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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.
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08.05.08 · 08:59 Uhr
Wallraff im Labor?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Nachdem er hier wieder mal menschenunwürdige Bedingungen aufgedeckt hat, frage ich mich, wann geht er in ein Labor?
Mal ganz ehrlich: Überrascht uns diese Enthüllung? Denken kann sich das doch eigentlich jeder. Und schwarze Schafe, also in diesem Fall Chefs, die ihre Untergebenen knechten gab und gibt es immer.
Wo wir direkt beim Thema sind: Wann werden die Sklaven-Verhältnisse in Laboren aufgedeckt? Wann geht Wallraff als Doktorand an die Sterilbank?
Nun, ganz praktisch wird es schwierig sein, sich hier eine neue Identität zu verschaffen und sich einzuschleichen. Und ganz praktisch wird es keine Enthüllung sein. Jeder weiß es und kennt es. Es ist normal und üblich außerhalb jeglicher offiziell erlaubten Arbeitszeiten immer noch an der Bench zu sitzen. Nicht wenige Profs. erwarten das. Sie mußten das auch durch machen, also wird es als Tradition weiter gereicht.
Aber warum meckert hier keiner? Ich glaube, weil es der ideologische Ehrgeiz ist, dieses Plasmid endlich kloniert zu bekommen, jenen Versuch optimal zu reproduzieren oder seine eigene Theorie endlich zu bestätigen. So funktioniert Wissenschaft, das ist der Geist des Fortschritts (ich werde richtig philosophisch...).
Dennoch gibt es hier (fließende) Grenzen, die oft von den Chefs übertreten werden und denen die abhängigen Diplomanden und Doktoranden ebenso machtlos ausgesetzt sind.
Aber das interessiert keinen Zeitungsleser. Brötchen kauft jeder, aber Wissenschaft?
Autor: Chris· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Willkommen in der Arbeitswelt! Für viele Forscher ist (neben ein paar Jobs während des Studiums und in den Semesterferien) die Diplomarbeit und anschließende Doktorarbeit der Eintritt in die tagtägliche Arbeitswelt. Da muss man erstmal lernen, dass die 38 oder 40 Stunden auf dem Papier nichts wert sind. Das ist aber fast überall so, glaube ich zumindest. Das, was Walraff hier schildert, ist aber schon eine andere Kategorie und sie packt uns vor allem an der eigenen Nase. Nämlich der eigenen Preisschinderei beim Einkauf. Wir wissen von sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen in Indien und anderenorts in der Bekleidungsindustrie. Dennoch kaufen wir das Günstigste gerne. Nur die Ausbeutung findet in diesem Fall fern von uns statt. Brötchen müssen aber hierzulande täglich frisch gebacken werden. Wenn dies darin mündet, dass auch hierzulande sehr sehr harte Arbeitsbedingungen entstehen, ist das durchaus einen Bericht wert.
Da muss man erstmal lernen, dass die 38 oder 40 Stunden auf dem Papier nichts wert sind. Das ist aber fast überall so, glaube ich zumindest.
Jein, dass es mal länger werden kann und manche Sachen eben fertig werden müssen, das ist normal. Aber was in manchen Laboren abgeht, ist sicherlich mit den Brötchen-Produzenten vergleichbar oder übertrifft es noch.
Vielleicht hat sich das eklatant geändert? Natürlich gibt es bestimmte Messreihen, die sich gar nicht anders regeln lassen, als dass man auch am Wochenende im Labor steht. Aber ausgebeutet gefühlt habe ich mich zumindest vor (HAH) 12 Jahren nicht.
Ich sage ja auch gar nicht, dass alle böse sind. Aber manche Doktorandenräume heißen ganz offiziell (und vollkommen zu recht) "Sklavenlager".