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12.07.10 · 12:19 Uhr
Stipendien für Postdocs im Ausland
Kategorie: Job und Karriere·Naturwissenschaften · Kommentare: 4
EMBO, FEBS oder HFSP. Wer nach der Promotion weiter in der Wissenschaft tätig sein möchte und in ein Labor ins Ausland wechselt sollte diese Kürzel kennen. Sie stehen für internationale Organisationen, die Stipendien für Postdocs anbieten. Hier ein Überblick über Fördermöglichkeiten nach der Doktorarbeit in den Lebenswissenschaften.
Wer nach der Promotion weiter vorhat in der Wissenschaft zu arbeiten, macht sich Gedanken, wie die nächsten Jahre finanziert werden sollen. Meistens werden Postdocs mit Projektgeldern der jeweiligen Arbeitsgruppe bezahlt und man schließt befristete Arbeitsverträge mit der Universität oder dem Institut, an dem man angestellt ist.
Es geht auch anders: Über ein Stipendium. Besonders wer nach der Doktorarbeit zu einer renommierten Gruppe ins Ausland wechselt, hat Chancen so seine Postdoc-Zeit zu finanzieren. Es ist schwierig, die mit Prestige besetzten Stipendien als Fördermittel zu erhalten, da die Bewerberzahl die Anzahl der verfügbaren Fellowships weit übersteigt. Niedrige Erfolgsraten von 10% bis 25% sind die Regel.
Häufig sind die Stipendiengehälter jedoch deutlich höher als das gewöhnlich bezahlte Gehalt für Postdocs. Weitere Vorteile sind die Möglichkeit innerhalb der Förderorganisation zu anderen Stipendiaten oder zu Mentoren Kontakte zu knüpfen und die finanzielle Unabhängigkeit vom eigenen Chef, die einem durch das eigene Geld erwächst.
Die Grundanforderungen sind für viele Stipendien ähnlich: Man muss mindestens eine Veröffentlichung als Erstautor aus der Zeit der Promotion vorweisen können, man muss mindestens zwei etablierte Wissenschaftler angeben, die einem Referenzbriefe schreiben, und man muss einen mehrseitigen Antrag für das geplante Forschungsprojekt anfertigen, der zusammen mit dem Lebenslauf die Bewertungsgrundlage für die Zuteilung der Stipendien bildet.
Die DFG vergibt Forschungsstipendien für Deutsche, die ins Ausland gehen oder Ausländer, die in Deutschland forschen möchten für alle Fachbereiche. In einigen Ländern besteht die Möglichkeit, sich auf öffentliche, nationale Fördermittel zu bewerben. Außerdem gibt es einige Unternehmen und Stiftungen aus der Industrie, die Stipendien ausschreiben. Hier soll es in erster Linie um internationale Förderprogramme speziell im Bereich der Lebenswissenschaften gehen.
Die Europäische Molekularbiologie Organisation (EMBO) vergibt pro Jahr rund 300 Stipendien für Postdocs. Die Fördermittel werden zwei Mal im Jahr vergeben, in der Regel für die Dauer von 24 Monaten. Wer Kinder hat, bekommt einen Zuschlag. Die Fördergelder unterscheiden sich je nach Land in dem geforscht wird und sie sind steuerfrei. Um die Krankenversicherung muss sich der Stipendiat selbst kümmern. Anmeldeschluss für die online-Bewerbung ist jeweils der 15. Februar und der 15. August eines Jahres. Anmelden kann sich nur, wenn der Zeitpunkt der Promotion nicht mehr als drei Jahre zurück liegt.
Die Federation of European Biochemical Societies (FEBS) vergibt Stipendien für maximal drei Jahre. Die Stipendien werden ebenfalls zwei Mal im Jahr vergeben, Einsendeschluss für die schriftlichen Unterlagen ist der 1. April und der 1. Oktober. FEBS Long-Term Fellowships können nicht in die die USA vergeben werden. Pro Jahr werden 30 Stipendien vergeben, die Erfolgsrate liegt bei etwa 15%. Ähnlich wie für die EMBO Fellowships richtet sich die Förderhöhe nach dem jeweiligen Land in dem geforscht wird und es gibt Zuschläge für Kinder, hier 10% für das erste und 20% für das zweite. Über die genauen Förderhöhen gibt das Sekretariat auf Anfrage Auskunft. Die FEBS-Long Term Fellowships können bis zu sechs Jahre nach der Promotion beantragt werden.
Das Human Frontiers Science Program (HFSP) vergibt Stipendien an Postdocs, die ihr Fachgebiet wechseln. Die Stipendiendauer beträgt drei Jahre, wobei das dritte Jahr entweder im Gastlabor verbracht werden kann, oder wieder im Heimatland, um so die Wiedereingliederung zu erleichtern. Die Stipendienhöhe richtet sich ebenfalls nach dem Gastland. Es gibt zusätzlich Geld für Kinder sowie für Forschungsmittel und Reisekosten zu Konferenzen. Der Einsendeschluss für die Unterlagen ist dieses Jahr der 26. August 2010. Zwischen der Promotion und der Bewerbung auf ein HFSP Long-Term Fellowships dürfen maximal drei Jahre liegen.
Der schwierigste und wichtigste Teil der Bewerbung für eines dieser Stipendien ist sicher der eigentliche Forschungsantrag. Die Anforderungen bezüglich Länge, Aufbau und Inhalt unterscheiden sich zum Teil deutlich zwischen den Förderorganisationen. Einfaches Copy-Paste ist also nicht möglich und es empfiehlt sich auf jeden Fall den detaillierten Richtlinien für die Anträge genau zu folgen. Die genauen Richtlinien für die Antragsstellung findet man auf den Websites der Förderorganisationen.
Weiter ist zu beachten, dass die oben genannten Organisationen nur Projekte fördern, die in Laboren in den jeweiligen Mitgliedsländern stattfinden. Listen der jeweiligen Migliedsländer: EMBO, FEBS, HFSP. Einen Überblick über weitere, Fördermöglichkeiten für Postdocs bietet unter anderem das EMBL und ein Dokument des HFSP.
Autor: WeiterGen· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Nachteile sind die schlechten Renten- und Mutterschaftsregelungen. Man sollte rechtzeitig freiwillige Beitragszahlungen in die Wege leiten und wegen der Kindererziehungszeiten einen Wohnsitz in D behalten, sonst bekommt man die nämlich nicht angerechnet...
EMBO bietet seit kurzem den neuen Fellows die Möglichkeit einen selbstbestimmbaren Beitrag in eine Versicherungskasse einzuzahlen. EMBO zahlt während der Dauer des Stipendiums den gleichen Anteil dazu. Ich weiss nicht, ob es von den anderen Organisationen ähnliche Pläne gibt.
Inzwischen haben auch EMBO und die DFG Mutterschaftsregelungen, was ausgesprochen zu begrüßen ist.
Eine weitere Möglichkeit ist eventuell die Förderung über die NATO http://www.nato.int/science/index.html , auch wenn Post-Docs nicht explizit angesprochen werden.
Weiterhin haben die amerikanischen Ivy League-Universitäten (z.B. Princeton) eigene Post Doc-Programme, die (zumindest in den 90er Jahren) attraktivere Vergütungen boten als Stipendienprogramme. Auch die Ausstattung mit Reisemitteln war recht gut. Die Beantragung erfolgt über einen Professor der jeweiligen Universität und ist dann kein Problem, wenn der daran interessiert ist, daß man hinkommt und wenn man von der eigenen Seite (Doktorvater, Institutsleiter) gute Referenzen hat.