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05.03.08 · 12:04 Uhr
Stammzellen: Die Debatte geht weiter
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 6
Am Montag war offizielle Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung mit 12 Sachverständigen zum Thema Forschung an embryonalen Stammzellen. Hier die Zusammenfassung.
Die Leitfragen und alle Stellungnahmen kann man hier nachlesen, ich bin aus Zeitgründen noch nicht dazu gekommen. Ich würde mich freuen, wenn ein paar Leser vielleicht die eine oder andere Stellungnahme kommentieren würden.
Die Sachverständigen teilen sich übrigens so auf:
Naturwissenschaftler/ Mediziner: Henning Beier, Regine Kollek, Hans R. Schöler, Bodo E. Strauer, Otmar Wiestler
Jura/ Theologie: Peter Dabrock, Christian Hillgruber, Konrad Hilpert, Reinhard Merkel, Robert Spaemann, Jochen Taupitz
Der einzige Sachverständige, der übrigens tatsächlich an embyonalen Stammzellen forscht, ist Hans Schöler. Seine Stellungnahme hier.
Der schönste Satz, den ich beim schnell durchschauen gefunden habe, stammt von Robert Spaemann, ein katholischer Philosoph:
"Ihre (gemeint sind die Naturwissenschafter als Sachverständige) Auskünfte sind wichtig und wertvoll, ihr Rat muss relativiert werden und verdient nicht mehr Gehör, als der einer nachdenklichen Krankenschwester."
Super! Seine ganze Stellungnahme gibts hier.
Zur Rolle, die katholische Philosophen in der Debatte um embryonale Stammzellen haben sollten: Hier nochmal mein Eintrag zur Ethik und der modernen Biologie.
Autor: WeiterGen· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Machen wir das demnächst vor einer Herz-Operationen auch so?
Ihre (gemeint ist Chirurg mit jahrelanger Erfahrung) Auskünfte sind wichtig und wertvoll, ihr Rat muss relativiert werden und verdient nicht mehr Gehör, als der einer nachdenklichen Krankenschwester.
Dann kann die doch die OP machen.
Wozu lassen wir die Leute nochmal jahrelang studieren, damit sie Experten auf einem Gebiet werden? Und wenn wir unser Auto reparieren lassen, fragen wir dann auch jeden Dahergelaufenen nach seiner Meinung oder wenden wir uns lieber an einen Mechaniker?
Das heißt nicht, dass wir die nachdenkliche Krankenschwester ignorieren und ihre Ängste und Befürchtungen nicht Ernst nehmen. Der Experte sollte darauf eingehen und aufklären.
Aber irgendwie stimmt hier etwas mit der Gewichtung der unterschiedlichen Meinungen nicht. Es gibt ja wohl einen Unterschied zwischen einer Meinung, die auf jahrelanger intensiver eigener Forschung und ständiger Auseinandersetzung mit anderen Experten beruht und der, die sich darauf begründet: "Ich hab da mal was gelesen und etwas nachgedacht."
@Ludmila und Tobias:
Ich bin ja tatsächlich - im Gegensatz zu Euch - durchaus der Meinung, daß die jeweiligen Forscher nicht allein bzw. autonom über die Randbedingungen (finanziell, politisch-rechtlich, ethisch) ihrer Studien befinden sollten. Wissenschaft findet immer in der Gesellschaft statt und insofern sind Experten, die verschiedene Traditionen, Standpunkte, Wertsysteme der Gesellschaft argumentativ erörtern, durchaus am richtigen Ort.
Zu all diesen Fragen müßte ich aber viel weiter ausholen, als ich das hier kann. Nur soviel: eine einzelne Formulierung von Robert Spaemann (klar, der ist konservativ, aber das weiß man ja) rauszupflücken, wird der Sache nicht gerecht...
Kurzer Hinweis noch: Hans Schöler ist nicht der einzige, der tatsächlich praktische Erfahrungen in der Stammzellforschung hat. Otmar Wiestler hat schon Ende der 90er Jahre mit embryonalen Stammzellen von Mäusen gearbeitet und ist seitdem mit H.E.Schöler und Oliver Brüstle einer der renommiertesten Stammzellforscher hierzulande. Er ist ja von Hause aus Neurologe/Neuropathologe und inzwischen (soweit ich weiß) am Dt. Krebsforschungszentrum tätig. Der weiß also auch ganz genau, worum es geht. ;-)
@Marc: Da hast Du mich falsch verstanden. Ich habe definitiv nicht gefordert, dass die Experten alleine über die Rahmenbedingungen ihrer Forschung zu befinden haben. Ich denke, das will niemand. Natürlich findet Wissenschaft in der Gesellschaft statt, aber dazu muss die Wissenschaft auch entsprechend von der Gesellschaft anerkannt und gewürdigt werden. Die Leute sollen uns nicht die Füße küssen, aber anerkennen, dass Wissenschaft für unsere Gesellschaft wichtig ist und auch sehr viel geleistet hat und bis heute leistet. Warum das in letzter Zeit so schief läuft, darüber ließe sich trefflich streiten. Sicherlich haben da auch Wissenschaftler eine Teilschuld, weil sie lange Zeit meinten, sich nicht über die Befindlichkeiten des kleinen Mannes auf der Straße kümmern zu müssen.
Was mich hier stört, ist die gleiche Wertung einer informierten Meinung mit einer Meinung, die eventuell auf falschen oder unvollständigen Informationen beruht. Und das tut Her Spaemann hier, egal ob aus dem Zusammenhang gerissen oder nicht. Das ist Wohlfühlgelabber: "Wir halten die Meinung des kleinen Mannes für genauso wichtig wie die Meinung des Experten." Aber ob so eine bessere Diskussion stattfindet, bei all den Vorurteilen, die gerade im Bereich Gentechnik kursieren?
Also ich weiß nicht. Da bin ich sehr skeptisch.
Außerdem, Du redest auch von der Diskussion zwischen Experten - mit unterschiedlichen Sichtweisen und Themengebieten, aber immer noch von Experten, die sich in diesen Themenkomplex eingearbeitet haben. Dagegen habe ich auch nichts, solange sie offen, ehrlich und konstruktiv geführt wird.
Übrigens, diese Relativierung von Wissenschaft zu einer Meinung unter vielen... Diese Sichtweise, dass die Arbeit der Experten und der Wissenschaft an sich gleichwertig ist mit einem diffusen Bauchgefühl, mit Meinungen, die auf überholten oder unvollständigen oder falschen Informationen oder rein subjektiven Erfahrungen beruht, die tritt uns immer und immer wieder und in zunehmenden Maße aggressiver entgegen. Nicht nur bei der Gendebatte, sondern im Bereich Evolution, globale Erwärmung, selbst wenn es um eine vergleichsweise unwichtige Sache wie einen Radhelm geht. Hier läuft etwas ganz grundsätzlich auf gesellschaftlich-kultureller Ebene schief.
Dagegen wende ich mich.
Sorry, aber welchen Grund hat es, dass man Theologen zu solchen Diskussionen befragt? Theologen bringen kein Fachwissen mit und bieten auch sonst nichts, was für den Fortgang der Depatte hilfreich wäre. Für die Beantwortung ethischer Fragen sind Theologen m.E. ebenfalls sehr ungeeignet, ungeachtet der Tatsache, dass sie ohnehin nur für einen kleinen Teil des Gesellschaft sprechen.
Die Theologie blockiert den wissenschaftlichen Fortschritt willentlich, der in dieser Hinsicht direkt mit dem menschlichen Wohl und der Erhaltung von Leben im zusammenhang steht. Meine Bitte an Theologen: Wenn ihr die Früchte der medizinsichen Forschung nicht nutzen wollt, dann nutzt sie nicht und sagt auch euren Anhängern, dass sie sie nicht nutzen sollen. Aber lasst den anderen ihr Leben!
Die Arroganz, mit der Robert Spaemann sich hier ausbreitet, ist schon bemerkenswert. Der Mann hat keinerlei Sachkenntnis. Der Mann hat keinerlei Fachkenntnis. Aber er sitzt an einer entscheidenden Stelle, nämlich dort, wo er gehört wird.
Warum machen wir es nicht mal andersrum? Wir fordern, die Glaubenskongretation (oder wie heißt diese Versammlung, wo theologische Entscheidungen getroffen werden?) mit Physikern, Biologen und meinetwegen auch mit Kfz.-Mechanikern oder Tierfriseuren zu besetzen. Die meisten von denen sind getauft und haben damit volles Stimmrecht. Und dann haben letztere auch das Sagen und damit die finale theologische Hoheit über die Medien.
Und wieder einmal hat man den Eindruck, dass da ein Haufen Leute zusammen gekommen sind, die sich gerne selber beim Reden zuhören.
Theoretisch mag das ja alles sehr interessant sein.
Aber da konkrete Anwendungen fehlen ... kann man es auch als praktische Zeitverschwendung auffassen.
(und jetzt sag noch einer Spaemann wäre arrogant).