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31.01.09 · 21:00 Uhr
Prokop vs Veronica Carstens - wer kennt die ganze Geschichte ?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 23
Erst war ich ganz angetan von der Wochenendausgabe des Kölner Stadtanzeigers.
Bis ich auf diese unkritische Lobhudelei der Autorin Miriam Betancourt über Homöopathie allgemein und Veronica Carstens im speziellen stieß: "First Lady der Homöopathie".
Vorneweg mal ein Statement. Ich bin mehr als willig zu akzeptieren, dass der Placeboeffekt seine Berechtigung hat z.B. bei chronischen Schmerzen und als Seelentröster. Ich denke aber nicht, dass Homöopathie ein Monopol darauf hat. Nichts anderes ist Homöopathie. Ein Placebo.
Mir reicht es bereits aus, dass es absolut unlogisch ist, zu behaupten, dass sich Wasser selektiv an Opium oder Arsen oder meinetwegen auch an Hundekot erinnert, aber nur wenn man ihm gut zuredet oder sonst einen magischen Bohei drum veranstaltet. Warum erinnert sich das Wasser in meinem Wasserhahn nicht an die Substanzen, mit denen es vorher in Berührung gekommen ist? Warum funktionieren dann Klärwerke? Nach der "Logik" der Homöopathie sollte das Wasser noch dreckiger werden, wenn es geklärt wird.
Homöopathie widerspricht so ziemlich allem, was wir über Atome und Moleküle und ja auch über Quantenphysik wissen.
Und nein, es ist nicht dogmatisch nicht auf alles anzuspringen, woran Leute glauben. Ich verwende lieber Ockhams Rasiermesser und verwerfe die phantastischen und widersprüchlichen Erklärungen, solange mir nicht ein wirklich guter überzeugender objektiver Beleg unterkommt, der durch nichts anderes erklärt werden kann.
Stattdessen versprechen das mit dem wissenschaftlichen Nachweis die Homöopathen jetzt schon seit 200 Jahren. Komisch, oder? (Für eine umfassende medizinisch-wissenschaftliche Behandlung zum Thema empfehle ich den Blog "Sciencebased Medicine" )
Zurück zum Artikel: Auch Kritiker wurden erwähnt im speziellen Otto Prokop. In dem Artikel heißt es:
Die Menschen lieben sie für ihr Engagement, vom medizinischen Establishment kommt ihr teilweise blanker Hass entgegen - etwa in der Anfang der 1990er Jahre live ausgestrahlten ARD-Talkshow „Veranda". Der damals schon emeritierte Professor der Berliner Charité galt als schlimmster Gegner der Alternativmedizin", erinnert sich Henning Albrecht, Geschäftsführer der Stiftung: „Es folgte eine Litanei von Schmähungen, die unsere Gründerin mit wissenschaftlichen Erkenntnissen konterte, die die damals schon - wenn auch wenigen - Studien gezeigt hatten." Der Funke im Pulverfass müsse das Buch über Grundlagenforschung in der Homöopathie gewesen sein, dass Carstens in die Kamera hielt. Albrecht: „Daraufhin explodierte Prokop, sprang auf und wollte seine Debatten-Gegnerin ohrfeigen. Sie antwortete jedoch ganz ruhig: 'Schlagen Sie nur zu!' Dazu kam es aber nicht, da sich der Moderator dazwischen stellte. Für uns war es ein großer Erfolg, denn die Stiftung bekam daraufhin viele neue Unterstützer."
Herr Prokop verstarb am 20.Januar 2009 sonst hätte ich versucht, ihm eine Email zu schreiben. Ich habe derzeit auch wenig Zeit, aber vielleicht kennt jemand zufälligerweise die fragliche Sendung und kann was zu sagen?
Prokop wird als streitbar bezeichnet, aber wollte er wirklich Frau Carstens vor laufender Kamera schlagen? Ist es ein Zufall, dass nur wenige Tage nach Prokops Tod diese Behauptung in einer deutschen Tageszeitung aufgestellt wird?
Schon die Behauptung "mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die angeblich "damals schon" vorlagen, ist zweifelhaft.
Das hier hat die ZDF aus ihrer Mediathek entfernt und sah sich "gezwungen" einen Kommentar abzugeben:
"Es wird darauf hingewiesen, dass bei den gezeigten Therapien das Hauptproblem der fehlende naturwissenschaftliche Nachweis ihrer Wirksamkeit sei, gleichwohl aber nicht bestritten werde, dass es dennoch zu Heilerfolgen nach einer Alternativtherapie kommen könne."
*Verächtlich schnaub*Wissenschaftliche Erkenntnisse, die vor Gericht ausgehandelt werden müssen, oder was?
Selbst Anhänger geben zu, dass das mit den "wissenschaftlichen Erkenntnissen" nicht so einfach ist:
Die Wirksamkeit etwa von homöopathischen Mitteln lässt sich bislang nur schwer nach den strengen Kriterien beurteilen, die bei klassischen Therapien üblich sind. (Quelle)
Darüber berichtete letztes Jahr Christian von "Frischer Wind" im Rahmen der Einrichtung einer Homöopathie-Professur an der Berliner Charite, gestiftet von der Karl- und Veronica-Carstens-Stiftung.
Na, so weit her kann es mit den "wissenschaftlichen Erkenntnissen" jedenfalls damals nicht gewesen sein, wenn sie sogar heute 10 Jahre nach dem angeblichen Eklat damit Schwierigkeiten haben.
Die einzigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die ich den letzten Jahre zu dem Thema gestoßen sind, lassen sich wie folgt zusammen fassen:
Methodisch schwache Studien finden ab und an einen Effekt, der oft noch nicht mal besonders groß ist und der mit schöner Regelmäßigkeit bei genauerem Hinsehen und besseren Studien verschwindet. Und wenn mal eine gute Studie was findet, lässt es sich nicht reproduzieren. Das wäre normalerweise der Tod einer jedes wissenschaftlichen Hypothese -sofern sie nicht ideologisch aufgeladen ist und deswegen genügend Anhänger hat, die ein "Nein" nicht akzeptieren.
Homöopathen versuchen stattdessen, eine Art "Parallel"-Wissenschaft zu etablieren, in der es nur eine Regel zu geben scheint: "Homöopathie wirkt". Denn wenn die Studien das nicht zeigen, dann ist halt die Methodik falsch und dann ändert man die Regeln des Spiels. Nur diesem Zweck dienen Homöopathie-Professuren und eigene "Fachzeitschriften". Keinesfalls darf angezweifelt werden, dass bereits die Arbeitshypothese "Homöopathie ist kein Placebo" falsch sein könnte. Weil einfach nicht sein kann, was nicht sein darf.
P.S.: Mein Blog ist trollfreie Zone. Seid also nett. Wer anfängt rumzupöbeln, fliegt nach einer Verwarnung raus. Ad-hominems sind nicht gerne gesehen.
Ach, und jeder Diskutant ist gut beraten, sich den "Skeptics Guide to the Universe" zu Herzen zu nehmen.
Ich bin gespannt, was ich mir da wieder aufhalse ;-)
Autor: Ludmila Carone· 23 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (23)
Meinen Dank halst Du Dir auf, Ludmila.
Klasse!
Ich erlaube mir doch ein ad-hominem, allerdings nicht argumentum, sondern laudatio: besten Dank für den link zu dem 50/51facts-Artikelpaar via sciencebasedmedicine. Für die praktische Anwendung warte ich noch auf das vor dem Wochenende bestellte Buch :-)
rolak: Super Link, hab mir das Buch auch direkt bestellt :)
Das Thema hatten wir doch gerade ;-). Hasserfüllte Schaumvormmundler, jetzt wollten die also auch noch Frauen schlagen, weil ihnen die Sachargumente ausgehen.
Hier ist noch so ein bezeichnender Jammerartikel über Prokop, Oelpe und alle dogmatischen Uri-Geller-Nichtanerkenner *Taschentuchrummreich* http://www.wegbegleiter.ch/wegbeg/paragegn.htm
roka: Nettes Buch, etwas dröge zu lesen, aber viele schöne historische Beispiele. Die Antwort, wenn man den Titel als Frage interpretiert, habe ich für mich nach dem Lesen jedoch mit "gar nicht" beantwortet. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass zwischen den Zeilen steht, dass man selbst zum Fundamentalisten werden muß - und bisher ist mir kein Sturrkopf begegnet, für den es wert wäre, diese Transformation zu tätigen.
@Florian W.: Ich bin misstrauisch, ob Prokop wirklich derart ausgerastet ist und wenn, was der Anlass dazu war. Ich will also wirklich wissen, ob jemand die fragliche Sendung gesehen hat und was dazu sagen kann.
Ansonsten finde ich es absolut nicht fundamentalistisch nicht auf alles anzuspringen, was Leute so glauben. Und es ist mehr als unfair alle Kritiker - hier insbesondere den inzwischen verstorbenen Otto Prokop - als hasspeiende Monster zu verunglimpfen. Während sie sich selbst als die kleinen sanften Lämmchen der Wissenschaftlichkeit verpflichtet hinstellen. Gerade die Geschichte mit Bublath zeigt doch, dass die Homöopathen bei wissenschaftlich fundierter Kritik gerne mal die Keule der Gerichtsbarkeit zücken und letztendlich im Nachhinein vesucht wird, sogar Zensur zu üben.
Mir geht es nur darum dieses schiefe Bild - wir gegen das medizinische Establishment - gerade zu rücken. Was ist daran fundamentalistisch?
@Ludmila: Florian W. hat eine kleine Rezension des von rolak verlinkten Buches gegeben. Die ist in den knappen Zeilen recht treffend ausgfefallen, das Büchlein ist allemal eine Empfehlung wert...und um den Bogen mehr Richtung Topic zu schlagen: Ihre Artikel übrigens auch :).
@FlorianW: das mit dem »dröge« ist mir beim ersten reinschnuppern via GoogleBooks auch schon aufgefallen. Ist aber immer noch besser als ein Werk á la 'gar nicht', 'vorsichtig' oder 'Librium!' - obwohl ich mir jederzeit herausnehme, eine Diskussion, die keine ist, auch einseitig zu beenden.
Es geht ja nicht um Missionsarbeit - wenn jmd erst mal fest genug im Glauben ist, wird er für rationale Argumente nicht mehr zugänglich sein. Unabhängig davon sind die beschriebenen brachialen Methoden der 'anderen' Seite ohne Ausnahme zu verurteilen.
Ob es erfolgreich sein wird oder nicht, sei dahingestellt, aber ich habe mal bei der ARD wg eines Mitschnittes dieser Sendung angefragt (trotz der erfahrungsgemäß gesalzenen Preise). Falls was kommt, sag ich Bescheid.
@rolak: Hmm, daran hab ich gar nicht gedacht. Mist, ich denke schon viel zu digital.
Wie wär denn folgender Vorschlag: Ich übernehme die Kosten - wenn was kommt - und Du verfasst im Gegenzug einen Gastbeitrag hier?
Was meint Ihr dazu?
Huh, jetzt werden wir ja richtig investigativ hier ;-)
@Roka: Vielen Dank, dass Du meinen Beitrag als Kritik zum Buch aufgefasst hast.
In einem Buch über Verkaufstechniken gab es mal den Hinweis, dass es für einen Verkäufer 3 Varianten gibt, wie ein Gespräch verlaufen kann:
1.) Der Kunde kauft (ideal, aber eher selten)
2.) Der Kunde hört sich deine Argumentation an, ist aber nicht bereit zu kaufen.
3.) Du hast dich so daneben benommen, dass der Kunde nie wieder mit dir reden will (schlecht).
Der Verkäufer hofft nun, dass wenn der Kunde mit seinen bisherigen Besitztümern irgendwann unzufrieden ist, sich deiner erinnert und dann zuschlägt.
Warum schreibe ich das? Ausserhalb einer Lehrer/Schüler-Situation, gilt dies nicht nur für das Verkaufen von Produkten sondern auch für Meinungen. Bevor jemand sich überzeugen läßt, muss er Zweifel haben; da er sonst auch bei guter Argumentation seine Meinung nicht ändern wird. Jedoch sollte man nicht den Eindruck hinterlassen, dass man sowieso alles besser weis, da der Zuhörer schon allein aus trotz bei seiner Haltung bleiben wird.
Ansonsten gibt es auch Techniken, eine treue Anhängerschaft weiter zu binden. Rufmord ist dabei effektiv, da auch ein Dementi hilft, den Rufmord weiter zu verbreiten.
@Florian W.: Das heißt also ich hab Deinen Kommentar missverstanden. Sorry!
Hmm, Du hast schon Recht. Indem ich hier vom Rufmord berichte, verbreite ich den weiter. Wenn man allerdings nicht drauf eingeht, erweckt man den Eindruck, dass da was dran ist.
Und was ist dann die adäquate Vorgehensweise? Ignorieren und hoffen, dass sich das von selbst totläuft.
Das Problem mit den Zweifeln wecken, sehe ich darin, dass viele Leute, die bestimmte komische Positionen vertreten, aus ihrer Sicht heraus, keinerlei Zweifel hegen. Man merkt schon: "Sie alleine wissen, wie der Hase läuft und alle anderen sind doof oder fehlgeleitet." Oft kommt eine ganz und gar unangebrachte Arroganz den anderen gegenüber zum Ausdruck.
Dann kann man die Unterhaltung eigentlich abbrechen, es sei denn - wie hier auf den Scienceblogs - es gibt Zuhörer/Zuschauer, die sich das mitansehen und die nicht so festgelegt sind. Dann kann auch eine weitere Diskussion sinnvoll sein. Sofern die ad hominem nicht so tief schwirren, dass man schon extrem aufpassen muss, um nicht davon getroffen zu werden ;-)
Ich kann mich an einen solchen Vorfall damals nicht erinnern. Allerdings kann ich mich auch nicht an eine Sendung "Veranda" erinnern. Aber WENN das so vorgefallen wäre, hätte das doch entsprechenes Medienrauschen verursacht. Bild: "Schmuddel-TV: Leichendoktor verprügelt Präsidentengattin" oder so. Auf solche Auseinandersetzungen stürzen sich doch die Boulevarmedien mit Lust.
Vielleicht kann Dir aber der Medienjournalist und Extrem-Blogger (4 Blogs) www.stefan-niggemeier.de weiterhelfen. Der ist auch MItautor eines Fernsehlexikons, in dem es auch einen Eintrag zu der Sendung "Veranda" gibt, wie man hier http://www.fernsehlexikon.de/archiv/liste/page/3/ sehen kann. Wenn es diese Szene gegeben haben sollte, steht das bestimmt in dem Artikel. Nur leider steht der Eintrag nur in der gedruckten Ausgabe. Aber Ihr habt doch in Köln sicher eine gut bestückte Stadtbücherei...
Ansonsten könntest Du auch mal versuchen, von Bloggerin zu Blogger den Herrn Niggemeier anzumailen. Der ist wirklich eine Koryphäe, was Fernsehen betrifft.
"Veranda" lief 1991 in der ARD. Sehr viele Sendungen scheint es nicht gegeben zu haben. Moderator war immerhin Dagobert Lindlau. http://www.fernsehserien.de/index.php?suche=veranda
Oder wende Dich gleich direkt an Dagobert Lindlau: http://www.dagobert-lindlau.com/
Die Lobhudelei kommt sicher nicht von ungefähr.
http://www.uni-duisburg-essen.de/naturheilkunde/de/publikationen/spende.php
http://www.xing.com/profile/Miriam_Betancourt
Als unbedarfter Leser würde ich hier auf einen gediegenen PR Artikel unter dem Mäntelchen der Information tippen.
..da hab ich mich doch lieber erst mal an den Mitschnittservice des BR gewandt. Wenn das nicht weiterhilft, kann man nur noch auf die eher unwahrscheinliche Aufnahme im (weiten) Bekanntenkreis hoffen. Die Recherche bzgl alter Fernsehserien ist für mich ein nicht gerade neues Thema :-)
@Ludmilla: Erwischt, ich betreibe keine Blog und kann daher die Erwartungen der Mitleser nicht einschätzen. Auf der anderen Seite, wenn ich im Bekanntenkreis keine Menschen hätte, die freiwillig Astro-Tv gucken und auch sonst recht merkwürdige Theorien vertreten, hätte ich niemals die Erfahrung gemacht, wie wenig argumentieren bringt. Zu Anfangs staunt man dann, warum andere Bekannte nichts gesagt haben und man nur Schweigen erntet - und nach einiger Zeit schweigt man dann auch, weil man erkannt hat, dass allein schon der Versuch im besten Fall nur Nerven kostet.
In diesem Sinne, alles Gute für den Kampf und möge viele auch auf dieser Site landen - und nicht auf denen der "Konkurrenz"!
Gestern war ich in der Bücherei. Habe im Fernsehlexikon den Eintrag über "Veranda" gelesen. Keine Hinweise auf irgendwelche besonderen Vorkommnisse. Da das Fernsehlexikon mir sehr gut recherchiert zu sein scheint, kann man wohl annehmen, daß es da bei weitem nicht so hoch hergegangen sein kann wie in dem KStA-Artikel beschrieben. Interessiert Dich das überhaupt noch?
@Bartleby: Ja tut es. Ich bin nur gerade auf der Arbeit so sehr angespannt, dass ich da gerade nicht hinterherrecherchieren kann.
Ist auch schon bestellt - mit angekündigten 2-4 Wochen Kopier+Lieferzeit. Dann darf geschaut werden :-)
Die Behauptung, Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Otto Prokop (Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin der Berliner Charité von 1957-1987) habe Frau Dr. Carstens ohrfeigen wollen, ist eine infame Lüge. Auf die auf Prokop zielende Unterstellung von Frau Carstens hin "In der DDR haben Sie die Homöopathie ausgelöscht" , forderte Prokop die "Naturärztin" lediglich auf, von derartig falschen Behauptungen Abstand zu nehmen, "sonst schlage ich dagegen". Gemeint war natürlich ein argumentativer Gegenschlag. Jeder, der Otto Prokop kannte, weiß um die Absurdität dieser unverschämten, ehrabschneiderischen Behauptung. Wer wie ich die Sendung am 6. Februar 1991 gesehen hat, weiß es ohnehin.
Anmerkung: Frau Dr. med. Veronica Carstens, die sich im Hinblick auf naturwissenschaftliche Kenntnisse immer wieder als völlig unterbelichtet outete, kam in erster Linie deswegen in den Genuss öffentlicher Aufmerksamkeit, weil sie die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten war. Ganz im Gegensatz zu V. Carstens war Prokop Wissenschaftler und die dazugehörenden Tugenden Skepsis und Wahrhaftigkeit waren ihm zutiefst zueigen. Gegen O. Prokop sind wiederholt Unwahrheiten verbreitet worden. In der besagten Sendung wurde auch behauptet, Prokop sei für die Vertreibung eines homöopathischen Arztes verantwortlich gewesen. Dieser habe nach Rumänien flüchten müssen. Solche Unverschämtheiten kamen damals wie heute gut an. Die Homöopathie war in der DDR nie verboten, zumal sie doch im "Bruderland" Sowjetunion in größter Blüte stand. Die Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen. Im Gegenteil, der Absatz homöopathischer Mittel in der DDR war ausgesprochen groß. Es wurde auch die falsche Behauptung aufgestellt, Prokop habe durch seinen Einfluss bis 1988 die Zulassung der Akupunktur verhindert. Richtig ist vielmehr, dass die Akupunktur an der Akademie für Ärztliche Fortbildung sogar unterrichtet wurde. Diese war in Ostberlin und es gab einen Anfängerlehrgang und einen für Fortgeschrittene. Dass es sich bei der Akupunktur um eine wissenschaftlich begründete Methode handelt, hat Prokop freilich bestritten.
Rolak: Was ist denn jetzt aus dem bestellten Video geworden? Hier liest man jedenfalls nichts mehr. Ich verweise auf meinen Kommentar vom 26.02.2009: Die Ehrabschneider und Verleumder wissen genau, dass dem nichts entgegen zu halten ist.
Im übrigen gratuliere ich dem deutschen und internationalen Wissenschaftsbetrieb: Masterstudiengang Homöopathie an der Uni Magdeburg, Handystrahlen gegen Alzheimer, usw. usw. Dass die Unis auch mit brauchbar dummem Nachwuchs versorgt werden können, dafür sorgen die landauf, landab von blindem Aktivismus getriebenen Schulreformen. Gute Nacht!
@Dr. Andreas Kämmerer: Ich habe das Video von Rolak erhalten. Jetzt stellen Sie sich aber mal folgendes vor: Ich habe einen Job und der besteht nicht darin zu bloggen. Und mein Hauptberuf nimmt mich nun mal stark in Anspruch, so dass ich bislang schlicht und ergreifend nicht dazu gekommen bin. Das ist zwar dumm, ich kann es aber derzeit nicht ändern.