Blog durchsuchen
Profil
Ludmila Carone ist Planetologin an der Universität zu Köln in der Abteilung Planetenforschung des Rheinischen Instituts für Umweltforschung.
Letzte Einträge
- Die Geschichte des Universums als Daumenkino5 Kommentare· 19.03.10
- CoRoT-9b: "Moderater" Gasriese mit Transit17 Kommentare· 18.03.10
- Fly me
to the moonover Mars6 Kommentare· 12.03.10 - Phobos Flyby: Die ersten Gravitationsdaten5 Kommentare· 09.03.10
- BVG an CERN-Hysteriker: Erzählt nicht so'n Stuss!9 Kommentare· 09.03.10
Kommentare
Blogroll
Deutsche Wissenschaftsblogs- Fischblog - Naturwissenschaft und mehr
- Wissenswerkstatt
- Evil under the Sun
- Begrenzte Wissenschaft
- Klimakrise
- Kosmologs
- ScienceBlogs.de
- ScienceBlogs.com
- Holiday Junction
- Chemiestudent Online
- Esowatchblog
- Bad Astronomy Blog
- Bad Science
- Built on Facts
- Planetary Society Weblog
- Real climate
- Cosmic Variance
- Pharyngula
- Overcoming Bias
- Modern Mechanix
- Backreaction
- Denialism Blog
- Built on Facts
- Not exactly rocket science
- Cosmos 4 U
- Cocktail Party Physics
- Cognitive Daily
- Female Science Professor
- Not Exactly Rocket Science
- On Becoming a Domestic and Laboratory Goddess
- Sciencebased medicine
Kategorien
Archiv
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Frühere Beiträge
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
15.02.08 · 17:15 Uhr
Der Fahrradhelm und seltsame Diskussionen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Umwelt
Der bloggende Bestatter schrieb letztens, dass die meisten Fahrradfahrer, die bei ihm landen, durch Kopfverletzungen starben. Darüber entbrannte in den Kommentaren eine Diskussion über das grundsätzliche Für und Wider von Fahrradhelmen.
"Was gibt es da eigentlich zu diskutieren ?", dachte ich zunächst bei mir.
Gegen den Fahrradhelm spricht, dass er ein wenig bescheuert aussieht und vielleicht etwas umständlich durch die Gegend zu tragen ist. Für den Fahrradhelm spricht, dass er vor schweren Kopfverletzungen schützt und daher im Zweifelsfall Leben und Gesundheit rettet. Dann ist das Ganze also eher eine Frage der persönlichen Bequemlichkeit bzw. Eitelkeit, oder?
Denkste! Einige Kommentatoren stilisierten ihr Recht auf Helmfreiheit zu einem Grundrecht. Nach dem Motto: Also wenn wir jetzt schon so anfangen, dann dürfen wir gar nichts mehr. Alles im Leben ist irgendwie gefährlich.
Natürlich ist das Leben an sich gefährlich, aber alles im Leben ist in unterschiedlichem Maß gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich an einem Brotmesser lebensgefährlich verletzt, ist z.B. recht gering. Daher verbietet keiner Brotmesser. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass ein Fahrradfahrer von einem Autofahrer angefahren wird und dabei mit dem Kopf auf dem Auto/Bürgersteig/Straße aufschlägt, halte ich alleine deswegen für relativ hoch, weil ich selbst bereits mehrfach auf meinem Rad fast umgefahren worden wäre und weil meinem Mann nach einem leichten Unfall eine Platzwunde am Kopf genäht werden musste. Passend dazu las ich vorgestern in der Zeitung von zwei Unfällen mit Fahrradfahrern. Dreimal dürft Ihr jetzt raten, welche Verletzungen sie davontrugen. In beiden Fällen: Kopfverletzungen. Also, wenn das schon mir persönlich passiert und ich ab und dann davon lese, dann achte ich doch darauf und trage diesen verdammten Helm. Mag zwar bescheuert aussehen, aber mein Mann sah mit blutüberströmten Kopf noch viel bescheuerter aus.
Außerdem halte ich das bisschen Kunststoff auf meinem Kopf nicht für eine großartige Einschränkung meiner Grundrechte. Abgesehen davon habe ich noch nie von einem Recht auf Selbstverletzung gehört. Wir sagen schließlich auch nicht einem Selbstmörder, der auf dem Brückengeländer steht: Mach schon! Das ist Dein gutes Recht! Warum mahnen wir zudem allenthalben, dass gerade junge Menschen beim Sex ein Kondom benutzen sollten? Dass sie nicht zu schnell fahren und nicht zuviel Alkohol trinken sollten?
Die Debatte um die Sterbehilfe zeigt, wie schwierig das Thema "Selbstbestimmung über das eigene Leben" ist und dieses Argument hier in Zusammenhang mit einem Fahrradhelm heranzuziehen, ist einfach nur grotesk übertrieben. Im Übrigen werden diese Leute in letzter Konsequenz, wenn sie denn wirklich in einen Unfall verwickelt werden sollten, wohl kaum an einer Kopfverletzung sterben wollen. Sie werden zu Recht darauf bestehen, dass die Allgemeinheit alles tut, um ihr Leben zu retten und die Gesundheit zu erhalten.
Im Laufe der Diskussion kam außerdem ein anderes Argument der Fahrradhelm-Hasser: Die Wirksamkeit von Fahrradhelmen sei wissenschaftlich nicht erwiesen. Oder Studien aus Australien haben erwiesen...
Super! Wissenschaft als Totschlagargument alá "die Wissenschaft hat erwiesen, dass.."
Merke! Ohne Angaben von Quellen ist diese Behauptung wertlos. Außerdem kommt es auf die Art der Quelle an. Leider werden oft Studien in den Medien völlig falsch wiedergegeben. Bei kontroversen Themen lohnt es sich daher auf die Originalstudie zurückzugreifen und auch mehrere Studien zu vergleichen.
Aber ich wäre nicht Wissenschaftler, wenn ich diese Behauptung nicht überprüfen würde.
Wir verwenden Google Scholar und geben in die Suchmaske ein: bicycle und helmet und erhalten diese Seite.
Komisch, ich sehe auf den ersten Blick einige Studien, die sich damit beschäftigen und alle Studien auf der ersten Seite kommen zu dem selben Schluss: Fahrradhelme vermeiden Kopfverletzungen.
So weit, so klar. Auf der zweiten Seite der Suchergebnisse bin ich dann aber über eine Studie gestolpert, die mich dann sehr stutzig machte (1):
Ich vermute mal, das ist genau die australische Studie, auf die sich einer der Kommentatoren bezog. Hier hat die Autorin die Folgen der landesweiten Helmpflicht für Fahrradfahrer in Australien bewertet.
Auch sie bestreitet nicht, dass bei einem Unfall unbehelmte Fahrradfahrer gegenüber denen mit Fahrradhelmen im Nachteil sind. Wenn es kracht, dann ist es besser einen Helm aufzuhaben. Insofern ist die Behauptung, dass Fahrradhelme keinen lebensrettenden Einfluss haben, schlicht und ergreifend nicht wahr. Auch diese Studie belegt nicht das Gegenteil.
Aber können wir davon ausgehen, dass Verkehrsteilnehmer, die keinen Helm tragen, in allen Belangen vergleichbar sind mit jenen die einen tragen? Und was passiert wirklich, wenn die Helmpflicht eingeführt wird?
Dummerweise ist bekannt, dass die Menschen im Allgemeinen sich alles andere als vernünftig verhalten. Sie neigen beispielsweise dazu, Sicherheitsmaßnahmen überzukompensieren. So fühlen sich Autofahrer durch Sicherheitsgurte und Airbags so gut geschützt, dass sie unverhältnismäßig riskant fahren und dadurch mehr Unfälle provozieren, als wenn sie ungesichert im Auto säßen. Darüber hatte ich schon mal was geschrieben. Im Endeffekt retten Sicherheitsgurte und Airbags aber immer noch mehr Leben - trotz dieses die eigene Sicherheit sabotierende Verhalten. Dennoch muss man jede Maßnahme daraufhin abklopfen.
Die australische Studie kommt zum Ergebnis, dass nach Einführung der Helmpflicht in den Bezirken New South Wales, Victoria und Melbourne 75% aller Fahrradfahrer einen Helm trugen und der Anteil der Kopfverletzungen im ersten Jahr um 13% abnahm. Aber es ist schwierig zu beurteilen, ob wirklich diese Maßnahme dafür verantwortlich war. Denn gleichzeitig wurden schärfere Maßnahmen wegen überhöhter Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer eingeführt, die wiederum insgesamt zu einer Verminderung schwerer Verletzungen z.B. auch bei Fußgängern führten. Einen Einfluss durch den Helm ist nach Meinung der Autorin eigentlich nicht erkennbar.
Allerdings hatte die Helmpflicht einen ganz anderen deutlich sichtbaren und unerwarteten Effekt und jetzt haltet Euch fest: Nach der Einführung hat die Anzahl der Fahrradfahrer an sich deutlich abgenommen. In Victoria z.B. fuhren im ersten Jahr 50% weniger Kinder im Alter zwischen 12 und 17 Rad als vorher. Bei den jüngeren Kindern veränderten sich die Zahlen nicht viel. Bei den Erwachsenen betrug der Rückgang 30 %.
Mit anderen Worten, bevor die Leute sich für 10-30 € einen Helm kauften und den anzogen, um sich im Fall der Fälle zu schützen, verweigerten viele lieber ganz das Fahrradfahren. Da deshalb weniger Fahrräder unterwegs sind, kann es sein, dass viele Autofahrer "vergessen" auf diese spezielle Gruppe vom Verkehrsteilnehmern zu achten, wodurch erst recht Unfälle provoziert werden.
Außerdem hat Fahrradfahren trotz aller Risiken immer noch viele Vorteile: Mehr Bewegung fördert die Fitness und senkt die Gesundheitskosten, außerdem werden Abgase und damit Umweltbelastungen eingespart. In den ersten Jahren nach der Einführung der Helmpflicht waren also die Auswirkungen insgesamt eher schädlich für den Staat.
Nach dem Lesen dieser Studie kann man eigentlich nur weinen, oder? Wie bescheuert sind die Menschen eigentlich?
Autor: Ludmila Carone· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Top5
- HAARP und die Politikwissenschaftlerin: Nachtrag zu den Verschwörungstheorien an der Uni InnsbruckAstrodicticum Simplex· 09.03.2010
- Irgendwo ist irgendwas Schwachsinniges passiertAstrodicticum Simplex· 15.03.2010
- 2012, Planet X, Chemtrails und die vielen ErdbebenAstrodicticum Simplex· 09.03.2010
- Haiti, HAARP und Frau von Werlhof: jetzt mischen sich auch die Kommunisten einAstrodicticum Simplex· 14.03.2010
- Die guten Chancen der Astrologen auf dem ArbeitsmarktAstrodicticum Simplex· 08.03.2010
Top5
- Ist die Theologie eine Wissenschaft?Arte-Fakten· 15.03.2010
- Irgendwo ist irgendwas Schwachsinniges passiertAstrodicticum Simplex· 15.03.2010
- Climate McCarthysmPrimaklima· 12.03.2010
- HAARP und die Politikwissenschaftlerin: Nachtrag zu den Verschwörungstheorien an der Uni InnsbruckAstrodicticum Simplex· 09.03.2010
- Die guten Chancen der Astrologen auf dem ArbeitsmarktAstrodicticum Simplex· 08.03.2010
ScienceBlogs.com
- Skloot Launches FAQ Blog Series Answering Reader Questions About The Immortal Life of Henrietta LacksAs some of you may have noticed things have been ...Culture Dish· 21.03.2010 · 17:45 Uhr
- If Atheists Ruled the WorldTaken word for word from online fundamentalist forums contains some ...The Primate Diaries· 21.03.2010 · 20:09 Uhr
- Mr. Penumbra's Twenty-Four-Hour Book StoreA little Sunday reading Mr Penumbra's Twenty-Four-Hour Book Store one ...bioephemera· 21.03.2010 · 15:09 Uhr
- Freethinker Sunday Sermonette: religious toleranceI'm still grant writing a couple of more weeks so ...Effect Measure· 21.03.2010 · 12:23 Uhr
- thar she blowsEyjafjallaj ouml kull erupted tonight Small so far we'll see ...Dynamics of Cats· 21.03.2010 · 05:55 Uhr


to the moonover Mars