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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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17.03.09 · 08:50 Uhr
Gläserne Gene
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
In der unseligen "edition unseld" ist ein Büchlein mit dem Titel "Die gläsernen Gene" erschienen, in dem die Autoren - eine Forschungsrätin und ein Stammzellgenetiker - sich Gedanken über "Die Erindung des Individuums im molekularen Zeitalter" machen, wie es im Untertitel zu lesen ist. Das Buch scheint Rezensenten (der FAZ zum Beispiel) zu gefallen, aber es ist merkwürdig verwirrend und dümmlich. Was zunächst auffällt - das Buch ist zwar für den berühmten interdisziplinären Diskurs geschrieben, es enthält aber ein Glossar, in dem nur naturwissenschaftliche Begriffe stehen - und einige von ihnen falsch. (Das Genom ist nicht die Gesamtheit der Gene, so schön das auch klingt.) Andere zentrale Begriffe aus dem Text wie "Governance" oder "essentialistisch" werden dort nicht aufgegührt. Wie soll man jetzt den Satz verstehen, daß Technik nicht Essentielles hervorbringen kann? Wissenschaften schaffen Möglichkeiten, und ich halte das für essentiell. Ärgerlich an dem Buch ist vor allem der Titel, der sich an Bestseller wie "egoistische" oder "kooperative" Gene orientiert. Dabei handelt der Text davon, daß die Gene zwar anzuschauen, aber noch lange nicht zu durchschauen sind. Weiter im erweiterten Text.
Überhaupt wird sich ein Leser mit Liebe zur Naturwissenschaft bei der Lektüre der gläsernen Gene mehrfach darüber ärgern, daß die Autoren - in bekannter geisteswissenschaftler Manier - umfassende Ansprüche formulieren - "Die Natur hat keine Geheimnisse mehr" -, die rein willkürlich sind und durch nichts abgedeckt werden. Die Naturwissenschaft verwandelt doch keineswegs eine geheimnisvolle Natur in eine technische Lösung; sie verwandelt vielmehr eine geheimnisvolle Natur in eine mysteriöse Erklärung, wie seit mindestens 100 Jahren in der Literatur nachzulesen ist. Es ist schön, wenn die Autoren optimistisch verkünden, daß "die soziale Verbreitung der Bildung" in diesen Tagen so hoch wie nie zuvor ist. Aber sie verpassen die Chance, an dieser Stelle die Möglichkeit zu erkennen, mit der die essentielle Verwandlung gelingen kann, nämlich die Verwandlung des Menschen von einem durchschnittlichen Objekt zu einem individuellen Subjekt. Und dieses Subjekt interessiert sich für seine Gene - zum Ärger der Autoren.
Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Wg der Edition Unseld: Eine Popularisierung von Wissenschaft in Partnerschaft mit Spiegel Online und Forum Scientiarum Tübingen will die edition unseld. Der Band von Nowotny und Testa ist vielleicht besser als andere der Serie von Laughlin und Dath, aber war fuer mich keine durchdachte Einfuehrung. Viele richtige Saetze, viele wenigsagende, manche falsche. Der Band wirkt wie aus dem Englischen uebersetzt, ueber Viagra heisst es, es nehme einen "ikonischen Platz" ein, ueber Techniken heisst es, die "User" verliehen ihnen einen "innovativen Anstrich" - ist es nicht umgekehrt? Ich sehe das Problem des Bandes, dass der Titel etwas ueber Gene verspricht, aber dann viel ueber assisted reproductive technologies und pharmacological enhancement beschreibt, die eher in der Biochemie angesiedelt sind als Genetik, waehrend klassische Genetik wie whole genome association studies und personalized medicine nicht eingefuehrt werden. Und der Band ist bezueglich seiner Angaben ueber Myriad Patente auf Brustkrebsdiagnose und deCODE Patentgebuehren ueberholt durch neuere Entwicklungen. Der Band geht stark auf die Ethikprozeduren in USA ein und wenig auf die in Italien, Oesterreich, Schweiz, Deutschland - warum erscheint er dann auf deutsch? Sollen wir uns ein Vorbild nehmen an den angelsaechsischen Prozeduren?