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Ludmila Carone hat in ihrem Leben Raumsonden nach ihrem Willen tanzen lassen, extrasolare Planeten mitentdeckt und die dynamische Entwicklung von Planetensystemen simuliert.

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26.02.09 · 13:10 Uhr

Kardinal Meisner versteht Karneval nicht

Kategorie: Kultur·Politik  ·  Kommentare: 9

Ok, eigentlich ist hier seit gestern alles vorbei und ich hatte dieses Jahr sowieso wenig Lust auf Karneval, aber die kleinen Skandälchen rund um die rheinländischen Mottowagen sind dann doch eine Erwähnung wert:

Da ich ein Immi bin, darf ich es sagen: Die Düsseldorfer waren mutiger und auch besser als die Kölner.

Da ich nicht weiß, wie das so mit den Bildrechten ist, verweise ich jetzt mal auf den humanistischen Pressedienst:Joachim Kardinal Meisner fand die Darstellung des Papstes, der dem Teufel - in Gestalt des Pius-Bruders Williamson - die Hand reicht, grässlich: „Die Darstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch verletzend!"

Ach wirklich? Was meint der Kardinal wohl, wie toll es Holocaust-Überlebende und deren Angehörige finden, wenn die Kirche einen Holocaust-leugnenden Bischof wieder mit offenen Armen empfängt?

Und jetzt tut die katholische Kirche offiziell so, als ob denen Williamson verquere Ansichten völlig entgangen wäre. Immerhin zeigt sich, dass Argentinien für Antisemiten auch nicht mehr das ist, was es mal war: Richard Williamson wurde ausgewiesen.

Überhaupt die Pius-Bruderschaft. Das ist genau so ein rückwärtsgewandter, intoleranter, autoritärer Klüngelclub wie Opus Dei. Ja, der Opus Dei aus dem unsäglichen Buch "Da Vinci"-Code. Die Darstellung von Dan Brown sollte man aber nicht für bare Münze halten, denn der steht ja mit Recherche auf dem Kriegsfuß. (1)

Beide Gruppierungen möchten am liebsten das Zweite Vatikanische Konzil und die Aufklärung wieder rückgängig machen und machen aus ihrer Gesinnung auch nicht wirklich einen Hehl. Selbst wenn Williamson kein Holocaust-Leugner wäre, so setzt der Papst mit diesem freundlichen Empfang für die Piusbruderschaft genau das falsche Signal an alle aufgeklärten Gläubigen hierzulande.

Tja und während die Düsseldorfer Zähne zeigten, hatten wir in Kölle ein Kölsches Nippelgate. Weil der Mottowagen mit der nackten Angie als zu freizügig empfunden wurde, musste mit einem Mini-Bikini nachgebessert werden.

"Unter die Gürtellinie, zu freizügig, amtsentwürdigend", hieß es dann auf einmal.

Äh hallo? Karneval sollte eigentlich genau dafür da sein?
------------
(1) Auch bei Belletristik halte ich es für ein Armutszeugnis, wenn ein Schriftsteller einem Bauwerk, das bekannt dafür ist, eben keine Treppen zu haben und sehr bequem zugänglich zu sein, auf einmal ein enges Treppenhaus verpasst. War dem eine Stunde Internetrecherche zuviel? Hätte es soviel an der Story geändert, wenn er den Schauplatz wahrheitsgetreu beschrieben hätte? Wozu versetzt man bitte eine Geschichte an einen realen Schauplatz, wenn man den dann ohne Not bis zur völligen Unkenntlichkeit verzerrt?

Das ist doch keine Künstlerische Freiheit sondern für mich eher ein Zeichen von Faulheit seitens des Schriftstellers. Ich hab mich anschließend richtig geärgert, dass ich für Diabolus Geld ausgegeben habe. Auch wenn das Buch ein Geschenk an meinen Mann war, weil der Dan Brown so gerne liest. 0815-Hollywood-Story vom Fließband. Ok. Aber Recherche-Faulheit mag ich nicht auch noch belohnen.

 

Autor: Ludmila Carone· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (9)

Kommentar-Direktlink Christian A.· 26.02.09 · 13:48 Uhr

Mein Tipp für einen Ratgeber in allen Lebenslagen: "Das Foucault'sche Pendel", von Umberto Eco.
Hat den sehr erwünschten Nebeneffekt, dass man D.B. danach in die Tonne kloppen kann.

Kommentar-Direktlink Hansgerd Zappenduster· 26.02.09 · 15:27 Uhr

Ich bin der festen Überzeugung, dass "datt kölsche Nippelgate" von den jecken Köpp da selbst angezettelt wurde. Ansonsten wäre wohl niemand auf die Idee gekommen die blanke Dame als unsere Kanzlerin zu identifizieren. Ähnlichkeit war nämlich keine da (und lustig war's auch nicht).

Kommentar-Direktlink Stefan· 26.02.09 · 15:49 Uhr

Sorry, aber mit dem rheinischen Karneval und deren Motivwagen kann ich eh nichts anfangen. Ich finde die weder lustig noch geistreich. Wenn Herr Meisner sich darüber aufregt, wertet er diesen Quatsch nur auf - klassisches Eigentor.

Kommentar-Direktlink Jane· 26.02.09 · 21:40 Uhr

Meisner ist selbst ein ziemlicher Hassprediger, wie Volker Beck völlig korrekt festgestellt hat. Jemand der so gegen Homosexuelle hetzt braucht nicht angesichts eines Karnevalwagens das verletzte Seelchen zu geben.

Kommentar-Direktlink Andreas Kyriacou· 27.02.09 · 00:30 Uhr

„Die Darstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch verletzend!"

Vielleicht hatte sich der Teufel bei Meisner beklagt?

Überhaupt nicht verletzend ist aus Sicht eines Hardcore-Katholiken hingegen wohl die Aussage des Pius-Oberbruders Franz Schmidberger, das Abreissen eines Armes einer Jesus-Statue sei «objektiv eine schwerere Sünde als der Terroranschlag von New York».

Kommentar-Direktlink Tark.V· 27.02.09 · 12:55 Uhr

Hallo zusammen,
das ganze religiöse Getue sollte wirklich nicht noch durch Beachtung aufgewertet werden. Das "Darwin-Jahr" sollte wirklich zum Anlaß genommen werden, dasa Ganze in seine Schranken zu weisen.
http://giordano-bruno-stiftung.org/p_eday/petitionbook.php ist ein guter Anfang.

Kommentar-Direktlink Bartleby· 27.02.09 · 15:08 Uhr

Wenn Meisner nur den Karneval nicht verstehen würde, wär's nicht so schlimm...
Im Mittelalter wurden viel derbere Karnevalsscherze auf Kosten der Kirche getrieben. Da war der Karneval noch RICHTIG anarchisch.
Den Meisner nimmt doch sowieso kaum einer noch ernst. Der hat doch sozusagen Narrenfreiheit...

Kommentar-Direktlink klaus· 27.02.09 · 16:11 Uhr

Was soll's, ich versteh auch den Kardinal nicht.

Kommentar-Direktlink eckhard behrendt· 31.03.09 · 23:57 Uhr

es ist unglaublich schwer, leserbriefe zu religioesen Themen zu lancieren: bei Focus-online wird nahezu alles abgelehnt.
In der "Berliner Zeitung" war es mir jedoch gelungen, meine Meinung unterzubringen: warum regt Ihr Euch über den Papst auf? Augeregtheit ist angebracht anläßlich der Leugnung des Holocaust durch Williamson. Daß der Papst ihn jedoch rehabilierte, spricht dafür daß es menschlich ist, dass auch der Papst sich irrt. In diesem Falle ist er mir sehr sympathisch - möge er doch nur dazu stehen!!!!
Auf einer unglaublich anderen Seite des Umgangs der Menschen untereinander steht die Forderung des Meissner-Kardinals: Er predigt die Unfehlbarkeit und Unkritisierbarkeit des Papstes - von welchem Stern ist er?

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