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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

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21.04.09 · 14:15 Uhr

Dein Wort soll sein, Ja Ja, Nein Nein

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

Die Templeton Foundation vergibt einen sehr hoch dotierten Preis für denjenigen, der am besten den Glauben in unserer Zeit des Wissens bewahrt. Im Darwinjahr schaltet sie seit Wochen regelmäßig eine Anzeige, in der berühmte Wissenschaftler (die den Preis noch nicht gewonnen haben) auf die Frage antworten, Erklärt die Evolution die Natur des Menschen? Die Antworten finden sich unter www.templeton.org/evolution, aber sie lohnen nicht oder nur bedingt. Zum einen ist klar, daß sich das ganze Spektrum von "Natürlich" über "ziemlich gut" und "Ja und Nein" bis "Noch nicht" findet - so blöd sind die Leute von Templeton nicht, daß sie ein "Keineswegs" drucken. Doch zum anderen bleibt die Frage unklarer als die Antworten. Menschen können die Evolution erklären, aber die Evolution selbst erklärt nichts. Sie findet statt. Und was soll die Evolution anderers ermöglicht haben als die Natur des Menschen? Spannender wäre die Frage nach der Kultur des Menschen. Aber wer wüsste sie schon einzugrenzen? Es gehört zu der Natur des Menschen, Kultur zu schaffen. Zu dieser Kultur gehört die Idee der Evolution. Sie ist damit erklärt. Der Rest ist Werbung.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (5)

Kommentar-Direktlink Katharina· 21.04.09 · 15:15 Uhr

Es ist doch erstaunlich, dass sich Evolutionsbiologen immer wieder rechtfertigen müssen. Würden sie das Telefon untersuchen, würde sie und ihre Erkenntnisse nicht ständig hinterfragt.
Aber eines der zentralen Missverständnisse rührt meiner Meinung nach daher, dass man von Evolutionstheorie spricht. Dabei wird Theorie häufig mit unbewiesenem Beitrag zu einer Diskussion gleichgesetzt...

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 21.04.09 · 16:43 Uhr

Ich denke, "Evolution" als theoretisches Konzept steht weder am Anfang noch ganz am Ende der wissenschaftlichen Erklärungskette. Insofern kann man einerseits Evolution erklären, z.B. auf Basis genetischer Theorien, andererseit das Modell der Evolution auch nutzen um verschiedene empirische Befunde widerum zu erklären - vielleicht auch die "menschliche Natur". Voraussetzung für die Beantwortung der Frage, om Evolution die menschliche Natur erklärt wäre natürlich die Eingrenzung des Begriffs Evolution und die Schärfung des Begriffs "menschliche Natur" - und die Beantwortung der Frage, ob eine Erklärung schon gegeben ist, wenn man das Erklärende als notwendige Bedingung, oder nur, wenn man alle hinreichenden Bedingungen gefunden hat.

Für mich ist erstaunlich dass Wissenschaftlich denkende Menschen überhaupt bereit sind, auf so unklare Fragen zu antworten.

Kommentar-Direktlink Tim Boson· 22.04.09 · 08:49 Uhr

Wenn die Evolution etwas ist, das fließend oder auch per Phasenübergang dissipativ vorgängig wäre, dann hat man bei der Beantwortung dieser Frage mit einem uralten Problem zu tun, dem Verhältnis von Potentialität und Aktualität. Welche Referenz setzt man für seine Unterscheidung? Vor welchem Hintergrund können wir sagen, etwas bewegt sich oder bewegt sich nicht. Die Wissenschaft weiß heute, dass sich immer etwas bewegt, es gibt keinen Stilstand. Der absolute Nullpunkt ist theoretisches Ideal. Auch Aristoteles nahm als grundlegendes Aktual schon die Bewegung an. Also muss man sich fragen, in welchem Verhältnis steht die Evolution zu Temperaturprozessen, die letztlich alle dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik unterliegen. Und reicht es aus, den Begriff der Evolution erst für Lebensprozesse anzusetzen, oder muss er nicht vielmehr schon beim Entstehen von dissipativen Strukturen (nach Ilya Prigogin) angesetzt werden?
Und was folgt aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynmaik für den Informationsbegriff? Gibt es einen 2. Hauptsatz der Information? Könnte man auch einen Informationserhaltungssatz annehmen?

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 22.04.09 · 16:09 Uhr

Aktueller Literaturhinweis: In der aktuellen Nummer von nature (458, Seite 832) gibt es einen lesenswerten Beitrag von Bolhuis & Wynne mit dem Titel: "Can evolution explain how minds work?"

Kommentar-Direktlink Tim Boson· 22.04.09 · 17:48 Uhr

Danke für den Hinweis, wobei die Überschrift schon lustig klingt, guck ich mir an. Das ist typisch englisch. Als Deutscher ist man ja gleich Erbsenzähler und sagt sich - eigentlich müsste es ja heißen: Can minds explain how evolution works. Aber die Katze beißt sich hier in den berühmten... bevor man die Referenz nicht nennt, vor der man Unterscheidungen trifft.
Mal schauen...

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