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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.
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16.12.09 · 15:17 Uhr
Schnee aus allen Richtungen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Interessant, aber auch anspruchsvoll ist die Wettervorhersage in diesen Tagen, letztlich auch der Grund, warum man hier auf Scienceblogs so wenig von mir zu lesen bekommt. Denn am schwierigsten wird es, wenn ein graues Nichts nur leicht in Bewegung kommt. In den nächsten Tagen kommen dann aus allen Richtungen Schnee auf uns zu...trotzdem wird es wohl nicht für jeden von uns reichen.
Donnerstag: Minigeflöckel, am ehesten an der Nordsee Schnee
Beginnen wir mit dem Donnerstag. Die grundsätzliche Wetterlage werden wir bemerkt haben: Wir befinden uns in einem so genannten Trog, in dem sich Kaltluft befindet. Dabei sorgen ausgedehnte Hochdruckgebiete über Skandinavien und Russland dafür, dass uns von Nordosten her ansatzweise die sibirische Kälte erwischt. Am Donnerstag wird es also besonders nach Osten und Süden hin ziemlich frostig werden. Aber ich möchte mich in diesem Blogbeitrag auf den Schnee konzentrieren:
Interessant dafür ist der Tiefdruckkomplex vom Ärmelkanal bis zur südlichen Nordsee. Bisher hat sich der Schnee ja ohnehin auf die unmittelbare Umgebung der Nordsee konzentriert, abgesehen von den paar Flocken, die vor allem im östlichen Mittelgebirgsraum gefallen sind. Hier wird es auch weiterschneien, vor allem in Schleswig-Holstein, aber es passiert noch etwas:

Bodendruck, Prognose für den 17.12.09, 1 Uhr MEZ. Quelle: MeteoGroup
Man achte auf das kleine Tiefdruckgebiet, das sich südwärts auf den Weg in Richtung Frankreich macht. Es sorgt dafür, dass nicht nur an der Nordsee, sondern auch im äußersten, aber wirklich äußersten Westen ein paar Schneeflocken fallen können. Der leichte Schnee im östlichen Mittelgebirgsraum ist dabei sowieso immer möglich.

3-std. Niederschlag, Prognose bis 17.12.09, 10 Uhr MEZ. Quelle: MeteoGroup
Aber auch sonst sackt allgemein das Niederschlagsgebiet etwas weiter südwärts durch, sodass auch Mecklenburg-Vorpommern in den Genuss einiger weißer Eckchen kommen dürfte. Also zusammengefasst: Am Donnerstag kommt der Schnee in den äußersten Norden und extremen Westen Deutschlands.
Freitag: Jetzt kommt Schnee aus dem Osten
Am Freitag sieht es da dann etwas anders aus. Nun müssen wir die Augen auf das Wettergeschehen in Osteuropa lenken. Denn südlich von dem oben angesprochenen Hochdruckgebiet wird vor Ort förmlich Kaltluft produziert, das liegt an dem kontinentalen Einfluss in dieser Jahreszeit, zu der die Nächte länger als die Tage sind. Besonders über Schneeflächen kann die Luft dann gut abkühlen. Diese abgekühlte Luft wird dann mit der noch schwachen nordöstlichen Strömung nach Westen geschoben.

Hier sieht man die kalte Höhenluft aus Osteuropa heranziehen: Schnee für Ostdeutschland. Quelle: MeteoGroup
Das bedeutet, dass die wärmere Luft unter der kalten Höhenluft gehoben wird. Und Hebung heißt logischerweise, dass der Luftdruck am Boden fallen muss, und in diesem Fall bekommt das Barometer von Opa auch Recht: Denn die Schneefallneigung nimmt zu. Beste Chancen auf "schneemanntaugliches" Weiß, also eine richtige Winterlandschaft hat man dann wahrscheinlich zwischen der mecklenburgischen Seenplatte, später dann besonders in Sachsen-Anhalt, Ostthürungen und Westsachsen bis in die Nacht zum Samstag. Der Schnee wird wahrscheinlich noch bis nach Ostwestfalen und Nordhessen westwärts ausgreifen können, die genaue Grenze ist aber natürlich noch nicht sicher.
Samstag bis Sonntag: Schnee wieder aus dem Westen
Falls die Verwirrung noch nicht groß genug war, geschieht von Samstag auf Sonntag der Übergang von "Schnee aus dem Osten" zu "Schnee aus dem Westen". Genauer gesagt, dem Nordwesten. Denn über dem Nordmeer und der Nordsee bahnt sich ein neuer Kaltluftvorstoß an. Das bedeutet, dass dort wieder Tiefs entstehen und sich verstärken können. Aber nicht nur das, sie ziehen jetzt auch mit ihrem Schnee etwas mehr in das Landesinnere.

Sonntag, 20.12.09: Von der Nordsee schiebt ein Schneetief in den Nordwesten. Quelle: MeteoGroup
Leider ist dieses Schneetief schon wieder nicht sehr stark auf der Brust, um wirklich bis in den Süden Deutschlands flächendeckend Weiß bringen zu können. Denn hier passiert noch etwas: Das Tief räumt die sehr kalte Luft aus und ersetzt sie durch nicht ganz so kalte Meeresluft. Das bedeutet, dass die Temperaturen zum Sonntag hin leicht ansteigen werden, in Richtung Nordsee sind sogar leichte Plusgrade möglich.
Es kommt also in unmittelbarer Küstennähe eher Schneeregen oder Regen an, sonst wird es aber in weiten Teilen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, teils auch in Hessen zumindest vorübergehend winterlich aussehen. Mit jedem Kilometer von hier aus in Richtung Osten und vor allem Süden wird es schwieriger mit dem Schnee:

Der Schneefall am Sonntag bleibt größtenteils auf den Westen und Nordwesten Deutschlands beschränkt. Quelle: MeteoGroup
Durchaus spannende Lage also. Und da sie schon in den kommenden Tagen relativ undurchsichtig ist, gerät die Frage zum Thema weiße Weihnachten eher in das Gebiet der wilden Spekulation.
Autor: Frank Abel· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Mir fehlt zu "Schnee aus allen Richtungen" ja noch "Schnee aus dem Süden" ;-)
Richtig, aber hier und da geht und ging ja immerhin schon etwas...die "trockenste" Bastion wird wahrscheinlich der äußerste Südosten bleiben.