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Alexander Gerber ist Informationswissenschaftler und Geschäftsführer des innokomm Forschungs-zentrums für Wissenschafts- und Innovationskommu-nikation (GmbH). Sieben Jahre war er bei Fraunhofer verantwortlich für die Kommunikation des IuK-Verbunds sowie Chefredakteur von InnoVisions. Von Hause aus Journalist, ist Alexander Gerber Fachbeirat Wissenschaft des DFJV und des HPC, Vize der TELI in Berlin, WPK-Mitglied und Vertreter in der Euroscience Working Group "Science Communication". Er ist Moderator des "Forums Ideen- und Innovationsmanagement" und Initiator der "Trendstudie Wissenschaftskommunikation".
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27.09.11 · 12:25 Uhr
Forscher bieten dem Boulevard die Stirn
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 40
Als die britische Boulevard-Presse mitten in den August-Unruhen eine Meldung der Uni Cardiff zu Neurotransmittern für eigene Zwecke missbrauchte, machten sich die drei unverstandenen Forscher Petroc Sumner, Frederic Boy und Chris Chambers bereit zum Gegenschlag. Die Zeitung The Guardian druckte ihre ausführliche Replik, die man als konstruktive Medienschelte bezeichnen könnte:
How can we stop newspapers distorting science?
Recent news stories reported a study that supposedly linked rioting to low levels of a brain chemical. The scientists behind the research put the record straight
[...] Such proliferations of falsehood are dangerous, not only because they misinform the public, but also because they undermine public respect for science and support for the use of taxes to fund it. [...]
Wie ich gerade erst gesehen habe, hat der deutsche Freitag die Geschichte dankenswerterweise übersetzt und nachgedruckt. Kollege Wolfgang Stieler von der deutschen Online-Redaktion der Technology Review erläutert zudem den Hintergrund der Geschichte.
Für die drei Forscher liegt eine der Lösungen darin, einen "Faktencheck" in Form von Freigaben wissenschaftsjournalistischer Berichterstattung einzuführen. Ein Modell, das bei den Medienschaffenden natürlich auf Ablehnung stößt und Fragen der Unabhängigkeit der Presse aufwirft. Oder liegt die Lösung vielleicht eher in einer Selbstkontrolle der Wissenschaftsjournalisten im Sinne eines Mediendoktors?
In diesem Kontext hatte übrigens Marcus Anhäuser in einem Kommentar (s.u.) noch auf ein Posting von Nature-Chefredakteur Ananyo Bhattacharya vom heutigen Donnerstag beim Guardian hingewiesen. Demnach ist ein Faktencheck durch Wissenschaftler auf breiter Basis längst Realität, obwohl dies mit Blick auf die Unabhängigkeit und Kontrollfunktion des Journalismus eine durchaus bedenkenswerte Praxis sei:
Scientists who demand to see a draft or journalists who let them may be doing so with the best of intentions. But ultimately it betrays the reader.
Autor: Alexander Gerber· 40 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Was macht eigentlich der Medien-Doktor? oder Braucht der Wissenschaftsjournalismus auch sowas? · Plazeboalarm · 28.09.11 · 11:18 Uhr
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Kommentare (40)
"Ein Modell, das bei den Medienschaffenden natürlich auf Ablehnung stößt und Fragen der Unabhängigkeit der Presse aufwirft."
Diese Frage wurde in der Replik der 3 Forscher ja durchaus aufgegriffen:
PS: "nachgeduckt" ist wohl ein Freudscher Vertipper.
Der Guardian-Artikel ist wirklich lesenswert. Den Vorschlag der Forscher mit dem Qualitätssiegel "Fakten von der Quelle überprüft" finde ich extrem konstruktiv. Jeder würde davon profitieren: die Journalisten (die sich mit einem Qualitätsbeitrag von der Masse der minderwertigen Gerüchte-Artikel abheben könnten), die Wissenschaftler (und deren Ansehen) und nicht zuletzt der Leser, der sich auf die Information verlassen kann.
Wie liesse sich denn soetwas praktisch umsetzen? Vielleicht könnte ja der Presserat eine Empfehlung für so eine Kennzeichnung aussprechen...
@ Thilo (MATHLOG): Ich glaube nicht, dass das bei Wissenschaftsjournalisten durchsetzbar wäre. Der Trend geht eigentlich mehr in die andere Richtung (siehe u.a. das jüngste ESOF in Turin), nämlich hin zu der Forderung nach einem investigativeren unabhängigeren, politischeren Wissenschaftsjournalismus.
Re: PS: Tippfehler ganz unfreudsch' korrigiert, danke.
@ Physiker:
Presserechtlich sollte man da sicherlich nicht das Brecheisen ansetzen. Im Prinzip würde eine Empfehlung der Fachverbände reichen, etwa WPK, TELI, DMJV, DFJV, aber dort wird eine potenzielle "Zensur" wie gesagt sehr kritisch gesehen. Qualitätssicherung und Kontrolle liegen eben eng beieinander.
;-)
Die Frage ist natürlich, was "investigativ" in diesem Zusammenhang überhaupt heißen soll. In der Praxis sieht der investigative Wissenschaftsjournalismus doch offensichtlich so aus, daß eine Pressemitteilung gelesen wird, dann vielleicht noch ein paar zum jeweiligen Thema mehr oder weniger kompetente Forscher angerufen werden, und aus den Versatzstücken und ein paar Zitaten wird dann irgendwie ein Artikel zusammengerührt, dessen Inhalt nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was die Gesprächspartner oder die Autoren der Pressemitteilung eigentlich sagen wollten, geschweige denn mit den tatsächlichen Forschungsergebnissen.
Nebenbei bemerkt ist es doch wohl auch im politischen Journalismus so, daß die Endfassung eines Interviews vom jeweiligen Interviewpartner autorisiert werden muß. Ich habe nicht den Eindruck, daß das einem kritischen, investigativen Journalismus im Weg stünde.
So was Ähnliches versucht in Deutschland für den Medizinbereich der Mediendoktor (www.medien-doktor.de), der auch beim Grimme Online Award 2011 nominiert wurde.
Die Idee ist in der Tat sehr charmant, nur frage ich mich, wer es mit welchen Ressourcen praktisch umsetzen soll.
@ Jörg Höwner:
leitender Redakteur beim Medien-Doktor ist übrigens ein scienceblogs-Autor: M.Anhäuser von Plazeboalarm.
Danke, Jörg. Den Link auf am Ende des Postings auf Marcus' Mediendoktor hattest Du gesehen? ;-))
Sollten übrigens bei Gelegenheit mal wieder telefonieren; gibt aus Berlin viel Neues zu erzählen.
Dr. Webbaer·
27.09.11 · 22:09 Uhr
Ganz bemerkenswert dieses Verständnis von Medienfreiheit. Wäre sicherlich auch der (doitschen) Politik nicht unrecht - jedenfalls bei Themen, bei denen Opposition wie Regierung Hand in Hand gehen: EURO-"Rettung", Atomausstieg & Bürokratismus@ Webbär:
Den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen verstehen Sie aber schon?
@Thilo Küssner:
Fakten dürfen publiziert werden, Meinungen nicht?
Fakten können einem Faktencheck unterworfen werden und DAS war das Thema dieses Artikels.
Ein Faktencheck, der eine mediale "Freigabe" anstößt oder auch nicht, wenn Dr. W den Artikel richtig verstanden hat. Wenn Sie ein wenig zwischen den Zeilen lesen, dann könnte es auch Ihnen so scheinen, als ob der Blogautor sich über angestrebte mediale Einschränkungen amüsiert - wie übrigens auch Dr. Webbaer.
...zumindest glaube auch ich, dass es in der Praxis schwer sein würde, die Überprüfung von Fakten von der Manipulation der Ausssage eines Beitrags zu trennen. Bei der Freigabe von Zitaten ist das etwas einfacher, weil man ggf. einfach zwei Zeilen aus dem Beitrag zur Abstimmung ausschneidet. Der (faktische) "Check" eines Sachverhalts hingegen dürfte meist nur möglich sein, wenn ganze Passagen eines Beitrags zur Freigabe vorgelegt würden.
Vielleicht müssten wir mehr überlegen, wie eine weitere Professionalisierung des Wissenschaftsjournalismus und eine stärkere Honorierung von Qualität in der Wissenschaftsberichterstattung aussehen könnte. Oder wie ein Radio-Kollege just gestern Abend meinte: Solange auch in der Wissenschaft die PR-Preise zehnmal so hoch dotiert sind wie die Journalistenpreise (von denen es allerdings inzwischen zahllose gibt), werde das so schnell nichts mit der Professionalisierung. Eine einfache Lösung liegt also wohl nicht auf dem Tisch.
Alexander Gerber schrieb (27.09.11 · 12:25 Uhr):
> [...] liegt eine der Lösungen darin [...]
Wozu eine Lösung?
Sofern "Verzerrungen" bzw. "Dispersionen" überhaupt bewertet und kenntlich gemacht werden können -- was ist das Problem ??
(Und womit beschäftigen sich "Medien"-Kundige denn sonst ? ...)
Es ist ja noch viel schlimmer: im Wissenschaftsjournalismus werden auch die Journalistenpreise von den jeweiligen Fachverbänden, also den Interessenvertretern der einzelnen Fächer vergeben.
@ Frank Wappler:
Das "Problem" beschreiben die drei Forscher in aller Ausführlichkeit. Sie halten es für gesellschaftlich unverantwortlich oder gar gefährlich, wenn Medien so mit Wissenschaft umgehen wie in ihrem Fall. Mit diesem Konflikt befasst sich die Medienwissenschaft seit gut einem Jahrzehnt in Deutschland sehr intensiv (zum Beispiel die Kollegen in Jülich, Berlin, Darmstadt oder Münster). Entweder, dieser Konflikt führt zur Abgrenzung (was nicht im Sinne einer mündigen Gesellschaft sein kann) oder aber zu einer Mediatisierung der Wissenschaft (was ebenso nachweisbar ist, aber ebenfalls grundlegende Fragen über die Rolle der Wissenschaft in der Mediengesellschaft aufwirft). Nach dem Problem, finde ich, muss man also nicht lange suchen.
@Thilo:
Zum Teil zumindest von Lobbygruppen für ganz bestimmte Forschungsgebiete, ja, aber das wird in der Szene auch wenig ernst genommen und funktioniert auch nicht so wirklich. Es gibt natürlich andererseits auch anerkannte Preise wie etwa den PUNKT von acatech...
Dr. Webbaer·
28.09.11 · 06:24 Uhr
Sie sind doch vom Fach, können Sie dem alten Webbaeren vielleicht kurz erklären warum Zitate in Doitschland freigegeben werden? Wenn einer etwas gesagt hat, hat er es doch gesagt. - Man liest bspw. nie das wörtlich abgeschriebene TV-Politikergestammel, da wird der Originaltext - im Gegensatz zu anderen Ländern - medial unterdrückt...@Webbaer:
Vermutlich weil sich print bei weitem nicht so schnell "versendet" wie Bild und Ton, sprich die Sprecher wollen sich gerade dann schon genauer überlegen, was sie wie formulieren. Das Problem mit nicht freigegeben Zitaten ist natürlich, dass der fragliche Interviewte im Nachgang immer behaupten kann, das ja gar nicht gesagt zu haben; mit einer Freigabe wird diese Behauptung schwierig. Andererseits führt das Freigabeprozedere leider oft zu einem wahren "Weichspülen" der Zitate, durch das die ursprüngliche Schärfe und Authentizität verloren gehen.
Wird aber landauf landab unterschiedlich gehandhabt. Ich habe auch in Redaktionen gearbeitet, wo Zitatfreigaben kategorisch ausgeschlossen wurden.
Da will ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen ...
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2011/09/was-macht-eigentlich-der-mediendoktor-oder-braucht-der-wissenschaftsjournalismus-auch-sowas.php
Danke für den Hinweis auf uns Alexander (und auch Jörg Höwner).
Zum eigentlichen Vorschlag der englischen Wissenschaftler sage ich (erstmal) noch nichts, nur so viel: Innerhalb der Wissenschaftsjournalisten ist das schon lange ein Thema, bei dem solche Aspekte wie journalistische Unabhängikeit versus Faktentreue regelmäßig kollidieren.
@Gerber
Es geht jetzt weniger um die Interviewerei, diese bedarf auf Grund der Geschlossenheit der "Runde" wohl einer Autorisierung, sondern um die öffentlichen Verlautbarungen, außerhalb schriftlich vorab fixierter Reden, oft verfügbar in Bild und Ton, die Politiker betreffen und deren mediale Wiedergabe. - In anderen Ländern kann durchaus der schriftlich erfasste Originalton aufbereitet werden, D betreffend kennt Dr. W so etwas nicht. Greift hier der Presserat bzw. sein wenig seliger Kodex?
@Webbaer: I.d.R. gilt ja das gesprochene Wort, und dieses wird (u.a. in der Radiopraxis) gerne nachträglich transkribiert, bedarf dann aber keiner Autorisierung mehr, denn wurde ja buchstäblich "gesagt". ;-)
OK, mal exemplarisch, haben Sie sowas schon mal in deutscher Sprache gesehen:
http://www.foxnews.com/on-air/hannity/transcript/gingrich-comes-out-swinging-against-obama-after-announcing-presidential-bid ("transcript")
@Webbaer: Im Bereich Wissenschaft zum Beispiel beim Deutschlandfunk
>> http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1565123/
War das O-Ton, kann man so gut deutsch?, oder war das das Resultat eines E-Mail-Pingpongs (selbst Dr. W hat schon mal Interviews gegeben ;)? Haben Sie Beispiele für politische Fragestunden?
Interessant, dass der angebliche Dr. mit dem braunen Webfehler im Pelz ausgerechnet foxnews anbringt. BILD hatte wohl ein zu hohes Niveau...;-)
...da scheinen sich wohl zwei zu kennen.
Nur 2?!?
@Gerber
OK, der Text ist geschönt, obwohl sich die Dame recht ordentlich auszudrücken versteht. Gibt's sowas auch für politische Sendungen?
MFG
Dr. Webbaer
PS + BTW: Was für Desaster in der freien Rede möglich sind, wissen Sie bestimmt, bspw. sowas: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1155442/Übrigens-..-zur-Sendung-vom-06.10.2010 - hier das Transcript - http://www.scienceblogs.de/von_bits_und_bytes/2011/09/harald-lesch-uber-das-perfekte-verbrechen.php#comment250691
...kennen ist zuviel gesagt. Aber der braune Geselle tritt überall auf, und zwar meist nach dem selben Schema:
- unverfängliche Fragen,
- Unverständnis der Antwort,
- weitere Fragen, speziell solche, deren Beantwortung mit viel Arbeit durch den Beantworter verbunden ist,
- wieder Unverständnis der Antwort,
- sich steigerndes Trollen.
Fast jeder der SBler hat seine eigene Taktik, den Braunen wieder loszuwerden. Eins braucht aber jeder: einen langen Atem.
Und es ist schon bezeichnend, dass er gleich ein Interview mit Kreationist, Klimaleugner usw Newt Gingrich (ok, für seinen Vornamen kann er nichts, ich würde mein Kind nie "Molch" nennen, wahrscheinlich war ihm "Newton" auch zu peinlich wissenschaftlich) bringt.
Ich finde übrigens, der Kommentar im Guardian als Replik auf den Vorschlag des Faktencheck erklärt die Position der Journalisten eigentlich schon ziemlich gut:
http://www.guardian.co.uk/science/blog/2011/sep/29/scientists-copy-check-stories
"Denying sources access to final copy before publication is one of the central principles of good journalism."
Nichtsdestotrotz kann man als verantwortungsvoller Journalist durchaus immer wieder nachfragen, ob z.B. Ergebnisse richtig verstanden wurden und Implikationen daraus plausibel sind.
Das es immer wieder Journalisten gibt, die es nicht verstehen, verantwortungslos sind usw. das wird sich wohl nicht verhindern lassen.
@ Marcus: Danke nach Dortmund für die Ergänzung. Ich arbeite das auch noch oben im Beitrag ein.
Also ich finde, die Replik des Nature-Editors geht völlig am Vorschlag der Forscher vorbei. Denn in allen von Ananyo Bhattacharya gebrachten Beispielen geht es um Enthüllungsjournalismus, d.h. das Aufdecken irgendwelcher Missstände und eben nicht um den Teil des Wissenschaftsjournalismus, der wirklich nur daran interessiert ist neueste Forschungsergebnisse allgemeinverständlich aufzuarbeiten. Warum sollte ein Journalist, der über einen Skandal in der Wissenschaft berichten will überhaupt an einem solchen freiwilligen Qulitätssiegel wie "Fakten von der Quelle überprüft" interessiert sein? Im Gegenteil - für einen derartigen Artikel wäre ein solches Label absolut lächerlich. Dieses macht nämlich nur dann Sinn, wenn der Journalist wirklich daran interessiert ist, Forschungserbebnisse wiederzugeben.
Wenn die Detailverliebtheit der Forscher als Ausrede dafür herhalten muss, dass man besser nicht nachfragen soll weil sonst die Allgemeinverständlichkeit des Artikels leidet, hat man ja schon fast den Eindruck dass Bhattacharya jedes stereotype Vorurteil bedienen will.
Und dann auch noch die Faulheit/Nachlässigkeit/das "Befriedungsbedürfnis" der Journalisten als Argument gegen eine solche freiwillige Massnahme anzuführen ist ja wirklich das Letzte...
Sorry, aber diese Replik lässt sich Satz für Satz auseinandernehmen ohne dass daran auch nur noch ein einziges gutes Haar bleiben würde.
Auf dieser abstrakten Ebene macht die Diskussion tatsächlich wenig Sinn. Die Frage ist doch: gibt es irgendwelche konkreten Beispiele aus jüngerer Zeit von Wissenschaftsartikeln in Tageszeitungen, die dadurch besser geworden sind, daß die Journalisten eben NICHT wiedergegeben haben, was ihnen von den Fachleuten gesagt wurde?
Wir brauchen nicht darüber diskutieren, daß Journalisten sich nicht für Publicity einspannen lassen sollten. Aber letzteres ist doch eine Frage nach der Auswahl der berichtenswerten Themen, nicht nach der Kontrolle der inhaltlichen Richtigkeit.
Ein ganz gutes Beispiel, wie ungeprüfte "Zitate" nicht nur falsche Inhalte transportieren, sondern eben nicht zuletzt auch den Ruf der "zitierten" Wissenschaftler dauerhaft ruinieren können, sind die Analysen zum aktuellen angeblichen Kannibalismus-Fall.
Die Online-Ausgabe von BILD greift den Fall unter der Überschrift Gibt es heute auf der Todesinsel noch Kannibalen? auf und zitiert zunächst Dr. Gundolf Krüger (der übrigens kein "Kannibalismus-Experte", sondern Ethnologe mit Schwerpunkt Ozeanistik und Museumsethnologie ist):
und anschließend dann "Prof." Annerose Menninger (die wiederum als Ethnologin bezeichnet wird, obwohl sie Historikerin ist, und die übrigens auch keine Professorin ist und sich sicherlich gegenüber BILD auch nicht als solche ausgegeben haben wird):
Sebastian Brauns hat die Entstehung des BILD-Artikels nachrecherchiert und berichtet auf dem Bildblog unter der Überschrift "Gefundenes Fressen" Erstaunliches:
Die beiden "zitierten" Wissenschaftler werden sich in den nächsten Jahren wohl auf keiner Fachtagung mehr sehen lassen können...
Die Recherche von Sebastian Brauns ist auf http://www.bildblog.de/gefundenes-fressen/
Danke, Thilo, für die Ergänzungen!
Da die Querverweise hier auf SB nicht von allen Nutzern gleich gesehen werden, hier noch einmal kurz der Hinweis auf den gestern geposteten Redebeitrag von acatech-Präsident Hüttl, der mit besagtem britischen Modell sympathisiert, was wiederum bei Journalisten-Kollegen umstritten ist:
http://www.scienceblogs.de/sic/2011/10/krise-im-technikjournalismus.php
http://www.zeit.de/2012/14/Martenstein
Schöner Querverweis, danke, Thilo. Schon allein wegen der Transsubstantiation der Aussage
zur SchlagzeileSo fröhlich kann ein WE anfangen :-)Auch ein gutes Beispiel dafür, welche Schwierigkeiten auftreten können, wenn nach dem Ursprung einer Redewendung gesucht wird...