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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.

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28.07.09 · 13:00 Uhr

Chemie-Werbe-Lyrik

Kategorie: Ads & Science - Wissenschaft in der Werbung·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 17

Eigentlich habe ich gerade mal so überhaupt keine Zeit, aber diese kleine Formulierung auf einer Wasserflasche ist echt der Knaller:

"Isomaltulose ist eine Glukose- und Fructosequelle und damit eine Kohlenhydratquelle, gewonnen aus Rüben"

Nun, man könnte auch einfach sagen, in das Mineralwassser wurde Zucker getan. Aber das würde der ernährungsbewußten Zielgruppe vermutlich nicht gefallen. Auf der Website zum Zuckerwässerchen heißt es:

Stress im Alltag und ungesunde Ernährung sind wahre Vitalitätsbremsen. Denn wer keine Zeit hat, der greift beim ersten Hunger schnell zu kalorienreichen süßen Snacks.

und weiter erfahren wir dann auch:
ohne Zusatz von Kristallzucker

Na dann muss das ganze ja gesund sein. Genauso wie die Gummibärchen, die kein Fett enthalten. Der Analogkäse & Co. wird angeprangert, weil er dem Kunden falsche Tatsachen vorgaukelt. Aber Kohlenhydrate aus Rüben sind OK? Von den 4,4 g Kohlenhydraten, die 100ml Wässerchen enthalten sind 4,3 g Zucker. Aber es ist ja kein Kristallzucker!

 

Autor: Chris· 17 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (17)

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 28.07.09 · 16:42 Uhr

Etwas mehr Zeit hätte den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Kristallzucker und Isomaltulose allerdings zum Vorschein gebracht, wie ein kurzer Blick auf den Wikipediaeintrag zur Isomaltulose zeigt. Hier kann man lesen, dass diese Zuckerart ungefährlich für die Zähne ist und die Glukose dem Körper über einen längeren Zeitraum zur verfügung steht. Zudem bleibt der Blutzuckerspiegel stabiler. Das mag keinen gewaltigen Unterschied zu Getränken ausmachen, die mit Kristallzucker gesüsst sind, und diese nicht zu Diätlebensmitteln machen, aber die Bewerbung des feinen Unterschieds hat zumindest was diese beiden Wirkungen betrifft seine Berechtigung.

Author Profile Page Chris· 28.07.09 · 18:06 Uhr

Uh, ich mag es, wenn Wikipedia-Einträge als Referenz herangezogen werden. Lustigerweise ist der lobende Wikipedia-Text sehr ähnlich zum verlinkten Eintrag, der aus der Zeitung der Ernährungs-Industrie stammt.
Es ist schon klar, das Zucker nicht gleich Zucker ist. Und dieser Zucker hat durch seinen langsamen Abbau scheinbar tatsächlich den Effekt eines stabileren Blutzuckerspiegels. Das habe ich aber auch gar nicht bestritten oder kritisiert. Was mich wurmt ist die "wissenschaftliche" Umschreibung des Inhaltsstoffes Zucker. Hier wird ein "gesundes" Wasser verkauft, dass lediglich keinen Kristall(!)zucker, sondern eine andere Zuckerart enthält.

Kommentar-Direktlink HL· 29.07.09 · 02:10 Uhr

Fuer mich sind solche Chemiebegriff-haltigen Erklaerungen zu vermeintlichem Hightech-Food nur eines: Eine reichhaltige Quelle der Belustigung.

Und ja, neulich hatte ich Fruchtgummi mit der Aufschrift "Ohne Fett!", in den Inhaltsstoffen fand ich allerdings "pflanzliches Oel". Hmmmmm....

Author Profile Page Chris· 29.07.09 · 12:58 Uhr

Lustig fand ich das auch, die Frage ist eben nur, wo die Grenze gezogen wird zwischen Kunden täuschen wie beim Analogkäse und unnötig komplizierter Umschreibung von einfachen Inhaltsstoffen?

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 29.07.09 · 22:16 Uhr

Die Werbung hat aber nichts falsches suggeriert, auch wenn sie wenig informativ war. Die Werber sind ja nicht verpflichtet den Begriff Zucker zu verwenden, vor allem dann nicht, wenn sich die Zuckerart von ihrer Wirkung her vom Kristallzucker unterscheidet. Das hätten sie vielleicht transparenter machen sollen.

Wikipediaeinträge sind nur ein Problem, wenn sie fehlerhaft sind. Dann können Sie diese benennen. Wenn nicht, dann sind sie als Beleg genauso gut wie jede andere Quelle.

Author Profile Page Chris· 30.07.09 · 20:45 Uhr

Wikipediaeinträge sind nur ein Problem, wenn sie fehlerhaft sind.

Oder wenn sie nur Sprachrohr der Interessenvertreter sind. Es wundert mich nicht wirklich, das die Ernährungsindustrie in diesem Zucker ganz tolle, neue Potenziale sieht.

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 01.08.09 · 08:42 Uhr

Noch einmal: Was ist falsch an dem Wikipediaeintrag? Warum ändern Sie ihn nicht, wenn er falsche Aussagen enthält? Sie konstruieren in die Werbung ein größeres Problem herein, als der normale Konsument entdecken kann. Ihre Kritik sagt mir weniger über Ihr Verständnis über die Methoden der Produktwerbung, als über Ihr eigenartiges Menschenbild im Bezug auf den Konsumenten. Sie halten den Normalbürger für zu dämlich mit dieser Art von Werbung umzugehen und versuchen diese Attitüde auch noch mit väterlicher Fürsorge über ihren Lesern auszuschütten. Dabei tragen Sie, zumindest in diesem Artikel, mit keinerlei hilfreichen Information zum Thema bei, da Sie lediglich feststellen, was ohnehin schon auf dem Etikett steht und jedem Hauptschüler einleuchten sollte.

Der erste Satz auf der Flasche ist korrekt, in der Flasche ist eine Kohlenhydratquelle, aber kein Kristallzucker, von dem alle Wissen, dass er die Zähne schädigt und zu einem raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels führt. An keiner Stelle steht in der Werbung, dass der Genuss dieser Getränke nicht dick macht. Auch die Aussage, dass der Blutzuckerspiegel durch das >Wasser mit weniger Kalorien stabil gehalten wird ist nicht falsch, denn wenn sie Zucker zu sich nehmen würden, würde der Blutzuckerspiegel schnell ansteigen, danach wieder abfallen und sie müssten ihn mit neuerlicher Zuckerzunahme wieder auf ein stabiles Niveau bringen. Das würde tatsächlich eine höhere Kalorienaufnahme erfordern.

Es gibt wirklich genügend Fälle von Werbung, die den Konsumenten versucht mehr Gefühl als Nutzen zu verkaufen, an der sich auch lohnt Kritik zu üben. Fangen Sie doch gleich mal bei der Vielzahl von Naturprodukten und homöopathischen Mitteln an, die sind eine perfekte Zielscheibe und eine leichte Beute für Sie als Chemiker. Doch gerade die sind die Lieblingskinder der Konsumkritiker und werden deshalb mit Samthandschuhen angefasst.

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 01.08.09 · 08:49 Uhr

Im Übrigen: Auf der Flasche ist sogar der Brennwert der Kohlenhydrate mit 19,8 kcal/100ml abgedruckt. Jetzt frage ich mich wirklich, wie viele Informationen der Konsument zur Beurteilung des Lebensmittels noch braucht.

Kommentar-Direktlink S.S.T.· 01.08.09 · 10:23 Uhr

Erinnert mich daran, dass (wohl für Transportzwecke(?) Blausäure, Cyanwasserstoff zu Ameisensäurenitril 'mutierte'. Letzeres ist ja nicht falsch, klingt jedoch fast schon biodynamisch.

Andererseits kann man Leuten mit 'Dihydrogenmonoxid' Angst einjagen, ebenso wie man mit genauen Bezeichungen Verunsicherung schaffen kann; irgenwie hört sich doch 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin gefährlicher an, als das liebliche Wort Ecstasy.

Author Profile Page Chris· 02.08.09 · 12:59 Uhr

@Steffen
Was ist falsch an dem Wikipediaeintrag?"
Keine Ahnung, aber er ist zeugt sehr viele Ähnlichkeiten zu dem Artikel aus der Lebensmittelindustrie-Zeitung. Eine Objektivität könnte man anzweifeln.

Ihr eigenartiges Menschenbild im Bezug auf den Konsumenten
Aha. Interessant.
Sie halten den Normalbürger für zu dämlich
Ich halte niemanden für dämlich. Aber diese Formulierung suggeriert ein Wellness-Produkt ohne Zucker.
In der Diskussion um den Analogkäse wird der Verbraucherschützer Armin Valet zitiert mit:
"Hier wird dem Verbraucher durch schöne Begriffe und Bilder eine Qualität vorgetäuscht, die so nicht vorhanden ist"

Und darum geht es mir. Wo ziehen wir die Grenze von Schokokeksen ohne Schokolade und Wellness-Wässerchen mit ohne Zucker?

Für Homöopathie & Co habe ich gerade keine Zeit, das endet nur wieder in Kommentarschlachten und wurde hier zudem schon mehr als ausgiebig "diskutiert"

Author Profile Page Chris· 02.08.09 · 13:04 Uhr

@SST
Jaja, DHMO geistert seit Ewigkeiten durchs Netz. Ich hatte schon 2 Mal drüber geschrieben, hier und hier hier noch mal. Und genau das ist es, was ich meine. "Oh, Isomaltose aus Rüben. Also quasi ein Gemüseextrakt, voll gesund."

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 02.08.09 · 22:39 Uhr

Keine Ahnung, aber er ist zeugt sehr viele Ähnlichkeiten zu dem Artikel aus der Lebensmittelindustrie-Zeitung. Eine Objektivität könnte man anzweifeln.

Eine Objektivität könnte man erst anzweifeln, wenn man die Sachlichkeit der Aussagen überprüfen würde, was für Sie als Biologe ein Leichtes wäre, wenn es Ihnen selbst um Objektivität ginge. Was ist das für eine Diskussionskultur, die erst die vermeintlichen Motive und dann erst die sachliche Richtigkeit der Argumente überprüft? Ein wirklich bedauerlicher Stil.

Sie lesen in die Werbung etwas hinein, was nicht in ihr steht, offenbar, weil Ihre Grundthese der Betrugsversuch der Lebensmittelindustrie ist. Das ist Ihr gutes Recht, macht Sie aber auch nicht gerade zu einer objektiven Quelle von Informationen, zumal Sie hier darüber informieren, dass es Ihnen nicht um die Aufdeckung von Fakten geht, sondern darum jemanden oder eine ganze Branche vorzuführen. Irgendwie ein weit verbreitetes Phänomen in den Scienceblogs.

Die Werbung suggeriert kein Wellnessprodukt ohne Zucker, sondern das was sie aussagt, ein Wellnessprodukt mit einem Süßungsmittel, dass kein Kristallzucker ist, dennoch eine Kohlenhydratquelle. Offenbar hält der Hersteller seine Konsumenten für mündiger als Sie. Weshalb der Verweis auf Rüben etwas besonderes suggerieren soll, wird mir auch nicht klar, weiß doch hierzulande jedes Kind, dass der in Deutschland verkaufte Weißzucker in der Regel auch aus Zuckerrüben gewonnen wird (vielen Dank an die EU-Landwirtschaftspolitik).

Author Profile Page Chris· 03.08.09 · 10:54 Uhr

weiß doch hierzulande jedes Kind, dass der in Deutschland verkaufte Weißzucker in der Regel auch aus Zuckerrüben gewonnen wird

Das wage ich zu bezweifeln. Ich möchte auch hoffen, dass der Normalbürger Kohlenhydrate irgendwie einordnen kann. Wozu eigentlich die ganze Diskussion um "Ampeln" auf Lebensmitteln, wenn doch alle so schlau sind?
Ein schönes Beispiel dafür ist das hier

Kommentar-Direktlink Steffen Hentrich· 03.08.09 · 11:01 Uhr

Wozu eigentlich die ganze Diskussion um "Ampeln" auf Lebensmitteln, wenn doch alle so schlau sind?

Das frage ich mich auch, nur anders als Sie. Sie glauben, dass diese Ampeln irgendwie ein Beitrag zur "Volksgesundheit" sind. Ich gehe davon aus, dass diese Ampeln nicht nur eine Beleidigung des gesunden Menschenverstands sind, sondern im Zweifel auch noch zu falschen Verhalten führen, da sie alle menschen wie einen Satndardmenschen behandeln. Im Übrigen gibt es nichts Informativeres wie Nährwertangaben, die man auf nahezu allen Lebensmitteln findet. Ob die Ampeln tatsächlich wirksam sind ist noch eine ganz andere Frage.

Author Profile Page Chris· 03.08.09 · 11:30 Uhr

Sie glauben, dass diese Ampeln irgendwie ein Beitrag zur "Volksgesundheit" sind.
Nein, ich gehe davon aus, dass die reinen Nährwertangaben sehr informativ sind, aber von kaum jemandem beachtet / richtig interpretiert werden. Über Sinn und Unsinn der Ampeln möchte ich hier gar nicht weiter diskutieren. Ich bleibe bei der Meinung, dass viele Verbraucher durch schwammige oder geschönte Formulierungen in die Irre geführt werden.
Nicht jeder hat entsprechende Chemie-Kenntnisse bzw. Allgemeinwissen UND / ODER macht sich beim Einkaufen die Mühe, die Inhaltsstoffe ausgiebig zu studieren und dann auch noch zu übersetzen! Um etwas anderes geht es hier gar nicht, was auch immer Sie da rein interpretieren.

Kommentar-Direktlink Marc· 06.08.09 · 14:50 Uhr

"ohne Zusatz von Kristallzucker" lese ich öfters auf Produkten, die einen alternativen Touch haben sollen. Dafür ist dann halt ein anderer Zucker drin (natürliche Süße aus Früchten, oder sowas). Was genauso Kalorien mitbringt und auch Karies fördert. Wenn man darauf hinweisen würde dass die enthaltene Fructose anders auf den Insulinhaushalt wirkt, wäre das ja korrekt, aber darum geht es denen ja nicht.

Mit solchen Hinweisen soll meiner Meinung nach der (fehlerhafte) Gedanke gestiftet werden, dass etwas z.B. mit Traubenzucker gesüßtes gesünder ist, als was anderes mit Saccharose. Mir kommt es so vor als wolle man so tun, als ob Kristallzucker was böses ist, weil ihn arme kleine Kinder in den Kristallzuckerminen von Machu Cachaca ;-) abbauen müssen.

Kommentar-Direktlink S.S.T.· 11.08.09 · 10:01 Uhr

Salben enthalten auch keinen Harnstoff, sie enthalten Urea. Klingt zwar auch ein wenig nach Urin, aber auch ein bisschen nach Uriella und ähnlichem.

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