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08.10.08 · 18:09 Uhr
Kraterstrahlen auf dem Merkur
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Neben der Nobelpreisverleihung geht so ziemlich alles andere etwas unter. Oder? Am 6. Oktober ist Messenger zum zweiten Male am innersten Planeten Merkur vorbeigeflogen. Und wieder wurden ein paar weiße Flecken von der Landkarte getilgt.
![]()
Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington
Heiß, oder?
Die langen vertikalen Strahlen rühren übrigens von einem relativ frischen Einschlagskrater im Norden her. Im unteren Bildabschnitt sieht man zwei weitere Krater mit Strahlen. Diese Strahlen bestehen aus Auswurfmaterial, das auf ballistischen Bahnen wieder zurück zu Boden fiel. Merkur ist ein recht kleiner Planet und daher ist auch die Gravitation geringer (etwa 2,6 mal geringere Schwerebeschleunigung an der Oberfläche als auf der Erde). Dennoch erstaunt es mich, wie weit diese Ejecta geflogen sind. Die Strahlen des Einschlagpunktes auf der Nordhemisphäre laufen fast bis hinunter zu einem Punkt auf der gegenüberliegenden Seite des Planeten zusammen.
Im Grunde erzeugt jeder Krater auf dem Merkur und auch auf dem Mond solche Auswurfstrahlen. Diese werden aber im Laufe der Zeit verwittert - vom Sonnenwind. Wir befinden uns hier ja praktisch im Vorhof der Sonne und Partikeleinschläge (Elektronen, Protonen und zu einem geringeren Teil Heliumkerne) verwischen über Milliarden von Jahren diese Spuren. Daher können wir sagen, dass diese Einschläge relativ jung sind.
Fragt mich bitte nicht, was hier "jung" bedeutet. Ich hab jetzt auf die Schnelle einige Paper durchgeschaut und finde keine Zahlenangaben. Die einzige Zahl, die ich mir traue dazu verlässlich abzugeben, wäre: Jünger als 3,8 Milliarden Jahre. So alt und älter sind nämlich die "alten" Krater.
Na, wenn die erste Publikation in ein paar Monaten dazu rauskommt, weiß ich vermutlich mehr.
Autor: Ludmila Carone· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Hmmm. Wir kennen doch ungefähr die Trefferhäufigkeit (sonst könnten wir das Alter von Oberflächenmerkmalen nicht über Kratercounts bestimmen). Können wir dann nicht einfach die Anzahl der Krater mit sichtbaren Ejekta zu den verwitterten Kratern in Relation setzen und daraus ungefähr bestimmen, wie lang sich diese Streifen an der Oberfläche halten?
@Fischer: Mit dieser Kraterzählung kann man grundsätzlich gut das Alter der Kraterregion einschätzen. Ja.
Unabhängig davon kann man die Streifenerosion durch den Sonnenwind auch berechnen.