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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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18.06.11 · 11:15 Uhr
The radioactive boyscout
Kategorie: Kultur · Kommentare: 18
Für meinen letzten Artikel zum Thema Tschernobyl habe ich schon das Eine oder Andere nach-gegoogelt und stolperte dabei über den Wiki Artikel zum Thema Americium 241, ein radioaktives Trans-Uran mit einer Halbwertzeit von 430 Jahren. Und irgendwo stand da, dass dieser alpha-Strahler auch vom radioactive boyscout benutzt worden wäre. Hä? Bitte wer?
Na, David Hahn, der radioactive boy scout. Ich bin sicher, die bei naturwissenschaftlichen und sonstigen Anekdoten kaum zu übertreffende Leserschaft von Scienceblogs und Primaklima insbesondere kennt die Story schon. Aber für die paar, die sie noch nicht kennen und für mich, der ich jetzt schon 48 Stunden darüber lachen muss, hier noch mal in Kürze.

Bild 1: Das Objekt der Begierde - der Atomic Energy Merit Badge der amerikanischen Boy Scouts. Ich bin anscheindend auf der short list.
David wohnt irgendwo in den amerikanischen suburbs und bekommt eines Tages das golden book of chemistry geschenkt. Kurz danach baut er sich sein kleines Labor im Keller seiner Eltern. (Georg auch, ich sag nur Kosmos Chemiebaukasten). Er ist von Eifer getrieben und zieht von den verschiedenen Explosionen im Keller verschiedene Narben davon (Georg auch, ich sag nur, "Wie mache ich meine eigene Seife". Als das Zimmer halb in Flammen steht und mein Vater die Sache gerade noch unter Kontrolle bekam, hatte meine Hand bereits einige sehr schoene Brandflecken. Oder der Tag, an dem ich irgendein Trichlorphenol mit Magnesium zum Zünden brachte und den Keller, die Gaststätte darüber, die Wohnung, die Wohnung darüber und den Garten in einen dichten übelriechenden Qualm hüllte, hach, die Unbeschwertheit der Jugend. Longtemps je me suis couché de bonne heure). Irgendwann will David aber höher hinaus. Er will den Merit Badge zum Thema nuclear energy.
Aber er gibts sich nicht mit so pillepalle wie "eine lächerliche Nebelkammer bauen" zufrieden, er will seinen eigenen Reaktor. Er will Kettenreaktionen und das jetzt. Und er bekommt sie. Zuerst braucht er mal eine Neutronenquelle. Dazu baut er aus einigen hundert (!) Rauchmeldern die winzigen Mengen Americium 241 aus. Für die, wie ich, die nicht wissen wie ein ionisierender Rauchmelder funktioniert, siehe hier und für die, die auch mal gerne Americium 241 aus einem Rauchmelder ausbauen wollen: here we go. Weil David nicht wusste, wo sich die verdammten Mikrogramm Americium verstecken, schrieb er einfach irgendwelche Briefe, in denen er sich als Highschool Professor ausgab, an die entsprechenden Herstellerfirmen. No Problem. Als er endlich genug Americium zusammen hatte, packte er alles in einen Bleiblock mit einem kleinen Spalt, ein bisschen Alufolie davor, fertig. Die alpha-teilchen knallen auf das Aluminium und eine der Nuklearreaktionen lässt Neutronen frei werden. Das hätten wer schon mal.
Weiter geht's. Uran ist ja schon schwerer zu besorgen und für so einen richtigen Reaktor wäre Uran natürlich toll. Aber, hey, es gibt doch Thorium 232! David fand heraus, dass Thorium in diesen kleinen feuerfesten Säckchen benutzt wird, (ich weiss nicht, wie die auf Deutsch heissen, aber auf Englisch heissen sie clouth pouch), die man in Gaslampen reinhängt, um die Flamme heller zu bekommen. Der Extraktionsprozess ist nicht ohne. Man muss das Ganze mit Lithium mischen und stark erhitzen, um so das Thorium anreichern zu können. Nichts leichter als das. Für 1000 Dollar Batterien gekauft und das Lithium herausgeholt und fertig. Da war David gerade mal 16 Jahre alt und seine 132Th Menge war bereits 100-fach gröszer, als es die EPA erlaubt.
Video 1: David stolz wie Oscar mit seinem Merit Badge. Einfach auf das Bild klicken und man wird weitergeleitet zu einem Teaser für eine 20 minütige Channel 4 Dokumentation über David. Falls irgendeiner die volle Dokumentation aus dem Jahre 2003 findet, bitte Bescheid sagen.
Leider war seine Neutronen-Quelle nicht stark genug, um aus dem 232Th dann relevante Mengen 233U zu machen. Warum wollte David das denn? Na weil man das spalten kann. Und weil da dann wieder Neutronen frei werden, die dann etc. etc. David optimierte also das eine oder andere, sammelte alte mit Radium bestrichene Uhrzeiger (Mme Curie lässt schön grüszen), um das ganze noch ein wenig schärfer zu machen. Schliesslich mischt er alles und verpackt es in kleine von Aluminium umwickelte quadratische Blöcke. Die packt er wiederum zu einem groszen Quader zusammen, Klebeband drum. Fertig. Das Ganze brav in Papas Garage gepackt und mal abgewartet.
Am nächsten Morgen schlug sein Geigerzähler bereits auf 200 Meter vom Haus seiner Eltern aus an und zwar richtig. David fing an sich leicht sorgen zu machen. Als er in Panik die ganze Geschichte irgendwo verklappen wollte, bekommt es die Polizei mit. Die benachrichtigt die EPA, die für bescheidene 100.000 Dollar und unter höchster Sicherheit die Garage von Davids Vater abbaut und zum hochstrahlenden Abfall packen. David hatte es geschafft einen Strahlungslevel 1000fach über dem natürlichen Background level bei sich im Hinterhof zu erzeugen, also etwas in der Gröszenordnung von 1000mSv/yr.
Ich empfehle diese Darstellung und diese und insbesondere diese aus dem Harpers Magazine, die die ganze Geschichte erst ins Rollen brachte. Es bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum ist das noch nicht verfilmt worden. David, you are our hero!
Und in der Pop-Kultur ist David auch und ganz zu Recht angekommen:
Video 2: "Playing with Uranium" von Duran Duran
Und schliesslich noch eine eigene Beobachtung. Ich war vorgestern in "Source Code" (klasse). Zum Schluss wird der Wagen des wahnsinnigen Bombenbauers geöffnet in dem sich die schmutzige Atombombe versteckt. Und tatsächlich, es ist Davids Aluboxen-Konstruktion! Achtet mal drauf.
Autor: Georg Hoffmann· 18 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (18)
Die Säckchen heißen auf deutsch "Glühstrümpfe".
Werden auch heute (in Plastiktüten eingeschweißt) für Schülerversuche zur Radioaktivität verwendet.
Toller Artikel, aber hättest du ganz am Schluss nicht ne Spoilerwarnung oder so unterbringen können?
...
Tolle Geschichte!
Stimmt es, dass der junge Mann sich inzwischen für Genetik interessiert und mit Escherischia Coli experimentiert?
Ich fand die Dokumentation von Channel 4 "The Nuclear Boyscout" auf folgender Website:
http://s7icky.com/documentaries/the-nuclear-boy-scout-documentary-2003/
Viel Spass damit!
...für mich, der ich jetzt schon 48 Stunden darüber lachen muss...
Das Ende der Geschichte ist keineswegs zum Lachen:
http://en.wikipedia.org/wiki/David_Hahn
Also, wenn man sich eine schlechte Musik-Gruppe anhört, bleibt man von Strahlung verschont???????
Kann jemand vom Fach mir erklären, woher da plötzlich das (angeblich) Mehr an Strahlung gekommen sein soll? Von der Kettenreaktion war das ja eine knappe Ewigkeit entfernt und für nennenswerte Transmutationsraten braucht man ganz enorme Aktivitäten.
@Flamme
Schwer zu sagen. Ich habe die Dokumentation mittlerweile gesehen und mein Eindruck ist, dass er einen Deal mit der EPA und den Behoerden gemacht hat, nach dem er keine weiteren Details mitteilt und sie eben keine Anzeige erheben.
Ich denk, er hat wohl schon eine ganze Menge Radon zusammengekratzt, ausserdem hat er statt Alu spaeter schlauerweise Beryllium genommen, was die Produktion von langsamen Neutronen um einiges verbessert.
In einem der Links erfaehrt man, dass eine Gruppe von Studenten (mit etwas besserem Geraet vermute ich mal) es bis zur Plutoniumproduktion gebracht hat.
Viele Worte. Ich weiss es nicht.
@Flamme
Der Reaktor muß nicht funktionieren. Allein das Inventar stellt schon eine Strahlenquelle dar.
@laie
"Der Reaktor muß nicht funktionieren. Allein das Inventar stellt schon eine Strahlenquelle dar."
Das ist schon klar, aber es wird in allen Dokumenten behauptet, dass er nach Zusammenbau und 24 Stunden viel STAERKER strahlte als zu Beginn. Und das geht nur, wenn ein Teil des nicht strahlenden Material nun strahlte, und dazu muss er a) spaltbares Material produziert und b) dann gespalten haben.
was heisst stärker? er kann durchaus durch alpha oder neutronenbeschuss, gammastrahler erzeugt haben. die haben eine höhere reichweite in luft als alphastrahler.
ob er thermische neutronen erzeugen konnte die uran spalteten glaub ich eher nicht.
ich vermute mal er hat seine umgebung mit seinem gepansche kontaminiert, dh das radioaktive inventar räumlich verteilt.
@ET
"er kann durchaus durch alpha oder neutronenbeschuss, gammastrahler erzeugt haben. die haben eine höhere reichweite in luft als alphastrahler."
Das dachte ich auch. Aber irgendwie finde ich dann die Realtion der EPA echt uebertrieben und ich bin auch nicht sicher, ob man dann solche Zahlen hinbekommt. Sowieso sollte man David nicht unterschaetzen
Man beachte auch den Satz mit den "5 doors down". Es ist natuerlich schwer Wahrheit und DIchtung zu unterscheiden.
Ich denke schon, dass die angestiegene Radioaktivitaet nicht nur sein Rumgeschmiere war."Das Ende der Geschichte ist keineswegs zum Lachen:"
Mhhh, Foxnews hat auch ein schönes Bild dazu...
http://www.foxnews.com/story/0,2933,299362,00.html
"As part of his sentencing, Hahn is not to use drugs or alcohol and to take his medication as ordered."
Oder das.
@Georg
Ja, wo soll's denn herkommen? Mir schwebte im Web was vorbei vom ~50kBq/Melder und eine Zusammenfassung verschiedener Studien über Radiumfarben in gleicher Größenordnung ... in einer Studie will jemand wohl einen Ausreißer von 200MBq (?) gemessen haben, aber mit sowas im Repertoire kann man sich das Knacken von Feuermeldern dann auch gleich sparen. Also was kann er an Aktivität zusammengekratzt haben? 1GBq ist wohl sehr hoch gegriffen und damit landen wir bei theoretischen maximal möglichen Synthesegrenzen von wenigen Dutzend Nanogramm pro Tag.
Gut, vielleicht irre ich mich da ja auch. Aber da Du das ja zwei Semester studiert hast solltest Du nun nicht die Caldicott machen sondern ein paar Belege für deine Annahme vorweisen.
Ah, ein venneckefreier Thread. Es gibt also doch noch Wunder. :-)