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22.01.09 · 18:33 Uhr
Traut keinen Pressemitteilungen
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 5
oder seid zumindest sehr, sehr vorsichtig damit.
Das sieht man immer wieder und auch Hollyday Junction hat ein Beispiel einer Pressemitteilung gefunden, die bei ihm den Bullshit-Detektor auslöste, aber für einen Laien - sprich die meisten Journalisten - kaum als Blödsinn zu erkennen ist.
Wieso man zumindest naturwissenschaftliche Kenntnisse der Mittelstufe haben sollte, wenn man medizinische Pressemitteilungen herausgibt...
Ich muss zugeben, ich hätte die Pressemitteilung auch nicht als "Müll" eingeordnet. Biologie ist nicht so mein Metier und mein letzter Biologieunterricht liegt auch schon über ein Jahrzehnt zurück. Immerhin, meine allererste "Forschungsarbeit" als kleiner Stöpsel ging über Glücksklee.
Im Nachhinein ist es allerdings seltsam, dass der Glücksklee tatsächlich das Ende der Versuchsreihe erlebte. Derzeit ist einer meiner beiden Bonsais nur ein verschrumpelter Baum mit ein paar braunen, vertrockneter Blättern an den Ästen. Ob der noch mal im Frühjahr wiederkommt?
Autor: Ludmila Carone· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Gottchen, jetzt lass' ich mich doch schon wieder auf die Diskussion ein, die wir schon mehrfach geführt haben, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Aber fangen wird doch mal mit dem an, was Du ja selbst sagst: "Ich muss zugeben, ich hätte die Pressemitteilung auch nicht als "Müll" eingeordnet." Eben. Wenn man kein Fachmann auf dem Gebiet ist, würde man das bovine Exkrement in diesem Text nicht sofort riechen können. Und können wir uns darauf einigen, dass Wissenschaftsjournalisten - selbst solche, die promoviert sind - nicht auf ALLEN Gebieten Fachleute sein können. Dafür ist Wissenschaft inzwischen wirklich zu komplex. OK?
Gut. Daraus folgern doch nur diese Alternativen: Journalisten dürfen nur über das schreiben, worin sie akademisch ausgewiesene Experten sind. Alle anderen Themen sind tabu und finden dann halt nicht statt. Hmm. Finde ich unbefriedigend, weil damit die Masse der Themen schon mal ausscheidet, was ja auch nicht im Interesse der Wissenschaft liegt. Alternative zwei: Journalisten glauben gar nichts, was in Pressemitteilungen steht, sondern recherchieren alles selbst nach, von den Credentials und Biographien der Forscher über die biochemischen Grundlagen oder die geographischen Koordinaten der Arbeit bis hin zu den spezifischen Details der berichteten Resultate. Auch nicht befriedigend, weil das gar nicht zu schaffen wäre, und dann die Wissenschaftsseiten wieder nur weißen Raum für Notizen lassen müssten ...
Dritte Möglichkeit: Vertrauen auf ein Minimum an Professionalität - beiderseits! Wenn Uni-Pressestellen Mist verzapfen und die Forscher, um deren Arbeit es geht (und die ja diesen Mist sofort erkennen würden), sich - wie Tobias und Du selbst schon arumentiert haben - nicht die Zeit nehmen können, die Texte noch einmal quer zu lesen, dann halte ich als Journalist dies für einen Vertrauensbruch. Nicht viel anders, als wenn mich ein Politiker oder Geschäftsmann im Interview anlügt. Ihr hab das Recht, von uns zu erwarten, dass wir mit dem Material, das Ihr uns liefert, ordentlich umgehen und keine kleinen grünen Männchen erfinden. Aber warum dürft Ihr - und packe damit bewusst die Wissenschaftler und die Pressestelle in einen Sack (nach außen stellt sich das nämlich als eine Einheit dar)- dann schlampig mit den Fakten umgehen und Euch dann darauf zurückziehen, dass halt Fehler in der Eile passieren? Wenn ich meinem Taxifahrer die falsche Adresse oder eine irreführende Wegbeschreibung gebe, darf ich ihn ja auch nicht dafür anmachen, wenn er sich verfährt, oder? Das ist es, was ich mit dem Vertrauen in Professionalität meine.
hm.
ich glaube, genau das will Ludmilla hier sagen!
Pressereferenten haben es aber auch nicht immer leicht - auch weil die Fachleute sie oft als lästig empfingen. Wenn man mal nach zuhört, wie sich 3 von denen gegenseitig ihr Leid über die Fachabteilungen klagen....
Aber dermaßen grober Unfug sollte schon vermieden werden. Zumindest die eigenen Pressemitteilungen sollten gewissen Qualitätsstandards genü
@Jürgen: Sicherlich wäre das wünschenswert. Aber in der Realität ist es halt nicht so einfach. Es geht eben auch schon mal schief.
Pressemitteilung umschreiben, wird schon stimmen, ist dann zuwenig. Manchmal reicht auch ein wenig Nachdenken, um misstrauisch zu werden.
Die Pressestelle will schließlich ein Produkt verkaufen. Die Uni/Forschungsinstitut etc. und erzählt daher oft einfach nur einen Teil der Geschichte. Jeder will auch z.B. der erste bei etwas sein und was ganz Tolles verkaufen. Da wird halt gerne übertrieben und manchmal schießt man da auch über's Ziel hinaus.
Im übrigen sind deutsche Pressestellen auch immer stark unterbesetzt, dass es eben auch mal schief gehen muss. Das ist dann genau so, wie bei Euch Journalisten. Da sitzen ein oder zwei Leute, die mal eben für ein alle Fachbereiche verantwortlich sind und dann schnell, schnell eine tolle Pressemitteilung aus einer drögen Nachricht zaubern sollen. Am besten vorgestern ;-)
Für Rückfragen bleibt dann manchmal keine Zeit, weil der Forscher dafür gar kein Interesse an Pressearbeit hat/ auf Tagung ist usw. usf.
Ich wäre schon froh, wenn man sich der Problematik ganz grundsätzlich mal bewusst wäre und bei besonders lauten Nachrichten halt auch mal zum Telefon greift und einen vertrauenserweckenden Experten anruft und den mal fragt, was der davon hält.
Das ist auch schon alles.
Und ja, ich finde auch, dass man manchmal die Pressestelle und die Forscher selbst anranzen kann, wenn die völligen Mist bauen. So, wie bei der Biologiemeldung hier. Anscheinend hat da keiner drüber gelesen und dann wartet man lieber einen Tag, als ein verhunze Pressemitteilung rauszuwerfen.
@Ludmila
Prima, dann sind wir uns im Prinzip ja einig. Denn natürlich ist es professionell unvertretbar, wenn Pressemitteilungen von Zeitungen nur umgeschrieben (oder schlimmer noch: komplett im Wortlaut übernommen) werden. Und dass man sein Hirn beim Schreiben benutzen muss, ein ausreichendes an Skepsis mitbringt, Zusammenhänge und Widersprüche erkennen sollte und auch wenigstens mal eine schnelle Stichwortrecherche (und wenn's Wikipedia ist) zu den Schlüsselbegriffen versucht, das ist für einen Journalisten eigentlich so selbstverständlich wie das Einhalten der Verkehrsregeln für den von mir erwähnten Taxifahrer. Nur: Selbst beim besten Bemühen passieren Fehler, und darüber ärgert sich niemand mehr als der betroffene Journalist (geht mir jedenfalls so – über einige gräme ich mich sogar noch nach Jahren). Aber wie in jedem Beruf werden hier halt unausweichlich auch mal Fehler gemacht. Mich ärgert vor allem der Ton, wenn dann mal wieder die Journalisten als faule Versager präsentiert werden. Genau so kommt die Medienkritik leider nur all zu oft rüber ...
Ich will mich jetzt doch noch kurz einschalten, wenn auch ein wenig verspätet.
Ich erwarte sicher nicht, dass jemand anderes als Biologen die Geschichte mit der junk DNA als Problem in einem Text erkennen. Es gibt weiß Gott genug Biologen, die sich darüber nicht wirklich Gedanken gemacht haben und das nicht erkennen würden.
Was mich an der Pressemeldung erstmal so extrem gestört hat (und was mich zu dem Titel fast schon gezwungen hat) ist die große Naivität, mit der da offensichtlich widersprüchliche Dinge über Vorgänge an der DNA erzählt wird, die eigentlich Schulstoff sind (eine simple Definition eines Gens, wie werden aus Geninformationen Proteine, etc.).
Dass dann auch noch die alte Leier mit der junk DNA aufgewärmt wird, hat dem Ganzen dann die Krönung aufgesetzt. Und das Thema kommt für meinen Geschmack leider viel zu oft in den Medien. Darüber wollte ich eh schon länger mal nen Post schreiben, und der Text war jetzt halt die Vorlage dazu.
Davon abgesehen halte ich die zweite Hälfte der Pressemeldung wie gesagt für soweit richtig und auch fachlich korrekt. Das ist dann aber eher schon Medizin, und anwesende Ärzte dürfen mich gern eines Besseren belehren ;-)