben sagte und darum hier nochmals:
Warum schreibt ein heutiger Biologe (z.B. EPF...) und Primatenforscher nicht ein Ethogramm von Guttenberg (mit "fränkischem Charisma" bzw. "Führerqualitäten")? Da kann man sehr viel lernen über die hypersoziale Affenwelt von heute (inkl. Facebook, Fuckbook, Guttenberg-Buch, etc.).
Hier könnt ihr sehen, wie perfekt ein hypersoziales Primatenhirn sein kann:
http://www.youtube.com/watch?v=osghVC3nr_4
Gutti – ein perfektes hypersoziales Primatenhirn (Machiavellische Intelligenz).
Darum lieben alle Primaten den Guttenberg ja so wahnsinnig, der hat wirklich eine perfekte soziale Intelligenz ("Führer")!
Warum soviel Geschrei um nichts?
Nach 2 Jahren ist in der Wissenschaft sowieso schon längst alles verjährt...
P.S.:
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Affe vor der Tastatur per Zufall einen Text von Shakespeare eingibt, ist ja auch grösser als Null... (p > 0).
Allein schon aus diesem Grund wird Guttenberg (als hypersozial perfekter höherer
Primat) juristisch freigesprochen werden müssen --- selbst dann, wenn er den "Dr."-Titel aus hypersozialen Gründen einfach nur als Sprungbrett gebraucht (angeblich "missbraucht") hat...
gutti bleibt gutti , der verjährt nicht , der entrückt höchstens.