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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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29.04.09 · 11:46 Uhr
Der Faust des 20. Jahrhunderts
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Allmählich rückt der 40. Jahrestag der Mondlandung heran, und vermutlich werden einige Witzbolde wieder den Nachweis versuchen, daß das nur eine Hollywood Produktion war. Beigetragen zu den großen Schritt für die Menschheit hat Wernher von Braun, über den nun eine umfassende Biographie vorliegt - "Wernher von Braun - Visionär des Weltraums, Ingenieur des Krieges"-, in der der Autor, Michael Neufeld, die Ansicht vertritt, "Wernher von Braun war wirklich der Faust des 20. Jahrhunderts". Gemeint ist die Idee, daß von Braun mit den Mächtigen - gleich, ob sie Hitler oder Kennedy hießen - paktiert hat, wenn sie ihn nur machen und nach den Sternen greifen ließen. Er hat sicher nach den Sternen gezielt (wenn er dabei auch leider London getroffen hat) und viele Mordtaten hingenommen, die zum Erreichen des Ziels nötig waren, aber Faust bleibt zuletzt die Einsicht, daß alle Erfolge ihm die Sorge nicht nehmen, ob und wie es weitergeht. Von Braun wusste, wie es weitergeht - er wollte nach dem Mond zum Mars und darüber hinaus. Er war tief gläubig und unersättlich und daher bestenfalls ein Fäustchen, aber in dieser Funktion hat er ungeheuer viel erreicht. Er hat vor allem die Raumfahrt populär gemacht - erst in den Disney Studios und dann im TV. Was ihm versagt geblieben ist - selbst auf dem Mond zu landen. In einer Hollywood Produktion wäre es ihm gelungen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Typ-IV-Antiheld.
Ich denke, von Braun als tief gläubig zu bezeichnen, führt zu Missverständnissen, ist wohl auch falsch. Diese Aussage scheint mir tendeziös und nicht genau. Man muss dann wenigstens dazu sagen, dass jede Wissenschaft, also auch die exakte Wissenschaft eine methodische Gläubigkeit verfolgt, verfolgen muss, bis zur nächsten Falsifikation.
Und ich denke darüber hinaus, dass ein Wissenschaftler nicht wirklich Biss entwickeln kann, und auch nicht gut ist, wenn er nicht an irgend etwas glaubt. Die Wissenschaftler, aber auch die Zeit, aus der von Braun stammte, glaubte uneingeschränkt an den technischen Fortschritt.Wenn das tiefe Gläubigkeit ist, dann müsste man sie aber als das benennen.
Von Braun allerdings verkörperte dazu noch jene seltene und unheimlich Mischung aus Visionär und Pragmatiker, der deshalb wohl auch motivieren konnte. Der für seine Vision dann auch schuldig wurde.
Und er war irgendwie schlau genug, dafür zu sorgen, sich niemals in seiner SS-Uniform fotografieren zu lassen, er hatte ja eine Mitgleidschaft, oder jedenfalls diese Fotos, sollte es welche gegeben haben, der Öffentlichkeit zu entziehen.Aber er war nachweislich wohl auch kein überzeugter Nazi.
Viel interessanter aber ist die Tatsache, dass unsere heutige technologische "Einwohnung", die Kultur unserer Kommunikationsnetze, mit dieser Geschichte verquickt ist.
Insofern könnte man sagen: In jedem Satellitenwetterbericht, in jedem GPS-Gerät stecken virtuelle Tote, informelle Opfer, Leichen, Zwangsarbeiter und Gefallene eine technischen Entwicklungsgeschichte, die in Peenemünde begonnen hat, die wir mit jeder Wahlwiderholung oder dem Bedienmenü am GPS- "aufrufen".
Diese Sache finde ich äusserst merkwürdig. Insofern wären viele unserer technischen Gerätschaften heute so etwas wie Schuldagregate, kleine funkende Gräber mit Antenne.
Gegenüber der Technik als historisches Schuldaggregat gibt es überhaupt keine moralische, geschweige denn juristische Ansprachen. Wir benutzen sie. Punkt.
Und das weist auf eine Frage, die weit größer ist, als die Frage, ob Braun nun ein Faust oder ein Fäustchen war.
Kriege, egal ob heiß oder kalt, sind leider immer ein großer Innovationsmotor gewesen und wurden deswegen auch oft genug herbeigesehnt. Plötzlich sitzt das Geld der Politiker für Forschung locker, wenn sich nur irgendein waffentechnischer Vorteil damit verbinden lässt. Wernher von Braun hat das verstanden. Jetzt sieht man ja, wie traurig die bemannte Raumfahrt der NASA vor sich hindümmpelt, seit den Amerikanern die Sowjetunion genommen wurden. Raumfahrtenthusiasten in den USA hoffen daher auf China und bejubeln deren Erfolge, nach dem Motto: Soll der Kongress ruhig Angst bekommen vor den gelben Roten. Eine andere Hoffnung ist die kommerzielle Raumfahrt, das wäre in der Tat ein Novum. Es bleibt spannend, wer als nächstes den Mond betritt.