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Björn Kröger ist pendelnder post-doc Paläontologe, derzeit an der Uni Lille I und am Museum für Naturkunde Berlin. Seine Arbeit führt ihn bevorzugt in die USA, nach Skandinavien und Estland. Wenn er Zuhause ist, liegt er an einem mecklenburgischen See.
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19.12.07 · 12:11 Uhr
Austern in Lille-Flandres
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Als ob es nichts wichtigeres in der Welt gäbe, hier ein paar Bilder von Fossilien über die ich gestern auf meinem Weg von Lille nach Berlin gestolpert bin.
Die U-Bahn in Lille ist mit dem lokalen Tournai Kalk (Unterkarbon, 345-359 Mio Jahre alt) ausgelegt. Das ist ein schwarzer Kalkstein, der voller Crinoiden-Stielglieder steckt

es gibt ab und zu große tabulate Korallen

kleinere Rudisten, Fenestellen und Brachiopoden habe ich entdeckt. Das war einmal ein Meeresboden in einer Wassertiefe von weniger 25m in dem recht warmen Rheischen Ozean.
An der Metro Station Lille Beaux-Arts hat man Urgon-Kalke (Unterkreide, ca. 140-145 Mio Jahre alt) verabeitet in denen es von Schnecken und Muscheln wimmelt.

Die Kalke stammen vermutlich aus dem Süden von Frankreich, dort lag damals die flache warme Küste des Tethys-Meeres.
der Bahnhof Lille-Flandres gibt sich etwas heller. Hier wurden weiße mikrobialitische Kalke verbaut in denen stellenweise Austern und Schnecken sehr häufig sind.

Das Gestein stammt aus einer tropischen Lagune, ich weiß nicht aus welcher Gegend vermute aber das es auch Unterkreide-Alter hat und irgendwo aus dem Süden Frankreichs angefahren wurde.
Es ist vielleicht doch gar nicht so unwichtig. Wenn wir uns bewußt sind wie sehr die Welt um uns herum schon seit Millionen von Jahren vom Leben geprägt ist, dass das Leben dieser anderen Zeiten über all seine Spuren hinterlassen hat, überall tote Tiere herumliegen die davon Zeugen, dass wir Menschen erst seit kurzem hier auf der Welt sind, dann merken wir, wie vergänglich unsere als so statisch erlebte Umwelt tatsächlich ist. Was, wenn das Grönlandeis schmilzt? Im Karbon gab es noch kein Grönland, und in der Unterkreide war es dort gemütlich warm. Den Austern hat es gefallen.
Autor: Björn Kröger· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Danke für Deine Wahrnehmung. Wir sollten stets näher hinsehen, was uns im Alltag umgibt. Wir vergessen vielleicht viel zu oft, dass wir auf historisch gewachsenem bzw. gelebtem Boden leben und uns des geringen Zeitraums der Menschheit auf dem Planeten Erde bewusst sein.
Dazu noch ein passendes Zitat:
"Vor 12.000 Jahren bedeckte eine zum Teil mehrere Kilometer dicke Eisschicht jene Regionen, wo sich heute Großstädte wie Stockholm, Berlin oder Toronto befinden. Der Meeresspiegel lag knapp 100 Meter unter dem heutigen. (...) Dann wurde es wärmer und der Meeresspiegel stieg rasch an. Vor 8.000 Jahren gab es in der Sahara Binnenseen, Nilpferde, Elefanten, Gazellen und Rinderhirten. Ein Garten Eden. Die Fachleute sprechen vom "Klimaoptimum" des Holozän. In Mitteleuropa lagen die Temperaturen etwa zwei Grad höher als heute. Warum sollte unser gegenwärtiges Klima das einzig richtige sein?"
(aus: Dirk Maxeiner, "Hurra, wir retten die Welt!")
Naja, da muss man vorsichtig sein, denke ich. Es kommt auf die Perspektive an. Aus der Perspektive des Wasserfrosches ist es sicher schön, wenn die Winter wärmer werden und er Sibirien erobern kann. Für uns Menschen kann der Klimawandel durchaus katastrophal sein, weil er Armut, Flucht und neue Verteilungskämpfe hervorruft. Er kann die Art und Weise wie wir heute noch Leben radikal verändern. Deshalb ist es kein Argument für ein "Einfach so weiter machen" wenn man sich darauf beruft, dass das Klima ja schon immer veränderlich war. Ich denke eher, dass, wenn man sich der Dramatik der Veränderungen in der Erdgeschichte bewusst wird, die Dramatik möglicher Zukunftsszenarien besser sichtbar wird. Wenn Grönland schmelzen würde wäre das für die Menscheit eine unvorstellbare Katastrophe. Und das Grönland beginnt zu schmelzen wird immer wahrscheinlicher. Ich denke, es geht ja nicht um eine abstrakte Erde mit "gesundem Klima", sondern darum wie wir auf der Erde mit bald einmal 9 Milliarden Mitbewohnern gut zusammen auskommen ohne uns gegenseitig niederzumetzeln.