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Michael Pusler ist Markt- und Medienforscher in leitender Funktion. Er beschäftigt sich primär mit grundlegenden Fragen zum Mediennutzungs- und Verbraucherverhalten sowie zur Markenführung von Medienmarken. Zunehmend spielen dabei auch neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften sowie der Sozialforschung eine wichtige Rolle.

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16.12.09 · 18:55 Uhr

Marktforschung bald ohne Internet?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien  ·  Kommentare: 1

paragrafenmännchen.jpg Der Düsseldorfer Kreis, das Gremium zur Beaufsichtigung des Datenschutzes im nicht-öffentlichen Bereich, zeigte auf seiner jüngsten Sitzung Ende November der Online-Marktforschung die Grenzen auf. Nutzungsprofile dürfen künftig nur noch bei Verwendung von Pseudonymen erstellt werden. IP-Adressen fallen explizit nicht darunter. Allerdings fehlt diesbezüglich eine einheitliche Rechtssprechung in Deutschland.

 

Wie der Marktforschungs-Informationsdienst CONTEXT in seiner jüngsten Ausgabe (15.12.2009) berichtet, muss der Nutzer bei Nutzung seiner IP Adresse bewusst einwilligen. Bei Nicht-Einwilligung ist die IP-Adresse so zu kürzen, daß eine Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen ist.


Dies - und weitere, sich daraus ergebende Restriktionen (z. B. zum Umgang mit Mail-Informationen) schränken vermutlich die Tätigkeit von Marktforschungsanbieter über das Internet in Zukunft deutlich ein. Nutzungsprofilierung zur Internetnutzung, wie es z. B. Google Analytics praktiziert, dürfte in der jetzigen Form künftig nicht mehr möglich sein. Zu fragen ist hier auch, ob die qualitative Güte repräsentativer Untersuchungen bzw. Befragungen, wie sie z. B. zu gesellschaftspolitischen Themen häufig und gerne gemacht werden, über das Internet künftig überhaupt einzulösen ist. Bei Untersuchungen zum Online-Nutzungsverhalten gilt nach Lage der Dinge: ein Online-Untersuchungsteilnehmer kann - und muss - künftig seine explizite Einwillung vor Untersuchungen zum Online-Nutzungsverhalten geben, was den Kreis der freiwilligen Teilnehmer vermutlich deutlich reduzieren wird. Letztlich bekommt man so dann auch nur Nutzungsinformationen von einzelnen, nicht aber von den verschiedensten Nutzertypen.

Als Verbraucher mag man den gestiegenen Datenschutz sehr begrüßen (viele lässt das wohl auch kalt), als Marktforscher stellt es definitiv eine Schwächung dar im Hinblick auf die zu erbringende Leistung, mit Forschung aus Stichproben einen ebenbürtiges Abbild einer (viel größeren) Grundgesamtheit darzustellen. Sicherlich finden sich immer Untersuchungswillige, die (gegen Geld) für Projekte aus dem Bereich der Sozialforschung zur Verfügung stehen. Nur steht zu befürchten, dass die großen Erwartungen an eine qualitativ gegenüber persönlich-mündlichen oder telefonischen Interviews gleichwertige Onlineforschung nicht mehr möglich sein wird.

Längst hat das Thema auch die internationale Bühne erreicht. Das EU-Parlament forderte kürzlich weltweite Standards für mehr Rechtssicherheit, was gerade im Zusammenhang mit eher standortunabhängiger Onlineforschung dringend geboten erscheint. All zu viel Kleingedrucktes in wirren Datenschutzerklärungen möchte man zudem keinem Onlinenutzer zumuten, der für Messungen z. B. zum Nutzungsverhalten zur Verfügung stehen soll.

Als Marktforscher will man auch nicht hoffen, das repräsentative Onlineforschung  - zumindest zur Untersuchung des Nutzungsverhaltens in diesem Medium wie - bald ohne das Internet stattfindet. 

 

 

 

Autor: Michael Pusler· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (1)

Kommentar-Direktlink ff· 21.12.09 · 09:29 Uhr

Als Marktforscher will man auch nicht hoffen, das repräsentative Onlineforschung - zumindest zur Untersuchung des Nutzungsverhaltens in diesem Medium wie - bald ohne das Internet stattfindet.
Die findet dann im Ausland statt. In D wird dann eben schlechter kooperiert. "Datenschutz" (ein schreckliches Wort, es kann nur um den Schutz von privaten Informationen gehen) richtet oft so viel Schaden an, dass der Nutzen in Frage gestellt ist.

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