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Ludmila Carone ist Planetologin an der Universität zu Köln in der Abteilung Planetenforschung des Rheinischen Instituts für Umweltforschung.
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13.08.09 · 13:02 Uhr
Der weiße Fleck auf der Venus
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Ist ja klar. Kaum ist man im Urlaub passiert was Spannendes auf der Venus. Und wer hat's entdeckt? Ein Amateur-Astronom!
Frank Melillo aus Holtsville, New York, sah am 19. Juli einen hellen weißen Fleck auf der Venus.
![]()
Bild (Melillo/Maxson/ESA/University of Wisconsin-Madison/ALPO): Neben Melillo hat auch ein weiterer Beobachter names Paul Maxson den Fleck aufgenommen.
Anscheinend hat Dimitry Titov vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau diesen Fleck auch in den Bildern der Infrarot-Kanäle des Instrumentes VIRTIS an Bord von Venus Express gesehen. Etwa vier Tage vorher scheint der Fleck bereits bestanden zu haben:

Bild (ESA, MPS)
Man konnte wohl auch sehen, dass er sich ein paar Tage später auflöste.(1)
Jetzt könnte man sich fragen, warum die Berufsastronomen den Fleck nicht zuerst gesehen haben. Darauf kann ich nur müde antworten: Zu wenig Personal, nicht die nötige Ausstattung in der Infrastruktur, viel zu viele Daten. Hallo? Wir beobachten mal eben eine ganze Welt mit sehr unterschiedlichen Methoden. Wir sind hier nicht auf Raumschiff Enterprise, wo die Wissenschaftsoffiziere eben mal kurz irgendwo reinschauen und direkt alle relevanten Informationen zur Hand haben. In der Realität muss man die Daten erst mal sammeln, auswerten und kann die dann erst anschauen. Das dauert eben und ist nicht ganz so einfach. Der Tag hat nur 24 Stunden und zudem sind dummerweise gerade viele Kollegen auf Konferenzen und Meetings unterwegs oder einfach im Urlaub.
Wir haben jedenfalls zumindest in Europa keine Chance die Daten zeitnah zu sichten. Wir werden auch nicht dafür bezahlt. PR ist Nebensache, auf die wissenschaftlichen Veröffentlichungen kommt es an. Wenn also etwas heute auf Venus explodiert oder einschlägt, dann erfahren wir davon erst Tage oder Wochen später. Oder eben ein Amateur macht die erste Entdeckung.
Was ist die Ursache für den Fleck?
Ein Einschlag wie beim Jupiter letztens? Könnte ja durchaus sein. Der Weltall ist groß, da übersieht man schon mal den einen oder anderen kleinen Berg, der da so rumschwirrt.
Ein Vulkanausbruch? Von den Radarbildern her wissen wir, dass die Venus Vulkankegel hat. Auch ist bekannt, dass die Oberfläche der Venus insgesamt gerade mal einige hundert Millionen Jahre also vergleichsweise jung ist. Man bedenke, dass wir hier auf der Erde schon mal Gesteine finden, die Milliarden Jahre alt sind. Ein Vulkanausbruch wäre also durchaus denkbar, auch wenn der Fleck weiter südlich von den bekannten vulkanischen Gebieten liegt und bislang noch niemand einen Vulkanausbruch auf der Venus beobachtet hat.
Was aber rein gar nichts zu bedeuten hat.
Zum einen ist die Venus dummerweise immer von dichten Wolken verhüllt und zum anderen schauen wir noch gar nicht so lange drauf. Bevor Venus Express dort ankam, war Magellan die letzte Sonde, welche den Planeten umkreiste. Das war von 1990-1994 und da war auch "nur" ein Radar an Bord.
Ich vermute mal, dass in den nächsten Wochen und Monaten da noch einiges bei rumkommen wird, wenn die Leute ihre Daten analysieren und vergleichen. Aber eines ist jetzt schon klar: Was immer diesen Fleck verursacht, es muss gewaltig gewesen sein. Schließlich ist die Venus von einer extrem dichten Lufthülle umschlossen. Die so zu erhitzen, dass es von der Erde aus sichtbar ist, dafür braucht es schon eine Menge Energie.
Quelle: New Scientist, Mysterious bright spot on Venus.
---------
(1) Ich stütze mich da jetzt vor allem auf die Meldung vom New Scientist, denn ich kann weder bei der MPS noch bei der ESA Pressemitteilungen dazu sehen. Viele Kollegen sind derzeit einfach nicht erreichbar. Mal sehen, was da demnächst diesbezüglich reintrudelt.
Autor: Ludmila Carone· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Vor ein paar Tagen scheint es aber eine Art Stellungnahme der Venus-Express-Leute zu dem Phänomen gegeben zu haben - im Original habe ich es auch nicht gesehen, aber hier wird sie ausgiebig zitiert. Fazit: Am wahrscheinlichsten ein dynamisches Phänomen der Venusatmosphäre selbst, ohne äußeren Anlass von unten oder oben.
Ich kram das mal grad raus: gibt es da neue Informationen?
Ich weiß von nichts. Muss Kollegin wieder nach fragen.