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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.
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14.01.09 · 15:30 Uhr
Genfrei - Probleme der Wissenschaftskommunikation
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
In den Kommentaren des letzten Postings meinte Pawel, man solle doch die Fachsprache ändern, wenn Fachtermini in der Alltagssprache eine falsche Bedeutung erhalten haben.
Wie ich dort auch schon geantwortet habe, halte ich das unnötig. Missverständnisse werden in der Fachcommunity nicht auftreten, weil etwa die Bedeutung des Terminus "Quantensprung" dort recht eindeutig ist. Welches Problem entsteht, wenn "Fachausdrücke" mangels gescheiter Wissenschaftskommunikation im Alltag zweckentfremdet werden, möchte ich mal an dem Beispiel "Genfrei" erläutern.
Inzwischen ist es sicherlich selten, das Wort "genfrei" in der freien Natur zu finden. Ich kann mich aber noch erinnern, als vermeindliche Ökobauern auf dem Markt ihr "genfreies" Gemüse anpriesen. Selbstverständlich haben es aber noch nicht mal die Holländer geschafft, den Tomaten die Gene zu entfernen. Dennoch waren (oder sind?)Gene etwas böses, das keiner essen wollte bzw. will.
Google liefert uns dazu immer noch sehr schöne Beispiele. Etwa auf Platz 1 direkt genfrei-gehen Zumindest in den weiteren Texten der Seite verwendet er ´gentechnikfrei´. (Ohne die Aktion oder seine Absicht jetzt hier zu bewerten oder zu beurteilen).
Aus einer der vielen Übersichten zu genau dem Thema "genfrei"-Unsinn mal ein paar schöne Zitate:
"will seine Lieferanten verpflichten, nur genfreie Produkte zu liefern."
Wirtschaftsblatt von 1996
Sojamühlen: Genfreie Produkte boomen
auch Wirtschaftblatt, von 1997
"als einziger genfreier Sojaproduzent auf dem Weltmarkt."
Greenpeace von 2002
Hoffnung schimmert auch in jenem genfreien Projekt, von dem Bauer Sory recht ordentlich leben kann: Dem fairen Handel mit afrikanischer Bio-Baumwolle.
Welt online, 2007
Und auch der Spiegel betitelte Burger ohne Genfrei-Garantie (2004)
Schön auch diese genfreie Nudeln bei ebay
Es ist klar, dass alle "nicht gentechnisch-verändert" damit meinen. (Und selbst dabei bleibt die Frage offen, ob diejenigen überhaupt wissen, was und wie dort gentechnisch verändert wurde.)
Was aber bleibt ist der fade Nachgeschmack, dass Gene (oder Gentechnik) scheinbar etwas Negatives sind, dass man besser nicht ins Essen sollte.
Erwähnte man seinerzeit bei einem Party-Smalltalk, dass man Biologe ist und mit "Genen" arbeitet, wurde der Gegenüber skeptisch und ging auf Abstand. (War nach einer "Aufklärung" aber fasziniert vom (08/15) GFP.
Um zurück aufs Thema zu kommen: ´Gen-frei´war gut (so die landläufige Ansicht), also waren ´Gene´ etwas Schlechtes und synonym natürlich auch alles, was mit Genen zu tun hat(te). Aber sollten die Life Sciences deswegen einen neuen Begriff einführen?
Autor: Chris· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Auch "Atom" ist ja so ein Angstwort (und was für "genfrei" gilt, gilt sicher auch für "atomfrei") - genau wie "Gen". Und meistens sind es die selben Leute, die vor beidem Angst haben. Was die wohl sagen, wenn sie erfahren, dass überall Gene drin sind und das Gene komplett aus Atomen bestehen? ;)
Huch, kaum da, schon habe ich meine erste Zitierung 8-)
Eines würde ich aber der Korrektheit halber anmerken: Ich meinte nicht, dass die Wissenschaft ihre Termini ändern soll, sobald sie in der Alltagssprache eine andere Bedeutung erlangen. Ich habe lediglich Deinen (ist das Du OK?) Gedanken weitergeführt: falls ein Begriff falsch übernommen wird, und es ein Problem darstellt, und der Begriff sich in der Allgemeinsprache bereits verankert hat, ist es unrealistisch, die allgemein bekannte Bedeutung ändern zu wollen. Will man in so einem Fall die Begrifflichkeiten auseinanderhalten, bleibt da meiner Meinung nach nur die eine Lösung.
Warum die Fachsprache ändern, wenn man sie auch ergänzen kann? Ich schlage für solche Leute hiermit die Einführung des neuartigen Fachbegriffes "hirnfrei" vor. Das ist zwar anatomisch gesehen unwahrscheinlich, aber da wir das ohne gewaltsame Öffnung der Schädeldecke nicht widerlegen können, geht das als phänomenologisch begründete Arbeitshypothese glatt durch. ;-)
@Fischer
Dazu gibt es ein nettes Zitat von Wittgenstein:
Ludwig Wittgenstein "Über Gewißheit"
@pawel
Huch, kaum da, schon habe ich meine erste Zitierung 8-)
Kannste mal sehen, so schnell kann das gehen ;-)
ist es unrealistisch, die allgemein bekannte Bedeutung ändern zu wollen. Will man in so einem Fall die Begrifflichkeiten auseinanderhalten, bleibt da meiner Meinung nach nur die eine Lösung.
Was aber letztlich dann wieder auf das Gleiche hinausläuft.
Nochmal das Beispiel genfrei. Hier kann man schön sehen, dass manche doch ihre Peinlichkeiten entdeckt und nachträglich geändert haben -> es heute nicht mehr verwendet wird.
Besser ist es natürlich, am Beginn ein wenig die grauen Zellen zu aktivieren und solchen Unfug gar nicht erst anzufangen ;-)
@florian
Uh, jetzt hast Du denen neues Futter für ihre Verschwörungstheorien geliefert, Gene, die aus Atomen bestehen, da schließt sich der Kreis doch wieder!
@fischer
Hm, meinst Du aus der Korrelation genfrei - hirnfrei läßt sich eine Kausalität ableiten?
Ich glaube, darauf können wir uns einigen 8-)