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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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01.10.09 · 11:06 Uhr
Deutsch und Englisch
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Dies ist eine persönliche Klage. Wen das nicht interessiert, sollte nicht weiterlesen. Es geht darum, daß ich über deutschsprachige Wissenschaftler auf Deutsch schreibe, ohne daß meine Bücher von deutschsprachigen Journalisten zur Kenntnis genommen werden. Dieses Gejammere alleine wäre natürlich lächerlich, gäbe es nicht den Tatbestand, daß die englischsprachigen Texte über dieselben deutschsprachigen Größen der Wissenschaft bei deutschsprachigen Journalisten sehr wohl Aufmerksamkeit finden, während meine deutschsprachigen Darstellungen immerhin in englischsprachigen Blättern Erwähnung finden. Nun könnte es ja sein, daß die englischsprachigen Bücher über die deutschsprachigen Forscher besser sind. Aber die deutschsprachigen Rezensenten meckern darüber, wie schlecht bzw. harmlos der Stoff in englischer Sprache dargestellt wird. Warum lesen sie nicht das, was in ihrer Muttersprache vorliegt? Vielleicht ist ja nicht so schlecht wie ihr Englisch.
Autor: Ernst Peter Fischer· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Ich kenne das Problem: Meine Dissertation über ein altenglisches Objekt erschien 1972 auf Deutsch. Obwohl das umfänglichste Werk zur Sache wird es allenfalls über das engl. Summary wahrgenommen. Inzwischen habe ich die Ergebnisse zweisprachig ins Netz gestellt. Nun sind wir aber schon soweit, dass Verweise auf deutschspachige Quellen von anglophonen Journalen abgelehnt werden.
Die Sprachpolitik der Amerikaner scheint entweder im US Verteidigungs- oder im US Wirtschaftsministerium angesiedelt zu sein. Auf jeden Fall ist sie sehr pragmatisch: man kann sich im Vergleich zu uns 30% des Fremdsprachenunterrichts sparen und berufsorientiert verwenden, zugleich ist man dem ausländischen Partner gegenüber immer im Vorteil (sprachliche Dominanz).
Zur Qualität der Sprache: Deutsch ist die Feinstrichmiene, Englisch dagegen der Filzstift.
Übrigens, der Verein Deutsche Sprache (VDS) befaßt sich mit dieser Problematik. Mehr unter: www.vds.de
Alfred Becker
@Alfred Becker:
"Zur Qualität der Sprache: Deutsch ist die Feinstrichmiene, Englisch dagegen der Filzstift.
Übrigens, der Verein Deutsche Sprache (VDS) befaßt sich mit dieser Problematik."
Deutsche Texte sind zumeist sehr schwierig zu lesen. Feinstrichmine ist nur ein Euphesimus für unverständliche, verschachtelte Sätze. Es ist doch so, dass der auf deutsch Schreibende sich derart auf die Gross- und Kleinschreibung konzentriert, dass nach vollendetem Text die Energie fehlt, den Text in eine Form zu bringen, die für den Leser zugänglich ist. Leider wird das nicht einmal sanktioniert. Ich beziehe mich hier vor allem auf Lehrbücher der Biochemie, Chemie, Genetik und Statistik.
Deutsch ist ein Buchstabenstempel, Englisch ist eine Schreibfeder.
Korrektur. Der Link ist: /www.vds-ev.de/
Zu Fabio Valeri: Deutsche Rechtschreibung beherrschten früher Volksschüler, heute haben Abiturienten Probleme damit. Ich glaube, es liegt nicht an der Orthographie.
Es gibt simple deutsche Texte und und anspruchsvolle englische. Vergleichen wir einmal die Bildzeitung mit den Philosophical Transactions of the Royal Society ..., dann merken wir den Unterschied.
@Alfred Becker
Was ist ein anspruchsvoller Text? Anspruchsvolle Inhalte? Dann müssten diese Inhalte erst recht auf eine verständliche Weise geschrieben werden. Meine Erfahrung ist häufig die, dass ich einen Abschnitt in einem deutschen Lehrbuch (z.B. Molekulargenetik) mehrmals lesen muss, und es anschliessend immer noch nicht verstehe, während das US-pendant schön klar formuliert, häufig mit einer didaktischen Frage einleitend. Meine These ist, dass der Lehrbuchmarkt in den USA wesentlich besser ist als der deutsche. Vielleicht lässt sich das mit dem grösseren Markt erklären und dass dieser funktioniert. Ausser dort, wo die europäische Philosophie in den USA fusst gefasst hat, werden die Texte wieder "anspruchsvoll" und unverständlich, was durch den Sokal-Hoax aufgezeigt wurde. Ich denke, dass man komplizierte Sachverhalte auch einfach beschreiben kann, wie z.B. die Bücher von Ernst Peter Fischer zeigen. Vermutlich müssen die Texte von EPF "anspruchsvoller", "postmodernistischer" geschrieben werden, damit auch die Rezensenten in Deutschland aufmerksam werden. Nun, meine zweite These: die Deutschen lassen sich von der Sprache blenden. Es wird viel geredet, aber wenig gesagt. Heidegger konnte nur in Deutschland erfolgreich werden. Bild ist vielleicht biased, aber eine verzerrte Aussage enthält immer noch mehr Infos als ein eloquent ausgeführter Vortrag eines Politikers mit Null-Aussage. Nun, ich möchte keine Polemik entfachen und meine Aussagen sind wenig fundiert (ausser dasjenige zur Molekurgenetik) und stammen aus einer gewissen Frustration beim lesen von vor allem europäischen, geistes-/ sozialwissenschaftlichen Werken. Meine zweite These halte ich trotzdem aufrecht.
Webbaer·
09.10.09 · 12:27 Uhr
Der Grund wird wohl sein, dass wenn man mit der Sache erst einmal anfängt (multilingurale Reaktionsanalysen mit anschliessenden Richtigstellungen oder Debatten), dann mit der Vielspracherei ein ernstzunehmendes Problem erwächst. Eventuell einfach alles zweisprachig publizieren, dann kanns nicht ignoriert werden. Jedenfalls kann dann nicht so getan werden, als ob ...