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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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03.07.10 · 11:08 Uhr
Die Pille und die Pillen
Kategorie: Kultur·Medizin · Kommentare: 7
Zu den kleinen Meldungen der heißen Tage gehört die Ablehnung eines Medikamentes, das als "female Viagra" bezeichnet wird. Die amerikanische Behörde FDA will keine Pille erlauben, die das sexuelle Verlangen von Frauen fördert. Ich bin sicher, daß Männer dies entschieden haben, was mich zu dem Thema der Antibabypille bringt, die bekanntlich von Männern entwickelt wurde und jetzt ihren 50. Geburtstag feiert, worüber erneut von Männern berichtet wird. Bei diesen Berichten fällt auf, daß immer davon die Rede ist, daß Frauen die Pille (Singular) eínnehmen muss. Genau das reicht aber nicht. Frauen müssen die Pillen (Plural) einnehmen, und das macht bekanntlich mehr Mühe. Wenn Männer diese Pillen nehmen müssten, hätten sie schon längst weiter geforscht, um es bei der Einzahl belassen zu können. Mehr können sie nämlich nicht - außer wenn sie zu Viagra greifen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Über den Eintrag "Anonymität anders" kann man diskutieren. Aber hier: Hä?
Es "fördert das Verlangen"? Also nicht das Können, sondern das Wollen? Wozu sollte ich so ein Medikament nehmen sollen, es ist doch völlig in Ordnung, wenn eine Frau keine Lust hat, oder etwa nicht? Und ich kann mir gut vorstellen, wie es nach der Genehmigung in vielen Schlafzimmern heißt "Nein, ich hab Kopfweh..." - "Nimm doch eine Pille..."
Wie ich der FAZ anlässlich des Geburtstags der Pille entnehmen konnte, war es eine Frau, die die Entwicklung angeregt und finanziert hat.
*schnarch*
Sie wollen damit also sagen, dass Wissenschaftlerinnen (weiblich) nicht in der Lage sind, an der Weiterentwicklung der Pille (Singular) zu forschen, damit sie weniger Pillen (Plural) einnehmen müssen, und daher Wissenschaftler (männlich) diese Aufgabe übernehmen müssen. Interessant.
"Ich bin sicher, daß Männer dies entschieden haben"
Nope. Kann man so nicht sagen. Als ich die Meldung und den Ton der Schlagzeilen das erste Mal gehört bzw. gelesen habe, drängte sich mir auch der Verdacht auf, dass da vielleicht ein ähnliches Konzept hinter der Begründung steckt. Muss aber sagen, dass das so nicht stimmen kann. Der zuständige Expertenausschuss bestand aus sieben Frauen und vier Männern und entschieden haben die auch noch nichts, sondern nur eine Empfehlung an die FDA ausgegeben. Der Grund für die Ablehnung ist eindeutig und verständlich, der Wirkstoff Flibanserin ist wohl nicht verträglich genug und wirkt nicht ausreichend stark. Da besteht also noch Forschungsbedarf. Und was an dieser Begründung schwer verständlich oder frauenfeindlich sein soll, muss mir erst mal jemand erklären.
Normalerweise schreien doch alle erst dann wie die Hühner rum, wenn ein Präparat ohne ausreichende Untersuchungen auf den Markt kommt und dann bei den Patienten grauenvolle Nebenwirkungen hervorruft. Nur um mal ein Beispiel zu geben: Der Wirkstoff von Contergan, Thalidomid, kam ebenfalls ohne großartig angelegte Langzeitstudien auf den Markt und wurde Schwangeren verabreicht, was zu schweren Missbildungen bei den Kindern führte. Nur nicht in den USA. Dort erhielt Thalidomid nämlich keine Zulassung, weil Frances Kelsey, Ärztin bei der FDA, der Meinung war, es gäbe nicht ausreichend Tests. Hut ab vor dem Mut und Durchsetzungsvermögen dieser Frau.
Und das mit der Pille und dass Männer da viel mehr Forschungsenthusiamus entwickeln würden, wenn es um sie selber geht, stimmt doch auch nicht. Die Pille für den Mann ist dermaßen schwierig herzustellen, dass man die Forschung ganz eingestellt hat. Es ist erheblich leichter, eine Pille für die Frau herzustellen, die weniger Nebenwirkungen hat, als eine Pille für einen Mann, mit genauso wenig Nebenwirkungen. Und dass man eine Pille auf eine einmalige Einnahme reduzieren kann, ist ebenfalls enorm schwer durchzuführen, was man wissen würde, wenn man das Wirkprinzip kennt. Haben Sie sich Ihren Text denn auch nur ein einziges Mal durchgelesen, bevor Sie auf veröffentlichen geklickt haben? Oder wenigstens einen Artikel dazu gelesen?
Vielleicht hätten Sie bei dem Studium der Artikel nicht nur über den Unterschied zwischen dem Singular und Plural des Wortes "Pille" sinnieren sollen oder über geschlechterspezifische Merkmale, sondern einfach mal den Grund für die Ablehnung überdenken. Denn "wirkt nicht in dem Maße wie vom Hersteller beschrien" ist - um es mal ganz platt zu zu formulieren - schon ein überdenkenswerter Grund. Wer es genauer lesen will:
http://gesundheit.blogger.de/stories/1650504/