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Björn Kröger ist pendelnder post-doc Paläontologe, derzeit an der Uni Lille I und am Museum für Naturkunde Berlin. Seine Arbeit führt ihn bevorzugt in die USA, nach Skandinavien und Estland. Wenn er Zuhause ist, liegt er an einem mecklenburgischen See.

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15.02.08 · 16:09 Uhr

Die Wissenschaft und das Soziale

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 8

Wir wussten es ja schon immer: die produktivsten Wissenschaftler sind die unsozialsten.

Noch nie ist das aber so simpel gezeigt worden wie gerade erst in der angesehenen ökologischen Fachzeitschrift Oikos. Dort wird in einem wunderbaren Artikel des Ökologen Tomas Grim gezeigt, dass unter den tchechischen Ornitologen die Bierkonsumption negativ mit der Publikations-output und der Zahl der Zitationen korrelliert. Und da man Bier nicht allein trinkt, so der Autor, ist Geselligkeit schlecht für den wissenschaftlichen Output...

Grim_2008.jpg

Zudem scheint es einen geographischen Faktor zu geben: dort wo mehr getrunken wird, nämlich in Böhmen, sind die Ornitologen weniger produktiv und weniger wissenschaftlich erfolgreich als in der Vergleichsregion Mähren.

Der Autor hat leider die Gender-Dimension unterschlagen. Wie sieht es aus mit dem weiblich-männlich Verhältnis unter den Forschern und wie mit dem Bierkonsum der beiden Geschlechter?

 

Autor: Björn Kröger· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (8)

Kommentar-Direktlink Marc | Wissenswerkstatt· 15.02.08 · 17:22 Uhr

Ich bin begeistert. Endlich nimmt sich mal jemand den wirklich essentiellen Wissenschafts(soziologischen)fragen an. ;-)

Sollte man dringend für Deutschland wiederholen und evtl. nach deinen Anregungen differenzieren (und die Fallzahl sollte man auch noch etwas erweitern).

Allerdings bereitet mir das Schaubild ein wenig Kopfzerbrechen:
1. Wie kann man bei der Publikationszahl/Jahr negative Werte erzielen?
2. Auch die Skala des Bierkonsums pro Ornithologe erscheint mir etwas fragwürdig. Das kann doch allenfalls der Konsum pro Woche sein, wenn die besten Trinker gerade mal 5-6 Liter erreichen. Oder sind es doch keine Liter, sondern Fässer? Wäre nur die Frage, welche Faßvolumina in Tschechien so gebräuchlich sind. ;-)

Aber abgesehen von diesen Details ein wunderbarer Fund! Danke!

Kommentar-Direktlink Bernd· 15.02.08 · 18:27 Uhr

@ Marc, Ad 1: Die Werte könnten zentriert worden sein.

Kommentar-Direktlink Chris· 15.02.08 · 19:01 Uhr

Ich kann mich nur anschliessen, ein herrliches Paper. Bestimmt sind die Achsen falsch beschriftet, im Land des Pilsener Urquells sind 5 Liter keine Jahresmenge. Jeder Glasbläser wird dort diese Menge an einem Tag verbrauchen.
Die Untersuchung schreit nach weiteren: Durchschnittliches (wenn überhaupt) Hochzeitsalter contra Hierachie-Leitersprosse.
Schlaf pro Nacht contra Impactfaktoren....

Kommentar-Direktlink Marc | Wissenswerkstatt· 15.02.08 · 23:39 Uhr

@Bernd:

Ja, Danke für den Hinweis des Profis. Hatte auch kurz in die Richtung gedacht, aber es ist (jedenfalls für mein Verständnis) etwas erklärungsbedürftig.

@Chris:

Beginnen wir ne Liste mit den Wissenschaftler-Beforschungs-Studien, die dringend unternommen werden sollten? ;-)

Ich rege eine Studie an, die die Anzahl der Blogposts und die wissenschaftliche Reputation in Beziehung setzt. Und ich ahne, daß der Zusammenhang vermutlich umgekehrt proportional ausfallen wird... ;-(

Kommentar-Direktlink Bernd· 16.02.08 · 08:34 Uhr

@Bernd, Marc: Ein Nachtrag: Der Artikel ist online verfügbar. Die Werte wurden nicht zentriert, sondern "Box-Cox transformed" (vermutlich, um der Linearitätsbedingung zu genügen). BTW: Die Fallzahl liegt bei n = 34 und vielleicht sind Vertreter der "avian evolutionary
biology and behavioural ecology" ja eine besondere, hoch selektive Gattung.

Kommentar-Direktlink blugger· 17.02.08 · 20:37 Uhr

@Björn: Nicht zu vergessen, der soziale Alkoholkonsum im Dienste der Forschung. Während meines Chemiestudiums gab es an unserem Institut eine Forschergruppe, die bestimmte Abbauprodukte von Bier untersuchten. Diese Derivate entnahmen sie Urin. Und da sie keine externen Probanden behelligen wollten ;-), opferten sie sich selbst in längeren Bierfesten der Forschung. Die Stimmung in dieser Gruppe war außerordentlich freundschaftlich und gesellig! Das Bier gab es umsonst.

Kommentar-Direktlink Benedikt· 18.02.08 · 22:25 Uhr

Doch damit ist ja noch nichts über die Kausalität gesagt. Wer ständig vor dem Computer sitzt und Submissions ins Gerät hackt, hat einfach keine Zeit für ein Bier mit Kollegen. Möglicherweise ist aber auch nur die Zahl der Krankenhaustage eine zentrale intervenierende Variable: Besoffene Ornithologen fallen vom Hochsitz -> werden hospitalisiert -> können mit gebrochenen Armen nicht tippen -> haben weniger Publikationen.

Author Profile Page Björn Kröger· 18.02.08 · 23:16 Uhr

Ja, genau daran hab ich auch als erstes gedacht, an das Argument mit dem Hochsitz. Ich seh' schon, das Thema würde locker Stoff für ein dreijähriges DFG-Projekt hergeben.

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