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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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13.05.09 · 08:58 Uhr
Kein Snow von gestern
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
1959 hielt das britische Multitalent Charles Percy Snow einen Vortrag, den er "The Two Cultures" nannte und in dem er auf die literarisch gebildeten Snobs aus Cambridge schimpfte, die meinten, die Nase rümpfen zu können, wenn jemand nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik fragte. Es reichte, so meinten sie, sich mit Shakespeare auszukennen. So ist sie bis heute, unsere Bildungsschicht, die nach wie vor die Schultern zuckt, wenn das physikalische Thema kommt, während sie überheblich jeden meidet, der bei Shakespeare ahnungslos reagiert. Der Name "Snow" gibt populären Vertretern der Geisteswissenschaften die Gelegenheit, kalauernd zu verkünden, daß sei doch Snow von gestern, und viele merken dabei nicht, daß eigentlich "der Schnee vom vergangenen Jahr" gemeint ist, was erstens poetischer klingt und zweitens überhaupt erst sinnvoll wird. Lassen wir den Aspekt und fragen, ob die Unterscheidung in zwei Kulturen noch aktuell ist. In aller Kürze lautet die Antwort leider "Ja", wie jeder merkt, der etwa als Genetiker einen Kunsthistoriker fragt, wie Formen entstehen. Daß es eine Kunst der Gene geben muss, um die Gestalten des Lebens hervorzubringen, wollen Geisteswissenschaftler nicht wissen. Das stört doch nur ihr Ruhe.
Autor: Ernst Peter Fischer· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Ich bin allerdings nicht sicher, ob sich Naturwissenschaftler tatsächlich besser in der Kunst auskenne als Künstler in der Naturwissenschaft - wie es nach meinem Verständnis Snows Gegenüberstellung nahelegt. Vielleicht war das vor 50 Jahren noch anders.
Die Frage nach Shakespeares Sonetten, an einen Naturwissenschaftler gerichtet, würde heute vielleicht zu der Antwort führen: Ja, davon hab ich gehört. Aber genau kann ich mich nicht erinnern. Die Antwort könnte die gleiche sein, wenn man einen Künstler nach der Thermodynamik und ihrem 2. Hauptsatz fragt.
Was ist die Kunst der Gene und warum ist diese für die Funktion der Gene notwendig? Ob etwas Kunst ist oder nicht, ist eine menschliche Entscheidung und wird wohl keine Auswirkungen auf das Funktionieren von Biomolekülen haben.
Ich sehe hier keine Notwendigkeit, dass sich Künstler umbedingt mit Wissenschaft auskennen müssen, um gute Künstler zu sein, sie können sich genausogut mit menschlichen Kunstwerken beschäftigen. Umgekehrt sehe ich kein Argument, warum eine Wissenschaftlerin sich mit Kunst auskennen muss, um Wissen über Gene zu gewinnen.