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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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27.02.10 · 22:56 Uhr
Herzlich lachen mit Claude Allegre ; Teil I
Kategorie: Kultur·Themenwoche · Kommentare: 14
Ich hatte ja bereits mehrmals das Vergnügen über Claude Allegre zu berichten. In einem Aprilscherz erklärte ich ihn zum zukünftigen Umweltminister Frankreichs, was von der Klimaskeptikerschar gläubig und ohne es weiter zu hinterfragen (ja, sooo skeptisch sind sie) aufgesaugt wurde. Benny Peiser hat es wohl bei mir gelesen und seinem Kumpel Marc Morano gegeben, der dann daraus einen von A bis Z auf Nichts beruhenden Artikel bastelte. Haben die Beiden es für notig gehalten, den Aprilscherz vielleicht mal zu korrigieren? I wo. Da sie ohnehin nur über Aprilscherze berichten, macht einer mehr oder weniger keinen Unterschied.

Bild 1: Claude Allegre schrieb ein Buch mit dem Titel "L'imposture climatique", das uns hier auf Primaklima noch lange begleiten wird.
Nun ist Claude Allegre also einer der beiden offiziellen und lautesten französischen Hardcore-Klimaskeptiker. Er hat noch nie etwas zum Thema Klima in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht, war in seiner aktiven Zeit Experte für die Geochemie des Erdmantels und hat es dort zu Ruhm und Ehre gebracht. Er ist unter anderem Träger der Goldmedaille der CNRS und Mitglied der Academie de Sciences. Klimaforscher sind für ihn summarisch Mitglieder einer Maffia (wörtlich!), die mit totalitären Methoden (wörtlich!) jedwede Meinung, die nicht dem IPCC entspricht, ersticken. Nicolas Hulot (eine Art Gallionsfigur der frz. Grünen) ist für Allegre natürlich ein "Imbecile", ein Idiot also. Und so weiter, und so fort. Wie originell! Und doch habe ich den Eindruck, so Zeug schonmal gehört zu haben.

Bild 2: "L'imposture climatique" von Claude Allegre, ein Fehler absurder als der nächste.
Nun hat also Ex-Minister Allegre ein Buch mit dem schönen Titel "L'imposture climatique" (Der Klimabetrug) geschrieben, was in allen Details darlegt, was ihm zu dem Thema so eingefallen ist. Bevor es losgeht sei noch gesagt, dass ich lange überlegt habe, ob ich (1) dem Allegre mit zusätzlichen 19.80 € für die "L'imposture" seine Alterspension noch vergolden soll und (2) am Fällen eines unschuldigen Baumes, dessen Cellulose brutal zu diesem Machwerk vergewaltigt wird, schuldig werden soll. Aber egal, ich hab's getan, ich habe das Buch mit tief übers Gesicht gezogenen Schal in einer Bahnhofsbuchhandlung am Gare de Lyon gekauft. Ich habe erst etwa die Hälfte gelesen und ich kann jetzt schon sagen: Es hat sich gelohnt! Jede Seite eine Absurdität, praktisch jede Seite ein gravierender Fehler, eine Fundgrube für Monate von Beiträgen auf Primaklima. Danke, Claude, danke.
Ich bin nicht der einzige der das enorme Potential dieses Werks erkannt hat und auf dem Blog des Liberation Journalisten Sylvestre Huet gibt es bereits reichlich Material. Er hat bereits drei Postings geschrieben, randvoll mit Fehlern, Fehlern, Fehlern aus Claudes Chef d'Oeuvre. Wer Französisch versteht, kann ja dort schonmal reinschaun.
Ich aber fange hier erst einmal ganz sanft, aber doch mit einem Kleinod, welches in seiner funkelnden Eleganz die weiten Hallen dieses Werks ausleuchtet, an. Also, das Spiel beginnt.
Auf Seite 78 schreibt Claude Allegre über Hurrikane und ihren möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel:
L'augmentation des cyclones ou de leur puissance est un sujet débattu. Certains spécialistes comme Wester, Tech ou Kerry Emmanuel pensent que c'est vrai
Was soviel bedeutet wie
Das vermehrte Auftreten von Zyklonen (gemeint sind tropische Zyklonen, GH) oder ihrer intensivierten Stärke ist ein umstrittenes Thema. Einige Spezialisten wie Wester, Tech oder Kerry Emmanuel denken, dass das wahr ist.
Als ich das gelesen habe, dachte ich sofort: Klar. Wester muss ein Druckfehler sein. Das ist natürlich Peter Webster. Und Kerry Emmanuel vom MIT ist natürlich auch bekannt als führender Hurrikan Experte. Aber wer ist Tech? Ein slowakischer Meteorologe, den ich nicht kenne? Ich habe nicht weiter drüber nachgedacht und las dann heute bei Stephane Foucart in der Online Ausgabe der "Le Monde" die Auflösung: Peter Webster ist ja Professor an der Universität "Georgia Institute of Technology" oder kurz "Georgia Tech". Klar, und beim Rumgooglen (hätte er wissenschaftliche Paper gelesen, wäre das nicht möglich gewesen) ist er über "Peter Webster, Georgia Tech" gestolpert. Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es einfach erfinden.
PS. Leser "just me" konnte die lange vermisste Hurrikanexpertin Georgia Tech schliesslich ausfindig machen. Hier ein Foto von Georgia Tech, welches zeigt, wie Sie sich nach einem harten Tag voller Vorlesungen, Examenskorrekturen und dem Verfassen einer Arbeit zum Thema "Potential vorticity deviations in the upper troposphere due to Level 3-4 tropical cyclones" ein wenig entspannt.
Hier ein aktuelles Foto von Professor Tech.
Autor: Georg Hoffmann· 14 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (14)
Ich hatte mal einer Studentin für ihre Abschlußarbeit das Vorlesungsskript eines Oxford-Professors aus dem Netz ausgedruckt. Über dem Skript stand (unter dem Namen des Professors) 'Hilary Term 2000' (so heißt in Oxford das Wintersemester). In der Literaturliste der Arbeit wurde das Skript dann als Gemeinschaftsarbeit von Mark Lackenby und Hillary Term zitiert.
Auch nicht schlecht. Zur Entschuldigung deiner Doktorandin sei gesagt, dass Allegres Buch nicht durch eine Hand gegangen ist, sondern durch die des Lektoren Stab eines der gröszten Editionen Frankreichs.
Ich habe aber noch einen. Es gab ja mal dieses viel diskutierte Paper von Noel Keenlyside zur dekadischen Variabilität. Seit seiner Veröffentlichung wird es von meinen Skeptikern aus unklaren Gründen als das Paper, welches das Ende der Klimaerwärmung besiegelt, gefeiert. Frag mich jetzt nicht warum.
In einem dieser Artikel stand drin, dass "die beiden Kieler Ozeanographen Noel Keenlyside und Emmy Noether dem Klimaschwindel ein Ende gemacht hätten". Ok. Ich zögerte einen Moment. Hmm, ist ja ulkig, dass es in Kiel eine Ozeanographin gibt, die so heisst wie die berühmte Mathematikerin. Kurz nachgeschaut. Es stellte sich heraus, dass Keenlyside ein Emmy-Noether Stipendium erhalten hatte.
Fallstricke überall.
@Thilo Kuessner:
Hilarious!
Wester, Tech. Einfach köstlich!
hier ist die nette
Georgia Tech http://www3.pictures.gi.zimbio.com/Georgia+Tech+Spring+Football+Game+cJckT0WrTnal.jpg (hat sogar ihren Namen auf dem Trikot)
is pretty much a crosspost.
PS: danke, für den Solomon-Beitrag :).
@GHoffmann
Alle Skeptiker ?
Falsch
@just me
Danke dafuer die Georgia endlich gefunden zu haben. Ich erlaube mir den Link oben unter den Text zu setzten. So stelle ich mir einen Hurrikanexperten vor. Immer guter Laune und dynamisch.
@ Georg: Zugegeben, hübsch ist sie ja, diese Ms. Tech. Aber ist die Frisur für eine Hurrikanexpertin nicht etwas unpraktisch? Ich meine, bei mir reicht schon ein klitzekleiner Fönsturm aus, um die Haare heillos zu verknoten...
@Inga
Ms Tech hatte, bevor Sie mit den Hurrikanen anfing, glatte Haare.
Tja, das sind ja richtige Köstlichkeiten und der Herr Allegre scheint sich nicht zu schade zu sein, sich dem "Spot der Wissenden" auszusetzen.
Mich interessiert allerdings noch ein weiterer sachlicher Punkt:
Warum wird im IPCC-2007 Report für die mathematische Begründung des anthropogenen Einflusses auf die Erwärmung der Erde die sog. Fingerprint-Methode angewandt (also praktisch eine statistische Vorgehensweise) und nicht die auf der Spektrallinien-Datenbank HITRAN basierenden Verfahren zum Beweis, dass die Treibhausgase wie CO2 an der Erwármung schuldig sind? Die Radioastronomen z.B. haben darauf ihre Modelle aufgebaut (s. u.a. JR Pardo et al, IEEE-Trans on Antennas and Propagation, 2001, vol 49, 1683-1694).
Ich halte diese Methode für intuitiv wesentlich einleuchtender und sicherlich damit auch schlagkräftiger gegen die Skeptiker!
@Jorge
Geht's primär um die Sache ?
Oder geht's gegen Skeptiker ?
Welches ist den das allgemeine Anliegen ?
Ihr Kommentar ist recht eindeutig und damit vielsagend.
@Jorge
Es wird beides benutzt und beides kommt im IPCC vor. HITRAN Spektren sind in ALLEN Klimamodellen drin und werden bei allen Satellitenanalysen benutzt. Der Strahlungstransport ist DIE Basis der gesamten Klimaphysik. Im dritten IPCC Bericht steht dazu ein bisschen mehr.
Die Fingerprint-Methode gehoert zu den statistischen Detection Methoden. Die Frage ist, ob man bei existierendem Klima-Noise die Aenderung einer bestimmten Variable (sagen wir globale Temperatur oder die Staerke des Monsuns etc etc) bereits dem EInfluss der erhoehten Treibhausgaskonzentrationen zuschreiben kann. Man will ein Signal vom Rauschen trennen.
@GH:
ist IPCC 2007 dasselbe wie TAR? oder schon eine Generation weiter?
bei IPCC 2007 habe ich bislang noch nichts über den HITRAN-Ansatz gefunden. Allerdings habe ich schon einmal woanders (?) gelesen, dass HITRAN (es gibt ja noch andere Datensammlungen, z.B. GEISA oder JPL) in den Modellen eingearbeitet sein soll. Können Sie mir die Quelle (genau!) nennen.
@KG
natürlich geht es mir um die Sache, ich will das ganze verstehen. Hier in Braunschweig (Nachbarstadt) gibt es einen Mathematischen Physiker (Gerlich-Tscheuschner http://www.schmanck.de/Gerlich.html), der massiv bestreitet, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist und es gibt jemanden anders, der wiederum diese Dinge bestreitet (Ebel). Ich bin zwar auch Physiker, aber ich versuche die Dinge auf simple Weise zu verstehen ... und gegen einen theoretischen Physiker, zumal er Professor ist, möchte ich weiß Gott nicht antreten :)
@ Jorge· 02.05.10 · 23:21 Uhr
Ist das ein Freibrief?
Mit einer Gegenstrahlung ist zwangsweise die größere Hinstrahlung verbunden und seit der Entdeckung des II. HS der TD wird immer nur die Summe von Hin- und Gegenstrahlung betrachtet. Für die frühen Physiker (Clausius, Stefan usw.) war die Trennung in Hin- und Gegenstrahlung nur eine gedankliche Rechenvereinfachung.
Wer auf eine gedankliche Rechenvereinfachung (Gegenstrahlung) den II. HS der TD seperat anwenden will, der hat wohl große Physikdefizite.
Da braucht man noch nicht mal weitere Punkte aufzuzählen.
MfG