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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und mit einem Thema aus der theoretischen Kernphysik, bzw Quantenfeldtheorie diplomiert. Anschliessend hat er am Max-Planck Institut Hamburg mit globalen Zirkulationsmodellen ("Klimamodellen") gearbeitet und sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit der Modellierung von isotopischen Spurenstoffen beschäftigt. Seit der Fussballweltmeisterschaft 98 lebt er jetzt in Paris und arbeitet dort am LSCE (Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement) zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Seine Spezialgebiete umfassen die Rekonstruktion des Klimas der letzten 1000 Jahre und die Kopplung des Kohlenstoffzyklus an die Klimaentwicklung auf Paleo-Zeitskalen.

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01. Februar 2010

Superbowl und 1) No sex before marriage 2) No abortion and 3) No doctors

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 32

Nächste Woche ist der Super Bowl, das Finale der US amerikanischen Footballsaison. Ausser Golfen ist mir kein Sport so langweilig und ausser Cricket keiner in seinem Regelwerk so opak gestaltet wie der American Football. Aber das soll hier das Thema nicht sein.

tim_tebow_(2).jpg

Bild 1: Tim Tebow, Quarterback der Florida Gators, hat immer ein Bibelzitat zur Hand.

Rund um dieses Event herum gibt's immer eine Menge lustiger Sachen zu erzählen, ich sag nur Nippelgate. Der Knüller dieses Jahr dürfte ein Anti-Abtreibungs-Video von einer religiös getriebenen Vereinigung namens "Focus on the Family" sein, die (ich habe nur die Hot-Issues angeklickt, nämlich "Sex") z.B. zum Thema Sex das folgende meint:

In the Christian worldview, we have no right to sex. The place where the Church confers that privilege on you is the wedding; weddings are specific acts that grant us permission to have sex with one person.

Da wollen wir mal alle hoffen, dass wir "granted" werden. So weit, so gruselig. Trotzdem kann ich aus meiner Zeit in den USA nicht bestätigen, dass diese Organisation nun gerade das Schmimmste wäre, was es dort in Sachen sexueller Aufklärung oder Abtreibung so gibt. Das geht noch deutlich schlimmer. Ausserdem rufen Sie auf ihrer Seite zu Spenden für Haiti auf und so mag der Herr Ihnen verzeihen.


Also, "Focus on the Family" will einen Spot direkt vorm Anstoss auf CBS schalten, der ungefähr dem Preis einer Villa an der Aussenalster entspricht. Worum soll es gehen? Keiner hat den Spot bislang gesehen, aber im Grossen und Ganzen soll uns wohl Tim Tebow vorgestellt werden. Tim Tebow ist, als die Muskeln vom Herrn verteilt wurden, nicht zu knapp weggekommen. Er wiegt 245 Pfund und ist 1.92 gross und spielt als Quarterback (für alle, die von diesem Sport so wenig Ahnung haben wie ich: dass ist derjenige, der den Ball werfen darf. Fragt mich nicht, warum) bei den Florida Gators. Zur Einstimmung und Motivation lässt er sich vor jedem Spiel Bibelverse ins Gesicht malen. Ich vermute mal eher aus dem alten Testament stammend, denn American Football ist ja nicht gerade ein dann-halte-die-andere-Wange-hin-Sorte von Sport.

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Bild 2: Tim Tebow wird wohl in einem Pro-Life Spot direkt vorm Superbowl Finale auftreten. Ohne Helm.


Worum soll es denn in diesem Spot mit Tim gehen? Nun, Tim's Mama, Pam ,war mit ihm schwanger auf den Philippinen, wo Papa Bob als Prediger arbeitete, und erlitt während dieser Zeit eine gefährliche Infektion. Die Ärzte rieten ihr sehr zu einer Abtreibung, da Ihnen schwere und bleibende Schäden am Fötus sehr wahrscheinlich erschienen. Pam entschied sich ihren religiösen Überzeugungen folgend dagegen und so kam der riesige und putzfidele Tim zur Welt. Und da sie aus ihrer Entscheidung nun eine Regel machen möchte, scheint (sobald der Spot raus ist, wird er auf Primaklima natürlich verlinkt und wir können diskutieren, ob diese Spekulationen gerechtfertigt sind) der Spot ungefähr folgendes zu jungen Mädchen und Frauen zu sagen: Hört nicht auf die gottlosen Ärzte und Wissenschaftler, nur der Herr entscheidet, ob eure Babys gesund zur Welt kommen oder eben nicht. Treibt nicht ab, egal was passiert.


Wie sehr das wirklich die Message des Spots ist und ob er denn bei all der Polemik rund um diese Geschichte nun tatsächlich geschaltet wird, werden wir erst in einer Woche wissen. Die gesamte Mischung, die bei mir im Kopf gerade angerührt wird, nämlich aus amerikanischen Hardcore-Religiösen, Mama Pam, die eine Geschichte von ihrer Schwangerschaft erzählt, Pompom-girls und Blasmusik, anti-wissenschaftlicher Propaganda und dem sublimen Haudraufsport American Football, ist doch arg geeignet, in mir Schwindel- und Ekelgefühle zu wecken.

lucyp.jpg

Bild 3: Lucy Pinder ist oder ist nicht Tims Freundin. So oder so, gefummelt wird nicht.

Abschliessend sei auch noch erwähnt, dass es so sicher nicht ist, dass Tim nicht doch ein paar bleibende Schäden davongetragen hat. Warum? Nun Tim hat nicht nur Bibelsprüche im Gesicht, während er anderen sportlich einen auf die Rübe gibt, er wirbt auch aktiv für "No sex before marriage". Wo soll da der Schaden liegen, werdet ihr sagen? Nun, während ich Tim so hinterhergooglete, tauchte auch eine Bild seiner Freundin auf, die den schon fast nicht mehr zu ertragenden Namen Lucy Pinder trägt. Ach, ich lass euch einfach selber entscheiden, ob der Tim denn nun einen Schaden hat oder nicht.


Autor: Georg Hoffmann· 01.02.10 · 14:25 Uhr· 32 Kommentare

13. Januar 2010

Klimaschmock des Jahres 2009

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 37

So, die Entscheidung ist gefallen. In einem teils erbitterten Kopf-an-Kopf Rennen hat schliesslich Professor Gerhard Schulze die Nase vorn gehabt. Von 59 angegebenen Stimmen hat er schliesslich 27 aus sich vereinigen können. Glückwunsch von Primaklima zum KLIMASCHMOCK DES JAHRES 2009: Prof.Gerhard Schulze.
Ich kann letztlich dieser Wahl nur voll zustimmen und es bleibt mein Bauchgefühl, dass der berühmte Schmetterlingsatz Satz aus Schulzes Welt Artikel auf lange Zeit den Mount Everest der Klimaschmockerie darstellen wird. Hier nochmal Gerhard Schulze im Original mit dem Gewinnersatz:


Auf die Frage, warum eine so winzige Menge (CO2, Anm. GH) Bedeutung haben soll, gibt uns die Chaostheorie eine fast schon volkstümliche, wegen ihrer Poesie allseits beliebte Antwort: Weil der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Taifun auslösen kann.

Narrhallamarsch.

Der "Klimaschmock" hat ja einen schönen Erfolg und die Bewerbungen um den jeweiligen "Klimaschmock des Monats" reissen nicht ab. Aber sind alle Klimaschmocks gleich oder sind einige vielleicht gleicher als die anderen. Primaklima will es genau wissen. Le Grand Prix d'Eurovision de Klimaschmock chez Primaklima est parti. Wählt und führt euch nochmals die schönsten Momente der Klimaschmockerie dafür vor Augen.

Rocky.jpg

Gesucht: Klimaschmock des Jahre 2009

Klimaschmock des Monats Oktober: Frank Ochmann vom Stern möchte das Wohl und Wehe der Klimamodelle an arktischen Temperaturen im frühen Eozän festmachen.

Klimaschmock des Monats November: Soziologieprofessor Gerhard Schulze belegt, dass die ganze Klimaphysik irgendwie mit Schmetterlingen zu tun hat.

Klimaschmock des Monats Dezember: Reductio ad Hitlerum oder warum nicht jeder, der anderer Meinung zu einem Thema ist, gleich ein Stalinist sein muss, sondern erst wenn er auch noch einen komischen Bart trägt.

Primaklima denkt bereits über eine entsprechende Urkunde nach, die den/die Preisträger auch in angemessener Form würdigen. Sponsoren wurden bereits kontaktiert, um einen angemessenen echten Preis auszuschreiben

PS Mein erster Poll. Ich hoffe das funktioniert auch.


Autor: Georg Hoffmann· 13.01.10 · 15:47 Uhr· 37 Kommentare

12. Januar 2010

Klimaschmock des Monats Dezember

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 68

Es gab eine Reihe sehr ernsthafter Bewerbungen für den Klimaschmock des Monats im Dezember. Jörg hat einige der Einsendungen vorsortiert und ordentlich Werbung für die verschiedenen Kandidaten betrieben. Auch auf internationaler Ebene gab es sehr hoffnungsvolle Präsentationen beim Casting. Insbesondere die TV-Wetteransager hielt es kaum noch vor ihren Karten und so bekommt man von Donald Bäcker jetzt zusammen mit dem Islandtief und seinen Ausläufern auch eine zwei Minuten Analyse zum Klimageschehen geliefert, die der klimaskeptische Teil der Menschheit als "mutig" feiert und der eher naturwissenschaftlich-physikalische Teil als etwas fragwürdig empfindet.
Trotzdem konnte auf der Zielgerade dann doch noch ganz klar die "Reductio ad Hitlerum" respective "Reductio ad Stalinensis" einen allseits gefeierten Sieg erringen. Hier noch einmal Godwins Law im Original: "As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches 1."

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Bild 1: Nur notdürftig durch einen Bart getarnt, erklärt Stefan Rahmstorf hier, wie die Klimaguerilla agieren wird. Krieg den Kohlekraftwerken, Friede den Solarzellen!


In der Klimadiskussion ist dieses Vorgehen an sich ein alter Hut, wir leben aber in der Zeit des Recyclings und so muss die ewig gleiche "Ihr-seid-alle-Nazis/Stalinisten-Sauce" immer und immer wieder aufgewärmt werden: Wer sich für Reduktionen von CO2 Emissionen ausspricht, ist ein Klima-Nazi. Wer meint, dass das infrarote Absorptionsvermögen von mehratomigen Molekülen hinreichend bekannt ist, ist ein Klima-Faschist. Wer aus theoretischen und empirischen Überlegungen meint, man könne die Klimasensitivität abschätzen, gehört zur Klima-SS. Wer gar meint, dass eine Vita, wie die von Fred Singer, in der der Betreffende ohne die geringste Expertise in der entsprechenden Materie erst vom sicher unschädlichen Einfluss von FCKWs aufs Ozonloch und dann vom sicher nicht-existierenden Einfluss von Tabak auf so etwas wie Lungenkrebs schwadroniert, einem nicht wirklich Vertrauen einflösst, wenn dann auch noch der sicher nicht-existierende Einfluss von Treibhausgasen aufs Klima hinzugefügt wird, der ist eben ein Klima-Stalinist. Und so weiter, und so fort. Wer auch immer meint, es gäbe Erkenntnisse, hinter die man nicht mehr unnötig und freiwillig zurückfallen sollte, der ist eben ein "-ist", entweder Fasch-, Kommun- oder Totalitar-ist. Oder noch einfacher, man schmiert dieses Schildchen gleich an einfach jedem an den Hut, dessen Meinung einem nicht passt.

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Autor: Georg Hoffmann· 12.01.10 · 13:49 Uhr· 68 Kommentare

28. Dezember 2009

Ist James Cameron eigentlich Darwinist?

Kategorie: Kultur·Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 84

Ich habe diese wissenschaftliche « Besprechung » des Films Avatar von James Cameron auf der Webseite von Sylvestre Huet, Journalist bei der Liberation, gefunden. Wie sein Autor Thomas Heams, der sofort damit einverstanden war, dass ich seinen Text übersetze und hier zweit-veröffentliche, mag ich gut-gemachte Science Fiction sehr und bin da unter den Physikern nicht wirklich eine Ausnahme, um es mal zurückhaltend zu sagen (tatsächlich habe ich noch keine einzige Ausnahme getroffen). Science Fiction erzählen meist nicht so viel über die aktuelle Wissenschaft, sondern wie die meisten Menschen sich Wissenschaft, Wissenschaftler und natürlich die durch diese Wissenschaft geformte Zukunft vorstellen. Es ist meist eine Reise in populäre Irrtümer, die aber doch zeigen, wie sehr Wissenschaft mittlerweile unsere Phantasie befeuert. Der folgende Text hat mir ganz besonders gefallen, weil er genau diese Diskrepanz zwischen eigentlicher Wissenschaft und den allgemein verbreiteten Ideen, die wir über sie haben, aufdeckt.

Thomas Heams ist Maitre de Conférence zum Thema Genetik an der AgroParisTech und Mitherausgeber und Autor von « Les mondes Darwiniens, l'evolution de l'evolution ». (Leider bislang nur auf französisch erhältlich)


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Avatar wirft Fragen nach unserem Verständnis der Evolution und "unserer" Rolle im Universum auf.


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Autor: Georg Hoffmann· 28.12.09 · 08:48 Uhr· 84 Kommentare

21. Dezember 2009

AGU Konferenz San Francisco - Tag 2

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 70

Der zweite Tag hatte einen ganz klaren Höhepunkt, die Verleihung der Bjerknes Medaille an Richard Alley und sein etwa einstündiger Festvortrag. Das Video zum Vortrag findet sich hier. Nun ist es ja nicht jedermanns Sache einen einstündigen englischen Vortrag im Internet anzuschauen (der allerdings lohnt sich, auch die Fragen/Antworten am Ende sind interessant) und so gehe ich nur kurz auf ein paar Punkte ein, geb ein wenig meinen Senf dazu und berichte etwas über die Stimmung beim Vortrag.

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Bild 1: Richard Alley bei seinem Bjerknes Vortrag.

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Autor: Georg Hoffmann· 21.12.09 · 02:11 Uhr· 70 Kommentare

20. Dezember 2009

Ein Tag, wie jeder andere für die Klimaforschung

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 31

Ich hoffe niemand halt das jetzt für kleinlich und korinthentenkackerisch. Mir ist ein Satz in einem gerade auf der Tagesschau Internet-Seite erschienenen Interview mit Mojib Latif aufgefallen. Kopenhagen ist ja gerade mit Saus und Braus ins Wasser gefallen und das Allmende Problem allgemeiner Beschränkungen der Nutzung von etwas, was bisher immer gratis zu haben war, nämlich die Nutzung der Erdatmosphäre als CO2 Halde, ist nur allzu deutlich geworden. Irgendwo im Bermuda-Dreieck zwischen USA , China und den guten Absichten ist der ganze Verhandlungsmarathon im Sande verlaufen. Während tatsächlich jemand wie James Hansen Hurra ruft, da erst alles ganz schlecht werden müsse, um dann aus den Ruinen heraus von grundauf erneuert zu werden, meint Mojib folgendes:

MojibZitat.jpg

Reaktion von Mojib Latif auf das Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen.

Was soll ich sagen? Das ist auch meiner Meinung nach ein schlechter Tag für zukünftige Generationen, ein schlechter Tag für mich, als Bürger, der bestimmte politische Präferenzen hat, meinethalben ist es auch, etwas übertragen gesprochen, ein schlechter Tag furs Klima. Aber für die Klimaforschung? Wenn überhaupt, dann ganz im Gegenteil. Bereits im lang zurückliegenden Bushozaen (bei der Süddeutschen gestohlen) galt doch, je weniger wir am CO2 drehen, umso mehr geben wir für die Klimaforschung aus. Das erstere kostet nämlich richtig Knete, das zweite ist doch praktisch gratis zu haben. Und so sind die Klimafuzzis auch besser beschäftigt und halten sich von den Medien fern.
Um es also nochmal ganz klar zu sagen:
Das war ein Tag, der der Klimaforschung völlig egal sein kann.


Autor: Georg Hoffmann· 20.12.09 · 09:26 Uhr· 31 Kommentare

19. Dezember 2009

Alles was Sie je zu wissenschaftlichen Postern wissen wollten und sich nie zu fragen trauten.

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 11

Poster. Poster sind eine mittlerweile Tradition gewordene Form der Wissenschaftskommunikation. Statt 12.5 Minuten vor 50 Leuten zu sprechen, legt man in möglichst zugänglicher Form sein Schaffen auf ca. 100cm*200cm dar. Vom Abstract bis zu den Conclusions weisen kleine Pfeile den Weg über die wissentschaftliche Wandtapete, gespickt mit kleinen Formeln, Graphiken, Fotos vom Labor etc.. Poster sind häufig besser als in einem dunklen Saal gegen eine Wand anzusprechen und am Ende keine Frage zu bekommen. Sie sind aber auch so ziemlich das Alberndste, was wir so treiben, und stehen bekanntlich als Wegweiser zum Orkus des von Postdoc zu Postdoc-Stelle eilenden desillusionierten Jungforschers: Der Pharmavertreter. Diesen Orkus hat ja bekanntlich Siegfried Bär in seinem exzellenten Macchiavelli für Wissenschaftler, "Forschen auf Deutsch", so trefflich beschrieben. Und so stehen wir da vor unseren Postern als wollte wir Laborzubehör verkaufen und warten darauf, das einer vorbeikommt und eine Frage stellt. "Hey, geh doch nicht weg...."

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Bild 1: Auf der AGU in San Francisco wurden ca. 10000 Poster zu Themen von Plattentektonik bis Stratosphärenchemie vorgestellt. Die entsprechende Posterhalle hat in etwa die Ausmasze der A380 Montagehalle. Hier ein Foto um 7:45 Morgens.

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Autor: Georg Hoffmann· 19.12.09 · 20:13 Uhr· 11 Kommentare

17. Dezember 2009

AGU Konferenz San Francisco - Tag 1 bis

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 51

Endlich mal ein Abend, wie die Skeptiker es sich so vorstellen. Ich sag nur Lachshäppchen. Montag abend hatte ich noch keinen festen Plan, mit wem ich denn nun essen gehen sollte. Am besten erledigt man diese Planung (mit wem, wann, wo essengehen) auf der AGU am ersten Tag, sonst steht man nachher dumm rum. Glücklicherweise traf ich aber in der Masse der aus den Konferenz-Center herausströmenden Geophysiker auf meinen japanischen Kollegen Kabayashi (Name wurde von der Redaktion geändert). Der hatte nämlich im Gegensatz zu mir eine tollen Plan für den Abend. Picarro, eine aufstrebende Silicon Valley Firma, die IR Spektrometer baut und zusammen mit der Firma Los Gatos (ebenfalls hier auf der AGU vetreten) die Welt der Gas- und Isotopenmessungen revolutioniert, hatte nämlich zum Diner geladen. Der momentane Preis eines Picarro-Spektrometers zur Messung von beispielsweise CO2 oder meiner geliebten Wasserisotope (H218O/H216O) liegt bei um die 35000 Euro, wobei der schwächelnde Dollar auch noch hilft. Die Picarros funktionieren "fast" nach dem Motto plug and play und so kann jeder bei sich in der Küche bald sein CO2 messen, die zugehörige Isotopenmessung gibt's gerne als Zuschlag dabei. Wir haben soeben zwei Maschinen gekauft und es sollen wohl auch nicht die letzten werden. Picarro lud also zu einem kleinen Diner ein und Kabayashi schleuste mich einfach mit rein. Während Picarro also die neue Produktstrategie vorstellte fielen 50 aufgekratzte Isotopengeochemiker über die Champagerbestände her. Und ja, ich hatte tatsächlich Lachs zum Hauptgang. Die Skeptiker haben also recht behalten.

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Bild 1: Da kann man gar nicht in Ruhe essen. In den USA wird auch beim stilvollen Diner eisern weiter präsentiert. Ich sass übrigens ganz vorne.

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Autor: Georg Hoffmann· 17.12.09 · 15:34 Uhr· 51 Kommentare

16. Dezember 2009

AGU Konferenz San Francisco - Tag 1

Kategorie: Naturwissenschaften

Ich fang den Tag erstmal recht soft an und gehe zu einer Session, bei der ich sicher nichts verstehe. Sie heisst "The habitable zone" (HZ), und beschäftigt sich mit Überlegungen, wie man in einem x-beliebigen Sonnensystem eigentlich entscheiden kann, ob ein Planet, z.B. einer von denen die Ludmilla hier laufend entdeckt, potentiell Leben aufweissen könnte. Ray Pierrehumbert von Realclimate erläuterte einige Überlegungen, wie man möglicherweise den äusseren Rand der "life zone" weiter von dem jeweiligen Stern verschieben könnte. Die Idee der life zone ist einfach und sicher ein wenig terrazentristisch. Man geht davon aus, dass Leben flüssiges Wasser als Lösungsagent für alle Arten von chemischen Reaktion braucht. Also muss man es irgendwie auf eine Oberflächentemperatur bringen, die zwischen 0 und 100°C liegt (wahrscheinlich eher weniger, da die meisten chemischen C-basierenden Moleküle bei so hohen Temperaturen instabil sind.). Bei unserer Sonne scheint die HZ offensichtlich zwischen Venus und Mars zu fallen. Kommt man zu nah an die Sonne und man hat einen Planeten mit Atmosphäre, so läuft man, wie auf der Venus, mit ziemlicher Sicherheit in einen Runaway-Greenhouse effect herein, mit Temperaturen deutlich zu hoch für stabile C-Chemie.

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Bild 1:
Nein, ist nicht unscharf. Auf dem Titan gibt's nämlich einen anti-Greenhouse effect und daher haben dort die Skeptiker auch das Sagen: Solare Strahlung kommt nicht richtig rein, aber IR kann raus.

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Autor: Georg Hoffmann· 16.12.09 · 00:44 Uhr· 0 Kommentare

14. Dezember 2009

AGU Konferenz San Francisco - Tag 0

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 24

So. Bin gut angekommen, es ist 3 Uhr Nachts und ich bin natürlich hellwach. Das AGU meeting findet zweimal im Jahr statt, aber das Winter Meeting in San Francisco ist gerade für die Amerikaner deutlich attraktiver. Im Moscone Center treffen sich diesmal an die 15.000 Geophysiker, Geologen, Ozeanographen, Modellierer etc. etc. Ich werde versuchen jeden Tag ein kleines Resumé zu posten mit den interessantesten Beiträgen, die heftigsten Diskussionen und den lustigsten Aussetzern. Selbst zu einem schon relativ spezialisierten Thema wie Paleoklimatologie gibt es meist drei bis vier parallele Sessions, so dass man andauernd zwischen den Hörsälen hin und her hüpfen muss. Die kleinen und grossen Stars des Wissenshaftsbetrieb füllen manchmal auch die grossen Hörsäle des Moscone und so mancher Doktorand gibt seinen ersten Vortrag vor fünf schlafenden Jetlag-Opfern am Freitag Nachmittag. Kurz, hier muss man ab und zu mal hin, einfach um auf dem Laufenden zu Bleibenden.

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Bild 1: Icebreaker bei der AGU Konferenz gestern abend. Um Punkt 19 wird der Bierausschank beendet und einem eine medikamentöse Coca Cola Mischung auf Malz-Basis angeboten, zu deren weiterer Beshreibung mir jetzt die Kraft fehlt.

Zwei Fotos von dem gestrigen Icebreaker geben einen Eindruck der schieren Masse an Wissenschaftlern, die sich natürlich mit grossem Eifer aufs Freibier gestürzt haben (es sind viele Geologen hier). Soweit erstmal. Morgen geht's um 8 los mit einem Vortrag von Ray Pierrehumbert. Bis dann.

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Bild 2: Auch wenn man sich dann nach links wendet, ist die zwei Fussballfeld grosse Empfangshalle des Moscone Centers immer noch mit trinkenden und schnatternden Wissenschaftlern übersäht. Euer treuer Chronist musste für diese künsterlische Aufnahme übrigens auf einen Stuhl steigen!


Autor: Georg Hoffmann· 14.12.09 · 12:45 Uhr· 24 Kommentare

10. Dezember 2009

Das warme Mittelalterliche Optimum Teil II: Die Meinung eines Historikers

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 223

Keine echte Analyse, nur ein Zitat. Emmanuel Le Roy Ladurie ist einer der bekanntesten französischen Historiker. Seine Spezialität ist die Geschichte Frankreichs und Europas zwischen Mittelalter und früher Neuzeit. In seinem 1968 erschienen Buch "L'histoire du climat depuis l'an mil" stellt er vielleicht als einer der ersten Methoden vor, wie man aus historischen Daten und Texten Klima-Informationen gewinnen kann.


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Bild 1: Emmanuel Le Roy Ladurie bei sich zu Hause, "Seigneur Meteo" wie ihn Le Figaro nennt.

So arbeitete er beispielsweise mit Weinernte Daten, Getreidepreisen oder auch literarischen Wetterbeschreibungen im 16ten/17ten Jhd. Er ist mittlerweile 80 Jahre alt und seine Vorträge sind ein Ereignis. Vielleicht nicht gerade einmalig organisiert und mit Powerpoint Animationen übersäht (meist zeigt er ein Transparent und fängt einfach bei den Merowingern an, der Rest ergibt sich), aber man merkt, dass man da einer ganzen verdammten Bibliothek gegenübersteht. Der Mann hat die gesamte Geschichtsabteilung der Bibliothèque Nationale gefressen. Beängstigend.

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Autor: Georg Hoffmann· 10.12.09 · 10:08 Uhr· 223 Kommentare

09. Dezember 2009

Moral Maze

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 52

Und hier nochmal das Ganze auf einem leicht höheren Niveau als wir es hier schaffen. Darf man Mails stehlen, darf man Wissenschaft propagieren, darf man Propaganda mit Wissenschaft machen, ist Wissenschaft wirklich so blind, wie sie es gerne wäre und so weiter und so fort.

EIne Debatte bei der BBC mit

Dr Doug Parr, chief scientist Green Peace

Professor John Milbank, Professor of Religion, Politics and Ethics at Nottingham University

Dr Ben Goldacre, full-time medic, science journalist and author of Bad Science

Professor Lewis Wolpert, Emeritus Professor in Cell and Developmental Biology at University College, London.

1H einplanen.

HT James Annan.


Autor: Georg Hoffmann· 09.12.09 · 01:16 Uhr· 52 Kommentare

08. Dezember 2009

Der Anfang vom Ende des Klimahoax

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 69

Der CRU Hack hat alles geändert. Der Klimawandel findet gar nicht statt. Alle haben sich verarschen lassen und jetzt kommt's raus. 15.000 Politiker, Lobbyisten, Künstler, Vertreter des Heartland Instituts, ja sogar ein paar Wissenschaftler haben sich Richtung Kopenhagen einschiffen lassen und jetzt das. Auf Mike's Trick sind sie alle, alle reingefallen. Selbst die Gletscher und die Blümchen sind auf Mike's Trick reingefallen. Das haben sie jetzt davon: Sich blöd zurückgezogen und drei Wochen früher geblüht und jetzt stimmt alles gar nicht. Phil Jones hat die Wetterdaten frei erfunden. Er war zwar nicht in der Lage seine E-Mails und seine Zunge unter Kontrolle zu halten, aber ein paar Millionen Temperaturmessungen konnte er sich locker aus dem Ärmel schütteln und zwar gerade so, angelsächsischer Teufel in Menschengestalt, dass diese Daten so aussehen, wie die der anderen Institute, die zu den vermeintlichen "Temperaturdaten" arbeiten.

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Bild 1
: Hier ist der Betrüger Phil Jones noch guter Dinge.

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Autor: Georg Hoffmann· 08.12.09 · 16:51 Uhr· 69 Kommentare

07. Dezember 2009

Klimaschmock des Monats November

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 67

Gerhard Schulze ist Soziologe und Professor für empirische Sozialforschung an der Universität Bamberg. Er hat es aus dem Stand und ohne jede Probleme zum Klimaschmock des Monats November, wenn nicht des Jahres geschafft, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass der Dezember noch etwas zulegen kann. Normalerweise macht er wohl das, was man von Soziologen erwartet, nämlich meinethalben Bücher schreiben mit solchen Titeln wie: "Jenseits von Babylon. Über die Wiedergewinnung von Intersubjektivitat. "

Er schrieb nun ein Essay in der "Welt", welches zum Dümmsten gehört, was je zum Klimawandel geschrieben wurde, und die Konkurrenz ist wahrlich hart. Schon mit der kurzen Zusammenfassung stösst er sich kraftvoll ab ins Lala-Land zwischen Esoterik und Worthülsen-Rhetorik:

Hinter dem Klima-Streit steckt nur eine fixe Idee. Vieles spricht dafür, dass alles bleibt, wie es immer war. Denn die Erde ist ein sich selbst regulierendes System

Watt ist dat? Was stellt sich ein Professor für Soziologie unter einem "selbstregelnden System" vor? Ich will es gar nicht wissen. Ein brennender Wald ist auch ein sich "selbstregelndes System". Vielleicht soll es im Sinne Richard Lindzens bedeuten, dass die Erde von stark negativen Feedbacks kontrolliert ist? Ach was, es ist einfach so ein dahin geplapperter Wohlfühl-Ausdruck ohne Sinn und Bedeutung, denn schliesslich, kurz danach, fährt Schulze ja fort über die ewig klimaschwankende Erde zu schwadronieren. Also entweder Hü (alles bleibt sowieso wie es ist und regelt selbst) oder Hott (die Erde ist ewig im Wandel und 3°C Erwärmung pro Jhd ist einfach business as usual).

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Bild 1: Eingezogen ins Lala-Land deutschen Klima-Journalismus ist im Monat November Professor Schulze mit seinem Coming Out als bohrender Nachfrager zu einem Thema, an dem er nicht im mindesten interssiert ist. Der Titel "Klimaschmock des Monats November" daher an Soziologie-Professor Gerhard Schulze.

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Autor: Georg Hoffmann· 07.12.09 · 12:32 Uhr· 67 Kommentare

05. Dezember 2009

Das warme Mittelalterliche Optimum Teil I: Bohrlöcher in Pollock/Huang/Sheng GRL 97

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 46

Ich komme wie immer viel zu spät mit der Idee. Florian auf Astrodictum öffnet schon jeden Tag ein Adventstörchen und jetzt sind wir ja schon fast am 2ten Advent. Trotzdem gibt es jetzt die folgenden Tage immer mal einen kurzen Kommentar zu einem der angeblich unzähligen Archive, die eine mittelalterliche Warmzeit belegen. Diese Warmzeit, ihre Ausdehnung und Stärke ist eine sehr umstrittene Sache in der Paläoklimatologie und unzählige Skeptiker-Seiten "belegen" scheinends aus der wissenschaftlichen Literatur heraus, dass diese Warmzeit, irgendwann zwischen dem Tod Karl des Grossen, 814 und der Schlacht bei den Navas de Tolosa, 1212, es eine Epoche gegeben hat, die so offensichtlich viel wärmer war, als es das heute ist.

LastMilleniumIPCC.jpg

Bild 1:Paleo-Rekonstruktionen der Nordhemisphäre über die letzten 1000 Jahre aus dem IPCC AR4.

Die folgende Abbildung ist aus dem IPCC und zeigt die verschiedenen Rekonstruktionen der nordhemisphärischen Temperaturen, die soweit zurückreichen. Das folgende ist die sehr gemessene und vorsichtige Zusammenfassung im IPCC:

The evidence currently available indicates that NH mean temperatures during medieval times (950-1100) were indeed warm in a 2-kyr context and even warmer in relation to the less sparse but still limited evidence of widespread average cool conditions in the 17th century (Osborn and Briffa, 2006). However, the evidence is not sufficient to support a conclusion that hemispheric mean temperatures were as warm, or the extent of warm regions as expansive, as those in the 20th century as a whole, during any period in medieval times (Jones et al., 2001; Bradley et al., 2003a,b; Osborn and Briffa, 2006).

PS Die gleichen Autoren (Pollock, Huang) haben sich die tiefen Bohrlöcher nochmal angesehen und kommen zu wesentlich anderen Resultaten. Das LGM ist jetzt NH weit ca -4.5° kaelter (viel besser, aber vielleicht immer noch nicht kalt genug) und das MWP ist da, aber ungefähr 0.5 kälter als es da heute ist. Neben all den Anmerkungen oben und in den anderen Links sei daran erinnert, dass wegen der immer gröberen Auflösung des Temperatursignals in der Verangenheit stärkere T-Variationen in den geglätteten Temperaturenkurven verborgen sein könnten.
Zum Artikel geht's hier.
H/T Flamme

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Autor: Georg Hoffmann· 05.12.09 · 18:55 Uhr· 46 Kommentare

03. Dezember 2009

Forschung ist zu teuer. Heute: der Lamborghini Gallardo

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 13

Forschung ist ja bekanntlich unnütz und reine Geldverschwendung. Klimaforschung ist so gut wie oder tatsächlich kriminell. Höre ich hier ja laufend.

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Bild 1: Grosse Freude herrschte bei den Carabinieri als endlich das so bitter notwendige Fahrzeug für ihre Einsätze gefunden war.

Angeblich bekommen wir Milliarden (muss ich immer wieder lesen) und verprassen Sie bei Lachshäppchen in Saint Raphael. Für die Freunde des schlanken Staats ist daher das Folgende eine zwiespältige Nachricht. Einerseits möchten Sie den Staat auf Polizei und Militär einschränken, um die ganzen unnützen Kosten zu sparen, andererseits sind auch diese nicht gänzlich frei von Schuld.

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Autor: Georg Hoffmann· 03.12.09 · 14:38 Uhr· 13 Kommentare

Groundhog day: Ein November genau so warm wie ein Oktober

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 20

Der DWD berichtete etwas ausführlicher über den November diesen Jahres mit sehr warmen und feuchten Wetter praktisch überall in Deutschland:

Mit durchschnittlich 7,3 Grad Celsius (°C) fiel der November 2009 um 3,3 Grad zu warm aus. Er gehört damit in Deutschland zu den drei wärmsten Novembermonaten seit 1881. An zahlreichen Orten wurden die alten Rekorde der Durchschnittstemperaturen überboten, wie z.B. in Hamburg-Fuhlsbüttel in einer seit 1891 bestehenden Reihe. Massive Warmluftvorstöße auf der Vorderseite von Tiefdruckgebieten ließen die Temperaturen besonders in der zweiten Monatshälfte in Süddeutschland mehrmals auf Werte um 20 Grad ansteigen. So meldete Freiburg am 20. ein Maximum von 20,9°C und Müllheim südwestlich von Freiburg am 25. 20,4°C. Noch höher kletterte das Quecksilber in Müllheim am 17., als das Thermometer bereits am Vormittag 21,6°C zeigte. Mehr als ein Drittel aller Stationen blieb im November frostfrei. Die tiefste Temperatur wurde am 1. in Dippoldiswalde-Reinberg südlich von Dresden mit -6,6°C gemessen.

HistogNov09_Page_1.jpg

Bild 1: Histogramm der November Anomalien verschiedener DWD Stationen.

All-Time-Temperatur-Rekorde wurden also unter anderem in Hamburg (Beginn 1881) und generell im Norden Deutschlands gebrochen, wo der November (+8.6°C in Hamburg) teilweise wärmer als der Oktober (+8.4°C) war. Müsste ich einkommende Klimadaten prozessieren, würde mich so etwas erstmal an einen Fehler denken lassen, aber so sieht es aus. Nach dem April 2009 (wärmster in Deutschland mit teilweise riesigem Abstand) nun also noch der November, der vom DWD unter die drei wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichungen gezählt wird.

HistogNov09_Page_2.jpg

Bild 2: Das Gleiche wie Bild 1.

Graphisch kann man so etwas ja meist besser abschätzen, drum hier für die sieben ältesten DWD Stationen eine Histogrammdarstellung. Sie zeigt alle November-Anomalien der jeweiligen Station und wo das Jahr 2009 in dieser Verteilung lag.
Mein ceterum censeo: Kein Wetterereignis ist an und für sich ein Beleg für die globale Erwärmung, aber die Theorie der globalen Erwärmung beeinhaltet, dass solche Extreme überall immer häufiger werden müssen.

Hier die fünf wärmsten November in aufsteigender Reihenfolge für die 7 Stationen:

Fichtelberg:2003 1926 2009 1938 2006
Hannover: 1913 1951 1899 2006 2009
Trier: 2006 1951 1963 2009 1938
Zugspitze: 1967 1994 2003 1984 1953
Potsdam: 1899 2009 2006 1938 1963
Hohenpeissenberg: 2006 1926 1984 1938 2009
Hamburg: 2000 1963 1994 2006 2009


Autor: Georg Hoffmann· 03.12.09 · 10:37 Uhr· 20 Kommentare

02. Dezember 2009

Phil Jones als Direktor zurückgetreten

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 91

Anscheinend hat die Polizei in England einen hinreichenden Anfangsverdacht gesehen, um eine vor zwei Tagen eingegangene Klage zum Verstoss gegen das britische FOI (Freedom of Information Act) Gesetz anzunehmen. (Diese Information ist über zwei Ecken und anonym zu mir gekommen, sie ist nicht bestätigt). Phil Jones hatte im Laufe des Tages seinen vorläufigen Rücktritt erklärt und zwar solange, bis die erhobenen Vorwürfe geklärt sind. In der obigen AP Meldung bezog er sich aber auf einen hausinternen (University of East Anglia) Review seiner Arbeiten und insbesondere seiner Behandlung eingegangener FOI Anträge . Bei den angeblich verschwundenen "Daten" handele es sich um meteorologische Stationsdaten, die in den Zeiten bevor man sich Teraplatten für ne kleine Mark kaufen konnte in den 80ern weggeschmissen wurden. Dies sei, so entnehme ich einem Times Online Artikel, vor der Zeit Phil Jones als Direktor des CRU geschehen.

geruchte.jpg

Top-Gerüchte brauchen anonyme und im Konjunktiv verharrende Informationsquellen.


Anscheinend hat Jones das aber im gleichen Interview noch anders dargestellt:

According to CRU's Web site, "Data storage availability in the 1980s meant that we were not able to keep the multiple sources for some sites, only the station series after adjustment for homogeneity issues. We, therefore, do not hold the original raw data but only the value-added (i.e. quality controlled and homogenized) data." Phil Jones, director of the Climatic Research Unit, said that the vast majority of the station data was not altered at all, and the small amount that was changed was adjusted for consistency. The research unit has deleted less than 5 percent of its original station data from its database because the stations had several discontinuities or were affected by urbanization trends, Jones said. "When you're looking at climate data, you don't want stations that are showing urban warming trends," Jones said, "so we've taken them out." Most of the stations for which data was removed are located in areas where there were already dense monitoring networks, he added. "We rarely removed a station in a data-sparse region of the world." Refuting CEI's claims of data-destruction, Jones said, "We haven't destroyed anything. The data is still there -- you can still get these stations from the [NOAA] National Climatic Data Center."
Das Offensichtliche sei nochmal wiederholt. Wenn etwas Illegales unter seiner Verantwortung oder gar durch ihn passiert ist, muss er sich verantworten.

Unabhängig davon bin ich nachwievor absolut sicher, dass die HadCRU Temperaturdaten völlig ok sind. Es gibt bei der Bearbeitung solcher Datensätze, der Homogenisierung von Stationsdaten und ihrer Mittelung und Interpolation, immer ein subjektives Element. Jones hätte seine Daten schon längst publik machen sollen und diese "Diskusson" der skeptischen "Fachkräfte" ertragen müssen. Jim Hansen hat auch seinen Code und Daten verfügbar gemacht, sodass jeder die GISST Abschätzungen selber nachvollziehen kann. Nach einigem Herumgewirbel der üblichen Verdächtigen ist absolut nichts übrig geblieben. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung war Ruhe im Schacht.
Diese Kritik gilt, wenn ich auch Jones Argument, dass er keine Lust habe, den Rest seiner Tage damit zu verbringen Hinz und Kunz den Code zu erklären, noch verstehen kann.
Soweit erstmal.

PS Ich will hier nicht als Gerüchteschleuder tätig werden und werde diesen Artikel sofort korrigieren, wenn sich davon etwas (insbesondere den Anfangsoinformationen) nicht bestätigen sollte.


Autor: Georg Hoffmann· 02.12.09 · 00:08 Uhr· 91 Kommentare

01. Dezember 2009

Von Kyoto zu Kopenhagen: Wie sieht es aus bei den CO2 Flüssen?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

Kopenhagen steht vor der Tür. Einige Publikationen kamen punktgerecht heraus, um die Verhandlungen noch mit frischem Futter zu versorgen. Der Copenhagen Diagnosis Report sollte eine Art Aufrischung des IPCC AR4 darstellen. Der ist aber erst 2 Jahre alt und so steht ungefähr das Gleiche drin. Soo viel passiert ja nun auch nicht bei uns im Business. Darum fand ich den Report auch nicht wirklich spannend. Und ob es bei den doch sehr politischen Verhandlungen hilfreich ist, zu wissen, was das Seeeis 2007-2009 gemacht hat, wag ich doch zu bezweifeln. Manchmal fände ich da ein bisschen mehr Coolness ganz gut: "Es gibt nichts Neues, Wissenschaft braucht Zeit und ansonsten reden wir über Abläufe, die Dekaden dauern." Ausserdem, wenn schon aktuell, dann aber auch richtig: Es fehlen im Report die arktische Meereisbedeckung 2009 (ging rauf) genauso wie die CO2 Emissionen 2009 (gehen runter, siehe unten).

CO2Emissionen.jpg

Bild 1: CO2 Emissionen nach Raupach et al. 2007 und Le Queré et al. 2009. Der Wert für das Jahr 2009 ist natürlich abgeschätzt, ebenso wie der mögliche weitere Verlauf der Emissionen.


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Autor: Georg Hoffmann· 01.12.09 · 11:42 Uhr· 14 Kommentare

25. November 2009

Gelesen: Arktisches Monopoly

Kategorie: Politik·Themenwoche  ·  Kommentare: 27

Der Klimawandel fällt in der Arktis im weltweiten Vergleich am stärksten aus und seine Auswirkungen sind dort am augenfälligsten. Ich habe hier schon mehrmals berichtet wie sich die verschiedenen Arktis-Anrainerstaaten auf diesen Wandel einstellen, strategisch-politische Entscheidungen treffen, Investitionen tätigen und doch manchmal so tun, als gäbe es keinen Grund, vom Klimawandel überzeugt zu sein (etwa hier und hier). Christoph Seidler schreibt beim Spiegel häufig zum Thema Klimawandel, internationale Verhandlungen und zur Arktis im besonderen. Jetzt hat er im "Spiegel Buchverlag" ein Buch zum Wandel in der Arktis veröffentlicht: "Arktisches Monopoly".

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Bild 1: Arktisches Monopoly von Christoph Seidler erschienen im Spiegel Buchverlag


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Autor: Georg Hoffmann· 25.11.09 · 18:18 Uhr· 27 Kommentare

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