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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.

Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.

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15.07.09 · 15:20 Uhr

Wieso ist die Wettervorhersage so oft falsch?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 16

Ja, so deutlich muss das heute mal ausgedrückt werden. Vielleicht wird man es im Westen Deutschlands gar nicht gemerkt haben, aber für den Osten war die Wettervorhersage geradezu unterirdisch schlecht. Und das bei allen Wetterdiensten. Woher kommt dieses flächige Versagen, gerade in diesem Sommer?

"Südwest" ist die Antwort. Südwestliche Strömung und Vorhersagemodelle, und schon wissen viele Meteorologen, dass sie bald auf "Nowcasting" umschalten müssen. Das bedeutet, dass man sich darauf vorbereiten muss, aufgrund der aktuellen Wetterentwicklung, die auf dem Satellitenfilm oder im Radar sichtbar wird, die Wettervorhersage komplett herumzureißen.

Wetterversagen im Osten Deutschlands
So sollte es vom südlichen Brandenburg über Westsachsen bis nach Thüringen heute Morgen und Vormittag teils ergiebig schütten! Und was war? Nichts war. Ein paar Wolkenfelder, ein paar Tropfen in Richtung Neiße. Stattdessen tobte sich der kräftige Gewitterregen über Tschechien aus, das vorhergesagte Starkniederschlagsgebiet ist südöstlich verrutscht, und zwar gleich um über 100 km! Ebenso ging es am Dienstag, auch da blieben die kräftigen Gewitter in den östlichen Bundesländern größtenteils aus.

Was macht den Computermodellen solche Probleme? Grundsätzlich ist es wie oben schon gesagt die Südwestströmung, die sich entlang einer Luftmassengrenze am Boden und auch in der Höhe eingestellt hat. Dabei gibt es großräumige Wellenbewegungen in der Höhenströmung, genannt Langwellentröge und -keile, aber auch welche mit geringer Wellenzahl, eben Kurzwellentröge und -keile.

In diese Südwestströmung eingebettet sind also immer wieder kleine Störungen, die entweder die feuchte Luft anheben und damit zu Niederschlägen führen oder absinken lassen und damit für mehr Sonnenschein sorgen können. Und eben das genaue Verhalten dieser kleinräumigen Störungen innerhalb einer höhenströmungsparallelen Luftmassengrenze schein eines der größten Herausforderungen zu sein.


Jetzt wird's knifflig: Langwellentrog über dem Ostatlantik, Kleinwellentröge und -keile (kleine Wellen) von Südwest über Deutschland. Quelle MeteoGroup

Wenn also demnächst im Wetterbericht etwas wie "von Südwesten teils länger anhaltender, schauerartiger Regen" auftaucht, dann sollte man mit allem rechnen...zum Beispiel auch, dass der Starkregen einfach ausbleibt.

Das ist schön, oder?
Denn das bedeutet, dass man auf Menschen in der Wettervorhersage nicht verzichten kann. Bei solchen Lagen geht es dann mehr um das eigene Bauchgefühl als sonst, und das wird kein Computer ersetzen können. So kann man zwar nicht zwei Tage im Voraus, aber doch am selben Morgen dem Computer zeigen, wo der Hammer hängt...

 

Autor: Frank Abel· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (16)

Kommentar-Direktlink Christian W· 15.07.09 · 15:47 Uhr

Naja, ist natürlich wieder sehr schön erklärt, aber ich finde trotzdem, dass dieser entschuldigende Ton gar nicht nötig ist. Ich meine, Meteorologen sollten sich nicht rechtfertigen müssen, wenn eine Prognose nicht haargenau eintritt. Jedenfalls solange sie nicht vorher erklären "Punkt 11.38 Uhr fallen in 56 Minuten 3 Liter Regen je m² in Hamburg und Umgebung außer in Pinneberg". Es sind doch alles immer Wahrscheinlichkeitsaussagen, oder nicht?

Jeder der "In den frühen Nachmittagsstunden ist mit Schauern und teils stärkeren Niederschlägen mit böigen Winden zu rechnen" als etwas anderes versteht, als einen gut gemeinten Hinweis, die heutige Fahrradtour mit Picknick am See vielleicht doch noch einmal zu verschieben, hat eben nicht ganz erfasst, wozu die Wettervorhersage gedacht ist. Sich hinterher beschweren, dass nicht genau das Wetter eingetreten ist, welches prognostiziert wurde, ist ungefähr so wie sich im Nachhinein über unrichtige Ergebnistipps der Fachkommentatoren beim Sport aufzuregen.

Kommentar-Direktlink Matthias· 15.07.09 · 17:09 Uhr

Ach das ist der Grund. Ich staunte die letzten 2 Wochen doch öfters, dass hier in Berlin das Wetter komplett anders war als angekündigt. Ich dachte schon, dass die Meteorologie mittlerweile das Wetter auf vielleicht 3 Tage sehr sicher vorraussagen kann. Wieder was gelernt. Werde ich doch den Bauernkalender wieder rauskramen.
Sehr interessanter Artikel. Danke!

Kommentar-Direktlink antiangst· 15.07.09 · 17:56 Uhr

In Braunschweig gilt in etwa die Faustformel: Bei einer Südwestlage und angekündigtem Regen oderGewitter beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit ca. 20%.

Kommentar-Direktlink S.S.T.· 15.07.09 · 18:13 Uhr

Irgendwo wurde mal behauptet, dass wenn man als Wettervorhersage für den folgenden Tag das Wetter des vorhergehenden verwendet, man eine Trefferquote von rund 66 % hätte. Wäre das nachvollziehbar? Bei rel. stabilen Wetterlagen trifft das nat. zu, bei instabilen tun sich aber auch die Profis schwer.

Was mich noch interessieren würde, nach welchen Maßstäben wird die Richtigkeit der Vorhersagen festgelegt? (Als Vorhersage-Verbraucher bleiben bei mir eher die Falschprognosen haften, als die Treffer.)

Kommentar-Direktlink Julian· 15.07.09 · 18:18 Uhr

Ich frag mich ja vor allem, wann im südwesten (Karlsruhe) endlich der sommer eintritt. Wird das noch passieren? :)
Ansonsten: danke, super Post!

Author Profile Page Frank Abel· 16.07.09 · 12:21 Uhr

@S.S.T.: Das, was Du ansprichst, ist die so genannte "Persistenz". In der Tat passt die Trefferquote einigermaßen. Sie sagt aber nicht mehr aus, als dass sich das Wetter oftmals mehr als einen Tag hält. Mit 66% Trefferquote wirst Du im Gegensatz zu über 90% damit auch wenig Eindruck machen. Komplizierter ist es mit der Definition von Fehlprognosen. Meines Wissens gibt es keine eindeutige Definition, ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Für uns gilt die Faustregel, dass eine Temperaturprognose, die mehr als 3°C abweicht, eine Fehlprognose darstellt. Sicherlich ist es keine Fehlprognose, wenn an einem bestimmten Ort bei einer Wahrscheinlichkeit von 10% ein Schauer eintritt. Es ist dann halt nur die unwahrscheinlichere Variante.

Author Profile Page Frank Abel· 16.07.09 · 12:22 Uhr

@Julian: Das, was Du gerade erlebst, ist der typische Sommer in der Westwindzone. Die bombastischen Sommer in den vergangenen Jahren gehören eher ans Mittelmeer und nicht hierher. Wenn Du das erwartest, muss ich Dich enttäuschen: Ein stabiles Hoch ist momentan nicht in Sicht.

Author Profile Page Frank Abel· 16.07.09 · 12:24 Uhr

@antiangst: Das kommt ganz darauf an, welche Vorhersage Du meinst. Statistische Verfahren, so wie zum Beispiel das Multi-Model MOS bei Wetter24, haben solche geographischen Besonderheiten bereits in der Statistik berücksichtigt. Da wird die Trefferwahrscheinlichkeit deutlich darüber liegen. ;-)

Author Profile Page Frank Abel· 16.07.09 · 12:28 Uhr

Sehr schön beschrieben, Christian! Genau so sollte man - zumindest bei Schauerlagen - einen Wetterbericht auch ansehen. Es ist stets die allem Wissen nach die wahrscheinlichste Variante. Entschuldigend war mein Post daher auch gar nicht gemeint, eher informativ.

Das Problem ist eher psychologisch: Wenn man das Wetter für seinen Ort abruft, dann glaubt man eben auch, dass es genau das Wetter für seinen Ort werden wird. Das ist noch nicht immer der Fall.

Trotzdem sind solche Lagen die Stellen, an denen man den Hebel in der Wettervorhersage ansetzen sollte, um sie noch zu verbessern. Immerhin sollte das Ziel sein, sie immer genauer zu machen. Und da sind wir schon viel, viel besser als jede Ergebnisprognose beim Sport. :-D

Kommentar-Direktlink S.S.T.· 16.07.09 · 19:32 Uhr

@ Frank Abel

Danke für die Antwort! Natürlich war das mit der 'rotierenden' Wettervorhersage nicht sehr ernst gemeint, wobei mich die tatsächliche Wahrscheinlichkeit schon sehr interessiert hat.

Leider scheint es in der Tat keine verlässliche Evaluation von Wetterprognosen zu geben, und sehe ich mir die Prognosen in der Zeitung und von einigen Online-Prognosen an, finde ich regelmäßig erhebliche Unterschiede, und dass für einen vergleichsweise kleinen Raum wie Hamburg. Gibt es eigentlich rein interne Überprüfungen nach bestimmtem Kriterien? Kann man irgendwie belegen, dass sich in den letzten Jahrenden mit fortschreitender Technik die Prognosen signifikant verbessert haben? (Eine pers. Einschätzung reicht mir dabei.)

Welches Prognose-Programm würdest Du, ganz unverbindlich, als primus inter pares empfehlen?

Kommentar-Direktlink arne· 18.07.09 · 22:06 Uhr

Bei der Wettervorhersage sollte meiner Meinung nach immer auch das Konfidenzintervall angegeben werden (sollte genauso wie der Erwartungswert berechenbar sein). Dieses ist dann bei "Südwest" halt sehr groß, die Leute werden dann aber auch nicht überrascht. Wäre wenigstens ehrlich.

Genauer wär zwar noch die Wahrscheinlichkeitsverteilung anzugeben, aber da ist dann vermutlich nen Großteil der Menschen überfordert.

Author Profile Page Frank Abel· 20.07.09 · 07:48 Uhr

Hallo S.S.T.,

selbstverständlich gibt es zum Beispiel beim Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen (EZMWF = ECMWF) so genannte Verifikationen. Auch bei verschiedenen Wetterdiensten finden ständig Verifikationen und damit auch ein Vergleich mit der Vergangenheit statt. Dabei ist schon eine messbare Verbesserung der Prognosequalität feststellbar. Ich vermute, dass die größten Sprünge nach vorne in der mittelfristigen Vorhersage zwischen den Tagen 5 bis 10 erreicht wurden, aber dabei handelt es sich wirklich nur um eine Einschätzung.

Falls mit "Vorhersage-Programm" eine Wettervorhersage gemeint sein sollte, so kann ich Wetter24 empfehlen. Dahinter steckt ein so genanntes Multi-Model MOS, ein statistisches Verfahren, das aufgrund mehrerer Modelle für die Vorhersage und Ensemble-Prognosen für die Eintreffwahrscheinlichkeit die Prognose erstellt.

Gruß
Frank

Author Profile Page Frank Abel· 20.07.09 · 07:51 Uhr

Hallo arne,

kritische Sache. Man könnte ein Konfidenzintervall angeben, das aus den so genannten Ensembleberechnungen entsteht. Bei den Modellen GFS und ECMWF werden ohnehin diese Ensembles mitberechnet, indem man kleine Abweichungen in das Modell einbaut und diese Vorhersage mehrmals rechnet (40-50 Mal). Dabei würde dann ein kältester und ein wärmster Lauf entstehen.

Das Problem ist, dass bei solch unsicheren Wetterlagen derart große Intervalle entstehen, dass man damit als Verbraucher so gut wie gar nichts mehr anfangen kann. Aber als "kleine" Zusatzinformation könnte so etwas sinnvoll sein, das stimmt.

Schöner Vorschlag, vielen Dank
Frank ;-)

Kommentar-Direktlink horst piwonka· 03.08.09 · 08:54 Uhr

so ist das eben im sommer!
wenn hier leute meinen MOS vorhersagen wären besser, dann haben sie keine ahnung von synoptik. MOS prognosen sind eigentlich nie wirklich richtig, nur oft wenig falsch, deshalb schneiden sie in den verifikationen nicht so schlecht ab.
zu den sw wetterlagen im sommer. jeder halgwegs begabte meteorologe erkennt die prognoseschwierigkeiten und wird sich davor hüten, den hauptlauf der modelle 1:1 zu interpretieren. es nützt auch gar nichts, irgendein mittel zu bilden. wir frank sagt (zur abwechslung mal was korrektes!) hilft hier ein gewisses bauchgefühl bzw. ein gewisses meteorologisches talent.
prognosen müssen dann einfach vorsichtiger formuliert werden. man beschränkt sich auf jene paramater, welche als halwegs sicher gelten und führt zb. niederschläge als unsicher an. klingt dann zwar als wischi waschi prognose, ist aber 10 mal besser, als wenn man verbreitet kräftigen regen vorhersagt und es bleibt trocken.
das gleiche problem taucht bei gewittern auf. selbst bei sehr hoher neigung (>80%) heisst das noch lange nicht, dass an 80% der fläche einer region gewitter niedergehen werden. wie gesagt, da hilft nur noch nowcasting und das ist die königsdisziplin der synoptik, was wiederum viele nicht glauben können...

Kommentar-Direktlink Robert Fischer· 31.10.09 · 00:11 Uhr

Wenn ich versuche mein PLZ-Wetter mit allen Internetdiensten zu vergleichen überkommt mich der blanke Horror. Ich konnte bis Heute keinen verlässlichen Dienst finden von dem ich wenigstens ein wenig überzeugt wäre und sagen könnte, das passt schon einigermaßen....
Manchen Wetterseiten scheint es nichts auszumachen dass es laut deren Informationen im einen Landkreis regnet und kalt ist, während es 10km weiter strahlender Sonnenschein gibt und das bei besten Temperaturen. Ihr glaubt das nicht? ich kann´s jederzeit beweisen!
Es wäre doch schon mal schön wenn jeder Wetterdienst das aktuelle Wetter (am gleichen Tag) so angeben würde wie es tatsächlich ist! Wenn dann noch eine Vorhersage für den nächsten Tag verlässlich passt - das wäre richtig gut. Mehr erwarte ich auch nicht! Warum glaube ich immer das Wetter was mit Lotto gemeinsam hat?

Kommentar-Direktlink Wettermax· 09.11.09 · 21:26 Uhr

Wie heisst es: Nachts muss stellenweise mit Dunkelheit gerechnet werden!

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