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Ludmila Carone ist Planetologin an der Universität zu Köln in der Abteilung Planetenforschung des Rheinischen Instituts für Umweltforschung.
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29.05.08 · 15:01 Uhr
Die Auswirkungen der Marszeit auf die menschliche Uhr
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Schichten im Raumfahrtgeschäft sind etwas seltsam. Man richtet sich schließlich nicht nach dem Lauf der Sonne, sondern danach wann die Bedingungen für die Sonde am günstigsten sind.
Ich saß schon mal wochenlang von 24 Uhr - 6 Uhr morgens an einem Kontrollmonitor am Satellitenkontrollmonitor ESOC in Darmstadt und bin danach müde in meine Hotelbett getorkelt. Die Reinigungskraft, die eines Tages um 10 Uhr trotz "Bitte nicht stören"-Schild mit dröhnendem Staubsauger ins Zimmer kam, hätte ich am liebsten erwürgen können.
Aber andererseits, hey, wer hat schon die Gelegenheit dazu, Teil daran zu haben, dass ein Millionen Kilometer entferntes Experiment funktioniert. Da nimmt man auch in Kauf, dass die innere Uhr aus dem Gleichgewicht gerät und gibt Urinproben ab ;-)
Also, ich persönlich wurde bisher noch nach keiner Urinprobe gefragt, aber die Wissenschaftler, die gerade die Mars-Sonde Phoenix steuern, wurden um Proben gebeten, wie das Natureblog berichtet. Dort werden Tag- und Nachtschichten gefahren. Allerdings richtet man sich da nach dem Marstag und nicht nach dem Erdtag. Zufälligerweise ist der Marstag nur 40 Minuten länger. Damit sind die Tag- und Nachtschichten fast im Einklang mit unserem Tag-/Nachtwechsel. Aber eben nur fast. Die 40-Minuten-Differenz führt dazu, dass am ersten Tag die Schicht sagen wir um 20 Uhr beginnt. Am nächsten Tag ist es 20 Uhr 40, am übernächsten schon 21 Uhr 20 usw.
Die Wissenschaftler setzen sich damit praktisch einem Dauerjetlag aus, welche die innere Uhr früher oder später ganz schön aus dem Gleichgewicht bringt. Anfangs ist soviel Adrenalin im Blut, dass man es kaum mitkriegt. Aber irgendwann wird auch die spannendste Arbeit zur Routine und man hängt in den Seilen.
Die Phoenix-Wissenschaftler kommen daher in den "Genuss" einer besonderen Behandlung: Sie werden zu bestimmten Zeiten mit blauem Licht angestrahlt, das die Ausschüttung von Melatonin auslösen und die Effekte des Jetlags mindern soll. Außerdem tragen sie einen Licht- und Bewegungssensor, damit der Schlaf überprüft werden kann; sie müssen alle 20 Minuten vier Stunden Urin abgeben und werden je zu Beginn und am Ende einer Schicht einem Wahrnehmungstest unterzogen.
Alles im Dienste nicht nur der planetaren Wissenschaft, sondern auch der medizinischen.
Autor: Ludmila Carone· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Alle 20 Minuten ne Urinprobe?
Kein Wunder, dass der Körper unter Stressbedingungen leidet
:)
mh ... im verlinkten Artikel steht
> Every four hours, the scientists are expected to collect some urine.
hört sich schon besser an
@van und isnochys: Ok, da hab ich mich vertan. Keine Ahnung wie ich auf 20 Minuten kam. Hätte mir aber auffallen müssen, dass 20 Minuten Abstände zwischen den einzelnen Proben etwas arg wenig ist. Danke!