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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.

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30.11.08 · 14:50 Uhr

Killerspiele und die wahren Gefahren?

Kategorie: Kultur·Medizin·Technik  ·  Kommentare: 9

gtaIVklein.jpgAm 2.12. erschien die PC Version des Megasellers GTA IV. Der Rummel wird vermutlich nicht ganz so hoch schwappen, weil das Spiel schon seit Monaten für verschiedene Konsolen verfügbar ist. Die ganze Grand Theft Auto Serie wurde aber bisher sehr oft (neben Counterstrike) als das ach so schlimme Paradebeispiel für die bösen Killerspieler herangezogen, vielleicht werden bei dem Release kommende Woche auch wieder ein paar Medien das ganze aufwärmen.


So soll das Spiel Anleitungen von oder für die Terrorszene geliefert haben, sagten "Kritiker".
Die vermeintliche Korrelation und daraus abgeleitete Kausalität zwischen Computerspielen und Amokläufern ist alt, wurde zuletzt aber der bayrischen CDU (u.a.) zum Verhängnis, weil sich eine Gegenkampagne entwickelt hatte. Wirklich extrem wissenschaftlich (IRONIE!) wurde in Bayern sogar ein "Kongress" zu dem Thema Gewalt und Computerspiele veranstaltet. Leider hatte man hier "vergessen", auch eine andere, zweite Meinung mit ins Boot zu holen. Es monologisiert sich halt einfacher, wenn alle der selben Meinung sind.

Mehr und mehr entdecken nun die Medien aber die Computerspiele als normales Kulturgut. Etwa hier eine Lobhudelei beim Stern über den einstigen Bösewicht oder hier bei heise. Die Zeit schreibt hier schön, wie  Computerspiele (allgemein) in der normalen Gesellschaft angekommen sind, Wii sei dank.

Und weil es ein normales, gesellschaftliches Phänomen ist, kommen jetzt auch ´andere´ Studienthemen dazu. Neben der psychologischen Erforschung der Spielsucht wollte hier ein Team die physiologischen Effekte von Spielen erforschen. Und zwar, hier schließt sich jetzt der Kreis, die Effekte von "Gewalt"spielen gegenüber "Nicht-Gewalt"spielen. Hier gehts zum Paper.

Ein interessanter Ansatzpunkt, wie verändern Computerspiele den "Streßzustand", welche Folgen hat das und wie lange dauert der Effekt an.
Leider schwächt die Studie an mehreren Punkten. Es sind zu wenig und ausschließlich männliche Probanden (19 Jungen) gewesen, die noch dazu in einem sehr gleichen Alter waren (zwischen 12 und 15 Jahren, wo zudem die Pubertät alleine genug Streß verursachen).
Erstaunlicher (IRONIE) Effekt: Nachdem die Jungen zwischen 20 und 22 Uhr ohne Pause ein Gewaltspiel (das in Deutschland komplett verboten war/ist) gezockt haben, zeigen sie ein meßbares Streßlevel. Nach eigenen und gemessenen Angaben haben sie alle aber gut geschlafen, egal ob sie das Kinder oder Gewaltspiel hatten.
Nächste Schwachstelle: Es wurde nur 2 Mal gespielt, als Kontrolle ein Abend ohne Spiel und ohne spannende Sport-Sendungen im Fernsehen.
Und hier ist direkt der nächste Haken: Was ist jetzt wirklich durch das Eindreschen auf Pixel-Monster induziert, und was ist reines Adrenalin? Was verursacht ein extrem hektisches Auto-Rennspiel wie Need for Speed an Streßlevel?
Wie verhält es sich mit spannenden Spielfilmen?

Mein persönliches Fazit dieser "Studie": Nicht-Kinder-Spiele können aufregen.

Ich möchte behaupten, das ist auch die Absicht. Dabei ist es egal, ob ich Pixelmonster eliminiere oder heiße Rennen fahre. Und, so hoffe ich zumindest, läßt sich ähnliches Streßlevel bei den Jugendlichen auch mit spannenden Büchern "provozieren".

Mein Vorschlag für weitere Studien:
-Wie stressig sind Autorennspiele?
-Wie stressig ist ein Spiel der Lieblingsmannschaft im Kampf um den Abstieg?

und natürlich dann noch die soziologische Seite
-Werden einstiege Siedlerspieler später zu Logistik-Meistern?
-Arbeiten Tetris-Meister später bei Paketdiensten?


BTW, um unnötige Diskussionen zu vermeiden: GTA IV ist in Deutschland nur für volljährige Spieler erhältlich. Dieses und ähnliche Spiele gehören nicht in Kinderhände. Das "Killerspiele" bei gewalttätigen Kindern gefunden wurden, ist m.E. ein Symptom und keine Ursache.


 

Autor: Chris· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (9)

Kommentar-Direktlink M***** B*****· 02.12.08 · 19:52 Uhr

Also ich hab mich schon zu oft zu diesem Thema ausgelassen...
Kann allerdings auch einiges beitragen:

vor 1999: Top Gun, q****
1999 - 2008: counterstrike 1.6 (mehr als 25 Stunden/ Woche)
2008 - Heute day of defeat:source (mehr als 12 Stunden/ Woche)

Ziwschendurch immer mal cod 1 bis 6, UT, farcry, crysis... etc
Also eine menge "killerspiele".

Und trotzdem: Ich Studiere, habe Freunde, sehe gut aus (imao hehe) und bin nicht im geringsten gewalttätig.

Es ist witzig wie die Medien immer nur die eine Seite betrachten und alles andere unter den Teppich kehren. Sollten shooter wirklich aggressiv machen, dann würde es wesentlich mehr gewalt auf der Straße geben. Schaut euch nur allein die leute in der ESL an... bis auf ein paar pubertierenden Kindern, sind die meisten wirklich vernüftige Leute.

Das Shooter auch gute Auswirkungen haben, zeigt sich hier:
Ich teile mit vielen Freunden dieses Hobby. Seit dem ich Studiere sehen wir uns nur selten, da wir aber mindestens einmal die Woche alle zusammen auf einem Server spielen, halten wir den Kontakt. Technologien wie Mumble oder TS kommen zum einsatz und fördern den sozialen Kontakt. Es wird gelacht, sich ausgetauscht und diskutiert.

"Das "Killerspiele" bei gewalttätigen Kindern gefunden wurden, ist m.E. ein Symptom und keine Ursache."

Es gibt auch gewalttätige Kinder ohne "Killerspiele"... vielleicht sollten die Medien und Forscher nach anderen Ursachen suchen.

Meiner Meinung nach befinden wir uns in einer verrohung der Gesellschaft. Jeder will immer nur besser sein als der Andere, mehr haben, besser aussehen. Eben ganz genau so sein, wie der erfolgreiche Überflieger im TV.
Viele Leute streben dies so intensiv an, dass sie althergebrachte Normen und Werte überbord schmeißen.
Ich wette zum Beispiel, dass wenn das Fernsehen (die Medien generell) einen jungen Mann, der im Bus einer älteren Dame platz macht, stärker glorifiziert, die Gesellschaft diesen Wert wieder annehmen würde.

beste grüße

Author Profile Page Chris· 03.12.08 · 09:40 Uhr

Ja, ganz eindeutig ist es ein gesellschaftliches Problem. Ob Dein Beispiel mit dem Aufstehen wirklich praxistauglich ist, bezweifel ich allerdings ;-)

Kommentar-Direktlink Fischer· 03.12.08 · 09:56 Uhr

*und natürlich dann noch die soziologische Seite
-Werden einstiege Siedlerspieler später zu Logistik-Meistern?
-Arbeiten Tetris-Meister später bei Paketdiensten?*

Das will ich doch sehr hoffen! Ich geh jedenfalls jetzt wieder Total War spielen, als Vorbereitung auf die Eroberung der Weltherrschaft. ;-)

(Spaß beiseite, ich habe mir vor ein paar Monaten mal einen Überblick über die einschlägige Literatur verschafft, das war recht aufschlussreich)

Author Profile Page Chris· 03.12.08 · 10:19 Uhr

Hm, da habe ich Deinen (sehr guten) Artikel wohl glatt übersehen. Aber schön, dass wir uns mal wieder einig sind :-)

Kommentar-Direktlink sil· 03.12.08 · 11:47 Uhr

Habe auch eine Frage:
Werden frühere Rollenspieler zu Sciencebloggern?

Wir haben als Studenten wöchentlich unsere Pen-&-Paper-Abende gehabt.
Mein Lieblingscharakter war mein Halblingsdieb Boril.
Ich bin selbst kein Dieb geworden, zu ungeschickt. ;-)

Das sind beides gute und unaufgeregte Artikel zum Thema.

Author Profile Page Chris· 03.12.08 · 12:02 Uhr

Hm, kA, wenn wir das jetzt mal umdrehen, haben Scienceblogger früher Rollenspiele gemacht kann ich jetzt mal mit n=1 sagen: Nein. Mal gucken, ob wir da eine etwas repräsentativere Anzahl hinkriegen...

Kommentar-Direktlink Josef· 03.12.08 · 22:58 Uhr

Echtzeitstrategiespiele sollen wirklich förderlich sein. Über den Stressfaktor hatte ich noch nie nachgedacht - der ist sicherlich nicht positiv für Kinder. Vor allen Dingen wenn diese über viele Stunden hinweg spielen. "Killerspiele" sind doch eigentlich nur schädlich für Kinder, da sie zu jung sind und Jugendliche, deren eigenständiges Denken noch nicht weit genug entwickelt ist. Ein Jugendlicher der klar zwischen Realität und Spiel unterscheiden kann wird meiner Meinung nach nicht von Killerspielen beeinflußt. Fernsehen verleitet ja auch nicht zum Morden, oder?

Author Profile Page Chris· 04.12.08 · 08:47 Uhr

Das von mir erwähnte Siedler (3) bekam übrigens damals sogar einen Pädagogik-Preis. Ob Streß negativ für Kinder ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber so schlecht kann es nicht sein, sich während eines Spiels damit auseinander zu setzen.
Das Thema Fernsehen ist so eine Sache. Das sollte mal untersucht werden: In der Tagesschau werden leider fast täglich Bilder von Leichen gezeigt, seien es Bürgerkriege oder Naturkatastrophen, die Kamera hält drauf und zeigt die nackte Realität. Wie sehr stumpft ein Jugendlicher dadurch ab? Nachrichten demnächst nur ab 22.00 mit dem Warnhinweis, nur für Zuschauer ab 16?

Kommentar-Direktlink M***** B*****· 04.12.08 · 10:41 Uhr

@Josef:

"Über den Stressfaktor hatte ich noch nie nachgedacht - der ist sicherlich nicht positiv für Kinder. Vor allen Dingen wenn diese über viele Stunden hinweg spielen."

Im gegenteil, um so länger man ein Spiel spielt, desto Stressfeier sollte man werden. Genau das ist das Ziel des Trainings zb. von Leuten die in Liegen spielen. Wer sich erschreckt o.a. hat meist keine chance mehr den Gegner zu erwischen, weil er die Maus verreißt und "Scheibenwischer schießt".

Counterstrike, DoD:S usw sind viel mehr Strategiespiele als viele sich das hier vorstellen. Sicherlich kann man auch einfach wild umherballern und so viele Leute wie möglich erschießen... aber das ist nicht das ziel. Es geht vielmehr darum mit seinem Team (am besten Leute die man persönlich kennt und mit denen man voice kontakt hat) eine Aufgabe zu erfüllen. Der Gegner stellt sich da natürlich in den Weg.

Es geht darum Taktiken aufzustellen, wer wo lang läuft, wann wer wohin eine Granate schmeißen muss, damit sie auch richtig ankommt, wie der Gegner spielt... es gibt so viele aspekte.

Im schach schlage ich zumbeispiel auch einen Bauern. Da geht es mir doch auch nicht darum, wie ich ihn töte...

Grüße

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