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Alexander Gerber ist Informationswissenschaftler und Geschäftsführer des innokomm Forschungs-zentrums für Wissenschafts- und Innovationskommu-nikation (GmbH). Sieben Jahre war er bei Fraunhofer verantwortlich für die Kommunikation des IuK-Verbunds sowie Chefredakteur von InnoVisions. Von Hause aus Journalist, ist Alexander Gerber Fachbeirat Wissenschaft des DFJV und des HPC, Vize der TELI in Berlin, WPK-Mitglied und Vertreter in der Euroscience Working Group "Science Communication". Er ist Moderator des "Forums Ideen- und Innovationsmanagement" und Initiator der "Trendstudie Wissenschaftskommunikation".
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30.11.10 · 08:44 Uhr
Wissenschaft als Prozess?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 2
Immer wieder wird darauf verwiesen, dass der Schlüssel zum Verständnis moderner Wissenschaft darin liege, deren Abläufe, Prozesse und Arbeitsweisen zu verstehen und nicht nur deren Ergebnisse. Wie gut gelingt es bisher, die Methodik wissenschaftlichen Arbeitens und Publizierens, beziehungsweise die Mechanismen eines Innovationsprozesses zu vermitteln? Ist dies überhaupt das Ziel von Wissenschaftskommunikation? Und wenn ja, welche Wege sind erfolgversprechend?
Meinungen gefragt:
Diskussion der Thesen, Forderungen und Empfehlungen von 40 Delphi-Experten
(Leitfrage 4/7) im Rahmen der Trendstudie Wissenschaftskommunikationpräsentiert am Di 30.11.2010 auf dem 3. Forum Wissenschaftskommunikation (Mannheim)
Die Grafiken geben an, wie viele der Delphi-Experten der jeweiligen Aussage vollständig [grün], großteils [hellgrün], teils [orange] oder gar nicht [rot] zustimmen.
Aktueller Stand n = 21 (40).
Bürger sind nicht an der Arbeitsweise der Wissenschaft interessiert, denn Pipettieren und Peer-Review sind nun mal langweilig. Die Bürger müssen das auch gar nicht verstehen.
Das "Making-of" ist zu komplex. Journalismus kann das nur schwer vermitteln.
Der Wissenschaftsjournalismus sollte nicht den Eindruck erwecken, Wissenschaft sei eine Aneinanderreihung von Erfolgen.
Science Center zeigen keine leidenschaftlichen Menschen und keine Realität im Laboralltag, sondern nur Ergebnisse. Sie sind kein Ersatz für Schule.
Es ist schwierig, den Ausgleich zu finden zwischen "eventwissenschaftlicher Bespaßung" mit hohen Besucherzahlen und nachhaltiger Wirkung.
Science Center, Schüler- und Öffentlichkeitslabore bieten neue Chancen, zum Mitmachen anzuregen und Faszination zu vermitteln sowie Abläufe in kleinem Maßstab darzustellen.
Das Bildungssystem sollte den Fokus mehr auf Erfahrungsprozesse richten als auf Ergebniswissen. Dann erleben Schüler selbst die Begeisterung der Wissenschaftler in den Labors.
Personalisierung steigert das Interesse an der Arbeit der Wissenschaftler und vermittelt deren Begeisterung.
Erlebnis Wissenschaft?
Wie ist eure Meinung: Wenn Wissenschaft als Prozess nicht interessant ist, müsste die Wissenschaftskommunikation dann nicht verstärkt auf Emotionen und Events setzen? Welche Maßnahmen sind vielversprechend?
Autor: Alexander Gerber· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Ein bemerkenswert unbeholfen und schwer verständlich formulierter Beitrag für einen Journalisten, der sich die Erforschung von Kommunikation auf die Fahne geschrieben hat; dabei kann gutes Deutsch so elegant sein...
Doch, das müssen sie. Einer der Hauptgründe dafür, dass Laien ohne Wissenschaftsbildung von den scheinbar widersprüchlichen und antiintuitiv wirkenden Aussagen der Wissenschaft irritiert sind, ist der, dass sie eben mit der Prozessualität des Erkenntnisfortschritts nicht vertraut sind und deshalb erwarten, dass Wissenschaft eine "Wahrheit" produziert, die dann "richtig ist". Auch das Missverständnis, was eine wissenschaftliche Theorie ist und was nicht, und die Verwirrung, dass eine Theorie verlässlich ist, auch wenn sie "nur eine Theorie" ist treibt solche Sumpfblüten wie Kreationismus und Esoterik an die Oberfläche.
Bürger müssen verstehen, wie die Wissenschaft als Prozess funktioniert, denn die Bürger sind es, die mittelbar über die Steuermittelverteilung entscheiden - je weniger wissenschaftlichfremd die Bürger sind, desto weniger wissenschaftsfeindlich werden die Politiker in ihren Anbiederungsversuchen im Wahlkampf und später agieren.
P.S.Pipettieren und wissenschaftlcher Disput müssen nicht langweilig sein - man kann sowas durchaus spannend aber trotzdem niveauvoll popularisieren. Vielleicht müssen die Wissenschaftsjournalisten da einfach ein wenig Phantasie entwickeln?
@ Nele: Danke für das Feedback.
Das Missverständnis,
war in der Tat genau die Fragestellung dieses Themenbereichs. Ich hatte das in meinem Mannheimer Vortrag vertont mit dem Hinweis auf eine „kontinuierliche Kontroverse“, für die es neben dem ollen „Pro&Contra“ eigentlich keinerlei journalistischen / massenmedialen Formate gibt. Wir selbst forschen diesbezüglich am Thema Online-Deliberation (intuitive Abbildung von und Interaktion mit komplexen Diskursen). Außerdem hat das Thema „Science Blogging“ nach Ansicht etlicher Delphi-Experten das Potenzial, den Prozess des „Wissenschaffens“ tarnsparenter und authentischer zu machen.Einen ganz wichtigen Punkt sprechen Sie meiner Meinung nach an, indem Sie darauf hinweisen, dass beispielsweise noch zu wenig bekannt ist, dass
Ich meine auch, dass es bei Fragen wie Kreationismus oder Astrologie gar nicht mal so sehr um die fachliche Auseinandersetzung geht (welche Argumente denn bitte?) – das ja jüngst erst wieder die bisweilen reichlich absurde Debatte in Ulrich Bergers Blog mit aktuell mehr als 400 Kommentaren (!) gezeigt: http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/10/kreationisten-an-der-uni-linz.php --, sondern eher um ein grundlegend fehlendes Verständnis wissenschaftlicher Methoden in erstaunlich breiten Teilen der Bevölkerung.
Auch Sie plädieren also dafür, dass
(unsere Experten waren an diesem Punkt sehr gespalten). In jedem Fall ergibt sich daraus aber die bis jetzt noch immer mehr oder weniger offene Frage, WIE wir das bewerkstelligen sollen. Mit welchen journalistischen Formaten? Mit welchen interaktiven Medientechnologien…? Ideen sind sehr willkommen.Übrigens war dieses Posting ja weniger ein „Beitrag“, sondern mehr eine Auflistung von Thesen und Prognosen, die zudem nicht von mir stammen, sondern wie gesagt von den Delphi-Experten. Wir nehmen Ihre Kritik aber trotzdem gerne als Ansporn, die redaktionelle Aufbereitung (Artikelserien, Buchprojekt, Studie) weiter zu beschleunigen. Bis Februar werden sich damit aber wohl leider noch gedulden müssen… ;-)
Und sorry wegen der späten Antwort – zuerst Dienstreise und dann auch noch die Grippe…
--ag