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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare
21. März 2010

Keine "Grenzen des Wachstums"

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften

"Die Grenzen des Wachstums" - dieser Titel des 1972 erschienenen und berühmt gewordenen Buchs von Dennis Meadows und anderen hat zwar ein Stichwort für das 20. Jahrhundert geliefert, aber dieses Stichwort ist als eine falsche Überrsetzung zustande gekommen. Das Originalwerk heißt "Limits to Growth", also die Grenzen beim Wachstum. Um sie geht es bis heute, und und veilleicht finden wir sie, wenn wir besser mit der Sprache und ihren Grenzen umgehen. Meadows wird heute als Vater der Nachhaltigkeit gefeiert - als Father of Sustainability. Wir müssen dieses Wort verstehen und umsetzen. Dann finden wir die Limits to Growth, und mit ihnen können wir angemessen weiterleben.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.03.10 · 07:48 Uhr· 0 Kommentare

15. März 2010

Vom Urknall zum Durchknall

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 29

"Vom Urknall zum Durchknall" - unter diesem Titel beschreibt der in München tätige Gymnasiallehrer Alexander Unzicker "die absurde Jagd nach der Weltformel" (Springer Verlag 2010). Ein zugleich amüsantes und informatives Buch, das die aberwitzigen Bemühungen und Ansprüche vor allem von den sogenannten Stringtheoretikern auf die Schippe nimmt, die meinen, die relative Schwäche der Gravitation durch Blödsinn wie "die geringe Krümmung einer fünften Extradimension" erklärt zu haben. Vieles, was die Physik heute anbietet, kann nicht mehr als Wissenschaft verstanden werden. Unzicker zitiert den holländischen Physiker ´t Hooft, der seinen Kollegen vorwirft, uns einen Stuhl zu geben, dem die Füße noch fehlen und dessen Sitz, Lehnen und Armstützen bald geliefert werden. Merkwürdigerweise nehmen wir auf diesem Stuhl Platz und klatschen Beifall. Das ist so, als ob wir uns die Frage, warum Gegenstände nach unten fallen, mit dem Hinweis beantworten lassen, daß diejenigen, die nach oben fallen, schon weg sind. Darüber kann man immerhin lachen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.10 · 21:19 Uhr· 29 Kommentare

Lügner und Parasiten

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 10

Im SPIEGEL dieser Woche (11/2010) steht endlich, was Wissenschaftshistoriker schon länger wissen, daß Carl Friedrich von Weizsäcker unter den Nazis ein Bombenbauer werden wollte und entsprechende Patente angemeldet hat. Nach 1945 hat er in der Bundesrepublik Friedensforschung getrieben, ohne sich an sein früher Leben zu erinnern. Er ist zu den 1940er Jahren so oft befragt worden, daß das Verschweigen seiner Bombenpatente von 1941 als Lüge bezeichnet werden muss. So geht mir ein weiterer Held meiner Studententage verloren. Ein (ganz) anderer ist Martin Walser, der es in diesen Tagen für nötig hält, seine Tagebücher zu publizieren (und uns für dumm verkauft, indem er versichert, daß nie gewollt zu haben). In den Tagebüchern nennt Walser den Kritiker Marcel Reich-Ranicki "parasitär" - der Schriftsteller benutzt also ein Nazischimpfwort, und das einem Juden gegenüber, der das Warschauer Ghetto überlebt hat. Wie soll man einen Mann des Wortes nennen, der dies tut und nicht bedauert? Es gibt dafür einen Ausdruck.


Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.10 · 18:27 Uhr· 10 Kommentare

14. März 2010

Biblische Versprechen

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 8

Ich habe den 2009 erschienenen Band über NANOTECHNOLOGIE von Joachim Schummer (edition unseld 23) bislang zwar übersehen, bin jetzt aber umso begeisterter von ihm. Der Heisenberg-Fellow der Deutschen Forschungsgemeinschaft macht in dem Buch deutlich, daß Nano eher der Vorname einer Religion als einer Technologie ist. Zum einen sind viele Themen der Nanotechnologie schon in den 1950er Jahren von den Chemikern behandelt worden. Zum zweiten stammt der Begriff aus der Ecke der Populärkultur, die von dem träumt, von dem früher die Alchemisten geträumt haben, nämlich davon, die Menschen zu verbessern ("Transhumanismus"). Und zum dritten streben die Nanoingenieure danach, bislang unverfügbare Bestände zu erfassen. Sie agieren als transzendentale Nanotechniker und drücken das biblisch aus, indem sie - wie Schummer zitiert - versprechen, "den Blinden das Sehen ermöglichen, den Lahmen das Gehen, den Tauben das Hören." Als die Nanotechnologen noch in den Windeln lagen, wurde der Philsosoph Karl Popper gefragt, was unserer Zeit Not täte - "Etwas mehr Bescheidenheit", hat er gesagt. Das muss hier wiederholt werden.


Autor: Ernst Peter Fischer· 14.03.10 · 17:06 Uhr· 8 Kommentare

05. März 2010

Ein Geheimnis, das bleibt

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Seit mehr als 100 Jahren fragen sich die Physiker, welche Formel für den Impuls eines Photons gilt, das ein transparentes Material (Glas) durchquert. Vor gut einem Jahrhundert, als die Quantennatur des Lichts bemerkt wurde, konnten zwei verschiedene Formeln abgeleitet werden. Seitdem fragt sich der Laie, welche zutrifft, und heute antwortet der Fachmann: BEIDE (Science 327, Ausgabe vom 26.2.2010, S. 1067). Was denn auch sonst?
Die alten Ableitungen hatten einmal überlegt, was passiert, wenn das Photon das Ganze (das Glas) trifft, und sie hatten dann überlegt, was passiert, wenn das Phtoton einen Teil des Ganzen (ein Atom) trifft. Beides passiert, beides ist möglich, und beides gehört somit zur Wirklichkeit. Wir wissen das schon länger und finden es nun bestätigt. Vielen Dank. Es ist eben so - wir können genau herausfinden, was ein Photon in einer bestimmten Situation kann. Wir können aber daraus nicht ableiten, was es in anderen Situation macht. Wir wissen eben nicht, was es wirklich ist. Licht bleibt voller Geheimisse, wie wir mit ihm sehen können.


Autor: Ernst Peter Fischer· 05.03.10 · 18:17 Uhr· 7 Kommentare

02. März 2010

Großforschung und große Forschung

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Die Arbeit, die 2001 ankündigte, demnächst etwas über das humane Genom zu wissen (was eigentlich?), hatte 523 Autoren. (Kannten die sich alle?) Die Arbeit, die in diesem Jahr erste (statistisch nicht abgesicherte) Daten über einen bestimmten Detektor am LHC in Cern mitteilt, hat 1968 Autoren. (Die kennen sich sicher nicht alle.) Ich wette, daß die Texte weniger Leser als Autoren haben, falls es überhaupt jemanden gibt, der sie nicht nur überflogen, sondern tatsächlich gelesen hat. Wie Karl Popper in den 1970er Jahren so schön gesagt hat - GROSSFORSCHUNG IST KEINE GROSSE FORSCHUNG. Sie ist nur teuer - und im Fall der Cern bald kaum noch möglich. Wie zu hören ist, war der Unfall, der die große Maschine 2008 lahm legte, kein Pech, er wurde vielmehr vom Design selbst bewirkt. Großforschung ist nicht nur keine große Forschung, sie ist großer Unsinn. Wie viele Autoren braucht es, um das zu beweisen?


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.03.10 · 19:33 Uhr· 10 Kommentare

25. Februar 2010

Fordern ohne Fördern

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Wer seine Aufmerksamkeit auch nur für einen kurzen Augenblick der Geschichte der Wissenschaft zuwendet, wird erkennen, daß große Fortschritte nicht gelingen, wenn eine Disziplin Erfolg hat, sondern wenn sich viele Disziplinen einer Frage zuwenden. Die Doppelhelix aus DNA ist nicht von einem Chemiker ersonnen worden, sondern von einem Duo, das auch über Kristallographie und Bakteriologie Bescheid wusste und mit Röntgenstrahlen umgehen konnte. So fordert man seit langem Interdisziplinarität, um mit Problemen fertig zu werden. Aber man vergisst, sie zu fördern. In der Ausgabe von NATURE mit dem Datum 18.02.2010 beklagen sich die Mitglieder eines interdisziplinär angelegten Instituts namens Para Limes, das in Holland gegründet worden ist, über mangelndes Interesse der Bürokratie und fehlende Mittel. Sie weisen darauf hin, daß etwa Klimaforschung und Gesundheitsfürsorge nicht einem Fachbereich überlassen werden können, und wer sinnvoll über Energie- und Wasserversorgung nachdenken, muss mehr als Physik und Chemie können. Vielleicht brauchen wir in der Wissenschaft einen Westerwelle, der als Außenminister über den inneren Zustanb seines Landes tobt. Auf jeden Fall sollte jemand einmal laut sagen, dass uns die Spezialisten nichts mehr zu sagen haben. Wir vergessen sie selbst dann sofort, wenn sie den Nobelpreis bekommen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 25.02.10 · 08:58 Uhr· 7 Kommentare

19. Februar 2010

Sprechweisen

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 9

Der Philosoph Peter Janich versucht in einem 2006 erschienenen Buch die Frage zu beantworten, "Was ist Information?". Dabei beklagt er überzeugend, daß vielfach nicht unterschieden wird, ob wir über einen Gegenstand sprechen oder ob von unserem Kenntníssen eines Gegenstandes die Rede ist. (Wie Niels Bohr schon sagte - Physik handelt nicht von der Natur, sondern von dem, was wir über die Natur sagen können.) So müsste es statt "biologischer Evolution" "biotische Evolution" heißen, und obwohl jemand, der ein "psychisches Problem" hat, mit einem Psychologen spricht, sollte man nicht sagen, daß er ein "psychologisches Problem" hat. Ägyptische Pyramiden sind zudem archaische und nicht archäologische Bauwerke. Warum ich das hier anführe - es gibt eine WIssenschaft, die diese Unterscheidung nicht mitmacht, und das ist die Chemie. Chemie ist beides, wie Janich schreibt, die Welt der Stoffe und die Welt der Erforschung dieser Stoffe. Könnte dies daran liegen, daß es keine Philosophie der Chemie gibt? Die Frage stellt Janich in einem anderen Buch (Grenzen der Naturwissenschaften, 1992). Was immer man darauf antwortet, kann nicht zum Lob des Philosophierens dienen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 19.02.10 · 17:27 Uhr· 9 Kommentare

18. Februar 2010

Und dafür wird man noch bezahlt

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur  ·  Kommentare: 3

"Und dafür wird man noch bezahlt!" - so hat ein Mitglied der Wiener Philharmoniker seine Memoiren überschrieben. Er wollte sagen, daß er für sein tolles Leben in dem tollen Ensemble eigentlich hätte zahlen müssen. Der Ästhetik Emeritus Bazon Brock vertritt eine ähnliche Ansicht. Viele wissenschaftlich tätige Menschen hätten so viel Freude am Vortragen und Schreiben, daß man dafür nicht sie, sondern die Zuhörer und Leser bezahlen sollte, die ihre Zeit opfern, um zu lauschen bzw. zu schmökern. Ein Problem mit dieser Umdrehung steckt darin, daß Rezipienten sich kaum vorbereiten, und meiner Ansicht nach wird man dafür - und nicht für die Performance - bezahlt. Aber damit sind wir beim nächsten Thema, das Brock kürzlich in einem Vortrag am Weimarer Nietzsche-Kolleg angesprochen hat. Er ist nämlich der Ansicht, daß die Wissenschaften (und die Künste) keine Probleme lösen, sondern sie generieren, und er hat offenbar zwei Stunden gebraucht, um das vorzutragen. Das Problem dieser These steckt in der Frage, was ein Problem ist. Brock meint sicher nicht Probleme der Art, wie sie jetzt Haiti hat. Er meint Fragen, die sich Forscher stellen, und sagt, daß Wissenschaft nie welche beantwortet, sondern nur neue stellt. Wenn ich das lesen oder hören muss, verschwende ich meine Zeit. Und dafür möchte ich tatsächlich bezahlt werden.


Autor: Ernst Peter Fischer· 18.02.10 · 08:11 Uhr· 3 Kommentare

14. Februar 2010

Weg mit Westerwelle

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 72

Westerwelle macht mich wahnsinng. Kann man den ungebildeten Trottel nicht zur Ruhe bringen? Lassen wir sein Gebrabbel über die Armen im Lande und schauen nur auf seinen Satz, daß es vor allem auf Bildungspolitik ankomme, was sicher auch meint, auf Bildung der Politiker. Nun hat sich die FDP durch Sprüche wie "Leistung muss sich wieder lohnen" bekannt gemacht, und es ist anzunehmen, daß Westerwelle meint, schon in der Schule mit dem Leistungsprinzip anfangen zu müssen. Schuster, bleib bei deinen Leisten, kann man dem eitlen Mann nur zurufen, wobei die Hoffnung besteht, daß er merkt, was die Leisten meinen, nämlich ein einheitliches Maß, um das es gerade in der Bildung nicht gehen kann. Bildung kann nur gedeihen, wo keine Leistung verlangt wird. Leistung hat auf keinen Fall etwas in der Schule zu suchen. Es ist für Schüler nicht wichtig, etwas zu leisten. Es ist nur wichtig, daß die verstehen, wofür es sich lohnt, etwas zu leisten. Westerwelle versteht wenig und leistet nur, nämlich sich einen Blödsinn nach dem anderen. Weg mit solchen Bildungspolitikern. Sie machen mich wahnsinnig.


Autor: Ernst Peter Fischer· 14.02.10 · 18:40 Uhr· 72 Kommentare

13. Februar 2010

Quanten und Algen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

"Coherently wired light-harvesting in photosynthetic marine algae at ambient temperature". Das klingt nicht dramatisch. Es ist die Überschrift eines Aufsatzes in der berühmten englischsprachigen Zeitschrift "Nature", der es in sich hat. Gezeigt wird, daß Leben bei seinen elementaren Prozessen mit Quanteneffekten operiert, weil die damit verbundene Kohärenz nicht nur - wie bislang vermutet - bei tiefen Temperaturen möglich ist. Ich vermute, daß damit der Siegeszug der Quanten weitergeht, der bislang auf Physik und Chemie beschränkt war. Bald werden die Quanten das Leben erhellen und zuletzt auch zu unserem Bewusstwerden des Bewusstseins beitragen. Ein Loblied auf die Interdisziplinarität, die in dem Fall global ist - zu der Arbeit haben Laboratorien aus (fast) aller Welt beigetragen, genauer aus Kanada, aus Australien und aus Italien. Und die (bessere) Hälfte der sechs Autoren sind Frauen. Vielleicht verstehen sie besser, daß alles zusammenhängt und der Trick der Quantenlücke darin besteht, das Ganze zu machen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 13.02.10 · 18:06 Uhr· 3 Kommentare

08. Februar 2010

So trennt man, was zusammen gehört

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

"Elektropoetololgie" - eine schönes Wort für den schönen Gedanken, nach gemeinsamen Ursprüngen von Wissenschaft und Poesie zu suchen, und zwar am Beispiel der Elektrizität, so wie sie um die Zeit der Romantik erkundet wurde. Als kunstbeflissener und an Bildung orientierter Naturwissenschaftler nimmt man das Buch mit dem Titel voller Freude in die Hand - um dann in der Einleitung vom Jargon der Autors - des Literaturwissenschaftlers Michael Gamper - erschlagen zu werden. Da wird zum Beispiel verdunkelt, was Wissen ist, indem es definiert wird als"ein Agglomerat lose zusammenhängender, aber nicht synthetisierter Gebilde, das gleichermaßen Textgattungen, Diskurse und Disziplinen durchquert", aber nur unter Bedingungen, "die spezial-diskursiv konkretisiert" werden. Das kann natürlich zur "Rekontextualisierung von formiertem Wissen" führen, und schwuppdiwupp ist zuletzt Elektrizität nicht mehr das, was man als Physiker kennt, sondern etwas, das "in interdiskursiv und transdiskursiv konstituierten Konstellationen" bestimmt wird. Falls es das Ziel der Literaturwissenschaft ist, Naturforscher abzuschrecken und das Terrain alleine zu bequatschen, dann hat das Buch sein Ziel erreicht. Naturwissenschaftler gehen anders mit den Phänomenen und der Sprache um, auch wenn kaum jemand liest, was sie schreiben.


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.02.10 · 18:46 Uhr· 5 Kommentare

Mein Rätsel

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 7

Dieser Eintrag ist eher privat, und ich hoffe, dass nimmt niemand krumm. Ich glaube an die Quantenmechanik und ihre Ausgangsposition, daß eine Beobachtung das beobachtete Phänomen beeinflusst. Was zu der Frage führt, die sich auch im Titel eines Buches niedergeschlagen hat, "Can you help your team winning by watching it on TV?" Ich bin bescheidener und will nur wissen, warum mein Team immer verliert, wenn ich zuschaue. Dies ist leider der Fall. Wenn ich zusehen will, wie mein Team gewinnt - letzte Nacht in der Superbowl waren es die Indianapolis Colts -, verliert es. Wenn ich vergesse, daß mein Team spielt - man hat auch anderes zu tun -, gewinnt es. Das ist beim (deutschen) Fußball so wie beim (amerikanischen) Football, nur daß ich nicht verrate, was mein Team ist. Was nun? Can I only help my team by NOT watching it on TV? Wie denn das? Oder muss ich ins Stadion? Warum gewinnt mein Team nicht, wenn ich zuschaue? Bzw. wie muss ich hinschauen, damit es gewinnt?


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.02.10 · 13:33 Uhr· 7 Kommentare

Quanten und Lücken

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

Quantenphysik hat nichts mit Schweißquanten zu tun, wie ein Witzbold einmal feststellte, um hinzuzufügen, daß Quantenmechanik auch keine Fußmassage ist. Quantenmechanik ist vielmehr die zwar konkurrentlos erfolgreiche, aber immer noch merkwürdige Theorie der Materie, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts formuliert worden ist, die aber bis heute rätselhaft bleibt - was die Wissenschaft eher ermutigt, sie weiter zu treiben. Quantenvisionäre reden von Quantencomputern, und Fachblätter wie "Science" (29.Januar 2010, S. 516) stellen die kommenden Quantenmaschinen vor, zu denen Quantenrechner gehören werden, die es längst in der Natur geben soll, zum Beispiel in unserem Auge, in dem ein Pigment namens Rhodopsin auf das Licht wartet. Das Licht selbst besteht aus Quanten, und da mit ihm das Leben beginnt, kann man damit rechnen, daß bereits das frühes Leben mit Quanten rechnen konnte. Die Tatsache, daß derjenige schlecht ankommt, der in einem öffentlichen Vortrag annimmt, daß Quanten bekannt sind, zeigt, wie wenig "understanding" all das Gerede um "public understanding" bewirkt hat. Die Lücken (Quanten) der Welt bringen unsere Lücken (Wissen) an den Tag.


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.02.10 · 13:07 Uhr· 1 Kommentar

31. Januar 2010

Der erste Urknall

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 4

Jerome D. Salinger ist gestorben, der Autor des "Fänger im Roggen", der von einem Jungen erzählt, der davon träumt, Kinder zu retten - als Fänger im Roggenfeld -, während er selbst zugrunde geht. Ich habe den Roman vor Jahrzehnten verschlungen - ebenso wie andere Erzählungen von Salinger, etwa "A perfect day for Bananafish" - und jetzt erneut gelesen. Und was findet sich dort auf den Seiten 106 und 114 meiner Penguin Ausgabe von 1994: Zweimal ein Big Bang und zweimal derselbe Satz: "I got a big bang out of that." Das gilt jetzt auch für mich: "I got a big bang out of that", denn die erste Ausgabe des Catchers in the Rye ist 1945 erschienen, als es also weder das Urknall Modell noch die Bezeichnung dafür gab. "Big bang" - das Wort eines Dichters, wenn es aufregend wird. Dann kann es das Geheimnis enthalten, das wir suchen, um zu verstehen, wie wir in die Welt gekommen und mehr oder weniger alleine in ihr geblieben sind - wie Holden Caulfield, der 16jährige Dropout, der sich als Fänger im Roggen nach Menschen sehnt und uns dehalb seine Geschichte erzählt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 31.01.10 · 17:27 Uhr· 4 Kommentare

26. Januar 2010

So sinnlos

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

Wir wählen seit längerem Unwörters des Jahres, und diese Idee ist nicht schlecht, auch wenn die Wahlergebnisse nicht immer zu Jubelstürmen Anlass geben (wie in diesem bzw. dem letzten Jahr). Was wir auch wählen sollten, wären die Leerwörter des Jahres, also Wörter, die keine Bedeutung mehr haben, weil jeder sie nach seinem Gusto - also beliebig - benutzt. Ein klassisches Beispiel steckt in "genetisch", das aus dem 18. Jahrhundert stammt und folglich nicht von Genen abgeleitet sein kann. Ein modernes Beispiel ist das Netz, das früher zum Einkaufen oder Fischen diente oder im Fußballtor zu finden war, während es heute alles und nichts meint - es gibt Netzwerke bei Ameisen und Netzwirtschaft beim Menschen (und noch viel mehr). Wenn das Netz alles meinen soll, fügen wie gerne noch Werke hinzu - Netzwerke werden dann betrachtet. Das ist es, was wir suchen, nämlich das sinnloseste Wort des Jahres.


Autor: Ernst Peter Fischer· 26.01.10 · 15:15 Uhr· 5 Kommentare

24. Januar 2010

Ein Ding wie der Mensch

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 4

"Die Maschinen übernehmen das Denken", wie uns die FAZ am 15. Januar 2010 mitteilte, um dabei nachzuweisen, daß ihre Redakteure keine Maschinen sind. Das Denken scheint nicht mehr beliebt, denn wie kann es sonst erklärt werden, daß dort jemand Furore mit dem Satz machen kann, daß absolute Böse bestehe darin, Menschen wie Dinge zu behandeln. Der Satz soll aus dem Jahre 1975 stammen und eine tiefe Weisheit der Moderne und ihren Maschinen verkünden. Weiß tatsächlich niemand in der klugen FAZ-Meute, worin der Triumph des 19. Jahrhunderts bestand, nämlich darin, den Menschen zum Gegenstand zu machen, und zwar dann, wenn er als Patient einem Arzt gegenübersitzt. Objektivität war das Ziel, und das heißt, man machte den Kranken und sein Leiden zum Ding. Was spannend wäre - zu untersuchen, warum der Mensch kein Ding werden will und wie er erfolgreich sich dagegen gewehrt hat. Aber um das zu tun, müssten die Readakteure das Denken übernehmen, das sie gerade so schön losgeworden sind.


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.01.10 · 11:58 Uhr· 4 Kommentare

Eine neue Art von Müll

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Die Zeitung, hinter der sich angeblich kluge Köpfe verstecken, beglückt ihre Leser eit einiger Zeit mit einem immer geschwätziger wirkenden Feuilleton. "Wie hat das Internet Ihr Denken verändert", hat man dort am 8. Januar fragen lassen, und die Antworten zeigen vor allem, daß niemand etwas mit dem Begriff "Denken" etwas anfangen kann (das sich dauernd verändert, Internet hin oder her). Der superkluge Herausgeber Frank Schirrmacher lässt zahlreiche meist nur vor sich hin plappernde Autoren lauter dummes Zeug verkünden - Beispiel: "Unsere Maschinen sind Verkörperungen unserer Vernunft" -, das sich zu höchstem Unsinn steigert: "Seitdem ich mehr Zeit in der lauschigen Stille meiner Bibliothek verbringe, ... spüre ich, dass dies meinen Genen entspricht." Wir wissen alle, dass das Internet viel Müll enthält und produziert. Das Feuilleton hat es ihm nachgemacht. Wir bekommen jetzt eine neue Art von Müll - Müll mit Bedeutung. Wie hat das Internet das Denken der FAZ verändert? Es scheint es zur Ruhe gebracht zu haben.


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.01.10 · 11:44 Uhr· 1 Kommentar

21. Dezember 2009

Geduld

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 3

Das Leben kann schön sein, man kann aber auch von dem getroffen werden, was man Schläge des Schicksals nennt. Meine Familie hat 2009 zwei solcher Schläge hinnehmen müssen, und einer hat uns vor wenigen Tagen in Gestalt eines behinderten Enkelsohns getroffen. Meine Tochter und der Vater des Kindes gehen großartig und hingebungsvoll mit dem Kerlchen um, das viel Geduld benötigt. Auch die der Großeltern. Wir können und wollen uns liebend um unseren Enkel kümmern, der offenbar unter dem Apert-Syndrom leidet und viel Kraft braucht, um die mögliche medizinische Hilfe zu verkraften. Wir wollen ihm diese Kraft zukommen lassen. Alles andere ist nicht mehr so wichtig.

Unabhängig davon: Meinen Lesern viel Gutes für die festlichen Tage und das Neue Jahr. Das Leben geht weiter. Es kann für alles schön werden. Wir brauchen Geduld.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.12.09 · 14:37 Uhr· 3 Kommentare

Kein Geist in Kopenhagen

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 7

Es gab einmal einen Geist von Kopenhagen, und zwar in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, als dort die moderne Physik der Atome geschaffen wurde. Er muss längst verweht sein, wobei das wahrlich Deprimierende an der Klimakonferenz im Scheitern aller - aller - Teilnehmer besteht. Nicht nur die Politiker. Immer die anderen. Auch die Demonstranten, die nur gerufen haben, daß die Regierungen etwas tun sollen. Und erst recht die Forscher: Es ist erstaunlich, wie viel Blödsinn Klimaforscher absondern, wenn Kameras an sind. Was soll die Beschwörung der 2 Grad? Was ist daran sinnvoll? Wissen Klimaforscher nicht, daß genauer Zahlen besser widerlegbar sind als vage Vermutungen - vor allem, wenn sie willkürlich sind und nur der Wichtigtuerei dienen. Das ist so, seit es Wissenschaft gibt. Wer etwas für den Klimawandel tun will, fährt nicht mehr zu solchen Konferenrenzen. Wie viel Energie ist überflüssigerweise verschwendet worden, um den Klimagipfel durchzuführen. Der Verzicht auf die Konferenz hätte der Erde - dem Erdsystem - mehr geholfen. Nur Müll in Kopenhagen - gedanklich und materiell.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.12.09 · 14:20 Uhr· 7 Kommentare

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