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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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05.08.09 · 08:18 Uhr
Unamerikanisch
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Scientific American - so heißt das seit 1845 (!!!) erscheinende Magazin, das Maßstäbe für die Vermittlung von Wissenschaft gesetzt hat. In deutscher Form ist daraus das "Spektrum der Naturwissenschaften" geworden, und wer nur auf diese Blätter schaut, hat den Eindruck, daß Wissenschaft gut vermittelt wird. Nur kommt davon im Volk so gut wie nichts - GAR NICHTS - an. Fast die Hälfte der Amerikaner denkt, daß die Erde keine 10.000 Jahre alt ist, für die meisten dreht sich die Sonne um die Erde, und diejenigen, die die Erde stattdessen rotieren lassen, denken, sie schafft den Sonnenumlauf an einem Tag, und so weiter. Dazu ist jetzt ein Buch erschienen (Autor: Chris Mooney), das UNSCIENTIFIC AMERICAN heißt und näher an den Tatsachen ist. Amerikaner wissen nichts von der Wissenschaft. Die entsprechenden Beilagen in den Zeitungen schrumpfen, von fünf Fernsehstunden gehört eine Minute der Wissenschaft, und hierzulande werden die Wissenschaftssendungen bestenfalls bunter und damit blöder. Die Vermittler der Wissenschaft hampeln herum, aber sie erreichen nichts - GAR NICHTS. Wer schafft es, ihnen diese Einsicht zu vermitteln?
Autor: Ernst Peter Fischer· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (10)
Zählen Sie sich eigentlich selbst auch zur Sippe der Vermittler? Sie haben ja auch einiges in der Richtung gemacht.
Vielleicht wäre es ein Anfang den Dialog mit dem Publikum in einem zugänglichen Medium wie Blogs zu suchen. Nur so eine Idee.
Vermutlich weder Chris Mooney noch Ernst Peter Fischer...
Kleine Anmerkung: Meines Wissens heißt die deutsche Ausgabe von Scientific American immernoch "Spektrum der Wissenschaft" und nicht "Spektrum der Naturwissenschaften".
Das Scientific American und damit auch das Spektrum sind aber über die Jahre auch bunter geworden, was nicht zwangsläufig blöder heißen muss (ich habe übrigens ein Faksimile der allerersten Scientific-American-Ausgabe mit dem Titelthema "Improved Railroad Cars". Das sieht einfach aus, wie ein Zeitungsbogen). Unsere Welt wird bunter und man kann bei der Wissenschaftsvermittlung nicht einfach die veränderten Sehgewohnheiten ignorieren, sonst wirkt es komisch und Wissenschaft wird mit grauer Leberwurstlaune assoziiert. Was mich allerdings nervt, ist die Computeranimationeritis, wenn also nicht das über die Welt dargestellt wird, was wir von ihr wissen, sondern das, was ein Graphikdesigner sich vorstellt.
Hmm, erreichen die Wissenschaftsvermittler wirklich gar nichts? Wenn man nicht weiß, wie die Jahreszeiten entstehen, hat man halt in der Schule gepennt - selber schuld, aber ansonsten gibt es durchaus einen Markt für Wissen, vielleicht nicht für Wissenschaft. Es ist nunmal so, dass Dinge, die innerhalb der Wissenschaft interessant sind, nicht unbedingt für Aussenstehende (und das sind auch Wissenschaftler anderer Disziplinen) interessant sein müssen. Insofern würde ich sage: Breite Wissenschaftsvermittlung funktioniert vielleicht wirklich nicht, Wissensvermittlung aber durchaus.
Oh, diese "Einsicht" wäre fatal. "Vermittler der Wissenschaft" sind überaus erfolgreich, was das Vermitteln von Wissen an Interessierte angeht - habe ich im Selbstversuch immer wieder festgestellt - und sind stetig besser geworden darin. Auch und besonders durch die Nutzung neuer Möglichkeiten und Technologien, zuletzt des WWW. Was die "Vermittler der Wissenschaft" jedoch nicht schaffen, ist Desinteresse bekämpfen oder Interesse wecken. Ist jedoch auch keine bahnbrechende Erkenntnis, das ist dasselbe Problem, das Lehrer schon seit Jahrtausenden beschäftigt: Wie bringe ich jemandem etwas bei, den das kein Stück interessiert? Indem ich sein Interesse daran wecke. Wie verflucht nochmal soll ich das tun?
Es sind derzeit zwei mögliche Lösungen bekannt:
1. Dem Desinteressierten zeigen, wie toll das eigentlich ist, was ihn nicht interessiert und weshalb es ihn interessieren sollte.
2. Dem Desinteressierten solange alle seine Interessen/Ablenkungen austreiben, bis er keine andere Wahl mehr hat, als sich dafür zu interessieren, was er lernen soll.
Dass 1. nicht funktioniert, hat schon seit Generationen jeder Vater leidvoll erlebt, der seinem unwilligen Sohn sein Handwerk oder Geschäft vererben wollte und natürlich jeder Anhänger einer Sportart, die jemand anders total langweilig findet.
2. funktioniert zwar für Lehrer ganz gut, indem man Schüler in Klassenräume einsperrt und ihnen stets mit einer Verlängerung ihrer Schulzeit droht, wenn sie ihre Interessen nicht auf den Lernstoff ausrichten, liegt jedoch für alle "Vermittler der Wissenschaft" außerhalb ihrer Möglichkeiten. Müssen sie sich doch auf dem "freien Unterhaltungs-/Freizeitmarkt" behaupten und können nicht einfach ihre "Konkurrenz" beseitigen oder einschränken. Die "Vermittler der Wissenschaft" können eben nichts dagegen tun, dass auf eine Minute Sendezeit und eine Seite Tageszeitung zu ihrem Thema eine Stunde Sendezeit und eine ganze Reihe von ganzen Tageszeitungen zu "Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht" kommt und der Konsument nicht nach mehr Wissenschaft, sondern nach noch mehr Skandalen und Sensationen schreit. Sie können lediglich ihre eigene Sendezeit/Zeitungsseite so beeindruckend wie nur irgend möglich gestalten. Wenn das niemandes Interesse weckt, liegt das sicherlich am Allerwenigsten am mangelndem Bemühen oder Können der "Vermittler der Wissenschaft".
Das Buch heißt "Scientific America" (ohne "n"). Vielleicht würde zuverlässige Recherche bei der Vermittlung von Wissenschaft ja helfen.
Und, ach ja: Ihr Foto dort oben links, Herr Fischer, ist auch ziemlich bunt.
Interessant dazu ist übrigens die entsprechende Diskussion auf Pharyngula. Da bekommt man schon ein wenig den Eindruck, dass die Macher des Buches über Gebühr auf den Wissenschaftlern herumreiten. Es ist zunächst nun mal so, dass der Job eines Wissenschaftlers darin besteht, Wissenschaft zu machen. Wenn viele Menschen schon von sich aus aufgund einer verkorksten Schulbildung beim Begriff Physik oder Mathe sofort das Gesicht verziehen, können die Wissenschaftler noch so wortgewandt vermitteln, es wird schwer, Leute zu überzeugen oder auch nur zu informieren, die überhaupt kein Interesse besitzen. Dass viele Menschen sich kaum für Wissenschaft interessieren, ist auch ein strukturelles Problem, das nur auf die Wissenschaftler abzuwälzen oder gar im Großen zu kritisieren, sie seien alle uninteressiert, halte ich für daneben. Ich denke eher, dass die meisten ihre Begeisterung gerne teilen würden, aber abgesehen davon dass nicht jeder dafür geschaffen ist, haben die meisten schon genug damit zu tun, ständig um Mittel zu kämpfen und generell zu arbeiten.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Beiträge von Herrn Fischer hier größtenteils einfach nur Schrott sind. Meist versucht er, andere Veröffentlichungen aus seinem Metier schlecht zu machen, ohne sein oftmals undifferenziertes Gerede dabei auf irgendeine Weise argumentativ zu untermauern. Hier beispielsweise wieder:
"Die Vermittler der Wissenschaft hampeln herum, aber sie erreichen nichts - GAR NICHTS."
Dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung ein erbärmliches Allgemeinwissen aufweist, kann man nicht ohne weiteres auf die vermeintliche Unfähigkeit der "Wissensvermittler" zurückführen. Wird diese These - die ich für falsch halte - vertreten, dann muss sie durch Argumente begründet werden; andernfalls ist sie nichts anderes als die unreflektierte (uninteressante) persönliche Meinung von Herrn Fischer.
Zudem wirft die Tatsache, dass Herr Fischer die Kommentare zu seinen Beiträgen konsequent ignoriert, die Frage auf, warum er dann überhaupt vom Blog-Medium Gebrauch macht. Vielleicht um seinen hinfälligen Gedankenschrott loszuwerden...
@Peter Parker
"Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Beiträge von Herrn Fischer hier größtenteils einfach nur Schrott sind."
Nö, finde ich nicht.
"wirft die Tatsache, dass Herr Fischer die Kommentare zu seinen Beiträgen konsequent ignoriert, die Frage auf, warum er dann überhaupt vom Blog-Medium Gebrauch macht."
Ist sein Blog, was er damit macht, ist seine Sache. Ist wie mit Fernsehen. Musst ja nicht gucken, wenn Du es nicht magst. Es gibt kein Gesetz, dass Bloggern vorschreibt, auf Kommentare zu antworten.
Jein, so einfach ist das nicht, Amis sind zum Beispiel in der Spitze besser als die Deutschen, zudem sind die Deutschen von Halbbildung und Mittelmässigkeit gelähmt.
In D ist es also nicht besser, auch wenn hierzulande gerne vorwurfsvoll die vglw. große Religiösität der Amerikaner angeführt wird.
Man darf gerne vergleichend bspw. die Atomangst, die Klimaangst und die vielen Technikängste der "vorreitenden" Deutschen betrachten.